Thüringer Landschaftsarchitekturpreis 2013

Gelungene Verbindung von Freiraumplanung und Architektur

1. Preis für die Freiflächen am Goethe- und Schiller-Archiv Weimar, stock landschaftsarchitekten, Jena. Foto: Wolfram Stock

2. Sonderpreis "PARK-PLATZ! – Gärten auf dem Rollplatz Weimar" Beispiele aus den Jahren 2004 bis 2012. Foto: Ihle Landschaftsarchitekten

Unter Vorsitz von Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Rohler, Landschaftsarchitekt aus Kassel, kürte das Preisgericht unter 23 für die Wertung zugelassenen Arbeiten vier Preisträger und sprach einen Sonderpreis aus. Der Thüringer Landschaftsarchitekturpreis 2013 geht jeweils an stock landschaftsarchitekten aus Jena für die Sanierung der Freiflächen des Goethe- und Schiller-Archivs in Weimar, an DANE Landschaftsarchitekten BDLA aus Weimar für das "Refugium" in Nermsdorf, an das Büro für Freiraumplanung Möbius aus Erfurt für das Gräberfeld auf dem Friedhof in Arnstadt sowie an IHLE Landschaftsarchitekten BDLA aus Weimar für Idee und Organisation der alle zwei Jahre stattfindenden Aktion "PARK-PLATZ! - Gärten auf dem Rollplatz Weimar". Die an diesem Projekt zwischen 2004 und 2012 beteiligten Landschaftsarchitekten, Absolventen und Studierenden sowie die Stadt Weimar erhielten zudem einen Sonderpreis. Das gab die Architektenkammer Thüringen anlässlich der feierlichen Verleihung Anfang Oktober 2013 auf Schloss Ettersburg bekannt.

Die Freiflächen des Goethe- und Schiller-Archivs in Weimar von stock landschaftsarchitekten überzeugten die Jury insbesondere "durch die gelungene Verbindung von Freiraumplanung und Architektur". Die landschaftsarchitektonischen Maßnahmen seien keine nachträgliche "Begrünung", sondern integrativer und wesentlicher Bestandteil der gesamten Umbaumaßnahme. "Im Rahmen der Sanierung einer denkmalgeschützten Anlage gelingt es, durch den sparsamen, aber gezielten Einsatz moderner Gestaltungsmittel die Maßnahme über eine reine Rekonstruktion hinauszuheben und im historischen Kontext einen zeitgemäßen landschaftsarchitektonischen Beitrag zu formulieren."

Beim "Refugium" von Nermsdorf, ein zu einem Wohnhaus mit Garten umgebauter Bauernhof (DANE Landschaftsarchitekten BDLA), würdigte das Preisgericht insbesondere die "Hinwendung zur Landschaft als mögliche Überlebensstrategie für die transformierten ländlichen Räume". Anstelle der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitgehend vollzogenen funktional-räumlichen Abkopplung und Loslösung der Dörfer von den agrarischen Produktionsflächen korrespondierten hier die überbliebenen dörflichen Baustrukturen wieder mit dem umliegenden Landschaftsraum. Der Beitrag zeige "eine hoffnungsvolle Perspektive auf eine mögliche neue Form der Kulturlandschaft" auf.

Dem Landschaftsarchitekten Steffen Möbius gelang es beim Gräberfeld für Urnenbeisetzungen auf dem Friedhof in Arnstadt laut Urteil der Jury, "aus einer dunklen, fast düster anmutenden, zugewachsenen Friedhofsanlage einen lichten landschaftlichen Parkraum" zu entwickeln. Der Friedhof sei ein Ort, "der eine Vielzahl aktueller gesellschaftlicher Veränderungen widerspiegelt, wie beispielsweise geringere Belegungszahlen aufgrund des demografischen Wandels, zunehmender Feuerbestattung mit einhergehendem geringeren Flächen- und Pflegebedarf und wachsenden Überhangflächen". Die präsentierte Lösung ermögliche Veränderungen des Bedarfes, aber auch wandelnde Nutzeransprüche qualitätsvoll aufzunehmen und dies bei moderaten Erstellungs-, Pflege- und Unterhaltungskosten.

Das Projekt "PARK-PLATZ! - Gärten auf dem Rollplatz Weimar" hat sich zu einer festen Institution für Weimar und die Landschaftsarchitektur in Thüringen etabliert. Alle zwei Jahre präsentieren sich 20 bis 25 LandschaftsarchitektInnen und Studierende sowie Absolventen der Fachrichtungen Architektur und Landschaftsarchitektur in fünf mal fünf Meter großen temporären Gärten. Für ein Wochenende wird der Rollplatz so vom Parkplatz zum phantasievollen Freiraum. Der Beitrag hat die Jury vor allem deshalb überzeugt, "weil er durch seine innovativen Ansätze die Nutzung städtischer Freiräume auf eine sympathische Weise diskutiert und gleichzeitig der Landschaftsarchitektur die Chance gibt, sich selbst zu erneuern und positiv in der Öffentlichkeit zu präsentieren". Das Preisgericht prämierte das Büro Ihle Landschaftsarchitekten BDLA als Ideengeber und Organisator mit dem Thüringer Landschaftsarchitekturpreis 2013. Aufgrund der besonderen Projektkonstellation wurden alle in den Jahren 2004 bis 2012 beteiligten Akteuren gemeinsam mit dem Sonderpreis des Thüringer Landschaftsarchitekturpreises 2013 ausgezeichnet. Mit Witz und ohne große Budgets gelingt es den Akteuren, temporäre Gärten in einen sozialen Raum zu verwandeln.

Der Thüringer Landschaftsarchitekturpreis 2013 wurde unter Schirmherrschaft des Thüringer Ministers für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz Jürgen Reinholz von der Architektenkammer Thüringen ausgelobt. Mit dem Preis werden bereits zum sechsten Mal in Folge beispielhafte Projekte und Konzepte auf dem Gebiet der Freiraum- sowie der Landschaftsplanung im Freistaat ausgezeichnet.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 11/2013 .

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