Gezielter Artenschutz durch Mischpflanzungen

Wildbienengerechte Pflanzplanung im urbanen Raum

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Spätestens seit der Krefeld-Studie (Hallmann et al. 2017) haben wir verstanden, dass wir dem Insektensterben etwas entgegensetzen müssen. Früher hat sich der Naturschutz vor allem den ruralen Ökosystemen und deren Erhaltung gewidmet. Doch zunehmend rücken die Städte in den Fokus der Ökologen und Artenschützer. Weltweit werden immer wieder seltene oder bedrohte Pflanzen und Tiere in Stadtgebieten entdeckt (Gentili et al. 2023). Das ist kaum verwunderlich, denn unsere Städte sind vielfältig und strukturreich. Städte bieten durchaus geeignete Habitate für viele Artengruppen, zum Beispiel Wildbienen.
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Abb. 1: Stadtnatur in Kritik: Insektenfreundliche Saatgutmischungen wie an diesem Kirchplatz im Landkreis Holzminden beinhalten häufig ein unspezifisches Angebot an Pollenquellen, sind nicht standortgerecht und verhalten sich hoch dynamisch ... Foto: Jessica Gabler
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Abb. 1 (Detail): ... In dieser Saatgutmischung dominieren im 2. Standjahr Leucanthemum vulgare und Silene dioica. Foto: Jessica Gabler

Das Flächenpotenzial ist dabei enorm. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung schätzt den Grünflächenanteil innerhalb von Siedlungs- und Verkehrsflächen in Gemeinden über 5000 Einwohner auf 7649 Quadratkilometer (Bundesinstitut für Bau-, Stadt– und Raumforschung 2022). Das entspricht ungefähr zwei Prozent der Gesamtfläche der BRD und gleichzeitig der Flächengröße der ausgewiesenen Naturschutzgebiete. Viel Platz also für "Stadtnatur". Doch gerade diese gerät allzu häufig in die Kritik. Zu wild, zu unordentlich, zu ungepflegt. . .

Die Idee: Gestaltung und Artenschutz vereinen

Das Bedürfnis, wissenschaftliche Erkenntnisse über die Beziehungen von Wildbienen zu ihren Pollenquellen in die Pflanzplanung einzubeziehen entstand durch die Erfahrung mit Saatgutmischungen für Bienen. Ich war unzufrieden. Der Gesamteindruck von homogenen, wiesenartigen und sehr dynamischen Flächen schien für prominente städtische Bereiche ungeeignet. Bereits im ersten Winter muss hier ein Schild erklären, dass diese Fläche eine "Bienenweide" ist und nicht einfach "vergessen" wurde.

Einen ganz anderen Eindruck haben die Mischpflanzungskonzepte des Bundes deutscher Staudengärtner (BdS) hinterlassen. Begleitet durch eine umfangreiche Sichtungsarbeit haben die Arbeitskreise Pflanzenverwendung und Sichtung in Zusammenarbeit mit Lehr- und Versuchsanstalten vorkonfektionierte Staudenmischungen für verschiedene Lebensbereiche zur Marktreife gebracht, die sich bewährt haben.

Diese Mischpflanzungen folgen dabei dem Aufbau nach Strukturtypen, wonach Stauden ihrer Funktion entsprechend in zugewiesenen Mengenanteilen verwendet werden (Borchardt 1998; Kircher et. al 2014; Heinrich & Messer 2012). So entsteht durch dominante Gerüstbildner, effektstarke Begleiter, kurzlebige Füllpflanzen, niedrige Bodendecker und einem zusätzlichen Layer aus Frühjahrsgeophyten eine naturalistische, aber strukturierte und ausdrucksstarke Pflanzung, die ganzjährig Akzente setzt.

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Abb. 2a: Die südfranzösische Garrigue bei Cournonterral mit Genista scorpius und Asphodelus cerasiferus als inspirierendes Leitbild für strukturierte Pflanzungen. Foto: Jessica Gabler
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Abb. 2b: Zielarten-Mischpflanzung mit Struktur. Der Gerüstbildner Salvia nemorosa 'Caradonna' blüht im Juni mit der Begleitart Campanula glomerata. Foto: Jessica Gabler
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Abb. 2c: Der beliebte Gerüstbildner Phlomis russeliana gilt als zuverlässiger Wintersteher, denn die trockenen Samenstände bleiben bis in den Spätwinter attraktiv. Foto: Jessica Gabler

Ein (neuer) Bepflanzungstyp

Genau genommen ist die Zielarten-Mischpflanzung eher eine Weiterentwicklung der bewährten Mischpflanzungsidee um einen konzeptionellen Ansatz aus dem Artenschutz, das Zielartenkonzept (Kratochwil 1989). Das wirklich Neue ist also, dass nun gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Wildbienenarten als Zielarten ausgewählt werden können, die mit einer Mischpflanzung gefördert werden.

Im Gegensatz zu bienenfreundlichen aber unspezifischen Saatgutmischungen kann hier also gezielter Artenschutz praktiziert werden. Gleichzeitig wird vor allem durch die Verwendung langlebiger, strukturstarker und in der Höhe abgesetzter Gerüstbildner die Attraktivität der Pflanzung auch über die Vegetationsperiode hinaus gesichert.

Ein integriertes System – Erst pflanzen, dann säen

Um eine kostengünstige Umsetzung auch auf größeren Flächen zu ermöglichen, wird in Zielarten-Mischpflanzungen ein höherer Anteil an annuellen und biennen Pflanzenarten zugelassen, als das für Mischpflanzungen üblich ist. Unter diesen kurzlebigen Ruderalstrategen befinden sich auch viele wichtige Pollenquellen, wie Anthemis tinctoria, die sich stark versamen (Kuppler et al. 2023). Um die Dynamik einzugrenzen, die solche Pflanzenarten unweigerlich mit sich bringen, wird ihr Anteil eingegrenzt und möglichst niedrig gewählt.

Wichtige Gerüstbildner, Begleitstauden und Bodendecker werden als Topfware gepflanzt, denn ihre Gestalt und Wirkung ist bereits im ersten Standjahr unverzichtbar. Erst nach dem Auslegen und Pflanzen dieser Stauden wird gesät. Da die Pflanzen auf der Fläche zufällig verteilt werden dürfen, können Gärtner*innen die Zielarten-Mischpflanzung auch ohne komplizierten Pflanzplan anlegen.

Wildbienen als Zielarten

Die Möglichkeit, ganz gezielt einzelne Wildbienenarten durch die Verwendung ihrer Pollenquellen fördern zu können, ist enorm wichtig, denn Wildbiene ist nicht gleich Wildbiene.

Allein in Deutschland sind rund 600 Arten verbreitet, die alle unterschiedliche Lebensraumansprüche haben. Ein Viertel dieser Wildbienenarten ist hoch spezialisiert (oligolektisch) und sammelt nur Pollen an einer Pflanzenfamilie, Pflanzengattung oder sogar Pflanzenart, um ihre Brutzellen mit Nahrung zu verproviantieren.

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Abb. 3: Die Gemeine Sandbiene Andrena flavipes sammelt im Juli an der Färberkamille Anthemis tinctoria Pollen. Echium vulgare und Anthemis tinctoria gedeihen auch auf nährstoffarmen mineralischen Böden trocken-sonniger Standorte und eignen sich damit für viele urbane Situationen. In Zielarten-Mischpflanzungen können diese Arten kostengünstig gesät werden. Foto: Jessica Gabler
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Abb. 4: Wildbienen in Gefahr: Ungefähr ein Viertel unserer Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht, stark gefährdet, gefährdet oder bereits auf der Vorwarnliste. Absolute Häufigkeit des Rote-Liste-Status für Deutschland nach Scheuchl et al. (2023) getrennt nach oligolektischen und polylektischen Wildbienenarten. Aus: Gabler (2024).

Die Knautien-Sandbiene Andrena hattorfiana sammelt zum Beispiel nur an Dipsacaceen, den Kardengewächsen, wobei hier lediglich das Pollensammeln für die Gattungen Knautia und Scabiosa belegt ist (Westrich 2019: 469). Kommen diese Pflanzenarten in einem Gebiet nicht vor, so kann auch die Knautien-Sandbiene nicht existieren. Dabei ist die Anzahl benötigter Blüten für die Verproviantierung einer Brutzelle mit Pollen erstaunlich hoch. Zurbuchen & Müller (2012) gehen von 156 Einzelpflanzen für eine Population von zehn Weibchen aus. Es zählt also jeder Quadratmeter.

Andere Wildbienenarten sind nicht so wählerisch und sammeln Pollen an vielen Pflanzenarten mehrerer Pflanzenfamilien (polylektisch), wie die Gemeine Sandbiene Andrena flavipes, die regelmäßig in Parks und Gärten anzutreffen ist. Als Grundlage für die Auswahl der Zielarten dient die Rote Liste, die auf Bundeslandebene alle Wildbienenarten einzelnen Gefährdungsstufen zuordnet und gerade aktualisiert wird (Westrich et al. 2011).

Umweltbildung in der Stadt

Gemeinden oder Bildungseinrichtungen haben aber auch die Möglichkeit Zielarten zu wählen, die leicht anzulocken sind, durch ihre Größe oder ein besonderes Verhalten auffallen und sich hervorragend für Umweltbildungsprogramme eignen. Die weit verbreitete und häufige Garten-Wollbiene Anthidium manicatum lässt sich beispielsweise leicht durch Stauden der Gattung Stachys anlocken. Diese Gattung bietet viele gartenwürdige Stauden, darunter auch nicht-heimische Arten, wie die silberlaubige Stachys byzantina oder die Sorte 'Hummelo' von Stachys monieri, die aus dem Staudensortiment nicht mehr wegzudenken ist. Die Männchen der Garten-Wollbiene zeigen ein auffälliges Revierverhalten und patrouillieren von Juni bis September an der Pflanzung. Wie fast alle Wildbienen besitzen sie keinen Stachel und verhalten sich dem Menschen gegenüber äußerst friedlich, sodass sie gefahrlos aus der Nähe betrachtet werden können. Konkurrierende Wildbienen wie Hummeln werden allerdings sehr eindrucksvoll gerammt und aus dem Revier vertrieben.

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Abb. 5: Die Knautien-Sandbiene Andrena hattorfiana an ihrer Hauptpollenquelle Knautia arvensis. In der Landschaft wächst diese Art auf Kalkmagerrasen wie hier auf dem Schwiemelkopf im Diemeltal. Foto: Jessica Gabler
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Abb. 6: Wir schätzen den Flachblatt-Mannstreu Eryngium planum als zuverlässigen Gerüstbildner. Die weit verbreitete und häufige Wildbienenart Andrena flavipes kann hier in den Sommermonaten beim Pollensammeln beobachtet werden. Foto: Jessica Gabler
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Abb. 7: Die weit verbreitete Garten-Wollbiene Anthidium manicatum ist groß und daher gut zu beobachten. Sie hat eine Vorliebe für die Gattung Stachys und lässt sich leicht anlocken, wie hier mit Stachys palustris. Foto: Jessica Gabler
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Abb. 8: Eine faszinierende Beziehung: Die Natternkopf-Mauerbiene Hoplitis adunca sammelt im deutschen Verbreitungsgebiet nur am Natternkopf Echium vulgare. Foto: Dr. Mathias Lohr
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Abb. 9: Auch Halictus scabiosae sammelt gerne Pollen an Knautia aber auch an vielen Asteraceen. Häufig wird auch Pollen an Sorten gesammelt, wie an dieser Knautia macedonica 'Mars Midget' Foto: Dr. Mathias Lohr
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Abb. 10: Die sehr große und auffällige Holzbiene Xylocopa violacea sammelt bevorzugt Pollen an Salvia sclarea, der in dieser Zielarten-Mischpflanzung als Gerüstbildner verwendet wurde. Grundsätzlich nutzt diese polylektische Wildbienenart aber Pollen vieler Pflanzenfamilien und profitiert von artenreichen Pflanzungen. Foto: Jessica Gabler

Wildbienen-Score

Bei der Auswahl von Zielarten kann es durchaus vorkommen, dass eine Zielart im Stadtgebiet noch nicht vorkommt und daher nicht zum Pollensammeln anfliegt oder ihre Verbreitung durch andere Faktoren eingeschränkt ist. Zum Glück sind alle Pflanzenarten, die in Zielarten-Mischpflanzungen verwendet werden, potenzielle Pollenquellen. Eine Pflanzenart wird dabei in der Regel von verschiedenen Wildbienenarten als Pollenquelle genutzt.

Die Natternkopf-Mauerbiene Hoplitis adunca sammelt im deutschen Verbreitungsgebiet zwar nur an Echium vulgare, umgekehrt ist aber der Natternkopf Echium vulgare für mindestens 37 weitere Wildbienenarten eine wichtige Pollenquelle (Westrich 2019: 377). Eine Zielarten-Mischpflanzung unterstützt neben den gewählten Zielarten also sehr viel mehr Wildbienenarten und viele weitere Insekten.

Zielarten-Mischpflanzungen planen und umsetzen

Wer sich in der Planung dauerhafter Pflanzungen auskennt, weiß, wie komplex die Beziehungen zwischen den Pflanzenarten untereinander aber auch die Wechselwirkung mit den jeweiligen Standortfaktoren sind. So mancher Landschaftsarchitekt resigniert vor der Fülle möglicher Pflanzenarten und -sorten und den Parametern, die es für eine erfolgreiche und dauerhafte Vergesellschaftung von Pflanzen zu beachten gilt. Doch auch, wer sich mit Pflanzplanung gut auskennt, hat vielleicht keine Kenntnis über die Bedürfnisse der einzelnen Wildbienenarten. Umgekehrt haben versierte Zoologen und Wildbienenkenner keine Erfahrung im Anlegen dauerhafter und attraktiver Pflanzungen, die ganzjährige Akzente setzen. Selbstverständlich kann man Zielarten-Mischpflanzungen auch eigenständig entwickeln. Einen Leitfaden bieten die im Konzept formulierten Konditionen und die zu berücksichtigenden flächenspezifischen Standortparameter (Gabler 2024: 64–83). Wer nicht selbst tätig werden will, kann eine Zielarten-Mischpflanzung als Planungsleistung beauftragen.

Ein Planungswerkzeug für alle

Zielarten-Mischpflanzungen haben für den Artenschutz den größten Impact, wenn sie wie Trittsteine auf viele Flächen im Stadtgebiet verteilt sind. Um die komplexe Planungsleistung einer Zielarten-Mischpflanzung zu vereinfachen, wird ein Planungswerkzeug entwickelt, dass Zielarten-Mischpflanzungen konfiguriert.

Hierfür hat Projektleiter Dipl.-Ing. Henri Greil im BeesUp-Projekt des Julius-Kühn-Instituts Braunschweig verschiedene Fachleute aus den Bereichen KI und Digitalisierung der TU Ilmenau, Populationsgenetik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Pflanzenverwendung der TH OWL Höxter zusammengebracht.

Das Bundesamt für Naturschutz fördert das Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt (Bundesamt für Naturschutz 2024). Bereits 2026 soll das digitale, KI-gestützte Planungswerkzeug auf den Markt kommen. Es soll als App auf dem Smartphone funktionieren und allen Interessierten kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Dem Anwender wird die Möglichkeit gegeben, bestimmte Parameter zu Standort und zur gewünschten Zielarten-Mischpflanzung einzugeben. Im Hintergrund konfiguriert das Planungswerkzeug dann die Zielarten-Mischpflanzung und gibt eine Pflanzenliste sortiert nach Funktionstypen aus. Das Planungswerkzeug versucht dabei, den Anteil der Pollenquellen aller ausgewählten Zielarten möglichst hoch zu wählen und bereits bei Gerüstbildnern, Begleitarten und Bodendeckern unterzubringen. Ist das nicht möglich, sichert der Layer "Pollenquellen" die Verwendung dieser wichtigen Pflanzenarten.

Zusätzliche Informationen über die Zielarten sollen helfen, auch Ansprüche an den Nistraum zu verstehen, um auch über das Blütenangebot hinaus eine ganzheitlich wildbienengerechte Gestaltung der Fläche zu ermöglichen.

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Abb. 11: Das Planungswerkzeug: Aus den zusammengeführten Daten und formulierten Konditionen wird eine Zielarten-Mischpflanzung konfiguriert. Abb.: Jessica Gabler
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Abb. 12: Anwender der App können auch ohne Kenntnisse über Wildbienen Artenschutz betreiben und Rote-Liste-Arten oder spezialisierte Arten als Zielarten wählen. Die manuelle Auswahl ermöglicht aber auch, aus den rund 600 Wildbienenarten frei zu wählen. Abb.: Jessica Gabler
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Abb. 13: Eine Analyse für unterschiedlich stark spezialisierte Wildbienenarten ergab, dass die Pflanzendatenbank ausreichend Pollenquellen beinhaltet und als Datenbasis für Zielarten-Mischpflanzungen verwendet werden kann. PQbest: Durch Analysen bestätigte Pollenquellen. Werte geben absolute Häufigkeiten wieder. Aus GABLER 2024 Aus: GABLER 2024
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Abb. 14: In den Voreinstellungen kann der Anwender angeben, ob die Zielarten-Mischpflanzung für eine Dachbegrünung konfiguriert werden soll. Die durch Analysen bestätigten Pollenquellen (PQbest) Sedum spurium, Sedum acre und Sedum album sind in der Pflanzendatenbank hinterlegt. Foto: Jessica Gabler

Die Pflanzendatenbank – das Wissen aus über 100 Jahren Pflanzenverwendung

Die Basis für die Konfiguration von Zielarten-Mischpflanzungen bildet die Pflanzendatenbank (Götz H., Häussermann M. & Sieber J. 2024), die vom BdS mit viel Sachverstand und Expertise gepflegt wird und aktuell neu publiziert wurde. Hier fließen Wissen und Erfahrungen unserer bekanntesten Pflanzenverwender zusammen, die im Laufe ihrer gärtnerischen Tätigkeiten Daten zu Standortamplituden, Wuchsverhalten und vielen weiteren Pflanzeneigenschaften gesammelt haben. Die Datenbank umfasst mittlerweile rund 15000 Taxa mit Sorten und Unterarten und enthält 484383 Einzelinformationen zu diesen Taxa. Das wichtigste ist aber, dass eine Analyse ergab, dass viele sehr wichtige Pollenquellen der Wildbienenarten in der Pflanzendatenbank gelistet sind. Ein besonderer Dank gilt also dem BdS, der die Pflanzendatenbank für die Analyse und die Konzepterstellung zu Zielarten-Mischpflanzungen bereitgestellt hat.

Durch die Verschneidung mit einer weiteren Apiformes-Datenbank, die Informationen zu Wildbienen und ihren Pollenquellen aus der Fachliteratur sammelt, kann das Planungswerkzeug die wichtigen Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung zusammenführen. Hier stehen wir noch am Anfang unserer Arbeit und hoffen auf weitere Kooperationen.

Enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis

Noch ist nicht vollständig bekannt, an welchen Pflanzen die verschiedenen Wildbienenarten sammeln. Mehrere wissenschaftliche Arbeiten zeigen aber, dass auch viele nicht-heimische Pflanzenarten und Sorten als Pollenquelle genutzt werden, sofern ihre Blüten nicht gefüllt sind (Erickson et al. 2021; Mack 2024; Marquardt et al. 2021). Welche Sorten für Wildbienen als Pollenquellen von Bedeutung sind und ob Sorten einer Pflanzenart unterschiedlich gut besucht werden, wird aktuell in einem bundesweiten Forschungsprojekt in Kooperation mit engagierten Gärtnereien des BdS, dem JKI und der TH OWL untersucht. Pflanzenverwender in ganz Europa sowie partizipierende Hochschulen benötigen diese Daten und sind bestrebt, ökologische Erkenntnisse in ihre Pflanzplanung einzubeziehen.

Die positive Resonanz aus der Fachwelt, Gestaltung und Artenschutz zu vereinen zeigt, dass auch die Pflanzenverwendung auf die großen Herausforderungen unserer Zeit reagiert. Das Konzept der Zielarten-Mischpflanzung bietet allen, die gezielten Artenschutz betreiben wollen, eine Möglichkeit der ökologischen Pflanzplanung.

Literatur

  • Borchardt, W. (1998) Pflanzenkompositionen – Die Kunst der Pflanzenverwendung. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. 320 S.
  • Bundesamt für Naturschutz (2024) BeesUp – Intelligentes Werkzeug für die Planung.
  • Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (2022) Wie grün sind deutsche Städte? Ergebnisse einer bundesweiten Erfassung. 64. Hrsg. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Bonn.
  • Erichson, E.; Patch, H. M.; Grozinger, C. M. (2021): Herbaceous perennial ornamental plants can support complex pollinator communities. In: Scientific Reports 11 (1), S. 17352.
  • Hallmann CA., Sorg M., Jongejans E., Siepel H., Hofland N., Schwan H., Stenmans W., Müller A., Sumser H., Hörren T., Goulson D. & DE Kroon H. (2017) More than 75 percent decline over 727 years in total flying insect biomass in protected areas. PLoS ONE 12(10).
  • Gabler, J. (2024) Integrierte Zielarten-Mischpflanzung – Entwicklung eines intelligenten Planungswerkzeugs für wildbienengerechte Pflanzplanung urbaner Räume. unpublished. TH OWL Höxter. https://t1p.de/7y7uq (PDF).
  • Gentili R., Quaglini L., Galasso, G., Montagnani C., Caronni S., Cardarelli E., Citterio S., (2023). Urban refugia sheltering biodiversity across world cities. Urban Ecosystems. 27. 1–2.
  • Götz H., Häussermann M. & Sieber J. (2024) Die aktuelle Pflanzendatenbank. Unveröffentlicht.
  • Heinrich A. & Messer U. J. (2012) Staudenmischpflanzungen, Praxis, Beispiele, Tendenzen. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. 223 S.
  • Kircher W., Messer U., Fenzl J., Heins M. & Dunnett N. (2014) Development of Randomly Mixed Perennial Plantings and Application Approaches for Planting Design.
  • Kratochwil, A. (1989): Grundsätzliche Überlegungen zu einer Roten Liste von Biotopen. – Schr.Reihe Landschaftspflege u. Naturschutz 29: 136–150.
  • Kuppler J, Neumüller U., Mayr A. Hopfenmüller S., Weiss K. Prosi R., Schanowski A. Schwenninger H.R., Ayasse M., Burger H. (2023). Favourite plants of wild bees. Agriculture, Ecosystems & Environment. 342. 108266.
  • Scheuchl E., Schwenninger H. R., Burger R., Diestelhorst O., Kuhllmann M., Saure C., Schmid-Egger C. & Sillön N. (2023) Die Wildbienenarten Deutschlands – Kritisches Verzeichnis und aktualisierte Checkliste der Wildbienen Deutschlands (Hymenoptera, Anthophila). Anthophila 1: 25–38.
  • Mack (2024) Biodiversität. Vielfältige Fassadenbegrünung für mehr Biodiversität in Städten. GebäudeGrün 3/24
  • Marquardt M., Kienbaum L., Kretschmer L.A. Penell A., Schweikert K., Ruttensperger U., Rosenkranz P. (2021): Evaluation of the importance of ornamental plants for pollinators in urban and suburban areas in Stuttgart, Germany. In: Urban Ecosyst 24 (4), S. 811–825.
  • Westrich P. (2019) Die Wildbienen Deutschlands. 2. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.
  • Westrich P., Frommer U., Mandery K., Riemann H., Ruhnke H., Saure C. & Voith J. (2011) Rote Liste und Gesamtartenliste der Bienen (Hymenoptera: Apidae) Deutschlands.
  • Zurbuchen A. & Müller A. (2012) Wildbienenschutz – von der Wissenschaft zur Praxis. Bristol Schriftenreihe Band 33. Haupt Verlag, Bern. 162 S.
M.Sc. Jessica Gabler
Autorin

Ökologin u. Landschaftsarchitektin

TH Ostwestfalen-Lippe, FB 9

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