Kommentar

Kleingärten unter Druck

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Kleingärten waren schon immer vielfältig. Infolge gesellschaftlicher Veränderungsprozesse treten unterschiedliche Entwicklungen aber immer stärker zu Tage. Einerseits sind in ländlichen Bereichen besonders in den neuen Bundesländern eher Bevölkerungsrückgänge zu verzeichnen, die mit Leerständen von Parzellen einhergehen. Sofern diese von den Vereinen noch zu bewältigen sind, finden sich hier vermehrt Nutzungsformen wie Tafelgärten oder man entwickelt die Flächen zu Kleingartenparks mit zunehmendem Anteil an öffentlichen Grünflächen. Andererseits erfahren die Kleingärten besonders im städtischen Milieu geradezu eine Renaissance. Junge Familien entdecken den Lifestyle-Garten für sich, Familien mit Kindern schätzen wieder den Wert unbeschwerten, weil ungefährlichen Herumtollens der Kinder.

Viel Bewegung verursachen auch städtebauliche Entwicklungen, weil insbesondere in den Großstädten durch vermehrten Wohnungsbau zahlreiche Kleingartenflächen ins Visier der Planer geraten. Gerade dort besteht ein großer Bedarf an Kleingärten, die dann ersetzt werden müssten. Das bringt viel Unruhe für die Kleingärtner mit sich. Viele Nutzer fühlen sich zu alt, um noch mal neu anzufangen, außerdem sind die neuen Gärten in den ersten Jahren noch wenig ansprechend und strukturiert. Dieses Manko kann dadurch abgeschwächt werden, dass Großstädte wie Hamburg versuchen, den Ersatz vorrangig durch Verdichtung im Altbestand zu realisieren. Dadurch bleiben mehr innerstädtische Lagen erhalten, die außerdem über eine ansehnliche Vegetationsvielfalt verfügen. Ein kleines Trostpflaster - aber immerhin ein guter Weg.

Mit diesen und vielen anderen Themen beschäftigt sich auch der Arbeitskreis Kleingärten bei der Gartenamtsleiterkonferenz e. V. (GALK). Hier werden regelmäßig die unterschiedlichen Situationen zwischen Nord und Süd und zwischen West und Ost diskutiert. Auch hier offenbart sich die Vielfalt an Entwicklungen und Problemlagen. Nicht immer lassen sich allgemeingültige Lösungen finden, aber stets ist es hilfreich, Gleichgesinnte zu finden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Renate Städtler

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 11/2018 .

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