Kommentar

Und wo bleibt das Land?

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Lange Zeit schienen die drängenden Themen vieler Städte auf dem Land kein Thema zu sein. Zwar waren die Wege auf dem Land deutlich weiter und der nächste Arzt war nicht gerade um die Ecke, doch abgesehen von schlechter Internetanbindung schien das Land auch aus städtischer Sicht wie eine beständige, unaufgeregte Idylle. Dieser Eindruck stimmt seit geraumer Zeit nicht mehr. Der Handlungsbedarf ist groß.

Zwar ist die Internetanbindung vielfach besser geworden, doch mangelhafte Ärzteversorgung, Pflegenotstand und Wohnungsmangel, gepaart mit Leerstand und Verfall in den Ortsmitten, sind in vielen Dörfern und kleinen Städten längst Realität, genauso wie der Niedergang des Einzelhandels, der auf dem Land schon seit Jahren voranschreitet.

Die Vereinfachungen des Baugesetzbuches bei der Ausweisung von Baugebieten im Innenbereich haben vielerorts zu Bebauungen geführt, die hinsichtlich ihrer Begründung der Innenentwicklung staunen lassen. Ganz ohne Kompensationsverpflichtung finden sich nun im Ortsetter stark versiegelte Bauflächen anstatt der früheren Streuobstwiesen. Das vielfach geringe Verständnis für die Notwendigkeit von Entsiegelung und mehr Bäumen, von Verkehrsberuhigung, guten Bedingungen für den Radverkehr und attraktiven durchgrünten Freiräumen innerhalb industriell geprägter Agrarlandschaften führt dazu, dass das Land auf Herausforderungen des Klimawandels wie auch der alternden Bevölkerung mit zunehmendem Fachkräftemangel schlecht vorbereitet ist.

Die aktuelle Notlage der finanziellen Haushalte führt dazu, dass es an vielen Stellen zu einem Stillstand bei jeglichen Entwicklungen kommt, der nur dadurch kaschiert wird, dass das viel beschworene ehrenamtliche Engagement noch einigermaßen funktioniert. Die kommunalen Verwaltungen sind klein und haben selten die entsprechende Fachkompetenz im Städtebau, in der Freiraum- und Sozialplanung oder für die Akquise von Fördermitteln.

Dazu kommen Vorbehalte gegenüber kreativen Ideen und Lösungsansätzen, selbst wenn es Raum und Potenzial dafür gäbe. Angesichts dessen, dass in Deutschland knapp die Hälfte der Menschen in Kleinstädten und Dörfern wohnt, wäre es deshalb Zeit für ein Initiativprogramm für den ländlichen Raum, damit die politischen Versprechungen zur Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen keine Worthülsen bleiben.

Katrin Korth

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Dr.-Ing. Katrin Korth
Autorin

Freiraum- und Verkehrsplanerin

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