IPM 2023 vom 24. bis 27. Januar

Klimawandel bestimmt Weltleitmesse in Essen

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Die grüne Branche trifft sich wieder in Essen. Fotos: IPM Essen

Nach zwei Jahren pandemiebedingten Messe-Aus für die IPM ist die Vorfreude groß, dass der Branchentreff in Essen in diesem Jahr wieder stattfinden kann. Die Pandemie hat zwar den direkten Austausch zeitweise ausgeschaltet, aber letztlich den Markt angekurbelt: Denn die Pandemie hat die Nachfrage nach Grün enorm angetrieben und Umsatzrekorde für den Blumen- und Pflanzenmarkt ausgelöst.

In den letzten zwei Jahren haben Bestandskunden als auch Erstkundinnen mehr für Blumen und Pflanzen ausgegeben als in den Jahren zuvor. Das zeigte sich vor allem in den Segmenten Stauden, Laubgehölze, grüne Zimmerpflanzen sowie Beet- und Balkonpflanzen. Auch 2021 wurde im gärtnerischen Einzelhandel beobachtet, dass die Pflanzenfreunde durchschnittlich bis zu 20 Prozent mehr ausgaben als im umsatzstarken Vorjahr. Besonders an den Muttertagen wurden während der Pandemie mehr Blumen gekauft als sonst, der Großhandel meldete Umsatzsteigerungen von 40 Prozent zum normalen Muttertagsgeschäft.

Verschiedene Konjunkturumfragen zum Verlauf der Beet-und Balkonpflanzensaison, wie des Lehr-und Versuchszentrums für Gartenbau in Erfurt, bestätigen zudem, dass die Saison 2021 positiv zu bewerten sei. 80 Prozent der Befragten schätzen die Saison als gut bis sehr gut ein. Dank der warmen Märztage begann das Frühjahrsgeschäft 2021 deutlich besser als 2020.

Auch der Großhandel verzeichnete ein Umsatzplus. So meldete Landgard, eine der größten Erzeugergenossenschaften und Vermarktungsorganisation von Blumen und Pflanzen in Deutschland, bereits nach dem ersten Quartal 2021 eine Umsatzsteigerung von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Veiling Rhein-Maas berichtet bereits nach dem ersten Quartal 2021 von einem sehr erfolgreichen Jahresstart. Deren Produktumsatz lag ebenfalls deutlich über dem Ergebnis des Vorjahreszeitraums. Bleibt abzuwarten, was die Zahlen für 2022 sagen.

Baumschul-Rundgänge fester Bestandteil des Messeprogramms

Ein traditionell starker Partner der IPM sind Baumschulen, die ihr Angebot großflächig in Essen präsentieren. Unter den Ausstellern im Bereich "Pflanze" haben Baumschulen einen Anteil von 45 Prozent, davon kommen 16 Prozent aus Deutschland. Angesichts der drängenden Zukunftsfragen zu Klimawandel und Nachhaltigkeit spielen Baumschulen eine immer größere Rolle für den Garten- und Landschaftsbau. Neben der Ausstellung der vielfältigen Baumarten haben Fachbesucherinnen und Fachbesucher auch die Gelegenheit, sich bei geführten Baumschul-Rundgängen über neue Sorten, darunter auch Klimabäume, zu informieren.

Die Flamingo Pink ist einzigartig wegen ihrer schönen Zeichnung auf der Blüte mit dunkelrosa Sprenkelung. Foto: IPM Essen

Messeneuheiten

Auf der IPM stehen traditionell die Pflanzenneuheiten im Mittelpunkt. Ein Highlight bildet in diesem Jahr Sundaville Flamingo Pink, die 2021 auf den Markt eingeführt wurde. Die Pflanze hat besonders pinkfarbene Blüten und blüht optimal bis zum ersten Frost. Sundaville ist eine dankbare Pflanze und benötigt fast keine Pflege. Die Flamingo Pink zeigt eine einzigartig schöne Zeichnung auf der Blüte mit dunkelrosa Sprenkelung, wobei die Ränder der Blüte hellrosa geflammt sind. Sie ähnelt dem Gefieder eines Flamingos, dem die Blume ihren Namen verdankt.

Zum Thema Nachhaltigkeit fällt eine Neuheit bei den Pflanzengefäßen ins Auge: der vollkommen heimkompostierbare Pflanztopf Greta Pro mit Düngeeffekt. Er wurde speziell für den professionellen Gartenbau entwickelt, ist von runder Form mit Rand und damit topfmaschinengängig. Greta Pro übersteht dank einer speziellen Imprägnierung eine Kulturzeit von etwa acht bis zwölf Wochen auf Anstau- und Fluttischen. In den Boden eingesetzt beginnt sich der Pflanztopf mit der Zeit zu zersetzen und einen eingebauten Stickstoffdünger gleichmäßig an den Setzling beziehungsweise die Pflanze abzugeben. Greta Pro ist vollkommen biologisch abbaubar und zersetzt sich innerhalb von drei bis sechs Monaten rückstandsfrei. Beim Material handelt es sich um Kollagen als tierisches und Hanfschäben als pflanzliches Nebenprodukt. In Form eines Kegelstumpfs hat er einen Durchmesser von 12 Zentimetern und eine Höhe von 10,5 Zentimetern. Der Topf bringt an Gewicht etwa 50 Gramm auf die Waage. Er enthält sechs Prozent Stickstoff und düngt während der Zersetzung mit Stickstoff. Greta Pro ist feuchtigkeitsregulierend, kunststofffrei, wurzelfreundlich und fördert das Wachstum der Pflanze.

Der vollkommen heimkompostierbare Pflanztopf Greta Pro mit Düngeeffekt wurde speziell für den professionellen Gartenbau entwickelt. Foto: IPM Essen

Britischer Gartenbau steht im Messefokus

Das offizielle Partnerland der diesjährigen IPM ist Großbritannien. Auf dem Gemeinschaftstand präsentieren sich britische Unternehmen aus den Ausstellungsbereichen Pflanzen, Technik und Ausstattung. Beim Besuch des Internationalen Gartenbauforum können die Fachbesucher Einblicke in aktuelle Entwicklungen der grünen Branche Großbritanniens gewinnen. Federführend übernimmt die CHA - Commercial Horticultural Association die Vorbereitungen und Aktionen rund um den Partnerlandauftritt und wird dabei vom britischen Außenhandelsministerium und der britischen Botschaft unterstützt.

Großbritannien profitiert von ganz unterschiedlichen Klimazonen, die eine große Bandbreite an Pflanzenvielfalt ermöglicht. So sind in Essen zahlreiche Pflanzenneuheiten zu bestaunen: Whetman Plants International bringt zur IPM zwei kompakte, duftende, bienenfreundliche und trockenheitstolerante Choisya auf den Markt: Choisya x dewitteana 'Little Bee' PBR und Choisya x dewitteana 'Little Honey Bee' PBR. Die Choisya eignet sich besonders für kleinere Gärten oder im Kübel. Sie ist immergrün, mit leuchtenden Blättern und weißen sternenförmigen Blüten, die sich im Mai und Juni zeigen und einen süßlichen Duft verströmen. Choisya 'Little Bee' hat eine Höhe von 50 Zentimeter.

Neue kompakte Clematis-Züchtungen aus dem Programm von Raymond J. Evison wie "The Duchess of Cornwall Evipo118","Tsukiko Evipo110", "Ravel Evipo122", "Issey Evipo081" oder "Poseidon Evipo113" zeigt Guernsey Clematis Nursery. Die "Duchess of Cornwall Evipo118" beispielsweise ist eine Blume, die zu Beginn der Saison blau-violett blüht und zum Ende der Saison immer dunkler wird. Sie eignet sich sowohl für Kübel als auch für großflächige Beete. Die langfristig blühende Pflanze zeigt ihre Farbenpracht vom Frühsommer bis Frühherbst. Lediglich bei zu viel direkter Sonneneinstrahlung verblasst sie. Sie erreicht eine Höhe von 120-150 Zentimeter.

Der Aussteller Fairweather's Nurseries aus der südenglischen Grafschaft Hampshire ist auf die Anzucht von Agapanthus spezialisiert. Das Sortiment umfasst mehr als 50 Sorten, die auf der IPM zu sehen sind.

Auch die Briten sind um das Thema Nachhaltigkeit bemüht, was sich konkret auf der Messe bei umweltfreundlichen und wachstumsfördernden Mehrwegtöpfen der Firma Caledonian Trees über kostengünstige LED Beleuchtungslösungen speziell für den Gartenbau von INDO Lighting zeigt. Auch individualisierbare Etiketten, Verpackungen und Verkaufsmaterial von PPC Labels und nachhaltig produzierter Gärtnerbedarf aus dem Hause Tyne Moulds & Machinery setzen auf eine umweltfreundliche Zukunft. Hintergrundwissen zu den Eigenheiten des britischen Gartenbaus kann beim deutsch-englischen Internationalen Gartenbauforum am 26. Januar 2023 um 14 Uhr eingeholt werden. Vorträge von britischen und deutschen Experten beleuchten aktuelle Branchenthemen.

Als offizielles Partnerland der diesjährigen IPM präsentiert Großbritannien auf dem Gemeinschaftstand Produkte britischer Unternehmen aus den Ausstellungsbereichen Pflanzen, Technik und Ausstattung. Foto: IPM Essen

Die Zukunft des Gartenbaus als weiterer Fokus

Die Schwerpunktthemen in Essen sind in diesem Jahr - wie nicht anders zu erwarten - Nachhaltigkeit und Klimawandel. Besonders der Gartenbau steht angesichts der immer wärmer werdenden Sommer vor großen Herausforderungen. Neben dem Fachkräftemangel und dem Klimawandel treibt auch die Energiekrise die grüne Branche um. Hier kommt moderne Technik ins Spiel, um die Pflanzenproduktion an die neuen klimatischen Bedingungen anzupassen. Daher gibt es in diesem Jahr einen Messeschwerpunkt in der Technik. Neu ist in diesem Rahmen das "Innovationscenter Gartenbautechnik" in Halle 4.

Auf einer Gemeinschaftsfläche stellen Unternehmen und Start-Ups neben Instituten aus Forschung und Wissenschaft ihre Produkte und Projekte vor. Darüber hinaus regen Podiumsdiskussionen und Impulsvorträge zum Austausch an und informieren über den aktuellen Stand der Wissenschaft. Welche Möglichkeiten der Gartenbau bereits erfolgreich für die nachhaltige und energiesparende Produktion nutzt, ist zudem Thema in der Lehrschau im Infocenter Gartenbau in Green City.

Angesichts des Klimawandels rücken Klimabäume, also hitze- und sturmresistente Bäume immer mehr in den Fokus, auch in unseren Breitegraden. Rundgänge zu Klimabäumen und Stauden ermöglichen einen Einblick in die Neuheiten auf dem Markt. Da sich der Klimawandel auch besonders im Stadtgrün bemerkbar macht, ist dies eine gute Gelegenheit für Grünflächenämter sowie Planerinnen und Planer, sich über die geeigneten Pflanzen zu erkunden, die auch schwierigen klimatischen Bedingungen gewachsen sind.

Gartenbautechnik spielt angesichts des Klimawandels eine wachsende Rolle. Foto: IPM Essen

Saatgut Neuheiten

Für viele Kinder ist es spannend zu sehen, wie aus Samenkörnern Pflanzen sprießen. Das ist ein besonderer Spaß mit einem Bio-Saatgutset von Saatgut Dillmann, das fünf Tütchen mit Pflanzensamen enthält, die gemeinsam mit Kindern leicht kultiviert werden können. Dekorativ ist auch die Holzbox mit ausführlicher Beschreibung und Anbauempfehlung.

Das hochwertige Markensaatgut mit hoher Keimfähigkeit und Kultursicherheit ist einzeln in Keimschutzpackungen verpackt. Zum Set zählt eine Sonnenblumen-Mischung für die Aussaat zwischen März bis Mai. Der Standort sollte sonnig und nährstoffreich sein. Die Blüten zeigen sich zwischen Juli und Oktober. Als zweites Saatgut enthält die Box Kresse, die ganzjährig im Haus ausgesät werden kann. Der Standort sollte hell und feucht sein. Die Kinder können bereits zwei bis drei Wochen nach der Aussaat die Kresse ernten. Zudem enthält das Set Saatgut für Kürbis (Uchiki Kuri), das man im April-Mai sät und im September-Oktober erntet. Die Möhre Nantes 2 wird Mitte April-Anfang Juli ausgesät und braucht viel Wasser. Erntezeit ist zwischen Juni und November. Samen für Radies - Raxe runden die Box ab. Die Aussaat erfolgt ab März bis Mitte September an einen Ort mit Sonne und Halbschatten. Geerntet wird zwischen Mai und Oktober.

Der österreichische Saatgut-Spezialist Samen Maier bietet als Neuheit Saatgut für Bio-Regenerationsrasen, quasi als Grasschrittmacher für mehr Grün statt Braun. Der Rasen erhält damit eine Schönheitskur, die ohne chemisch-synthetische Spritzmittel, mineralische Kunstdünger oder gentechnische und biotechnologische Methoden auskommt. Lücken im Rasen werden damit unkompliziert geschlossen. Die Aussaat erfolgt von April bis Oktober bei mindestens 8 Grad Celsius auf feinkrumigen Boden von Hand oder mit einem Streuwagen bei windstillem Wetter. Um wertvolles Wasser zu sparen, empfiehlt sich die Aussaat zu einem Zeitpunkt mit Aussicht auf Regen. Es handelt sich um 100 Prozent Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) in den Sorten 'Double', 'Esquire' und 'Premium'. Der Inhalt reicht für etwa 30 Quadratmeter Fläche.

Samen-Andreas bietet an weiteren Neuheiten Saatgut für außergewöhnliche Pflanzen, die sich besonders in Parkanlagen dekorativ zeigen. Zum einen handelt es sich um Saatgut für den dunkelroten Wunderbaum, Ricinus gibsonii impala. Die großwüchsige und dekorative Gruppen- und Solitärpflanze mit roten Blättern und leuchtend roten Samenständen eignet sich auch als Sichtschutz im Garten und in Parks. Die Aussaat erfolgt ab März in Vorkultur und erreicht eine Höhe bis zu 200 Zentimetern. Saatgut aus einer mehrjährigen Mischung der außergewöhnlichen Solitärstaude Steppenkerze (Eremurus stenophyllus) ist eine weitere Neuheit. Die Steppenkerze, auch Kleopatranadel oder Lilienschweif, erreicht eine Höhe bis zu 150 Zentimeter. Der Samen muss in feuchter Erde vorquellen und dann kühl gestellt werden. Der Kaltkeimer hat eine Keimdauer bis zu zehn Wochen. Wissenswert ist es, dass der Samen unregelmäßig keimt.

Wo geht der Trend hin?

Unter den Freilandpflanzen ist die Staude weiterhin die bedeutendste Sorte und liegt damit vor den Veilchen und Stiefmütterchen sowie Callunen. Wahrscheinlich wegen des Klimawandels hat der Anbau von Kakteen, Grün- und Blattpflanzen um circa 27 Prozent zugenommen. Insbesondere Grünpflanzen mit ausgeprägt großen Blättern, wie großblättrige Monstera, Ficus, Philodendron, waren Anfang des Jahres 2022 stark gefragt.

Gerade für die städtischen Gartenplaner und -planerinnen ist es vielleicht erfreulich zu erfahren, dass Gärten und Parks wichtig für das Wohlbefinden der Menschen sind. Hierzu hat die Hochschule Geisenheim direkt nach dem ersten Lockdown 2020 eine Untersuchung durchgeführt. Insgesamt wurden circa 500 Personen aus allen Bevölkerungsgruppen zur Bedeutung der Gärten und Grünanlagen in Corona-Zeitengefragt.

53 Prozent der Befragten sind zufriedener im Leben und über die Hälfte der Gartenbesitzer bekannte, dass der Garten für sie besonders in der Pandemie wichtig war. Menschen, die nicht das Glück haben, einen Garten zu haben, wichen vermehrt auf die städtischen Grünanlagen aus. Durchschnittlich hielten diese sich etwa neun Stunden pro Woche in Parks und Sportanlagen auf. Aber auch die Gartenbesitzer kamen auf neun Stunden wöchentlich, die sie im öffentlichen Grün verbrachten.

Dr. Andrea Brill

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 01/2023 .

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