Kommentar

Stille Hitze

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In diesem Jahr wurde ich erstmals zum Klimaflüchtling. Einen Urlaub im Juni in Burgund habe ich abgebrochen, weil mehrere Tage mehr als 41 Grad vorausgesagt wurden. Erstmals empfand ich die Natur als belastend, das Wetter als feindliche Instanz, der man ständig strategisch ausweichen musste. In Deutschland kam die Hitze kurze Zeit später ebenfalls an – mit 40 Grad etwa in Berlin. In Nürnberg musste der Betrieb der Tram eingestellt werden, weil sich der Straßenbelag auflöste.

Nach offiziellen Angaben kostete die Hitzewelle 2003 mehr als 70.000 Menschenleben in Europa, die von 2022 immer noch mehr als 62.000. Für dieses Jahr liegen noch keine Zahlen vor und die Zahl der Hitzewellen wird sich wohl noch weiter erhöhen – wir sind in einem El Niño-Jahr. Im Südwesten Deutschlands geht es nach der ersten Juli-Woche schon wieder los mit 36 Grad.

Grund genug, sich die Maßnahmen der Bundesregierung zur Aufweichung von Klimaschutzzielen einmal genauer anzuschauen: Beim Gebäudemodernisierungsgesetz soll die 65-Prozent-Regel abgeschafft werden. Neue Heizungen in Neubauten sollten eigentlich mit 65 Prozent erneuerbarer Energie betrieben werden. Der Agrardiesel und die Pendlerpauschale setzen für fossile Energie neue Anreize.

Das Klimaschutzprogramm 2026 weist maßgebliche Lücken in den Bereichen Verkehr und Gebäude auf. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird gebremst, statt beschleunigt und es wird in den Regierungsfraktionen diskutiert, das Ziel der Klimaneutralität von 2045 auf 2050 zu verschieben. Letzteres widerspricht auch dem Klimaziel der EU und gilt in Fachkreisen als verfassungswidrig. Von der EU kamen bereits mahnende Worte.

Hinter all diesen Initiativen steht die Hoffnung oder die Wette, je nach Perspektive, mit einer abgeschwächten Klimapolitik mehr Wirtschaftswachstum zu generieren und natürlich die eigene Klientel bei Laune zu halten.

Dabei haben sich zahlreiche Firmen bereits zu einer nachhaltigen Produktionsweise durchgerungen und auf den Klimawandel und seine Bekämpfung eingestellt. Sie wollen die Probleme nicht weiter in die Zukunft schieben und unseren Kindern und Enkeln auflasten. Anstatt die teils schmerzhafte Transformation weiter aufzuschieben, muss mit ihr dringend weitergemacht, ihre sozialen Verwerfungen müssen abgefangen werden.

Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, aus der sich niemand herausnehmen kann. Schließlich können wir aus der Hitzewelle in Burgund im Urlaub flüchten, aus unseren Heimatstädten eher nicht.

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M. A. Mechthild Klett
Autorin

Stadt+Grün, Redaktionsleiterin

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