Thüringer Landesgartenschau mit Glacis am Festungsgelände

"Junge Gärten Torgau"

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Der Kranichspielplatz am Westufer des Eisbahnwiesenteiches befindet sich in sumpfigem Terrain und war im Wettbewerb als Standort für einen "Stelzenspielplatz" vorgeschlagen. Die Kinder der EntwurfsverfasserInnen, damals im besten Zielgruppenalter, haben ganz entscheidend an der Ideenfindung mitgewirkt. Und sind im Übrigen der Überzeugung, dass Spielplätze grundsätzlich von Kindern geplant werden sollten. . . Foto: Kay Zimmermann, Leipzig, Februar 2022

Die 9. sächsische Landesgartenschau findet in diesem Jahr in Torgau statt. Die 21.000 Einwohnerstadt ist ca. eine dreiviertel Stunde Fahrtzeit mit der Regionalbahn von Leipzig entfernt und eingebettet in die Elbauen- und Heidelandschaft an der Grenze zwischen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Die ehemalige Residenz- und Garnisonsstadt grenzt mit ihrer durch Renaissance- und Barockbauten geprägten Innenstadt direkt an die weitläufigen Elbauen an. Zwischen 1811 und 1889 war die Stadt als "Festung Torgau" von der allgemeinen technischen und städtebaulichen Entwicklung des 19. Jahrhunderts weitgehend abgeschnitten. Selbst in der Gründerzeit wuchs die Stadt nicht über die Grenze der Befestigungsanlagen hinaus. Erst nach 1945 entwickelten sich außerhalb des Glacis im Westen der Stadt neue Stadterweiterungsgebiete.

Die Stadtgeschichte und der Naturraum sind nahezu überall stadträumlich erlebbar und erfahrbar. Die Spuren der ehemaligen Festungsanlagen mit Bastionen und Wallanlagen sind noch heute im Stadtgefüge sehr gut ablesbar. Die Innenstadt wird durch das ehemalige Glacis umschlossen, das nach der Aufgabe der militärischen Nutzung ab dem Ende des 19. Jahrhunderts in einen Stadtpark umgewandelt wurde und neben seiner gartendenkmalpflegerischen Bedeutung heute auch einen hohen Wert für den Arten- und Biotopschutz besitzt.

Diese enge Verbindung zwischen Stadtgeschichte und Naturraum wurde 2017 in der Wettbewerbsauslobung zur 9. Sächsischen Landesgartenschau unter dem Thema "Natur - Mensch - Geschichte" aufgegriffen. Die Natur der weiten Elbauen und großen Heidegebiete prägt die Stadt Torgau und ihre Umgebung, und ist auch im Gartenschaugelände stark präsent. Mit der Landesgartenschau eröffnen sich Möglichkeiten, sowohl die Stadtgeschichte, die Stadtnatur als auch den weiteren Landschaftsraum neu zu erleben.

Neben den historischen Freiräumen des Glacis werden durch die Einbindung von Brachflächen die Freiraumverbindungen in der Stadt ergänzt und zeitgemäß entwickelt sowie neue Nutzungsangebote vor allem auch für jüngere Menschen geschaffen. Der Projektname "Junge Gärten Torgau" spiegelt diesen Anspruch wider, in einer mit demografischen Herausforderungen konfrontierten Mittelstadt durch eine proaktive Stadt- und Freiraumentwicklung attraktive Angebote für junge Menschen und Familien zu bieten.

Die drei Themen waren auch im Wettbewerbsentwurf des Büros Station C23 aus Leipzig von 2018 die wichtigsten konzeptionellen Ansatzpunkte, sie sind in der neuen Parklandschaft räumlichen Schwerpunkten zugeordnet, jedoch gibt es keine eindeutige Trennung, denn alle Themen sind im gesamten Gelände, und auch in der gesamten Stadt, immer stark miteinander verknüpft und beziehen sich aufeinander. Vor allem der Teilbereich des Glacis und die damit verbundene Festungsgeschichte der Stadt prägt das etwa 21 Hektar große Gartenschaugelände unmittelbar nördlich der historischen Altstadt.

Städtebaulicher Übersichtslageplan aus dem Wettbewerbsbeitrag, Anfang 2018. Gut zu erkennen ist der von der Stadtbefestigung herrührende Grundriss des ringförmigen Stadtparks auf dem ehemaligen Glacis. Die beiden nördlichen "Segmente" des Glacis werden anlässlich der Landesgartenschau erneuert und ergänzt. Abb.: Station C23

Wettbewerbsplan "Dauerkonzept": der Plan zeigt das gesamte Landesgartenschaugelände im Dauerkonzept, welches für die eigentliche investive (und geförderte) Planung maßgeblich ist. Die Ausstellungsbeiträge und Schauflächen, Wechselflor etc. sind nur temporär und hier nicht dargestellt. Abb.: Station C23

Entwurfsplan zum westlichen Glacis mit dem "Eisbahnwiesenteich", links der Übergang zum Bahnhof. Die Zugänge zum Teich werden als "Spangen" ausgebildet, von denen die westliche den Kranichspielplatz aufnimmt. Die östliche Spange erschließt als filigrane Stahlkonstruktion "Ornis-Steg" eine kleine Halbinsel und ermöglicht einen geregelten Zugang ins Vogelschutzgebiet, hier sind u. a. Eisvögel zu beobachten. Abb.: Station C23

Entwurfsplanung: der "Junge Garten" verbindet als intensiv gestalteter Erlebnisbereich den historischen und unter FFH-Schutz stehenden Stadtpark mit der ebenfalls naturschutzfachlich wertvollen und extensiv gestalteten "Eichenwiese". Am Übergang zur Eichenwiese sind vorhandene Kleingärten in die Gestaltung integriert und bieten zur Landesgartenschau Ausstellungsmöglichkeiten im Bereich Kleingarten. Abb.: Station C23

Das ehemalige Glacis der Festung liegt seit dem Ende der Festungszeit als großzügig angelegter Stadtpark wie ein grüner Ring um die Altstadt. Hier steht die behutsame denkmal- und naturschutzgerechte Erneuerung eines in die Jahre gekommenen Stadtparks im Vordergrund. Auf den Flächen einer ehemaligen Gewerbebrache nördlich des Glacis besteht die Möglichkeit im sogenannten "Jungen Garten" neue intensive Nutzungsangebote für Sport und Freizeit zu etablieren, die im historischen Gefüge der Stadt und in den ökologisch sensiblen Bereichen keinen Platz finden.

Die daran angrenzende "Eichenwiese" war ein übersehener und vergessener Ort, der sich im Eigentum der Bahn befand und nun mit seinem alten und freigestellten Gehölzaufwuchs zu einem neu zu entdeckenden Freiraum am Elbradweg in Torgau wird. Über diese neuen Freiraumverbindungen, die durch Blick- und Wegebeziehungen ausgearbeitet werden, entstehen auch stadträumlich neue Bezüge und so werden Stadt und Naturraum neu miteinander verknüpft.

Der Teilbereich des Glacis ist mit 12 Hektar der größte Bereich des Gartenschaugeländes. Hier bestand planerisch eine enorme Herausforderung darin, innerhalb der Rahmenbedingungen des Denkmalschutzes als auch Naturschutzes den Bestand behutsam zu ergänzen und zu erneuern. Wie in vielen Gartendenkmalen mit historischem Baumbestand hatten auch hier die Dürren der letzten Jahre enorme Schäden angerichtet. Hinzu kam eine über Jahre vernachlässigte Pflege, so dass während der ersten Planungsphasen schnell klar wurde, dass in diesem Bereich größere Maßnahmen erforderlich werden als ursprünglich geplant. So ging beispielsweise seit 2017 nahezu der gesamte Bestand an großen, alten Rotbuchen unwiederbringlich verloren. Der gesamte Gehölzbestand musste radikal verringert, in erheblichem Umfang Baumpflege betrieben, und durch Neupflanzungen verjüngt werden.

Blick von den "Sonnengärten" über die Eichenwiese im Wettbewerbsentwurf von 2018 mit der großen Solitäreiche. Visualisierung: Station C23

Blick von den "Sonnengärten" über die Eichenwiese im September 2021. Die Solitäreiche wurde behutsam gepflegt, der Bestand insgesamt etwas ausgelichtet und Bäume mit besonderem Entwicklungspotential freigestellt. Die Staudenpflanzungen sind erst einige Wochen alt und zeigen bereits einen ersten, frühen Blühaspekt. Die Pflanzplanung für die Staudenflächen wurde von Heiner Luz realisiert. Foto: Station C23, September 2021

Konzeptionell wird das bestehende Prinzip zweier parallel längs im Glacis verlaufender Parkwege aufgenommen. Das historische Wegesystem wird ergänzt durch so genannten "Spangen", welche in Querrichtung zu den Hauptwegen zum einen den im Glacis befindlichen "Eisbahnwiesenteich" zugänglich machen, zum anderen die weiteren Teilflächen "Junger Garten" und "Eichenwiese" als neue Parklandschaften erschließen, sowie am östlichen Abschluss des alten Stadtparks diesen nun mit einem "Elbbalkon" mit dem Fluss verknüpfen. Die "Spangen" sind teilweise als aufwändige stählerne Stegkonstruktion mit minimalem Eingriff in den Boden gegründet und führen die Wege als "Ornis-Steg" zum Wasser, und als "Baumsteg" durch den teils noch sehr dichten Baumbestand im östlichen Glacis hinüber zum "Jungen Garten".

Bei den Hauptwegen im Glacis wurde die teilweise verloren gegangene Einfassung aus Naturstein wieder ergänzt und ein neuer Belag aus Ostrauer Wegedecke eingebaut. Foto: Kay Zimmermann, Leipzig, Februar 2022

Blicke entlang des Ringweges mit den Wildstaudenpflanzungen in den "Sonnengärten" im September 2021. Foto: Station C23, September 2021

Die Spiellandschaft im "Jungen Garten" ist abwechslungsreich und intensiv, auch in der Farbgebung. Dieser Teil entstand in Zusammenarbeit mit Spielraumlabor Berlin. Foto: Kay Zimmermann, Leipzig, Februar 2022

Junger Garten, Einfassung der Spiel- und Sportbereiche mit einem durchlaufendem Band aus Betonfertigteilen. Die Teile wurden mit größter Präzision bei Biber-Beton gefertigt und perfekt verlegt. Die Öffnungen sind für die spätere Bepflanzung vorgehalten. Foto: Station C23, September 2021

Der "Helixtower" im "Jungen Garten" ist der Geometrie des Großen Wendelstein im Schloss Hartenels nachempfunden. Die spiralförmige Treppe aus der Renaissance wurde als Kletternetz nachgebaut und bildet zusammen mit dem benachbarten Turm und den großen Ellipsen eine komplexe Kletterlandschaft. Foto: Kay Zimmermann, Leipzig, Februar 2022

Blick von den "Sonnengärten" über die Eichenwiese im Februar 2022. Der Rundweg verläuft am Rand der extensiven Wiesenfläche, gesäumt von artenreichen Wildstaudenpflanzungen und unterschiedlichen Sitzgelegenheiten. Foto: Kay Zimmermann, Leipzig, Februar 2022

Vom intensiv gestalteten und genutzten "Jungen Garten" kommend, öffnet sich der Blick in die Weite der "Eichenwiese". Die Wiesenfläche liegt etwas tiefer als der umlaufende Weg, so dass die BesucherInnen gleichsam in die Wiesen "eintauchen" können. Unterschiedliche Sitzmöbel bieten Möglichkeiten für Kontemplation und Erholung. Foto: Kay Zimmermann, Leipzig, Februar 2022

Im Glacis wurden die historischen Wege wiederhergerichtet, mit neuer Wegedecke und neuen Einfassungen nach historischer Vorlage ausgestattet. Eine nicht mehr erkennbare Lindenallee wurde wieder angelegt, Sitzgelegenheiten und kleinere im Park verteilte historische Denkmale aufgearbeitet und wieder in einen gestalterischen Gesamtkontext eingebunden. Gegenüber dem Bahnhof am Eingang zum Glacis grüßt ein 12 Meter hoher Kranich, welcher hier zusammen mit weiteren überlebensgroßen Figuren als spektakuläre Kletterfigur installiert ist. Die beiden Kraniche und ein Biber stehen stellvertretend für die hier unter strengem Naturschutz stehende typische Fauna und bieten neue Spielangebote im Stadtpark.

Besonders anspruchsvoll war hier das Thema Bepflanzung und naturschutzfachlicher Vorgaben, denn ein großer Teil des Glacis ist als FFH-Gebiet streng geschützt und kann nahezu nicht verändert werden. Hier ist es gelungen, in enger Kooperation mit den Umweltbehörden und der Einbindung entsprechender Fachleute geeignete Pflegemaßnahmen durchzuführen, standortgerechte Saatmischungen zu entwickeln, und die baulichen Eingriffe so zu minimieren, dass sie mit der FFH-Richtlinie konformgehen.

Der quasi doppelte Schutzstatus als Gartendenkmal und FFH-Schutzgebiet hat allerdings auch zur Folge, dass die dringend erforderliche Bestandsverjüngung bei den Großgehölzen ausschließlich mit dem schon vorhandenen Artenspektrum realisiert werden durfte. Gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurde jedoch angestrebt, bei der Bestandsverjüngung auch zukunftsfähige Arten auszuwählen, welche mit den heutigen und zukünftigen klimatischen Bedingungen deutlich besser zurechtkommen, als der jetzt schon sichtbar geschädigte Bestand. Hier zeigten sich allerdings Zielkonflikte zwischen Denkmal- und Naturschutz. Die Umweltbehörde bestand auf dem "status quo", welcher in der mehr als zwei Jahrzehnte alten Festsetzung zum FFH-Gebiet festgeschrieben ist, obwohl dieser augenscheinlich nicht in Hinblick auf die sich verändernden Standortbedingungen zukunftsfähig ist.

Ein neuer Baustein der Torgauer Parklandschaft ist der sehr intensiv gestaltete "Junge Garten" auf einer Konversionsfläche. Dieser Bereich wurde auch zum Titelgeber für das Gesamtprojekt, das durch die Stadt als "Junge Gärten Torgau" kommuniziert wird. Der ca. 12.000 Quadratmeter große Bereich war zuvor mit Industriebauten aus den 1960 bis 80er Jahren bebaut und verknüpft das landschaftlich geprägte und naturschutzfachlich wertvolle Glacis mit dem wiederum extensiv geprägten Teilbereich "Eichenwiese" im nördlichen Anschluss. Bereits im Wettbewerbsentwurf wurde das Ziel formuliert, intensive Nutzungen ausschließlich auf Konversionsflächen zu gestalten, und die extensiven Bereiche mit dem Schwerpunkt Artenvielfalt und Ökologie zu entwickeln.

Aus diesem Grund ist der "Junge Garten" konsequent und intensiv mit diversen Nutzungsmöglichkeiten ausgestattet. Die Intensität der Gestaltung wurde im Lauf der Entwurfsplanung auf Wunsch der Stadt Torgau noch deutlich gesteigert. Spektakuläre Spiellandschaften und Sportangebote werden hier realisiert. Eine große Kletterlandschaft nimmt Anleihen beim Torgauer Schloss Hartenfels - der berühmte Große Wendelstein, eine freitragende spiralförmige Treppe ohne Mittelsäule und ein Hauptwerk deutscher Renaissancearchitektur, wurde zum Vorbild für einen über 10 Meter hohen "Helixtower", in welchem die Geometrie der Treppe in eine Netzstruktur übertragen zum Klettern einlädt. Weitere Sport- und Spielmöglichkeiten ergänzen das vielfältige Angebot und werden diesen Bereich auch nach der Gartenschau zu einem Anziehungspunkt in der Region machen.

Eine weitere Attraktion für junge Menschen befindet sich am westlichen Rand der extensiv gestalteten "Eichenwiese". Hier wurde auf dem Standort eines abgebrochenen Garagenkomplexes eine große Skateanlage errichtet. Auch hier greift das Prinzip, dass intensive Nutzungen mit großem Versiegelungsanteil nur auf Konversionsflächen realisiert werden, welche zuvor bereits versiegelt waren. Von der leicht erhöhten Anlage schweift der Blick in Längsrichtung über die Eichenwiese Richtung Elbe.

Dieser von großen alten Eichen und Kiefern geprägte Teilbereich war über Jahrzehnte ein verstecktes und nur ganz wenigen Torgauern bekanntes Refugium. Die Fläche befand sich im Eigentum der Bahn, war hinter Garagen, Kleingärten, Industrie und Bahndamm praktisch nicht einsehbar und wurde durch eine einzelne Person über die Jahre teils mit Weidehaltung kleinteilig und extensiv bewirtschaftet, in den letzten Jahren gar nicht mehr. Unser Ziel war es, so viel wie möglich dieses unerwartet vorgefundenen Ortes und seiner Qualitäten zu erhalten und aus dem Bestand heraus zu entwickeln.

Die Eichen wurden teilweise freigestellt, und nur ein umlaufender Weg erschließt das Gelände entlang der Ränder, die Mitte bleibt frei und lässt die mächtigen Bäume wirken. Entlang des Weges wurden standortgerechte Wildstaudenpflanzungen etabliert, welche mit der in Teilen als artenreichen Ansaat ergänzten Wiesenfläche korrespondieren und die Artenvielfalt noch steigern. Dieser eher sonnige Bereich, im Kontrast zum Glacis mit seinem dichten Baumbestand, wird genutzt, um Sommerstauden und trockenheitsliebende Pflanzen anzusiedeln.

Leider sind auch hier fast sämtliche Kieferbestände, die den Ort stark prägten, der Trockenheit der vergangenen Jahre zum Opfer gefallen und mussten in der Folge nahezu komplett entnommen werden. Im östlichen Bereich, unmittelbar an die Elbe angrenzend, ist der Baumbestand dichter. Hier wurde im Übergangsbereich noch ein kleiner "Eichenspielplatz" mit Naturentdeckerpfad angelegt, sodass die insgesamt mit eher kontemplativem Charakter verbundene "Eichenwiese" hier noch mit kleinteiligen und extensiven Spielmöglichkeiten und Informationen zu Natur und Umwelt ergänzt wird.

Die Eichenwiese findet ihren östlichen Abschluss an der Elbe - nur von ihr getrennt durch Elbradweg und Deich, welcher an dieser Stelle einen direkten Blick vom Park aus auf den Fluss verhindert. Um einen Orientierungspunkt zu schaffen und die Blickbeziehung zur Elbe zu ermöglichen, entwickelten wir bereits im Wettbewerb die Idee für den "Deichgucker", einen erhöhten Aussichtspunkt am östlichen Rand der Wegeschleife, welche die Eichenwiese umschließt. Von dort aus können die Parkbesucher den Fluss sehen und die weiten Elbwiesen überblicken.

Der rund 9 Meter hohe Turm ist als kombinierte Holz-Stahlkonstruktion ausgeführt und bildet am äußersten Rand der neuen Parklandschaft sowohl einen Ausblick über die Elblandschaft, und wirkt gleichzeitig als abschließender Hochpunkt der Stadtsilhouette von der gegenüberliegenden Elbseite aus gesehen. Auch für die hier aus Richtung Norden ankommenden Radfahrenden auf dem stark frequentierten Elberadweg dient der Turm als Landmarke und Willkommenszeichen.

Etwas weiter südlich schließt das Glacis, beziehungsweise der historische Stadtpark, bisher nicht sonderlich gestaltet an Elbradweg und Elbufer an, hier allerdings hoch genug gelegen, sodass hier kein gesonderter Deich den Blick versperrt. Die bislang eher unscheinbare Situation wurde aufgewertet, die beiden Hauptwege des Glacis wurden bis an die Elbwiesen heran verlängert und bilden hier den leicht erhöhten "Elbbalkon". Auf diese Art hat nun auch der alte Stadtpark einen direkten Bezug zur Elbe erhalten. An dieser Stelle gibt es auch entlang der Elbe eine direkte Wegeverbindungen zur Altstadt, weitere sind als Querungen des Glacis an historischer Stelle aufgegriffen und im Zuge der Neugestaltung erneuert worden.

Der neu gestaltete östliche Abschluss des Stadtparks im Glacis ist der "Elbbalkon" mit Blick auf den Fluss und die weite Umgebung der Stadt. Foto: Kay Zimmermann, Leipzig, Februar 2022

Der dichte alte Baumbestand im Glacis bringt bereits im beginnenden Frühjahr einen intensiven Aspekt an Frühblühern hervor – Zustand im Februar 2022. Foto: Kay Zimmermann, Leipzig, Februar 2022

"Ornis-Steg" während der Bauphase im Februar 2022, noch ohne Geländer, später wird der Stahl mit einem RHD-Belag beschichtet und erhält so eine mineralische Oberfläche, welche in Farbe und Textur den anschließenden Wegen aus Ostrauer Wegedecke nahe kommt. Foto: Kay Zimmermann, Leipzig, Februar 2022

Eine weitere, im Wettbewerb noch integrierte Konversionsfläche "Ehemaliger Schlachthof" wurde während der Planung zunächst für ein mögliches Kulturzentrum mit entsprechend hochwertig gestalteten Freiräumen freigehalten. Zwischenzeitlich wurde er ganz aus dem Projekt entfernt und wird nun als Festplatz hergerichtet, um sowohl für die Landesgartenschau als Ort für große Veranstaltungen und Gastronomie zu dienen als auch in der Folge als Festplatz für die Stadt genutzt werden kann. Für die Parklandschaft hat diese Konzentration intensiver Nutzungen auf wenige dafür geeignete Orte den Vorteil, dass die naturschutzfachlich wertvollen und sensiblen Teilbereiche nicht mit den großen für Gartenschauen üblichen Veranstaltungsorten belegt werden müssen.

Direkte Sichtbezüge zur Altstadt gibt es wegen des großen, dichten Baumbestandes im Glacis nur vom "Jungen Garten", in der Eichenwiese und vom "Deichgucker" aus. Die verschiedenen Aussichtspunkte und Blickbeziehungen, welche sich an den kleinen Platzflächen der Wegeschleifen ergeben, verbinden den neuen Park mit den identitätsstiftenden Themen Elbe, Glacis, Wasserlandschaft und Altstadt. So verbinden sich die drei Themen Natur, Mensch und Geschichte nicht nur räumlich-funktional, sondern auch immer wieder visuell.

Die Vielfalt und der Kontrast zwischen sehr intensiv gestalteten und genutzten Bereichen, und den größeren landschaftlich geprägten und historischen Teilen der neuen Parklandschaft, alles eingebettet in die weite Elbauenlandschaft und im unmittelbaren historischen Kontext von Altstadt und Festungsgeschichte, erzeugen ein lebendiges und gleichzeitig von großen, ruhigen Abschnitten geprägtes Parkerlebnis. Die Herausforderung, gleichzeitig strengen Naturschutz, denkmalpflegerische Anforderungen, sowie den Wunsch der Stadt nach intensiv und vielfältig nutzbaren, zeitgemäß gestalteten Freiräumen in einem Projekt zu vereinen, war extrem anspruchsvoll und zeitintensiv in Planung, Abstimmung und Umsetzung.

Das Projekt zeigt jedoch auch, dass durch fachlich fundierten Austausch mit Natur- und Denkmalschutzbehörden, intensiver Abstimmung und vor allem einer generell auch auf naturschutzfachliche Ansprüche wie Artenvielfalt und Biodiversität gegründete freiraumplanerische Herangehensweise scheinbare Gegensätze und Konflikte zwischen Naturschutz, Denkmalschutz, Nutzungs- und zeitgemäßen landschaftsarchitektonischen Gestaltungsansprüchen gelöst oder entschärft werden können.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 04/2022 .

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