Konkrete Planungshinweise zur Gestaltung öffentlichen Grüns

Grünflächen klimagerecht ausbauen

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Sehen so die klimaangepassten Grünflächen der Zukunft aus? Gehölzinseln im Wechsel mit offenen Wiesenflächen. Visualisierung eines Planungskonzeptes im Grünzug "Grünes Band Ost". Abbildung: LH München, Baureferat Gartenbau; Foto: google streetview

Der Klimawandel ist in aller Munde. Das aktuelle Szenario des Bayerischen Landesamtes für Umwelt vom Juni 2012 prognostiziert für die Region Isar im Zeitraum 2021 bis 2050 unter anderem

  • eine Temperaturzunahme von 0,8 bis 1,9 Grad Celsius im Jahresmittel
  • eine deutliche Erhöhung der Anzahl der Sommertage
  • eine deutliche Zunahme der heißen Tage über 30 Grad Celsius
  • eine deutliche Verringerung der Eis- und Frosttage
  • eine leichte Abnahme der Niederschläge im hydrologischen Sommerhalbjahr
  • eine Häufung von Wetterextremen, wie Orkane, Dürren oder Starkregen
  • s. Bayerisches Landesamt für Umwelt 2012a¹) und 2012b²))

Die wohltuende Wirkung von Grünflächen durch Schattenwirkung und Temperaturerniedrigung ist hinlänglich bekannt. Dabei sind die Wohlfahrtswirkungen von Grünflächen in diesem Zusammenhang vor allem darin zu sehen, dass kühle Luft nachts in durch von Versiegelung aufgeheizte Wohnquartiere strömen kann und dass die Stadtbewohner tagsüber in Parkanlagen unter Bäumen kühlenden Schatten finden. Die Zeit erscheint reif, dass sich die verantwortlichen Planer in den Gartenämtern Mitteleuropas Konzepte überlegen, wie städtische Grünflächen in unseren künftig noch stärker überhitzten Großstädten bereits heute konkret geplant und gebaut werden sollten, damit sie oben genannten Anforderungen möglichst nachhaltig stand halten.

Es gibt zwar jede Menge Grundlagenforschung, aber relativ wenig konkrete Hinweise zum klimawandelgerechten "Design" von Grün- und Freiflächen (zum Beispiel Werner 2010³)). Dies wird jedenfalls bei der Suche nach entsprechender Fachliteratur augenfällig (etwa Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit 20094), Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen 20105), Drlik und andere 20106)) und konnte auch bei einer Podiumsdiskussion mit einschlägigen Fachexperten bestätigt werden, die das Münchner Baureferat (Gartenbau) im Oktober 2010 unter dem Titel "Erholungsoasen oder Hitzestress - Stadtgrün im Klimawandel" organisiert hatte.

In München bedeutet der bevorstehende Klimawandel für die Vegetation und insbesondere für Bäume zunehmenden Hitzestress. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass großenteils das Grundwasser sehr niedrig steht, und die gewachsenen Böden nur geringe Oberbodenmächtigkeit mit vielen Metern darunter befindlichem Eiszeitschotter aufweisen und damit über eine geringe Wasserspeicherfähigkeit verfügen. Zudem lassen vor allem die wärmeren Winter zusammen mit Transportwegen aus Übersee nichts Gutes hinsichtlich der Einwanderung von Schädlingen und der Zunahme von Erkrankungen erwarten (zum Beispiel Eschentriebsterben, Kastanienminiermotte, wollige Napfschildlaus, siehe Andrae und andere 20127).

Als wesentliche Aufgabenstellungen im Umgang mit der Thematik ergeben sich folgende Fragen:

Anpassungsmaßnahmen auf Stadtplanungsebene

  • Wie müssen wir die öffentlichen Grünflächen gestalten, damit optimale Luftaustausch- und Abkühlungseffekte für die umgebende Wohnbebauung erzielt werden und sich die Stadtbewohner in den Grünflächen auch künftig wohl fühlen und erholen können?
  • Welche Weichen müssen wir für die langfristige Sicherstellung und Weiterentwicklung des städtischen Vegetationsbestandes stellen?

Auf der Ebene der Stadtentwicklung gibt es bereits zahlreiche Hinweise zur Größe und Verteilung von Grün- und Freiflächen, damit diese zumindest kleinklimatisch optimale Verdunstungs- und Abkühlungseffekte auf die umgebenden Wohnquartiere entfalten. Aus rein klimatischer Sicht wird empfohlen, besser viele Grünflächen mit mindestens einem Hektar Größe bereit zu stellen als wenige große Parkanlagen, weil die Abkühlungseffekte von Grünflächen ab einem Hektar Fläche unabhängig von der Gesamtgröße der Grünfläche nur zwischen 100 bis 300 Meter weit nach außen wirken (Scherer 20078)), in starker Abhängigkeit von Wetterlage, Windrichtung und umliegender Bebauung (v. Stülpnagel 19879)).

Bavariapark mit für München üblicher Rahmenbegrünung. Foto: LH München, Baureferat Gartenbau

Weißenseepark. Öffnung der bestehenden Randeingrünung im Rahmen einer Umgestaltung. Foto: Claudia Hofmair

Öffentliche Grünfläche Georg-Freundorfer-Platz. Öffnung bestehender Randeingrünung im Rahmen einer Umgestaltung. Foto: Peter Schinzler

Konkret würde das bei der Neuausweisung von Baugebieten heißen, dass etwa alle 200 bis 600 Meter eine Grünfläche mit mindestens einem Hektar Größe geplant werden sollte. Hierbei ist deutlich herauszustellen, dass die Begrünung von privaten Flächen einen wichtigen Baustein insbesondere im dichten Wohnumfeld und in den hoch verdichteten Stadtquartieren darstellt. Gerade bei der Begrünung privater, versiegelter Freiflächen schlummert noch erhebliches Potenzial, wie zum Beispiel durch Dachbegrünungen und Fassadenbegrünung, (s.a. "Kommunale Förderung begrünter Dächer", S. 47ff.). Seit Mitte der 70er Jahre gibt es in München das Förderprogramm zu Entsiegelung und Begrünung von privaten oder gewerblich genutzten Hinterhöfen. Mit bis zu 50 Prozent Zuschuss der Stadt wurden auf diese Weise seither über 1000 Höfe begrünt, mit einer Gesamtfläche von mehr als 22 Hektar. Dass solche Maßnahmen kleinklimatisch enorme Bedeutung haben, braucht nicht näher erläutert zu werden. Dieses Förderprogramm wird seitens der Stadt selbstverständlich weitergeführt, basiert aber letztlich auf Freiwilligkeit.

Zwar weniger aus klimatischen als vielmehr aus Gründen der Erholungsfunktion geben Städte im Rahmen ihrer Bauleitplanung Richtwerte zur Grünversorgung vor, die bei der Planung von Neubaugebieten einzuhalten sind. München schreibt beispielsweise in solchen Fällen seit vielen Jahren 17 Quadratmeter pro Einwohner neue, öffentliche Grünflächen vor, von denen wiederum 10 Quadratmeter pro Einwohner in fünf bis zehn Gehminuten erreichbar sein sollen (siehe Nohl und Zekorn-Löffler 199110), Landeshauptstadt München 1995¹¹)). Allerdings deutet sich an, dass durch das zu erwartende Bevölkerungswachstum von rund 15 Prozent im Zeitraum von 2011 bis 2030 auf dann 1,65 Millionen Einwohner und die damit erforderliche Nachverdichtung diese Richtwerte immer schwerer umzusetzen sein werden (Landeshauptstadt München 2012a¹²), 2012b¹³)).

Lage und Verteilung von klimawirksamen Freiflächen, Frischluftschneisen und klimaverträglichen Siedlungsstrukturen werden derzeit in München näher untersucht und sollen in einer Klimafunktionskarte zusammengefasst werden (LandeshauptstadtMünchen 2012c14)).

Anpassungsmaßnahmen auf Objektplanungsebene

Auf Objektplanungsebene, um die es hier gehen soll, kommt es klimatisch gesehen vor allem auf folgende Punkte an, wenn man die Ergebnisse der Grundlagenforschung betrachtet:

Vegetationsverteilung und -struktur

Einschlägiger Literatur ist aktuell zu entnehmen, dass neben Rahmenbedingungen wie Geländetopographie, umgebender Baustruktur und äußerer Form einer Frei-fläche eine Mischung aus Großgehölzen, Sträuchern und Rasen-/Wiesenflächen am ehesten geeignet ist, um maximale Abkühlungseffekte sowohl tags- als auch nachtsüber erzielen zu können. Damit diese aber auch möglichst weit in die Umgebung ausstrahlen können, sollte möglichst wenig Rahmenbegrünung vorgesehen werden, die zudem Schneisen aufweisen sollte, durch die kühle Luft ausströmen kann (Mathey und andere 201115)).

Für München bedeutet dies, dass die bislang in unzähligen Grünanlagen üblichen dichten Randeingrünungen mit Gehölzen und Sträuchern, die häufig noch leicht überhöht auf Erdwällen stehen, vor diesem Hintergrund überdacht werden müssen. Bislang sahen die Planungskonzepte regelmäßig vor, grüne Erholungsoasen, möglichst ohne Sichtkontakt zu Straßenverkehr und Wohnbebauung herzustellen, um sich so schon rein optisch vom Stress der hektischen Großstadt regenerieren zu können.

Sollen oben genannte Aspekte künftig berücksichtigt werden, müssen an geeigneten Stellen gehölzfreie Luftschneisen geplant werden und die Rahmenbegrünung nicht wie bisher als dichte Gehölzpflanzungen inklusive Strauchschicht und Unterwuchs gestaltet werden.

Bisheriges Strukturkonzept zur Gestaltung öffentlicher Grünflächen. Abbildung: LH München, Baureferat Gartenbau

Künftiges Strukturkonzept, zur Gestaltung öffentlicher Grünflächen. Abbildung: LH München, Baureferat Gartenbau

Die Grünplanungen der letzten Jahre weisen ohnehin immer seltener solche Rahmenpflanzungen auf (zum Beispiel Riemer Park); auch bei der Sanierung oder Umgestaltung von Grünflächen werden zunehmend Öffnungen in bestehende Gehölzmäntel eingelegt (etwa Weißenseepark oder Georg-Freundorfer-Platz). Dies geschah bisher aber eher aus Erschließungs- oder aus gestalterischen Gründen und nicht wegen klimatischer Überlegungen. Zur Optimierung der Durchlüftung sollten Grünflächen auch möglichst nicht abgesenkt werden, damit die kühle Luft leichter in die Umgebung abfließen kann.

Grünvolumen

Ebenfalls hinlänglich bekannt ist, dass Transpirationsleistungen und die damit einhergehenden Abkühlungseffekte umso höher sind, je größer das Grünvolumen ist und dass zur deutlichen Temperaturabsenkung eine Mischung aus Rasen-, Wiesen-, Strauch-, Gehölz- und freiwachsenden Baumbestand notwendig ist (s.o. Mathey 201115)). Genaue Verhältniszahlen wurden hierzu in der Literatur nicht gefunden. Im Schnitt sind Münchens Grünanlagen mit rund 35 Prozent Gehölzflächen überstellt. Dieser Anteil sollte nach Einschätzung der Autoren bei künftigen Planungen eher noch höher angesetzt und als unterer Grenzwert gelten (vgl. v. Stülpnagel 1987:145 ff.9). Da sich die Gehölze nach bisherigen Gestaltungsmustern aber überwiegend am Rand befinden und in der Regel zentral gelegene Rasen- und Wiesenflächen umschließen (siehe oben), wird es künftig wohl Sinn machen, diese Gehölzstrukturen in Gruppen über die Fläche zu verteilen, das heißt, die Ränder aufzulockern und im Grünanlageninneren mehr Gehölzinseln und Baumhaine im Wechsel mit offenen Rasen- oder Wiesenflächen vorzusehen.

Erhöhung der Baumartenvielfalt

Die zu erwartenden regenärmeren Perioden im Sommer lassen für München erwarten, dass der Vegetation in den Sommermonaten weniger Wasser im Boden zur Verfügung steht als bisher. Außerdem ist davon auszugehen, dass durch die milderen Winter die Neueinwanderung von Baumkrankheiten und Pflanzenschädlingen wesentlich erleichtert wird. Zudem ist festzustellen, dass an Münchens Straßen etwa 70 Prozent der Bäume aus nur zwei Baumarten, nämlich Winterlinde und Spitzahorn bestehen. Arten, die sich zwar bisher gut bewährt haben, von denen aber niemand sagen kann, ob und wie lange man noch in den nächsten Jahrzehnten zuverlässig auf alleine diese beiden Spezies setzen kann. Daher erscheint es angezeigt, und viele andere Städte und Grünverwaltungen folgen diesem Beispiel, die Artenvielfalt bei Stadtbäumen zu erhöhen, unter Beachtung insbesondere der Trockenresistenz.

Das Baureferat Gartenbau der Stadt München hat zu diesem Zweck die Straßenbaumliste der GALK auf Münchner Verhältnisse hin spezifiziert und beteiligt sich seit zwei Jahrzehnten an bundesweit durchgeführten Härtetests für neue Straßenbaumsorten. Neuerdings wurde zur internen Information der einschlägig mit Baumpflanzungen befassten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Leitfaden zur Verwendung von Baumarten in München erstellt und es werden regelmäßig "Baumbriefe" als Loseblattsammlung intern verteilt, die über neue, vielversprechende Baumarten und -sorten informieren.

Seit diesem Jahr werden bei Neuanlagen aufgrund dieser Anpassungserfordernisse Winterlinden und Spitzahorne nur noch in wenigen Ausnahmefällen, meist nur noch in bestehenden, stadtgestalterisch bedeutenden Alleen nachgepflanzt. Bei Nachpflanzungen in untergeordneten, heterogenen oder abgängigen Alleen werden bereits andere, in das Straßenbild passende Arten verwendet. Baumarten, die vor einigen Jahren getestet wurden und die sich seither bestens bewähren, sind beispielsweise: Magnolia kobus, Malus tschonoskii, Ostrya carpinifolia, Prunus x schmittii, Quercus cerris oder Zelkova serrata. Letztlich soll durch die allmähliche Erhöhung der Diversität die Anfälligkeit des Gesamtbaumbestandes gegen Hitze, Schadstoffe, Schädlinge und Krankheiten verringert werden.

Baumhain im Riemer Park. Foto: LH München, Baureferat Gartenbau

Zehn Jahre alter Baumgraben in München-Riem, nach aktuellem Standard (ZTV-Vegtra Mü) und mit vielversprechender Entwicklung der Bäume. Foto: LH München, Baureferat Gartenbau

Aufgrabung in einem zehn Jahre alten Baumgraben in München-Riem mit gut durchwurzeltem Substrat. Foto: LH München, Baureferat Gartenbau

Erhöhung des pflanzenverfügbaren Wassers im Boden

Wie sich Trockenstress auf Stadtbäume auswirkt, konnte besonders gut im Extremsommer 2003 beobachtet werden. Damals litten vor allem Straßenbäume, die in zu schmalen Baumgräben stehen, wie sie noch bis Ende der 80er Jahre gebaut wurden.

Seit Mitte der 90er Jahre werden in München die Baumgräben in Neubauquartieren im Regelfall 3 Meter breit errichtet und bis in 1,5 Meter Tiefe mit einem Substratgemisch in Anlehnung an Krieter (198916)) gemäß einer im Baureferat Gartenbau entwickelten Technischen Vorschrift verfüllt (ZTV-Vegtra-Mü17)), aus der die inzwischen bundesweit beachtete FFL-Richtlinie "Empfehlungen für Baumpflanzungen - Teil 2"18)) entwickelt wurde. So erhält an Straßen im Regelfall inzwischen jeder Baum einen durchwurzelbaren Standraum von rund 36 Kubikmeter (24 Kubikmeter x 1, 5 Meter Tiefe), der im Baumgraben aus drei Meter Breite und acht Meter Abstand in der Baumreihe resultiert. Das Substratgemisch setzt sich aus vor Ort vorhandenen Zuschlagstoffen zusammen und beinhaltet ein Gemisch aus drei Prozent Ton, 18 Prozent Schluff, 36 Prozent Sand (ausgewechselter Spielsand) und 43 Prozent Kies/ Schotter, das sich bisher bestens bewährt.

Auf Stadtplätzen werden bis zu 16 Quadratmeter Standfläche in Abhängigkeit von der Größe der Baumart akzeptiert. Sind die Baumgräben zu schmal oder müssen die Oberflächen, wie häufig auf Plätzen, befestigt werden, wird der Standraum seitlich vergrößert und dort mit Substrat gefüllt, das einerseits tragfähig, aber noch durchwurzelbar ist.

Durch das Substrat wird das pflanzenverfügbare Wasser im Boden erheblich erhöht, die Luftkapazität gesteigert und ein gleichmäßiges Wurzelwachstum ermöglicht.

Was an Straßen nun längst Standard ist, soll künftig auch bei Gehölz- und Einzelbaumpflanzungen in Grünanlagen Beachtung finden. Bisher werden dort Einzelbäume in etwa zweimal zwei Meter große und einen Meter tief ausgehobene Pflanzgruben gesetzt und mit verbessertem Boden befüllt. Rings herum befindet sich der anstehende Boden, der in aller Regel in München aus 20 bis 30 Zentimeter Oberboden, weiteren 30 bis 50 Zentimeter sogenannter Rotlage (kiesiger, schwach bindiger B-Horizont) und darunter aus einem viele Meter mächtigen glazialen Schotterkörper besteht, der wie eine Drainage wirkt, zumal das Grundwasser in weiten Teilen des Stadtgebietes für die Erreichbarkeit von Baumwurzeln zu tief liegt.

Wenn man bedenkt, dass künftig voraussichtlich weniger Niederschläge als bisher in den Sommermonaten fallen und diese, wie jetzt schon zu beobachten ist, immer häufiger als Starkregenereignisse niedergehen, also oberflächlich abfließen und kaum im Boden gespeichert werden, sollte man auch unter diesem Gesichtspunkt Vorsorge treffen, damit Zukunftsbäume auch noch im kommenden Jahrhundert ihre Wohlfahrtswirkungen entfalten können. In Anlehnung an die Formel von Bakker und Kopinga, die 0,75 Kubikmeter durchwurzelbaren Boden je Quadratmeter Kronenprojektionsfläche fordern (s. Schönfeld 200619)), wird daher überlegt, Einzelbäume auch in Grünanlagen in mit oben genannten Substrat verbesserte Pflanzgruben von vier Meter mal vier Meter und einem Meter Tiefe zu pflanzen und Gehölzflächen bis in 80 Zentimeter Tiefe in entsprechender Weise zu verbessern. Ob dies ausreicht, um die Bäume auch in extremen Dürreperioden ausreichend mit Wasser zu versorgen, das heißt, am Überleben zu halten, wird zur Zeit noch bodenkundlich untersucht. Erste überschlägige Berechnungen lassen erwarten, dass unter solchen Bodenbedingungen Gehölze dann etwa doppelt so lange Trockenperioden überstehen würden als bisher.

Geplantes Strukturkonzeptim Grünzug "Grünes Band Ost". Abbildung: LH München, Baureferat Gartenbau

Pilotprojekt im Grünzug "Grünes Band Ost"

Für die Geländemodellierung bedeuten diese Überlegungen, dass Gehölzpflanzungen entgegen der bisherigen Praxis nicht mehr auf künstlichen Geländeerhebungen errichtet werden sollten, sondern eher in leichten Mulden und an Tiefpunkten im Gelände, damit dort oberflächlich abfließendes Niederschlagswasser im Boden pflanzenverfügbar gespeichert werden kann.

Um die oben geschilderten Erkenntnisse in die konkrete Praxis umzusetzen, wird derzeit am Vorentwurf für einen auszubauenden Grünzug im Münchner Osten entsprechend geplant.. Im Augenblick besteht die Fläche von insgesamt rund 24 Hektar überwiegend aus Ackerland, Brachflächen und Biotopen. Etwa 70 Prozent sind noch in Privatbesitz, der Rest könnte aber demnächst ausgebaut werden. Das derzeitige Strukturkonzept weist im Gegensatz zu für solche Fälle bisherigen Konzepten keinen durchgehenden, randlichen Gehölzgürtel auf, sondern an den Übergängen zu den Wohnquartieren jeweils 20 Meter breite offene Schneisen, durch die der Luftaustausch erfolgen kann. Innerhalb der Grünfläche befinden sich weitere Gehölzinseln und Baumhaine, die das Grünvolumen erhöhen und Nutzern der Grünfläche an heißen Tagen Schattenplätze bieten sollen. Das Oberflächengefälle soll so genutzt werden, dass Gehölzpflanzungen in leichten Mulden liegen, in denen der Boden bis in 80 Zentimeter Tiefe zur Erhöhung der Wasserkapazität verbessert wird.

Fazit

Vor dem Hintergrund des zu erwartenden Klimawandels ist es gerade in Großstädten notwendig, auf neue gestalterische Konzepte für Grünflächen zu setzen, um die positive Wirkung von Grünflächen dem zu erwartenden Hitzeinseleffekt entgegenzusetzen. Im Wesentlichen sollten dabei folgende Gestaltungsregeln beachtet werden:

  • Erhöhung des Grünvolumens im Vergleich zu bisher, mit einer Mischung aus Rasen-, Wiesen-, Strauch-, Gehölz- und freiwachsendem Baumbestand
  • Pflanzung von Gehölzinseln und Baumhainen in Abwechslung mit offenen Flächen
  • Planung von Frischluftschneisen - keine massiven Randeingrünungen
  • kein Absenken von Grünanlagen
  • Bei Bedarf Erhöhung des pflanzenverfügbaren Wassers im Boden durch die Verwendung entsprechender Substrate
  • Erhöhung der Baumartendiversität

Sicherlich können und sollen diese Prinzipien nicht ab sofort bei allen Planungen ohne Einschränkung umgesetzt werden und sind als ein erster Einstieg in konkrete Planungsüberlegungen zu betrachten, welche aus den zu erwartenden Klimaänderungen gefolgert werden können. Sie beziehen sich auf den Aspekt "Klimagerechtigkeit", und selbstverständlich gilt es nach wie vor, bei der Gestaltung von Grünflächen sämtlichen Planungserfordernissen wie Erholung, Ökologie und Gartenkunst gleichrangig Beachtung zu schenken. Die beschriebenen Hinweise sollen konkrete Umsetzungsmöglichkeiten für bisher überwiegend theoretische Forschungsergebnisse bieten und könnten gerade in sensiblen städtischen Bereichen, wie in der Umgebung von Altenheimen oder Schulen exemplarisch Anwendung finden. Schließlich handelt es sich dabei um so genannte "no-regret"-Maßnahmen, das heißt, auch wenn der Klimawandel sich entgegen aller Prognosen anders oder gar nicht einstellt, würde kein Nachteil für die Entwicklung solcher Grünanlagen entstehen.



Anmerkungen und Literatur

1) Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2012a: Der Klimawandel in Bayern, Auswertung regionaler Klimaprojektionen Klimabericht Bayern. - www.lfu.bayern.de

2) Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2012b: Der Klimawandel in Bayern, Auswertung regionaler Klimaprojektionen, Regionalbericht Isar. - www.lfu.bayern.de

3) Werner, P., 2010: Klimawandel, was tun? - Stadt+Grün 12/2010: 11-16.

4) Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, 2009: Bayerische Klima-Anpassungsstrategie (BayKLAS). - www.stmug.bayern.de

5) Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, 2010: Handbuch Stadtklima, Maßnahmen und Handlungskonzepte für Städte und Ballungsräume zur Anpassung an den Klimawandel. - www.klimawandel.nrw.de

6) Drlik, S., A. Muhar, L. Li-ka, u. F. J. Chen 2011: Klimawandel findet Stadt(gärten). - Stadt+Grün 01/2011: 54-58.

7) Andrae, M., B. Jäckel, V. Döring u. I. Feilhaber 2012: Veränderungen im Schaderregeraufkommen im Berliner Stadtgrün. - Pro Baum 4/2012: 4-9.

8) Scherer, D., 2007: Besseres Stadtklima durch viele Parks. - www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal/forschungsberichte_aus_der_universitaet/2007/besseres_stadtklima_durch_viele_parks/

9) v. Stülpnagel, Albrecht: Klimatische Veränderungen in Ballungsgebieten unter besonderer Berücksichtigung der Ausgleichswirkung von Grünflächen, dargestellt am Beispiel von Berlin (West). - Diss. FB 14 Landschaftsentwicklung der TU Berlin. D 83. Berlin.1987.

10) Nohl, W., S. Zekorn-Löffler, 1991: Erfassung und Bewertung der öffentlichen Grün- und Freiflächen in München unter den Aspekten einer erholungsrelevanten Freiflächenversorgung, München 1991.

11) Landeshauptstadt München, 1995: Perspektiven für die räumliche Entwicklung. Perspektive München, Themenheft C. - Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Heinzelmann, München 1995.

12) Landeshauptstadt München, 2012a: Demografiebericht München - Teil 1, Analyse und Bevölkerungsprognose 2011 bis 2030. - Bekanntgabe in der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Bauordnung vom 05.12.2012.

13) Landeshauptstadt München, 2012b: Langfristige Siedlungsentwicklung. - Beschluss des Ausschusses für Stadtplanung und Bauordnung vom 10.10.2012.

14) Landeshauptstadt München, 2012c: Klimawandel und Hitzeinseln, Konsequenzen für die Dichte der Münchner Kernstadt? - Beschluss des Ausschusses für Stadtplanung und Bauordnung vom 07.11.2012.

15) Mathey, J., S. Rößler, I. Lehmann, A. Bräuer, V. Goldberg, C. Kurbjuhn, und A. Westbeld 2011: Noch wärmer, noch trockener? Stadtnatur und Freiraumstrukturen im Klimawandel. - Naturschutz und Biologische Vielfalt Heft 111.

16) Krieter, M., A. v Bill, A. Malkus, G, Würdig, 1989: Standortoptimierung von Straßenbäumen. Forschungsbericht, Teil 1, Hrsg.: Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL), 1989.

17) Landeshauptstadt München, 2002: Zusätzliche Technische Vorschriften für die Herstellung und Anwendung verbesserter Vegetationstragschichten (ZTV-Vegtra-Mü). - Landeshauptstadt München Baureferat Gartenbau 2002.

18) Empfehlungen für Baumpflanzungen - Teil 2: Standortvorbereitungen für Neupflanzungen; Pflanzgruben und Wurzelraumerweiterung, Bauweisen und Substrate, Hrsg.: Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL), 2010.

19) Schönfeld, Ph., 2006: Baumpflanzung in der Stadt nach Regelwerken der FLL und ZTV-Vegtra-Mü.- Veitshöchheimer Berichte aus der Landespflege Heft 94 - 2006, Seite 11-20.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 03/2013 .

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