Gustav Sennholz als Wiener Stadtgärtner

Ein hessischer Garteningenieur geht nach Österreich

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Es ist bis ins 20. Jahrhundert nichts Ungewöhnliches, dass Gärtner Söhne von Gärtnern sind, im Gegenteil. Auch der aus dem hessischen Frankfurt am Main stammende Gustav Sennholz war Teil einer Gärtnerfamilie. Er wurde laut Trauungsbuch der Wiener Lutherischen Stadtkirche am 5. März 1850 in Frankfurt geboren. Seine Eltern waren Carl Christian Andreas Sennholz (1816–1875), Hofgärtner des Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel, und Caroline Louise, geborene Hartwig (1824–1884).
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Abb. 1: Gustav Sennholz, undatiertes Portrait. Österreichisches Gartenbaumuseum, Biographische Sammlung Fritz Weigl Bildquelle: Michael Schwahn

Nähere Details zur beruflichen Ausbildung von Gustav Sennholz brachte im Oktober 1884 die Wiener Tageszeitung "Neue Freie Presse". Demnach hatte er das Gymnasium in Kassel besucht und danach die "Gärtnerei in den Hofgärtnereien zu Wilhelmshöhe" erlernt. Der Geburtsort Frankfurt am Main war durch die berufliche Tätigkeit seines Vaters bedingt: Dieser arbeitete als Obergehilfe zuerst in der Frankfurter Hofgärtnerei, wurde aber 1850 oder 1851 nach Wilhelmshöhe bei Kassel versetzt und 1864 zum Leiter sämtlicher Hofgärten mit dem Wohnsitz in der Karlsaue ernannt, wie in einem Nachruf vermerkt wird.

Sein Sohn Gustav absolvierte von 1865 bis 1866 den ersten Teil seiner Gärtnerlehre in den Anlagen und Gewächshäusern auf der Wilhelmshöhe, danach bis April 1868 den zweiten Teil der Gärtnerlehre in den dortigen Baumschulen. Daran schloss bis Ende September 1868 eine Tätigkeit als Gartengehilfe im königlichen Küchengarten in der Karlsaue an.

Nach Ableistung seines Militärdiensts dürfte er ab November 1869 im Neuen Garten bei Potsdam und später in der königlichen Orangerie in Sanssouci gearbeitet haben. Hierbei wird er mit großer Wahrscheinlichkeit sein beruflich-privates Netzwerk genutzt haben. Denn der preußische Hofgärtner Emil Sello kannte – wie dieser in seinem Tagebuch der Europareise 1838–1840 schreibt – einen Herrn Sennholz, "Hofgärtnersohn aus Wilhelmshöhe", mit dem er im Mai 1839 einige Zeit in München verbrachte.

Unklar bleibt, wer dieser Hofgärtnersohn war. Es könnte ein Sohn von Theobald Sennholz (in den 1840er Jahren Hofgärtner im Gemüsegarten und in den Treibereien auf der Wilhelmshöhe) gewesen sein. Jedenfalls gab es in den 1860er Jahren eine schon länger bestehende Verbindung zwischen den Gärtnerfamilien Sello und Sennholz.

Nach der Genesung einer Verwundung aus dem Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871) entließ man Gustav Sennholz im September 1871 aus dem Militärdienst. Von Oktober 1871 bis April 1872 arbeitete er als Gehilfe in den Parkanlagen der Karlsaue.

Erhalten hat sich aus dieser Zeit ein vom ihm gezeichneter Umgestaltungsentwurf mit dem Titel "Plan zur Umwandlung eines Theiles des im Thale gelegenen unteren Distrikts des Bellevuegartens in Park-Anlagen". Danach war Sennholz bis März 1874 Schüler in der königlichen Gärtnerlehranstalt am Wildpark bei Potsdam. Gleich anschließend erhielt er eine Anstellung als Gärtner bei der Gartenbaufirma und Handelsgärtnerei "Gebrüder Siesmayer" in Bockenheim bei Frankfurt am Main, wo er als leitender Garteningenieur und später als Stellvertreter bis zum Herbst 1884 tätig war.

Die Berufung nach Wien

Die Formierung der städtischen Gartenverwaltung in der Haupt- und Residenzstadt Wien ist eng mit der Stadterweiterung ab Mitte des 19. Jahrhunderts und der in mehreren Schritten ab 1850 erfolgten Autonomie der Kommune verbunden. Im Zuge der Diskussion über die künftige Verwendung des zum größten Teil unverbauten Glacis erklärte sich die Stadtgemeinde im Juli 1860 bereit, "Gartenanlagen und Spaziergänge" auf eigene Kosten herzustellen, wenn der jeweilige Grund der Kommune vom Ärar, also der Staatsvermögensverwaltung, als Eigentum überlassen werde.

Für diese Planungs- und Ausführungsarbeiten benötigte die Stadtpolitik einen fähigen Mann – und fand ihn in der Person des in Leipzig geborenen Gartenkünstlers Hermann Rudolph Siebeck (1812–1878), der ab November 1860 für die Gemeinde Wien freiberuflich tätig war und ab September 1861 – zuerst provisorisch, dann definitiv – als Stadtgärtner angestellt wurde. Sein Nachfolger im Amt war der Prager Stadtgärtner Ferdinand Maly (1833–1908), dem als Wiener Stadtgärtner jedoch keine lange Zeit beschieden war. Aufgrund schlechter Erfahrungen des Wiener Gemeinderats mit den Planungen und Ausführungen von städtischen Grünanlagen durch Maly ging dieser – mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eher unfreiwillig – im Februar 1884 als Wiener Stadtgärtner in den Ruhestand.

Nachdem Maly pensioniert worden war, diskutierte man im Wiener Gemeinderat über die Ausschreibung der Stadtgärtnerstelle. In einer Gemeinderatssitzung im März 1884 einigte man sich, den "Konkurs für die Stadtgärtnerstelle" mit folgenden Bestimmungen auszuschreiben: Die Bezüge des Stadtgärtners bestehen in einem Jahresgehalt von 2000 Gulden, der Naturalwohnung im städtischen Reservegarten samt "freier Beheizung" und einer jährlichen Wagenpauschale von 250 Gulden.

Die Bewerber haben "die erforderliche wissenschaftliche und Fachbildung, so wie die Kenntniß der deutschen Sprache in Wort und Schrift" nachzuweisen. Der Nachweis der österreichischen Staatsbürgerschaft ist – im ersten Schritt – nicht erforderlich. Die definitive Anstellung im Dienst der Gemeinde kann jedoch nur dann erfolgen, wenn innerhalb des Provisoriums von zwei Jahren der Nachweis der österreichischen Staatsangehörigkeit erbracht wird. Nach Ablauf dieses Provisoriums und im Falle der Bewährung in seiner Arbeit wird der Bewerber definitiv angestellt, wobei ihm bei der Pensionierung das zweijährige Provisorium in seine Dienstzeit eingerechnet wird. Während der provisorischen Anstellung kann der Stadtgärtner vom Gemeinderat seines Dienstes enthoben werden, und erhält – gestaffelt nach der Tätigkeitsdauer – eine Abfertigung.

Der letzte Punkt der Ausschreibung betraf den Fristenlauf und die Bewerbung des "Konkurses": Das Bewerbungsschreiben musste innerhalb von zwei Monaten abgegeben werden und die Ausschreibung auch "in ausländischen Blättern" abgedruckt werden. Die Öffnung der Bewerbungen für Männer ohne österreichische Staatsangehörigkeit und die Bekanntgabe in ausländischen Zeitungen und Zeitschriften führten zu einer Internationalisierung der Ausschreibung, deren Bewerberkreis nur durch einen Anspruch eingeschränkt wurde: Die Gärtner hatten eine nicht näher definierte Kenntnis der deutschen Sprache in Wort und Schrift nachzuweisen.

Im Juni 1884 beschäftigte sich der Wiener Magistrat in einer außerordentlichen Sitzung mit den eingereichten Bewerbungen. Insgesamt hatten sich 86 Männer "aus aller Herren Ländern" um die Stelle beworben. Genannt werden in diesem Zusammenhang unter anderem Christian Ilsemann aus Ungarisch-Altenburg, Emanuel Tollmann (Friedhofsgärtner auf dem Wiener Zentralfriedhof), Gustav Sennholz aus Bockenheim sowie – nur zum geringen Teil namentlich bekannte – Bewerber aus Warschau, Berlin, Potsdam, Chemnitz, Coburg, Nürnberg, Nizza und England. Im Sommer lud die gemeinderätliche "Gartenüberwachungskommission" die beiden Bewerber Sennholz und Ilsemann nach Wien zu einem Gespräch ein.

Die Kommission war danach inhaltlich gespalten, wie ein erhaltener Brief zeigt: Drei Mitglieder der Kommission sprachen sich nämlich für Ilsemann und drei Mitglieder für Sennholz aus. Nach längeren Diskussionen ernannte der Wiener Gemeinderat in seiner Sitzung im Oktober 1884 im vertraulichen Sitzungsteil mit großer Mehrheit Gustav Sennholz, den "Garten-Ingenieur bei der Firma Gebrüder Siesmayer zu Bockenheim bei Frankfurt a. M.", zum neuen Wiener Stadtgärtner und nicht – wie manchmal in Sekundärquellen angegeben – zum Stadtgartendirektor; ein Titel, der damals in Wien (noch) nicht existierte. Die Haupt- und Residenzstadt hatte nun wieder einen das städtische Gartenwesen leitenden Gärtner.

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Abb. 2: Ausbildungsstätte von Gustav Sennholz: die Karlsaue in Kassel, 2016. Foto: Christian Hlavac
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Abb. 3: Die neue Baumschule der Firma Gebrüder Siesmayer in Bockenheim. Aus: Möller's Deutsche Gärtner-Zeitung, IV. Jg. (1889), Nr. 5, S. 53. Bildquelle: Archiv Hlavac

Sennholz als Wiener Stadtgärtner

Am 14. November 1884 trat Gustav Sennholz seinen Dienst als Stadtgärtner von Wien an, wobei er bis zu seinem frühen Tod ein Jahresgehalt von 2000 Gulden und eine Naturalwohnung im Reservegarten beim Heumarkt erhielt. Dieser städtische Reservegarten hatte die Funktion einer Gärtnerei als Zucht- und Pflegebetrieb, welche den Pflanzenbedarf der Stadtverwaltung abdeckte und unabhängig von privaten Gärtnereien machte. Er lag zu jener Zeit am rechten Wienflussufer gegenüber der Heumarktkaserne – und somit in unmittelbarer Nähe zum Stadtpark, der zweitältesten kommunalen Grünanlage Wiens.

Der ab Oktober 1868 benutzbare Reservegarten beherbergte das in der Planungs- und Bauphase immer nur "Gärtnerwohnung" genannte Wohnhaus des Stadtgärtners. Es enthielt zu ebener Erde die Wohnung des Obergehilfen und der Gehilfen, die Kanzlei- und Arbeitsräume, im ersten Stock hingegen die Wohnung des Stadtgärtners, die aus drei Zimmern, einem Kabinett für Kinder, einem Vorzimmer, einer Küche und einem Dienstbotenzimmer bestand.

Von Osten aus gesehen schloss sich links vom Wohn- und Kanzleigebäude das rund zehn Klafter lange Kalthaus und eine ebenso lange Treibkiste an, rechts hingegen das zehn Klafter lange Warmhaus und eine Gruppe von drei je zehn Klafter langen Doppeltreibkisten. Außerdem gab es noch ein rund 24 Meter langes Vermehrungshaus ("Vermehrungskiste") sowie Ställe für das Geflügel, wobei im Laufe der Jahrzehnte immer wieder Umbauten erfolgten.

Der städtische Reservegarten am Heumarkt diente den drei Wiener Stadtgärtnern Siebeck, Maly und Sennholz als dienstlicher Wohnort und Verwaltungszentrum. Aufgelassen wurde der Reservegarten bereits im Jahr 1897 im Zuge der Arbeiten an der Wienflussregulierung und der Anlage der Stadtbahn. Er fand in einem anderen Wiener Bezirk eine neue Heimat.

Protest gegen den Hessen

Bereits kurz nach der Bestellung Sennholz' dürfte sich Widerstand in der Wiener Gärtnerschaft entwickelt haben. Dieser kumulierte in einem vom "Verein der Gärtner und Gartenfreunde in Döbling [bei Wien]" initiierten Protestschreiben. Der Verein hatte einen Tag vor Dienstantritt Sennholz' den Beschluss gefasst, an sämtliche Gärtnervereine in Wien und Umgebung eine Aufforderung zu richten. Sie sollten sich einem dem Gemeinderat zu überreichenden Protest gegen die Ernennung eines Ausländers zum Wiener Stadtgärtner anschließen, wie die "Wiener Vororte-Zeitung" berichtete. Der Protest hatte jedoch keine direkten Auswirkungen.

Die erste selbständig vom neuen Stadtgärtner Gustav Sennholz erfolgte Arbeit dürfte der Ende November oder Anfang Dezember 1884 vorgelegte "Plan für die neuen Gartenanlagen beim Justizpalaste" gewesen sein. Zu diesem Zeitpunkt war Gustav Sennholz, obwohl dies nie explizit angegeben wurde, nur provisorisch angestellt. Dies lässt sich daraus schließen, dass er erst im März 1887 im Rahmen einer Gemeinderatssitzung definitiv angestellt wurde.

Wie schon in der Ausschreibung der Stadtgärtnerstelle erwähnt, mussten ausländische Bewerber innerhalb des zweijährigen Provisoriums die österreichische Staatsbürgerschaft erlangen. Doch erst im November 1886 wurde bekannt, dass Sennholz gegen Erlag der Taxe in der Höhe von 200 Gulden die Zusicherung der Aufnahme in den Wiener Gemeindeverband, also die Einbürgerung, in Kürze erteilt werde.

Die in Wien bekannteste Gestaltung einer Grünanlage durch Sennholz ist sicherlich der erste Teil des Türkenschanzparks, der ab 1885 nach seinen Planungen entstand. Diese landschaftlich gestaltete öffentliche Grünanlage – damals weit außerhalb des Wiener Stadtgebiets gelegen – wurde von einem privaten Träger, dem "Verein zur Errichtung eines öffentlichen Parkes auf der Türkenschanze" initiiert und zum großen Teil finanziert.

Es stellt sich daher die Frage, ob Gustav Sennholz in seiner Funktion als Wiener Stadtgärtner quasi als Sachspende der Stadtgemeinde für den Verein als Planer tätig war oder die Planungsarbeiten (bezahlt oder ehrenamtlich) neben seiner offiziellen Tätigkeit durchführte. Da sich die Vereinsunterlagen nicht erhalten und bisher auch keine stadtinternen Akten zu diesem Thema gefunden haben, muss diese Frage leider unbeantwortet bleiben. Jedenfalls assistierte ab März 1887 der in Schweden geborene Gärtner Carl Gustav Swensson (1861–1910) dem Wiener Stadtgärtner vor Ort als ausführender Gartenarchitekt und Bauleiter.

Laut bisher noch nicht verifizierten Sekundärquellen entstand unter der Planung von Gustav Sennholz für die Stadt Wien im Jahr 1886 die Gartenanlage "Obere Donaustraße" am Donaukanal, in den Jahren 1890 bis 1892 die Grünanlagen der Gürtelstraße und 1894 die Gartenanlagen am Karlsplatz.

Zudem übernahm er von den einstigen Wiener Vororten einige Parkanlagen, die nach der sogenannten zweiten Stadterweiterung (1890/1892) und der sich daraus ergebenden Ausdehnung des Stadtgebiets in die Betreuung der Gemeinde Wien übergegangen waren. Gesichert ist seine Beteiligung an der langjährigen Diskussion über den (schlechten) Zustand der Alleebäume an der Wiener Ringstraße; ein Thema, dass schon seine beiden Vorgänger laufend beschäftigte und durch mehrmalige Neupflanzungen – auch unter Sennholz – geprägt war.

Der botanisch versierte Gustav Sennholz dürfte sich auch intensiv der städtischen Baumschule beim Wiener Zentralfriedhof gewidmet haben, die nicht nur für die Bereitstellung von Gehölzen für den Friedhof genutzt wurde, sondern zu einem großen Teil auch die städtischen Grünflächen mit Pflanzmaterial zu versorgen hatte.

In der Zeitschrift der "Kaiserlich-königlichen zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien" heißt es dementsprechend in einem Nachruf zu Sennholz: "Für uns Fachbotaniker waren die Gehölzculturen in der städtischen Baumschule hinter dem Centralfriedhof die werthvollste und interessanteste Schöpfung des Verewigten. Er scheute keine Mühen und keine Kosten, um dort eine möglichst vollständige Collection der bei uns winterharten Bäume und Sträucher zusammenzustellen [. . . ]. Er machte hiebei für die Gärtnerei wichtige Acclimatisationsversuche, war stets bestrebt, neue Ziergehölze und andere decorativ wirkende Gewächse in den städtischen Anlagen zu verwenden [. . . ]."

Dass Gustav Sennholz in seiner Funktion als Stadtgärtner mehrere Fachexkursionen und -reisen unternommen haben wird, kann als höchstwahrscheinlich angenommen werden. Doch bislang lässt sich nur eine längere Dienstreise nachweisen: Im Juli 1889 genehmigte der Wiener Gemeinderat dem Stadtgärtner zum Zweck einer Studienreise eine Reisepauschale von 200 Gulden "mit dem Bedeuten [. . . ], daß derselbe die auf der Reise in seinem Fache gemachten Erfahrungen und gewonnenen Eindrücke in einem eingehenden Berichte dem Magistrate darlege".

Dass Gustav Sennholz einen Bericht tatsächlich vorlegte, beweist eine kurze Bemerkung in einem Sitzungsprotokoll aus Dezember 1890: "Der Bericht des Stadtgärtners über seine in der Zeit vom 5. August bis 11. September 1889 unternommene Studienreise wird zur Kenntniß genommen." Leider ist der Bericht aus der Feder von Gustav Sennholz nicht erhalten geblieben. Er wurde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts skartiert.

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Abb. 4: Das von 1870 bis 1903 genutzte Lehranstaltsgebäude der Gärtnerlehranstalt am Wildpark nahe des Neuen Palais (Potsdam), 2015. Foto: Christian Hlavac

Sein überraschender Tod

Eine ausgreifende Tätigkeit als Wiener Stadtgärtner konnte Gustav Sennholz nicht entfalten, da er bereits im Alter von 45 Jahren am 24. August 1895 verstarb. Die Todesursache: Malaria. Der Wiener Stadtgärtner war erst einige Tage zuvor von einer mehrwöchigen Urlaubsreise zurückgekehrt, die sich auf Krain, Dalmatien und Istrien erstreckt hatte und botanischen Studien diente.

Die Krankheit dürfte er sich demnach auf einer der zuletzt von ihm besuchten Inseln – Krk (Veglia), Cres (Cherso) oder Mali Lošinj (Lussia Piccolo) – zugezogen haben. Sennholz wurde zwei Tage nach seinem Tod am Wiener Zentralfriedhof begraben, wobei sich sein Grab nicht erhalten hat. Er hinterließ eine Ehefrau (Anna Eleonore, geborene Benneder), die er 1890 geheiratet hatte; von Kindern aus dieser Ehe ist bisher nichts bekannt.

Die Kritik war verstummt

Entweder war im Laufe der Tätigkeit Sennholz' in Wien die Kritik an seiner Bestellung durch seine qualitätsvolle Arbeit verstummt oder es galt das Motto "Über Verstorbene spricht man nur Gutes"; jedenfalls wurden nach seinem Tod die seinerzeitigen Anfeindungen kritisiert. So heißt es in einem Nachruf, abgedruckt in der "Wiener Illustrirten Garten-Zeitung": Mit Sennholz "verlieren wir einen kenntnissreichen [sic!] Botaniker und einen sehr tüchtigen Landschaftsgärtner, der jedoch als gebürtiger Ausländer trotz seiner Naturalisirung [= Einbürgerung] ungerechte Anfeindungen zu erdulden hatte."

Die Zeitschrift der "Kaiserlich-königlichen zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien" formulierte es neutraler: "Er hatte hier [in Wien], namentlich in Gärtnerkreisen, mancherlei Anfeindungen zu erdulden, da man ihn, den Ausländer, als Eindringling betrachtete." Doch ganz neu war die Kritik an der Anstellung eines Ausländers als Stadtgärtner nicht. Schon 1864 hatten Gärtner aus Wien und Umgebung den Wiener Gemeinderat im Zusammenhang mit der Anstellung des Leipzigers Hermann Rudolph Siebeck kritisiert. In einem Schreiben ersuchten die Absender um ihre "Zuziehung bei Ausführung von Gartenanlagen"; sie fühlten sich abgedrängt.

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Abb. 5: Der städtische Reservegarten (links unten) nahe beim Stadtpark. Aus: Allgemeine Bauzeitung 1872, Blatt 49. Bildquelle: ANNO/ÖNB
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Abb. 6: Das Wohnhaus und ein Teil der Glashäuser im städtischen Reservegarten am Heumarkt. Aus: Wiener Kommunal-Kalender und Städtisches Jahrbuch 1870 (Anhang). Bildquelle: ANNO/ÖNB
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Abb. 7: Das Wohn- und Kanzleihaus im Reservegarten am Heumarkt, um 1875. Bildquelle: Wien Museum Sammlung
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Abb. 8: (Teils idealer) Plan des älteren, im Jahr 1888 eröffneten Teils des Türkenschanzparks. Aus: August Czullik, Wiener Gärten im Jahre 1890 Foto: Christian Hlavac
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Abb. 9: Die Wiener Ringstraße (Parkring) mit den Alleen, um 1880. Bildquelle: Wien Museum Sammlung

Verwaltungsinterne Stellung

Gustav Sennholz unterstand als Wiener Stadtgärtner, wie schon seine beiden Vorgänger Siebeck und Maly, unmittelbar dem Bürgermeister und dem Gemeinderat; die noch heute existierende Bezeichnung "Stadtgartenamt" (Magistratsabteilung 42) gibt es übrigens erst seit dem Jahr 1969. Wie groß das Arbeitsteam von Sennholz war, lässt sich nur für sein letztes Dienstjahr (1895) beantworten.

Ihm standen damals zur Verfügung: der bereits oben erwähnte Gärtner Emanuel Tollmann mit einem jährlichen Gehalt von 1200 Gulden, ein Obergehilfe mit 16 Gulden Wochenlohn, 15 Gehilfen mit je neun bis 14 Gulden Wochenlohn, ein Maschinenwärter im seit 1892 der Stadt gehörenden Türkenschanzpark (neun Gulden und zehn Kreuzer Wochenlohn), ein Turmwächter im Türkenschanzpark (sieben Gulden und zehn Kreuzer Wochenlohn) sowie drei Gartenburschen (je drei, vier und fünf Gulden Wochenlohn).

In jenem letzten Dienstjahr wurde im Jänner in einer Sitzung des Wiener Gemeinderats nach einer langen Debatte eine Reorganisation des städtischen Gartenpersonals beschlossen. So änderte sich der Titel "Stadtgärtner" in "Stadtgarten-Inspector". Dementsprechend sollte es ab nun einen "Stadtgarten-Inspector" plus einen "städtischen Obergärtner" und einen "städtischen Gärtner" geben. Gleichzeitig beschloss man eine Erhöhung des Gehalts des nunmehrigen Stadtgarteninspektors von 2000 auf 2400 Gulden plus zwei Quinquennien (das heißt Prämien alle fünf Jahre) zu je 200 Gulden.

Ein zu bestellender städtischer Obergärtner, welcher im Falle der Verhinderung den Stadtgärtner zu vertreten habe, solle mit 1100 Gulden Jahresgehalt und zwei Quinquennien zu je 100 Gulden sowie einer Naturalwohnung versehen werden. Des Weiteren werde man sieben städtische Gärtner mit einem Wochenlohn von 15 Gulden, vier mit einem Wochenlohn zu 14 Gulden und Naturalwohnung, neun Gärtnergehilfen, einen Haustischler und höchstens drei "Gartenburschen (Lehrlinge)" anstellen.

Somit amtierte Gustav Sennholz die längste Zeit in Wien als Stadtgärtner, erst einige Monate vor seinem Tod wurde er zum Stadtgarteninspektor ernannt. Eine Ehrung – verbunden mit einer Gehaltserhöhung –, die er durch seinen überraschenden Tod nicht genießen konnte.

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Abb. 10: Der Türkenschanzpark während der Corona-Pandemie, 2021. Foto: Christian Hlavac
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Abb. 11: Leerstelle mit dem einstigen Grab von Gustav Sennholz am Wiener Zentralfriedhof, 2024. Foto: Christian Hlavac
Anmerkung

Der vorliegende Text basiert auf den Ergebnissen eines von der Stadt Wien Kultur geförderten Forschungsprojekts des Autors: Das Werden einer Institution. Vom Provisorium zum Wiener Stadtgartenamt. Januar 2025 (unveröffentlicht).

Archivalische Quellen

Handschriftliche Protokolle von Sitzungen des Magistrats (Wiener Stadt- und Landesarchiv), Fotokopien zur Geschichte des Wiener Stadtgartenamts (Sammlung Eisterer, Österreichisches Gartenbaumuseum), Zeitschriftenarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Literatur
  • Hlavac, Christian: Die Anfänge der städtischen Gartenverwaltung in Wien (1860–1895). In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien, Band 81. Wien 2025 (in Druck).
  • Hlavac, Christian: Der Wiener Cottage Verein und der Türkenschanzpark. In: Das Wiener Cottage. Der Traum vom gesunden Wohnen. Heidi Brunnbauer und Erich Stöger (Hrsg.). Wien 2022, S. 259–281.
  • Hodvina, Sylvain: Gustav Carl Georg Ludwig Sennholz. In: https://t1p.de/v0l1d (botanik-hessen.de)
  • Magnus, Paul: G. Sennholz. In: Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft (Berlin). XIII. Jg. (1895), S. 55–58.
  • O. V.: Kurfürstlich Hessisches Hof- und Staatshandbuch. Cassel. Ausgaben für das Jahr 1842, 1850 und 1864.
  • O. V.: Protokolle der öffentlichen Sitzungen des Gemeinderathes der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, Bände 1861–1895.
  • Schwahn, Michael: Carl Gustav Swensson und der Türkenschanzpark. In: Historische Gärten. Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für historische Gärten, Heft 2/2013, S. 11–14.
  • Vogt, Barbara: Siesmayer Gärten. Frankfurt am Main 2009.
  • Wimmer, Clemens Alexander (Hrsg.): Ein Gärtner auf Grand Tour. Emil Sellos Tagebuch seiner Europareise 1838–1840. Ilmtal-Weinstraße 2020.
Dr.- Ing. Christian Hlavac
Autor

Gartenhistoriker und Gartentouristiker am Zentrum für Garten, Landschaft und Tourismus, Wien

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