Ruhestand

Heiner Baumgarten verabschiedet sich aus dem aktiven Berufsleben

Heiner Baumgarten, langjährige Präsident der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK e. V.) und verdienter Streiter für das Stadtgrün in Deutschland, hat sich in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Mechthild Klett

Ein verdienter Streiter für das Stadtgrün in Deutschland hat sich in den Ruhestand verabschiedet: Heiner Baumgarten. Sein größtes Verdienst für die GALK und ihre Außenwahrnehmung ist eine gute Vernetzung unter den grünen Verbänden. Dass der 1951 im niedersächsischen Stade geborenen Heiner Baumgarten eine prägende Figur war und ist, belegt vor allem sein breiter Wirkungskreis, in dem er nun ein großes Erbe hinterlässt.

Vom 16jährigen Gärtnerlehrling bis zum Geschäftsführer der igs hamburg 2013 gmbh war es ein langer Weg. Durch die Vielfalt seiner Wirkungsplätze - von Planungsbüros bis hin zu diversen Ämtern für Grünflächenpflege - lernte der diplomierte Landschaftsplaner schnell, mit verschiedenen, oft gegensätzlichen Interessengruppen konstruktiv zusammenzuarbeiten.

Die allermeisten haben Baumgarten als einen auf Ausgleich bedachten Menschen erlebt, der stets den Konsens suchte und auch fand. Ehemalige Weggefährten betonen, dass der Niedersachse als Vermittler ein ums andere Mal diplomatische Meisterleistungen vollbracht hat. Ganz vorne ist hier die Vereinigung des Arbeitskreises Stadtgrün und der Fachkommission Friedhof beim Deutschen Städtetag zu nennen. Aber auch der Entwicklungsprozess von der GALK DST zum GALK e. V., den er auch gegen innere Widerstände durchgesetzt hat, ist Ausdruck von Baumgartens diplomatischem Geschick. Der Niedersachse warb stets souverän und sachlich für die Ziele der GALK, wodurch er nie Gefahr lief, zu einer polarisierenden Reizfigur zu werden. Das große Ziel seines beruflichen Wirkens, die maximale Wahrnehmung und damit verbunden die Stärkung der GALK, verlor er dabei trotz aller Kompromissbereitschaft zu keiner Zeit aus den Augen.

Baumgartens größtes Projekt war es, die Internationale Gartenschau (IGA) im Jahr 2013 nach Hamburg zu holen. Ohnehin ist die berufliche Laufbahn des gebürtigen Niedersachsen eng mit der Hansestadt verbunden: Nachdem er 1980 sein Studium der Landespflege an der Universität Hannover abgeschlossen hatte, war Baumgarten als 29jähriger nach Hamburg gegangen. Seit Anfang der 1980er Jahre war er in verschiedenen Ämtern für Grünflächenpflege in der Hansestadt tätig - und das stets in leitender Funktion. Von alten Kollegen respektvoll als "Arbeitstier" tituliert, zeigte sich der Niedersachse jederzeit fokussiert, zielorientiert und beharrlich. Gepaart mit seiner sachlichen, integrierenden Art profilierte sich Baumgarten dadurch schon in seinen 30ern als Führungsfigur: Was er als Referatsleiter im Amt für Landschaftsplanung der Umweltbehörde Hamburg begann, setzte er ab 1989 als Abteilungsleiter im Garten- und Friedhofsamt unter dem Dach derselben Behörde bis Ende der 1990er fort. Die höchste Weihe folgte kurz vor der Jahrtausendwende, als Baumgarten zum Fachamtsleiter Stadtgrün und Erholung aufstieg.

Baumgartens größtes Projekt war es, die Internationale Gartenschau (IGA) im Jahr 2013 nach Hamburg zu holen.

Als Überzeugungstäter, für den urbanes Grün und das Wohlbefinden der Stadtmenschen stets und unmittelbar nur im Dialog zu sehen sind, verwirklichte er zahllose Projekte. Auch wenn nicht alle so prestigeträchtig wie die IGA waren, standen sie ihr in punkto Ambition und Nachhaltigkeit in nichts nach. Zu nennen sind stellvertretend die Hamburger Programme "Spielraum Stadt", das die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen an der Gestaltung altersgerechter Freiräume fördert sowie "Mobilität und Freiräume für ältere Menschen". Baumgartens Vermächtnis beim Hamburger Stadtgrün umfasst außerdem die Transformation dreier großer städtischer Staatsgüter zu ökologisch wirtschaftenden Betrieben. Zudem wurde zu Baumgartens Amtszeit ein Staatsgut zum Umweltzentrum umgewandelt sowie eine ökonomische Bewertung für Grünanlagen eingeführt. Auch über Hamburg hinaus war Baumgartens Wirken prägend: Er hat den Aufbau eines bundesweit genutzten Baumkatasters initiiert, diverse Veranstaltungsreihen ins Leben gerufen und verschiedene grüne Vereine gegründet. Urbanes Grün ist dabei nicht Baumgartens einziges Herzensprojekt - auch für den Naturschutz engagiert er sich bis heute. Seit 2008 ist der Niedersachse Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND).

Baumgartens bundesweite Verdienste um das öffentliche Grün kamen nicht zuletzt durch die Ehrungen zum Ausdruck, die ihm zuteil wurden. Unter anderem erhielt er im Jahre 2010 von der Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 e. V. (DGG) den Goldenen Gingko, vier Jahre später wurde er vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) mit der Silbernen Landschaft ausgezeichnet. Die Ehrungen durch die beiden bedeutenden grünen Organisationen zeigen nicht nur Baumgartens Wirkmächtigkeit über die Elbmetropole hinaus. Sie unterstreichen auch, wie gut der Visionär mit verschiedenen Verbänden vernetzt ist, oft auch selbst als Mitglied. So ist er bis heute etwa Vizepräsident der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL). Sein Netzwerk trägt soweit, dass er in nahezu jedem Verband seines Berufsfeldes kompetente Ansprechpartner vorweisen kann.

Als eloquenter Netzwerker, der große Leistungen vollbracht und wichtige Änderungen angestoßen hat, wird Baumgarten allseits geschätzt und respektiert. Sein kontinuierliches Bestreben war es, dauerhaft eine Geschäftsstelle der GALK e.V. zu etablieren, die nun endlich 2015 in Frankfurt eingerichtet werden konnte. Seither bestehen für den amtierenden Präsidenten Götz Stehr und das Präsidium bessere organisatorische Voraussetzungen denn je bei ihrer Arbeit. Gleichwohl wird das Präsidium der GALK fortan nur ungern auf Heiner Baumgartens kompetente Beiträge verzichten. Als nachtaktiver Mailversender muss er sich nun nach Wegfall seiner Pflichtaufgaben wohl nicht mehr betätigen. Dafür könnte er sich nun mehr seiner Familie und dem Reisen widmen. Wir wünschen es ihm von Herzen.

Hendrik Behnisch / das Präsidium der GALK

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 12/2016 .

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