Zwischen Nachkriegsmoderne, Kunstwerken und Connichi

Kommunale Gartendenkmalpflege in Kassel

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Die Connichi-Messe findet jedes Jahr im September statt und ist mit über 20.000 Besuchern das größte Event dieser Art in Deutschland. Der Stadthallengarten wird an diesem Wochenende von den Teilnehmern intensiv genutzt und ist als Kulisse für Fotos inzwischen ein Klassiker. Schäden gibt es erfreulicherweise nur in geringem Umfang. Foto: Volker Lange

Kassel - zuletzt im Juni 2013 durch die Aufnahme der Wasserkünste mit dem Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe in das Weltkulturerbe geadelt - ist eine Stadt mit reicher gartenkultureller Vergangenheit. Nicht nur die weitläufigen kurfürstlichen Landschaftsparks prägen das Bild der ganzen Stadt, sondern auch viele kleinere Park- und Grünanlagen tragen zum grünen Charakter Kassels bei. Viele dieser städtischen Freiräume sind Gartendenkmale, außerdem gibt es etliche Gesamtanlagen, die ebenfalls stark vom Grün bestimmt werden.

Zuständig für die Betreuung der kommunalen Gartendenkmale ist das Umwelt- und Gartenamt (Leitung: Regula M. Ohlmeier) in dem die Untere Denkmalschutzbehörde für Gartenkulturdenkmale als spezielles Sachgebiet vertreten ist. Dies war nicht immer so: auch in Kassel war die Gartendenkmalpflege jahrzehntelang quasi nicht existent. Der schlechte Pflegezustand der Gartendenkmale, Substanzverlust durch Umnutzungen und schließlich Zerstörung durch ganze oder teilweise Bebauung zeugen von mangelndem Verständnis nicht nur in der Stadtöffentlichkeit, sondern auch in Politik und Verwaltung. Erst langsam reifte das Wissen um den gartenhistorischen Wert der vorhandenen Anlagen, zum Beispiel aus den 1950er und 60er Jahren.

Mit der Treppenstraße wurde 1953 in Kassel die erste Fußgängerzone Deutschlands eröffnet. Foto: Stadtarchiv Kassel

Als fast komplett zerstörte Stadt wurden in Kassel nach dem Krieg städtebauliche Weichen gestellt. Bereits 1946 entstand die Idee, in der Innenstadt eine Fußgängerstraße vorzusehen. Dies wurde mit der Treppenstraße als erster Fußgängerzone Deutschlands 1953 umgesetzt, später folgte mit der Königstraße die große, zentrale Fußgängerzone, die die Stadt bis heute prägt. Sie ist als vollständig versiegelte Straße noch heute frei von jeglichem Grün - seinerzeit eine bewusste Planungsentscheidung, denn es galt die Maxime, Licht und Luft in die vor dem Krieg enge und dunkle Innenstadt mit teilweise katastrophalen Wohnverhältnissen zu bringen. Über stärker grünbetonte Plätze wird die Haupteinkaufsmeile mit der Innenstadt verzahnt, der riesige Friedrichsplatz stellt den Bezug zur Parklandschaft der Karlsaue und der umgebenden Landschaft her. Er ist mit einer Größe von 38 000 Quadratmetern einer der größten innerstädtischen Plätze Deutschlands. Der von Simon Louis du Ry im Jahr 1768 angelegte Platz wurde bereits damals an der Südostseite nicht bebaut, um ein "Fenster" zur Landschaft frei zu lassen. Diese städtebauliche Perle wurde glücklicherweise in der Aufbaueuphorie der 1950er Jahre nicht angetastet. Stattdessen trägt der heute vor allem mit weitläufigen Rasenflächen gestaltete Platz mehr denn je den grünen Charakter der umgebenden Landschaft in die Stadt hinein und ist bei vielen Festen der zentrale Veranstaltungsort.

Die moderne Verkehrsführung in Kassel erregte in der Wiederaufbauphase bundesweit Aufsehen. Mit dem Altmarkt wurde Ende der 50er Jahre die erste fußgängerfreie und ampelgesteuerte Kreuzung Deutschlands mit separaten Abbiegespuren realisiert. Der Platz der Deutschen Einheit wurde 1958 als einer der ersten innerstädtischen großen Kreisverkehre gebaut. Insgesamt wurde Kassel eine Zeit lang als autogerechteste Stadt Deutschlands bezeichnet - ein aus heutiger Sicht zweifelhafter Ruf, seinerzeit aber das Prädikat für Fortschritt und Modernität.

Bundesgartenschau 1955 als städtebaulicher Impuls

Die Bundesgartenschau 1955 wurde zu einem Meilenstein für die weitere Entwicklung der Stadt. Kein anderes Ereignis hat der damaligen optimistischen Aufbruchstimmung mehr Ausdruck verliehen und den Impuls für viele weitere nachhaltige Veränderungen gegeben. Zu verdanken war dies unter anderem Hermann Mattern, der nicht nur verantwortlich für die Konzeption der eigentlichen Veranstaltungsfläche war, sondern auch viele andere Flächen maßgeblich gestaltete. Neben Grünflächen und Stadtplätzen ist die von dem Architekten Heinz Graaf geplante und zwischen 1955 und 1958 realisierte Auefeldsiedlung von ihm grünplanerisch betreut worden. Durch die vor allem aus Reihenhäusern mit engem Bezug zum Garten bestehende Siedlung entstanden 1000 neue Wohnungen. Der für die Architektur der 50er Jahre typische enge Bezug zwischen Innen- und Außenraum mit großen Fenstern, ebenerdigen Zugängen und fließenden Raumgrenzen ist heute noch erlebbar und bietet hohe Wohnqualität. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass 1955 als kleine Begleitschau zur Bundesgartenschau die erste documenta konzipiert wurde, aus der sich schließlich aufgrund des enormen Erfolges die heutige alle fünf Jahre in Kassel stattfindende Kunstausstellung mit weltweitem Renommee entwickelt hat.

Auf dem Friedrichsplatz pflanzte Joseph Beuys 1982 anlässlich der documenta 7 den ersten Baum des weltweit einzigartigen Kunstwerks und Gartendenkmals 7000 Eichen. Die Bäume mit den Basalt-Stelen sind in der ganzen Stadt präsent. Foto: Volker Lange

Insbesondere durch die Bundesgartenschau 1955 wurden viele Außenräume der Stadt nachhaltig saniert, überarbeitet oder neu gebaut. Diese Zeitzeugen sind auch heute noch an einigen Stellen auszumachen, meist fallen die kleine Plätze oder Grünanlagen durch eine ausgeprägte Liebe zum Detail, hohe handwerkliche Qualität und ausgewogene Proportionen auf. Der soliden Bauweise ist es zu verdanken, dass trotz mangelnder Wartung auch mehr als 50 Jahre nach der Errichtung etliche Natursteinmauern und Wege aus Wesersandsteinplatten im einwandfreien Zustand sind. Ebenso sind viele andere authentische Elemente wie Treppen, Einfassungen, Skulpturen und sogar Wasserbecken erhalten. Der kleine Garten vor dem Ottoneum ist so ein Kleinod. Das Ottoneum wurde 1606 als der erste feststehende Theaterbau Deutschlands von Landgraf Moritz errichtet und nach seinem Lieblingssohn Otto benannt. Heute ist in dem Gebäude das Naturkundemuseum untergebracht. Der Garten liegt etwas vertieft und abseits von direkten fußläufigen Verbindungen an der Westseite des Gebäudes und wird von zwei Seiten von Stützmauern aus Wesersandstein eingefasst. Die Randlage hat vielleicht auch dazu geführt, dass Wegebeläge, Mauern und Vegetation die Zeit seit der Anlegung 1955 fast unbeschadet überstanden haben. Ein kleiner, fast belangloser Ort, der trotzdem ein authentisches Zeitdokument darstellt und seinen Wert als Gartendenkmal hat.

Sanierung von Gartendenkmälern

Ganz anders der Stadthallengarten im Kasseler Westen, dem Bereich der Stadt mit den meisten ausgewiesenen Gartendenkmälern. Hier wird beim Betreten auch vom Laien sofort die besondere Qualität und historische Bedeutung wahrgenommen. Der Stadthallengarten strahlt eine nicht greifbare, aber doch wirksame Atmosphäre aus, die die Besucher unvermittelt zur Ruhe kommen lässt. Das Zusammenspiel von alten Bäumen und gepflegten Sommerblumenrabatten, formaler Grundstruktur und freiwachsenden Gehölzen, Weite und kleinteiligen thematischen Räumen schafft eine angenehme Aufenthaltsqualität, die gerade von älteren Bürgern geschätzt wird.

Der Garten hat eine wechselvolle Geschichte und wurde mehrfach umgeplant. Das etwa zwei Hektar große Gelände wurde der Stadt 1911 von dem Fabrikanten Sigmund Aschrott unter dem Vorbehalt geschenkt, dort bis zur Jahrtausendfeier der Stadt Kassel im Jahr 1913 eine Stadthalle zu errichten. In diesem Zusammenhang erfolgte die erste Gestaltung der Parkfläche. 1929 wurde der Park von dem Gartendirektor und später freischaffend tätigen Landschaftsarchitekt Rudolf Stier überarbeitet. 1950 folgte eine weitere Überarbeitung anlässlich der dort stattfindenden ersten Kasseler Gartenbau-Ausstellung, einem winzig kleinen Vorläufer der Bundesgartenschau, die zwar nur drei Wochen geöffnet hatte, aber in diesem Zeitraum immerhin 50 000 Besucher anlockte. Anschließend wurde der Park von Diplomgärtner Oswald Sauer zu einer öffentlichen Grünfläche umgestaltet und ist seit 1951 frei zugänglich. Hierbei wurden 500 Quadratmeter Wesersandsteinplatten für die Wegeflächen verbaut, 2500 Bäume und Sträucher, 830 Rosenpflanzen, 570 Dahlienknollen, 455 Pelargonien, 305 Fuchsien sowie 19 290 Sommerblumen gepflanzt.

Der heutige Zustand repräsentiert in wesentlichen Zügen dieses Planungsstadium und bis jetzt konnte der hohe Pflegestandard mit sehr vielen Frühjahrs- und Sommerblumen gehalten werden. Mit Unterstützung des Landesamtes für Denkmalpflege konnte ein Gutachten für die Anlage an die Gartenhistorikerin Maren Brechmacher-Ihnen beauftragt werden, in dem die wechselvolle Geschichte mit den jeweiligen Entwicklungsstadien sehr gut dokumentiert ist und nun eine wertvolle Basis bildet für die zukünftig anstehenden Sanierungsmaßnahmen an Wegebelägen, Mobiliar und Vegetation.

Informationen, Pläne und Fotos zu den schützenswerten Grünanlagen sind teilweise auch in der vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen erstellten "Denkmaltopographie"¹) aufgeführt, beschrieben und zum Teil bereits anhand einiger Fotos dargestellt. Allein diese mit viel Engagement und Akribie geschriebenen Bücher sind in der Regel nur Fachleuten zugänglich, weder in der Verwaltung noch in der Bürgerschaft sind die kleineren Gartendenkmale Kassels präsent.

Das Sachgebiet Gartendenkmale des Umwelt- und Gartenamtes hat sich daher zur Aufgabe gemacht, diese schützenswerten Anlagen bekannter zu machen. In einem ersten Schritt sind alle kommunalen Gartendenkmale flächig erfasst und im stadtinternen geographischen Informationssystem dargestellt worden. Das allen Mitarbeitern zugängliche und durch eine Fülle von Funktionen komfortable sogenannte "KASIS" ermöglicht nun erstmals das detailgetreue und maßstabgerechte Aufrufen aller Gartendenkmale in Kassel und ist somit ein wichtiges Planungsinstrument. Neben allen relevanten topographischen Angaben sind auch aktuelle Luftbilder, historische Stadtkarten und Schrägluftaufnahmen aus allen Himmelsrichtungen verfügbar. In einem Rundschreiben wurden alle Ämter der Stadtverwaltung auf diese neue Funktion hingewiesen.

Der Park Schönfeld weist als denkmalgeschützter Landschaftspark weitläufige Rasenflächen auf, ein idealer Landeplatz für neue Interpretationen des Ortes ... Foto: Volker Lange

Öffentlichkeitsarbeit und Akteure

Neben der internen Aufklärungsarbeit wendet sich das Sachgebiet Gartendenkmale an die Bevölkerung. Alle kommunalen Gartendenkmale werden 2014 in der Örtlichkeit mit einer Infostele versehen, die über den besonderen Charakter der Grünanlage informiert und Angaben zur Geschichte vermittelt. Die Infostele aus massivem, unbehandeltem Stahl fügt sich als zeitgemäßes, aber schlichtes Element in die Anlagen ein. Sie kann und soll nicht umfassend über die jeweiligen Objekte informieren, aber Interesse wecken und zu Auseinandersetzungen mit dem Ort bewegen. Begleitet wird die Ansprache der Öffentlichkeit durch eine intensive Pressearbeit, die über alle Maßnahmen und Sanierungen an den Gartendenkmalen berichtet. Neben den Printmedien sollen dabei zukünftig vermehrt digitale Medien bedient werden.

Unterstützt bei der Finanzierung der Vorhaben wird das Umwelt- und Gartenamt dabei von unterschiedlichen Akteuren: neben städtischen Haushaltsmitteln stellen die Ortsbeiräte der jeweiligen Stadtteile oft zusätzliche Gelder bereit und das Landesamt für Denkmalpflege Hessen fördert einzelne Maßnahmen auch finanziell. Immer wichtiger werden angesichts der stetig knapper werdenden öffentlichen Ressourcen aber Vereine und Sponsoren, die sich gezielt und mit Erfolg um den Erhalt bestimmter Anlagen bemühen. Auch wenn mit bescheidenen Summen nur kleine Maßnahmen bewältigt werden können, ist das Engagement stets wertvoll, denn das jeweilige Gartendenkmal und seine Geschichte bringen sich dadurch in das kollektive Gedächtnis der Stadt ein. Ein positives Beispiel für das Zusammenspiel von privatem und institutionellem Einsatz für ein Gartendenkmal ist das Weinbergareal. Die topografisch einmalig, aber auch schwierig liegende Fläche befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum.

Eine seit dem 15. Jahrhundert belegte, wechselvolle Geschichte führte schließlich die gesamten Grundstücke Mitte des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Familie Henschel, die an der prominentesten Stelle der Stadt mit hohem ingenieurtechnischen Aufwand das Gelände erweiterte, terrassierte und dort 1869 eine aufwändig gestaltete Villa und 1903 ihren prunkvollen Familiensitz errichtete. Die geradezu von märchenhaftem Reichtum geprägte Phase währte aber nicht lange, und so wurden im Krieg viele der gepflegten Gartenanlagen zerstört oder fielen anschließend brach. Erst 1955 wurden Teilbereiche als öffentliche Parkanlage umgestaltet, die attraktiven Terrassenanlagen wurden jedoch aus Sicherheitsgründen gesperrt, blieben fortan sich selbst überlassen und wurden im Laufe der Jahrzehnte von Efeu und andere Gehölzen überwuchert.

Erst ab 2005 wurden die einzelnen Terrassen, Natursteinmauern, Rampen und Plätze in mühevoller Handarbeit wieder nach und nach freigelegt. Ein Verein gründete sich, warb Spenden ein und mobilisierte insbesondere im Vorfeld der documenta 13 in einem Kraftakt Bürgerschaft, Unternehmer und Sponsoren. Gemeinsam gelang es, innerhalb kürzester Zeit viele der bisher ungesicherten Terrassen mit Geländern zu sichern, weitere Bereiche des Geländes zu erschließen und das Areal für die documenta als Ausstellungsfläche zur Verfügung zu stellen. Seitdem ist diese historische Gartenanlage wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Praktische Gartendenkmalpflege bedeutet, unter den jeweils gegebenen und oft widrigen Umständen kluge und umsichtige Entscheidungen zu treffen. Die Verwaltung wird bei diesem Prozess unterstützt vom Denkmalbeirat, der regelmäßig tagt und neben Vertretern der Parteien versierte Fachleute aufzuweisen hat. Gartendenkmalpflegerische Fragestellungen erhalten auch hier mehr und mehr Raum. Ein besonderes Spannungsfeld stellt in der documenta Stadt Kassel das Kunstwerk und Gartendenkmal 7000 Eichen von Joseph Beuys dar.

Der Umgang mit diesem besonderen Gartendenkmal wird in einem speziellen Beirat diskutiert. Insbesondere um im Einzelfall erforderliche Standortveränderungen der 7000 im gesamten Stadtgebiet verteilten Bäume wird leidenschaftlich gerungen. Ungünstige Standortverhältnisse, Schäden durch Wurzeleinwüchse an Häusern und Belägen oder die unerwünschte Beschattung von Solaranlagen sind Fragen, mit denen sich das Fachgebiet Gartendenkmale kritisch auseinandersetzen und Lösungen anbieten muss.

Das denkmalgeschützte Weinbergareal wurde zur documenta 2012 erstmalig als Ausstellungsgelände genutzt. Seit dem ist das Gelände wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Foto: Volker Lange

Die Sanierung des Eingangsbereiches in der Goetheanlage stellte einen massiven Eingriff in das Gartendenkmal dar. Die Maßnahme wurde mit dem Denkmalbeirat, dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen und dem Ortsbeirat detailliert abgestimmt. Planung: Büro Wette + Küneke. Foto: Volker Lange

Neue Nutzungen

Insgesamt ist die Gartendenkmalpflege in Kassel auf einem guten Weg. Stadtbaurat Christof Nolda: "Zukünftige Aufgaben werden in der Optimierung des Pflegestandards der jeweiligen Objekte liegen, um die Bedeutung der historischen Grünanlagen zu unterstreichen, und in der behutsamen Integration heutiger Nutzungsansprüche."

Gerade die oft malerische Kulisse reifer Parkanlagen und Gärten zieht "events" aller Art magisch an, doch ein allzu hoher Nutzungsdruck schadet Gartendenkmalen auf Dauer und erhöht den Pflegeaufwand immens. Auch hier gilt es, Kompromisse zu finden. Dies erfordert meist langwierige Diskussionen, um den Verantwortlichen den Wert der Gartendenkmale einerseits und die Schäden durch Konzerte und Feste andererseits verständlich zu machen. Einmal überzeugt vom Sinn der Genehmigungen und entsprechender Auflagen können Behörden und Veranstalter kooperativ zusammenarbeiten und gemeinsam profitieren. Durch die Veranstaltungen kommen Menschen in die historischen Anlagen, machen diese zu einem lebendigen Teil der gegenwärtigen Stadtkultur und interpretieren diese neu.

Gerade das Zusammenspiel von Ort und künstlerischen Interventionen schafft oft eine einmalige, temporäre Atmosphäre, die den Wert und die Besonderheit der Gartendenkmale wieder erkennen lässt. Ein erfolgreiches Beispiel ist das Brüder-Grimm-Festival, dass in den Jahren 2012 und 2013 im Gartendenkmal Botanischer Garten gastierte. Das jährlich wechselnde Programm wird seit 2008 mit viel Engagement von einem Verein auf die Beine gestellt.

Neben einem Angebot für kleine Kinder und Schulgruppen gibt es ein Märchenfestival, das immer wieder ein anderes Märchen der Brüder Grimm neu interpretiert und mit viel Aufwand inszeniert. Pro Jahr verzeichnet der Verein etwa 20 000 Besucher, Tendenz steigend. Der Botanische Garten bot sich als Spielstätte wegen der in Teilbereichen waldartigen Atmosphäre in idealer Weise an: hier versteckte sich Rotkäppchen vor dem Bösen Wolf und Rapunzel lies ihre Haare vom efeuumrankten Turm herunter. Viele der Besucher des Festivals waren zum ersten Mal im Botanischen Garten der Stadt, konnten ihn vor und nach den Vorführungen für sich entdecken und waren begeistert von der Vielfalt und Blütenpracht. Ein kleines gastronomisches Angebot verlängerte die Aufenthaltsdauer zusätzlich, zum Abschluss der Veranstaltung wurde der Garten ein wenig illuminiert. Der besondere Wert dieses Gartendenkmals musste den Besuchern durch ihre unmittelbare Erfahrung nicht weiter erläutert werden.

Bei allem Verständnis für neue Nutzungsformen und für die gerechtfertigten Anforderungen der Bürgerschaft in Bezug auf die Aneignung ihrer Stadt, ihrer Umwelt und eben auch ihrer Gartendenkmäler ist es doch vor allem eine Frage des Tempos und der Intensität, ob "das Neue" mit dem Gartendenkmal vereinbar ist. Vollziehen sich Veränderungen schnell oder langsam? Ist es eher ein quasi organisch wachsender Wandlungsprozess oder ein sprunghaftes, radikales Ereignis, dass das Gartendenkmal krass überformt oder beeinträchtigt? Insbesondere die oft über Jahrhunderte gewachsenen Gartendenkmale sind sensible Geschöpfe. Als Zeugen vergangener Epochen stiften sie Identität und vermitteln in der Stadt einen Bezug zur Natur. Sie verdienen es, mit Respekt und Geduld behandelt zu werden.

Anmerkung

¹) Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland - Kulturdenkmäler in Hessen. Stadt Kassel, Bände I-III, Theiss Verlag, Volker Helas 1984, Thomas Wiegand 2055, Brigitte Warlich-Schenk 2008.

Literatur

Kassel 1955 - Die Stadt im Jahr der ersten documenta, Christian Bromeig, Alexander Link, Jonas Verlag 1992.

Kassel in der Moderne, Jens Flemming, Dietfrid Krause-Vilmar (Hrsg.), Schüren Verlag 2013.

Kleine Geschichte der Stadt Kassel, Uwe Feldner, Herkules Verlag 2010.

Links:

www.regiowiki.hna.de

www.wikipedia.org

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 01/2014 .

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