Klartext

Grünplanung und Bäume - nur Architektenpetersilie?

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Die neue Ausstellung zum Wirken von Herman von Pückler-Muskau im Schloss Babelsberg bringt Erstaunliches zu Tage. Lehnte noch Peter Joseph Lenné nach den ersten Erfahrungen mangelnder Pflege in der jungen Parkentwicklung eine weitere Zusammenarbeit mit der Familie des Thronfolgers ab, forderte Pückler konsequent "Ich stehe Ihren Hoheiten dafür, dass der Babelsberg als ein organisches Ganzes, etwas Gediegenes und in künstlerischer Hinsicht alle anderen Anlagen seiner Art in der Potsdamer Gegend übertreffen wird. Aber man muss mir freie Hand lassen und tun was ich sage …" Er schaffte es für seine Auftraggeber, nicht nur die Landschaft neu zu modellieren, sondern auch Bäume so zu pflanzen, dass sie noch heute vital und gesund den Park einmalig prägen.

Vergleicht man dieses Wirken mit der aktuellen Entwicklung, so haben es die Bäume in der heutigen Pflanzenverwendung ungleich schwerer. In den modernen Grünkonzepten nimmt der Experimentierwille immer mehr Raum ein, die Einzigartigkeit des Entwurfes prägt das Tagesgeschäft und weniger die Funktionalität eines Konzeptes. Bäume werden dabei viel zu eng gepflanzt oder nur sehr sparsam zur Gestaltung eingesetzt. Die zu schaffenden Wachstumsvoraussetzungen sowie Pflegekonzepte werden kaum noch bedacht, schlimmer noch, sie werden sogar völlig ignoriert frei nach dem Motto "Dafür sind andere zuständig." Dies hat in der Praxis dazu geführt, dass die beteiligten Gewerke eher gegeneinander als miteinander wirken. Die Folgen heißen nicht nur juristische Auseinandersetzungen, sondern auch enttäuschte Auftraggeber, sinkende Preise und hohe Folgekosten. Würden die hieran beteiligten Akteure endlich wieder ein Ertragsdenken in den Fokus stellen, so böte hierzu der Weißbuchprozess zum Stadtgrün eine ideale Gelegenheit und Verpflichtung.

Zwar lässt sich in den Positionspapieren unter anderem der grünen Verbände nachlesen, dass die Stadtbegrünung mit Bäumen nach wie vor bedeutsam ist. Wer würde daran auch zweifeln? Einmütig werden Investitionen gefordert, doch die inhaltliche Optimierung, zum Beispiel bei der unmittelbaren Realisierung der grünen Infrastruktur mit Bäumen, fehlt in der ganzen Breite. Dies entspricht dem schon längeren Trend, dass so wichtige Disziplinen wie Bodenkunde, Vegetationstechnik, Gesunderhaltung der Stadtbäume, Pflegekonzepte und Ökonomie des Stadtgrüns immer weniger in Grünkonzepte einfließen.

Wo ist nur der Ansporn der planenden Branche geblieben?

Ihr Prof. Dr. Hartmut Balder

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Pro Baum 02/2017 .

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