KOMMENTAR

In dubio pro natura

von

Das 21 Jahrhundert wird das Jahrhundert der Umwelt sein. So oder so. Entweder als Jahrhundert der ökologischen Wende oder als Jahrhundert der ökologischen Katastrophe.

Wasser, Boden und Luft werden in einem unerträglichen Ausmaß verbraucht und vergiftet. Floristische wie faunistische Artenvielfalt gehen dramatisch zurück. Urwälder werden abgebrannt, Wüsten breiten sich aus. Der Bedarf an Energie und Bodenschätzen steigt weltweit. Gleichzeitig wächst die Erdbevölkerung, immer mehr Menschen drängt es in die Städte. Das mittelalterliche Motto "Stadtluft macht frei" gilt heute mehr denn je, verspricht Hoffnung für all jene, die eine neue Heimat freiwillig oder gezwungenermaßen suchen.

UNO-Generalsekretär António Guterres sagte am 21.September vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen: "Wir befinden uns im Krieg mit der Natur". Wenige Tage später, am 26. September, die Aussage von Bundesaußenminister Heiko Maas am gleichen Ort: "Die Erde brennt lichterloh". Bei großen Veranstaltungen große Worte, große Zustimmung, Beifall und gewaltiger Applaus. Das ist en vogue, aber im Lokalen, im Kleinen vor Ort: Dem großen Beifall und Applaus folgen der Fall und das Aus. Wie lebenswichtig wäre es, bei den Erkenntnissen aus dem globalen Großen die Belange, die unsere Schöpfung ausmachen, in den Vordergrund der humanen, urbanen und sozialen Entwicklung zu stellen.

Dem schonenden Umgang mit Boden, mit Wasser, mit Pflanzen; also dem Grün, dem Garten die zentrale Bedeutung zu geben. Muss heißen: In dubio pro natura, insbesondere dort, wo in vielen Städten der Glaube besteht, dass den Folgen der Urbanisierung mit immensen Flächenbedarfen für Infrastruktur nur Folge geleistet werden kann, wenn Grünflächen bebaut, Parkanlagen zu Bauland umstrukturiert oder Kleingartenfläche zukünftig für Immobilienzwecke genutzt werden.

Aber: Stadtgrün, Gärten, Kleingärten sind die wesentlichen Rettungsanker für die Stadt der Zukunft. Ja, die Stadt der Zukunft hat viele neue Bedarfe. Sie muss umstrukturiert und konzeptionell neu erfunden werden. Deshalb sollten den großen Worthülsen vor der UNO die großen Baumpflanzungen im Kleinen folgen. Und: Es ist eine grundsätzlich falsche Einstellung, wenn angesichts der Umweltprobleme im Großen (im Weltgarten) die Umwelt im Kleinen (im Kleingarten) bedenkenlos zerstört wird.

Kleingärten, vor über 100 Jahren als Armengärten entstanden, sind heute die Juwelen für die Stadt. Sie sind existenzielle Grundlage für die Bewahrung der Schöpfung und das Lebensglück der Menschen.

Prof. Dr. Klaus Neumann

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 11/2019 .

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