Kommentar

In der Baisse muss man investieren

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In einer Zeit schwersten wirtschaftlichen Ringens hat die Stadt in ihre Freiflächen ein Kapital investiert, das seinen Zins bringen wird". Dieses städtebauliche Credo gab der bekannte Doyen der deutschen Stadtbauräte Martin Wagner, von 1926-1933 Stadtbaudirektor in Berlin, später Städtebauberater der türkischen Regierung und schließlich Professur für Städtebau und Landesplanung an der Harvard University in Cambridge.

Sein damaliges Statement zur Stadtentwicklung Berlins, gerade in Zeiten höchster wirtschaftlicher und sozialer Anspannung in das kommunale Grün, insbesondere in das urbane Kleingartenwesen zu investieren, ist gegenwärtig aktueller denn je. Auch heute leben wir in Zeiten, in denen viele Städte in höchster wirtschaftlicher, sozialer, ökologischer und auch gesundheitlicher Anspannung leben.

Die finanziellen Belastungen durch die Corona-Zeit, der Bebauungsdruck auf Grün- und Freiflächen, um den dringenden Bedarf an Wohnungsbau- und Infrastrukturflächen zu befrieden, die sozialen Veränderungsprozesse in der Stadt, Klimawandel und Biodiversitätsverlust - das alles stellt die Städte, ihre heutigen Stadtbauräte, die Stadt- und Grünplaner vor exorbitante Herausforderungen.

Aber gerade jetzt gilt es, auch in die Zukunft zu investieren und Stadt und Land, insbesondere den urbanen Grünraum in das 21. Jahrhundert zu transformieren. Das gilt insbesondre für das "alte" Stadtjuwel "Kleingarten". Diese urbanen Grünräume haben sich vom "Armengarten" zum ökologisch-sozialen Stadtjuwel des 21. Jahrhunderts entwickelt. Sie gehören unabdingbar in die Lebens- und Arbeitswelt der Zukunft. Gerade in Corona-Zeiten wurde deutlich: Kleingärten sind systemrelevant.

Deshalb müssen sie sich aber verändern, weiterentwickeln, modernisieren, die gesellschaftlichen, sozialen, technischen und kulturellen neuen Rahmenbedingungen erfassen. Neue Arbeitszeitmodelle, Digitalisierung und virtuelle Kommunikation prägen die Kleingärtner*innen der Zukunft genauso wie vielleicht ein völlig neuer migrationsbedingter Wertekodex oder die vielfache altersbedingte Vereinsamung.

Diese und ähnlich Auswirkungen gilt es, auch im Kleingartenwesen der Zukunft zu erfassen. Wie gesagt: "In der Zeit schwersten wirtschaftlichen Ringens gilt es, in die Zukunft zu investieren". An der Börse, so der Börsenguru André Kostolany gilt: "In der Baisse muss man investieren". Prof. Dr. Klaus Neumann

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 11/2020 .

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