Alternative Pflanzkonzepte sparen Kosten und ersparen den Wegfall der mobilen Beete

Kübelbepflanzung im öffentlichen Raum

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Die Wechselflorbepflanzung auf der Treppenstraße in Kassel, erlaubt weitreichende Freiheiten und Möglichkeiten bei der Konzeption eines Pflanzbildes. Aufgrund der hohen Unterhaltskosten, die insbesondere aus Material- und Personaleinsatz resultieren, steht diese Bepflanzungspraxis in vielen Städten und Kommunen zur Diskussion. Foto: Umwelt- und Gartenamt der Stadt Kassel, Sigrid Schmitz, 2008

Pflanzkübel sind ein beliebtes und oftmals das einzige Mittel, Innenstädte und Fußgängerzonen durch Schmuckpflanzungen aufzuwerten. Die angespannte Haushaltslage vieler Städte und Kommunen führt jedoch dazu, dass bei den Budgetplanungen gerade die kostenintensiven Wechselflorbeete zur Diskussion stehen - und damit auch viele der Kübel. Während bei Zierbeeten auf öffentlichen Grünflächen zur Kostenreduzierung alternativ vermehrt auf eine dauerhafte Bepflanzung mit Stauden zurückgegriffen wird, gelingt die Einhaltung des Budgets bei der Kübelbepflanzung scheinbar ausschließlich über die Reduzierung bis hin zum gänzlichen Wegfall der Pflanzkübel.

Die Wechselflorbepflanzung ist eine der gängig verwendeten, aber mit hohen Unterhaltungskosten verbundene, Bepflanzungspraxis für Zierbeete auf öffentlichen Grünflächen. Die Hauptkostenfaktoren bilden je nach Anzahl der Florperioden, neben der mehrmals jährlich durchzuführenden Bodenvorbereitung und den Materialkosten für Pflanzen, die Pflege- und Pflanzarbeiten. So muss eine Pflanzung während der Standzeit der Pflanzen regelmäßig gewässert werden. Ebenso müssen Unkräuter und abgeblühte oder welke Pflanzenteile entfernt werden.

Neben variierenden Lohn- und Betriebskosten schwanken die Kosten einer Wechselflorbepflanzung pro Quadratmeter je nach Komplexität des Pflanzmusters sowie der Anzahl und Vielfalt der verwendeten Arten stark. Während die Stadt Zürich durchschnittlich 300 Schweizer Franken pro Quadratmeter und Jahr (rund 250 Euro) als Kostenpunkt angibt, wurden beispielweise für die Anlage einer Wechselflorbepflanzung im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim über einen Zeitraum von fünf Jahren Unterhaltungskosten von 58,15 Euro pro Quadratmeter jährlich ermittelt (vgl. Baumberger 2005: 3; vgl. Schmidt 13.07.2010, mündlich).

Pflanzkübel auf dem stark versiegelten Bahnhofsvorplatz in Kassel Wilhelmshöhe mit einer Florbepflanzung. Gerade an Standorten wie diesem sind Pflanzkübel häufig die einzige Möglichkeit, durch Zierpflanzungen zu schmücken. Foto: Alexander Siebert, 2012

Die bis 2011 verwendeten, turmartigen Blumenarrangements mit Geranien in der Kasseler Innenstadt wurden aus Kostengründen gestrichen. Sowohl Wässerung als auch Schäden durch Vandalismus bedingten zu hohe Unterhaltskosten. Als Ersatz kommen an deutlich weniger Standorten in der Fußgängerzone der Kasseler Innenstadt nun erstmals seit 2012 jene hohen, blauen Pflanzkübel, wie am Kasseler Bahnhof Wilhelmshöhe zum Einsatz. Foto: Umwelt- und Gartenamt der Stadt Kassel, Sigrid Schmitz, 2010.

Reduktion und Konzentration der Wechselflorbeetflächen

In der Konsequenz sinkender Etats der Grünflächenämter werden diese Pflanzflächen im öffentlichen Raum stark reduziert und auf Bereiche mit einer repräsentativen Außenwirkung, etwa an stark frequentierten oder historischen Anlagen, konzentriert. Die Argumentationen der Städte und Kommunen für die, wenn auch reduzierte, Erhaltung der Wechselflorbepflanzung, zielen neben dem Verweis auf die große Beliebtheit bei der anwohnenden Bevölkerung und Touristen sowie der Funktion dieser Flächen als Präsentationsort der Leistungsfähigkeit der Grünflächenämter auf die wesentlichen Alleinstellungsmerkmale dieser Bepflanzungspraxis: Durch keine andere Zierflächenbepflanzung kann zu einem fest definierten Zeitpunkt eine solche Blütendichte und Blütedauer durch alle verwendeten Pflanzen erreicht werden. Auch ist es möglich, auf gestalterische Trends, etwa die Farbgebung einer Pflanzung, zeitnah zu reagieren, da der Blüteflor je nach Pflanzkonzeption jährlich bis zu dreimal ausgetauscht wird. Das große Angebot an Arten, Farben und Blütenformen, verbunden mit der vergleichbar kurzen Standzeit einer Flor-Pflanzung, durch die verhindert wird, dass die Pflanzen ineinander wachsen und das Pflanzbild zersetzt wird, ermöglicht dem Planer eine nahezu grenzenlose Gestaltungsfreiheit. Trennscharf und detailliert können so verschiedenartige Muster und Konturen gesetzt werden (vgl. Keller 2002: 19f.).

Stauden als alternative Bepflanzung

Da eine Reduzierung, wenn nicht gar der Wegfall, der Wechselflorbeete stets mit Beschwerden aus der Bevölkerung verbunden und ein ersatzloses Brachfallen auch seitens der Städte und Kommunen nicht gewollt ist, wird, sofern aus Kostengründen keine Wechselflorpflanzung mehr möglich ist, oft auf langlebige Bepflanzungen mit Stauden zurückgegriffen.

Im direkten Vergleich ist eine intensiv zu pflegende Staudenpflanzung (21,63 Euro/m²/Jahr) bereits für ein Drittel des im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof ermittelten Wertes, eine extensive Staudenpflanzungen (11,73 Euro/m²/Jahr) gar für etwa ein Sechstel der Kosten einer Wechselflorpflanzung realisierbar (vgl. Schmidt 13.07.2010, mündlich). Dieser Unterschied resultiert aus der Verminderung des Arbeitsaufwandes bei der Anlage und Unterhaltung sowie dem geringeren Materialbedarf an Pflanzen, Dünger und Wasser. Zudem kann durch Staudenmischungen, wie "Silbersommer" oder "Blüteschleier", auf standortspezifisch zusammengestellte und mittlerweile über Jahre erprobte Staudenpflanzungen zurückgegriffen werden, wodurch die Verwendung gerade für Städte und Kommunen mit großen zu unterhaltenden Flächen und begrenztem Personal in standardisierter Form erheblich vereinfacht möglich ist.

Wie sich beispielsweise in Stuttgart und Würzburg feststellen lässt, in denen seit mehreren Jahren kontinuierlich große Flächen mit Stauden bepflanzt werden, geschieht dies durchaus erfolgreich. Zwar ist eine derartige Umstellung häufig zunächst mit Skepsis und bisweilen Kritik aus der Bevölkerung verbunden, rückblickend fällt die Resonanz aber stets positiv aus: Das andersartige und farblich weniger intensive Blütebild muss sich im Kontext der bis dahin gewohnten Umgebung erst durchsetzten (vgl. Kumlehm/Monetha 2010: 31ff.; vgl. Müller 2008).

Dies zeigt, dass es folglich für den Betrachter (abgesehen von der Bepflanzung an repräsentativen, historischen Anlagen, bei denen bisweilen auch ein geschichtlicher Bezug zur Wechselflorbepflanzung gegeben ist) sekundär bis trivial ist, ob der Pflanzenschmuck durch Arten einer Wechselflor- oder einer Staudenpflanzung getragen wird, solange eine zierende, farbig blühende und möglichst üppige Bepflanzung besteht. Diese Erfahrungen werden auch durch eine Erhebung zum Meinungsbild der Bevölkerung und der Touristen der Stadt Luzern über die dortigen Wechselflorbeete im Rahmen einer Semesterarbeit an der Hochschule Wädenswil bestätigt (vgl. Ottiger 2006: 20-21). Die Untersuchung aus dem Jahr 2006 ergab, dass die Bepflanzung mit Wechselflor bei den Befragten grundsätzlich sehr beliebt ist und eine Reduzierung der Pflanzflächen auch hier mit deutlicher Kritik verbunden wäre. Üppig blühende Schmuckbeete wurden dabei deutlich besser bewertet als weniger üppige. Allerdings ließ sich auch nachvollziehen, dass die Befragten zwar von Wechselflor sprachen, damit in erster Linie jedoch Blumen im Allgemeinen und damit wohl den vorhandenen (und damit gewohnten) Blumenschmuck meinten und keinesfalls zwischen Bepflanzungspraxis und -arten einer Wechselflor- bzw. Staudenpflanzung differenzierten (vgl. Ottiger 2006: 20f.). Somit wird deutlich, dass Stadtbewohner vordergründig zunächst nach schmuckhafter "Natur", das heißt, vor allem nach Farbvielfalt und Lebendigkeit verlangen und weniger nach aufwendig arrangierten Pflanzmustern.

Dieses Nichtdifferenzieren der Bepflanzungsart durch die Befragten, lässt die Bevorzugung der Wechselflorbepflanzung als ein Relikt der Wertschätzungen insbesondere der 1950er und 1960er Jahre erscheinen, als die Gestaltung der Schmuckbeete öffentlicher Parkanlagen wesentlich auf einer farbenfrohen und repräsentativen Pflanzenverwendung durch den Wechselflor basierte. Planer wie der ehemalige Düsseldorfer Gartenbaudirektor und Professor in Weihenstephan, Ulrich Wolf, folgten zu dieser Zeit neben dem rein praktischen Gedanken Erholungsanlagen für die Bevölkerung zu schaffen, auch der, eben bis heute vielerorts weitergetragenen Philosophie "[...] daß in den Augen der Öffentlichkeit die Arbeit einer städtischen Gartenverwaltung am Erscheinungsbild [...] dieser (mit Wechselflor angelegten, A.S.) Schmuckpflanzungen gemessen wird" (Lange 2001: 328).

Auch aufgrund der häufigen und kontinuierlichen Verwendung dieser Bepflanzungspraxis beinhaltet für große Teile der Bevölkerung das Bild einer gelungenen, amtlichen Grünflächenplanung - unabhängig von gestalterischen Moden - bis heute Zierbeete mit dem gewohnten bunten Blumenschmuck, welcher eben seit jeher als Wechselflor angelegt wird.

Eine Staudenpflanzung als alternative Bepflanzung bietet gegenüber der Wechselflorbepflanzung nun einen wesentlichen gärtnerischen und ästhetischen Vorteil: Eine kontrastreiche Artenvielfalt, welche es vermag, über einen fast ganzjährigen Blühaspekt und strukturgebende Pflanzen im Winter alle Jahreszeiten "natürlich" und unmittelbar abzubilden. Während sich in der Regel die Jugendentwicklung der Pflanzen eines Wechselflors in der Gärtnerei und das Altersstadium am Entsorgungsort abspielen, durchlaufen die Arten einer Staudenpflanzung ihre Altersphasen öffentlich. Dies ermöglicht für den Betrachter das Erlebnis dynamischer Lebendigkeit und einer jahreszeitlich geprägten Emotionalität, die über den repräsentativen Effekt einer Wechselflorbepflanzung hinausgeht. Demzufolge sprechen nicht nur finanzielle Faktoren bei der Budgetplanung der Städte und Kommunen für die Umstellung der Bepflanzungspraxis. Vielmehr genügt tatsächlich auch das gärtnerische Bild einer Staudenpflanzung dem durchschnittlichen Anspruch der Bevölkerung an schmuckhafter "Natur" in der Stadt und rechtfertigt somit auch vor diesem Hintergrund die vermehrte Verwendung von Stauden auf öffentlichen Grünflächen.

Eine anerkannte und erprobte Alternativbepflanzung gelingt über die dauerhafte Bepflanzung mit Stauden. In Kassel wurden einige ehemals mit Wechselflor angelegten Beete insbesondere an Extremstandorten, wie stark frequentierten Straßen, zwecks Kostenreduzierung mit der Staudenmischung „Silbersommer“ angelegt. Foto: Alexander Siebert, 2012

Deutlich erkennbar ist hier das jahreszeitlich wechselnde Vegetationsbild der Staudenpflanzung. Während im Frühsommer noch Arten wie die lila-blau blühende Blauraute (Perovskia) das Pflanzbild tragen,... Foto: Alexander Siebert, 2012.

....treten im Juni gelb und rot blühende Arten wie Achillea und Knautia hinzu. Foto: Alexander Siebert, 2012

Stauden als Kübelbepflanzung

Stauden als Alternative zur Wechselflorbepflanzung auf öffentlichen Grünflächen sind anerkannt und erprobt, als Alternative zur Wechselflorbepflanzung in Pflanz-kübeln bisher allerdings kaum verwendet. Die Stadt Eschweiler in Nordrhein-Westfalen setzte dies jedoch im Jahr 2011 in einem geringen Umfang um. In der Vergangenheit wurden Pflanzkübel hier vorrangig als Gestaltungselement zur Verkehrsberuhigung und zur Verhinderung des Falschparkens eingesetzt und mit einem Frühjahrs- und Sommerflor bepflanzt. Aufgrund der damit verbundenen Kosten beschloss das zuständige Amt der Stadt im Jahr 2010, alle Standorte der Pflanzkübel zu überprüfen und zu reduzieren. Alternativ sollten diese Standorte nun mit Bäumen und Stauden angelegt werden. Von den bisher rund 10 000 Euro, die für die Unterhaltung aufgebracht werden mussten, sollten so rund 6000 Euro eingespart werden. Diese Maßnahme konnte von der Bevölkerung zwar nachvollzogen werden, sorgte aber für Bedauern (vgl. Gabbert/Klingbeil, 2010). Da die Innenstadt stark unterbaut und mit Leitungstraßen durchzogen ist, war das Anlegen von Beeten oder Baumscheiben an dieser Stelle nicht möglich. Daher wurden in der Einkaufsstraße der Eschweiler Innenstadt nun erstmals vier (von einem Unternehmen gespendete) Pflanzkübel aus Edelstahl aufgestellt und mit Stauden, wie Rudbeckia, Coreopsis, Saxifraga und Geranium bepflanzt, um auch weiterhin einen zierenden Blumenschmuck aufrechtzuerhalten (vgl. Aachener Nachrichten, 2011). Allerdings erwies sich die Abdeckung der Kübel mit Reisig als ungenügender Winterschutz und die gewählten Stauden als nicht ausreichend winterhart, so dass viele Arten der Pflanzung bereits nach der ersten Vegetationsperiode ausfielen.

Der Pflanzkübel als Extremstandort

Diese Problematik verdeutlicht beispielhaft, wie sehr im Vergleich zu einer Wechselflorbepflanzung wesentliche Parameter für das Gelingen einer Pflanzung mit Stauden zu beachten sind. Generell sind städtische Vegetationsflächen Standorte mit extremen Bedingungen. Je nach Lage werden sie durch Trockenheit, während des Sommers durch hohe Temperaturen, starken Lichteinfall oder gegenteilig Beschattung sowie Feinstaubeinträge geprägt. Die Frequentierung durch Mensch und Tier als nichtklimatischer Faktor kann dabei noch eine zusätzliche Extremisierung des Standortes bedingen.

In diesem Kontext stellt der Pflanzkübel als weitgehend geschlossenes Gefäß zunächst die bestmögliche Lösung für eine Vegetationsfläche in Innenstadtbereichen wie Fußgängerzonen dar. Als erhöhte, über Bodenniveau gelegene Pflanzfläche, entgehen die Pflanzen dem Tritt von Mensch und Tier sowie einem gesteigerten Eintrag von Nährstoffen etwa durch Hundekot oder Tausalze.

Da andererseits das Ziel einer dauerhaften Bepflanzung mit Stauden aus finanziell-kalkulatorischer Sicht das mehrjährige und eigenständige Bestehen der Pflanzung am Pflanzort ist, bedingt der Pflanzkübel als Pflanzfläche jedoch zugleich eine weitere Extremisierung der Standorteigenschaften.

Während die in der Regel ein- und zweijährigen Arten einer Wechselflorpflanzung lediglich für den Teil einer Vegetationsperiode am Präsentationsort bestehen, unterscheidet sich die Kübelbepflanzung mit Stauden in der praktischen Umsetzung insofern, als die Arten der Staudenpflanzung ohne einen Austausch des Pflanzsubstrates über mehrere Jahre ein ästhetisch ansprechendes Vegetationsbild gewährleisten sollen. Zudem müssen die Stauden auch mit einer deutlich verminderten Unterhaltspflege, in erster Linie der Reduzierung der Gießgänge, zurechtkommen. Nur so kann von einer dauerhaften Kostenreduzierung ausgegangen werden. Dieser Umstand verlangt bei der Artenauswahl im Vorfeld der Pflanzung eine wesentlich exaktere Bestimmung der Standorteigenschaften als bei einer Wechselflorbepflanzung. Wie auch das Beispiel Eschweiler zeigt, gilt dies insbesondere zu berücksichtigen sofern die Pflanzkübel auch im Winter am Standort verbleiben, um so auf einen kostenintensiven Arbeitsgang (Abräumen/Einlagerung der Kübel im Winter) verzichten zu können.

Mögliche für die Kübelbepflanzung verwendbare Arten, aufgestellt nach ihren optisch markanten Aspekten, wie Blütefarbe und -dauer, besonderer Blattschmuck und ästhetisches Erscheinungsbild während der Wintermonate. Foto: Alexander Siebert, 2012

Parameter der Kübelbepflanzung mit Stauden

Allgemein basiert daher eine funktionierende, dauerhafte Kübelbepflanzung mit Stauden, wie bei der Anlage eines Beetes, auf der Wahl robuster, stresstoleranter und winterharter Arten, die für die jeweiligen Standortverhältnisse geeignet sind.

Ein Unterschied zu der Bepflanzung eines Beetes ist jedoch die geringe verfügbare Pflanzfläche. Dies ist insofern relevant, als die ästhetischen Vorteile einer Staudenpflanzung gegenüber der Wechselflorbepflanzung, der jahreszeitliche Wechsel des Vegetationsbildes und ein lang anhaltender, verzahnter Blühaspekt auch bei der Kübelbepflanzung zum Tragen kommen sollen.

Bei der Beetbepflanzung gelingt dies über eine größere Menge und Anzahl an Arten, die flächig angeordnet werden können. In einem Pflanzkübel ist in der Regel der Raum jedoch so begrenzt, dass artenreiche und über viele Pflanzen getragene Pflanzbilder nicht realisierbar sind. Daher bedarf es solcher Arten, die ein markantes Äußeres in Form des Habitus, der Laubfärbung oder des Blühaspektes, etwa einer auffälligen, kräftigen Blüte und/oder einer vergleichsweise langen Blütedauer auszeichnet.

Stauden, die für die Verwendung im Pflanzkübel geeignet sind, können über speziell für die Kübelbepflanzung zusammengestellte und nach Standortbedingungen gegliederte Artenlisten diverser Staudengärtnereien ausgesucht werden. Um aber explizit solche auszuwählen, die sowohl den extremen, städtischen Standorten entsprechen als auch in geringer Anzahl so arrangiert und verwendet werden können, dass sie ein jahreszeitlich geprägtes, optisch ästhetisches Pflanzbild tragen, kann man sich an einem vergleichbaren natürlichen Standort orientieren.

Die Steppenheide

Die Arten der Steppenheide treten auf felsigen, baumfreien Standorten, die durch Trockenheit, hohe Sonneneinwirkung, große Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter sowie nährstoffarme, kalkreiche Böden geprägt sind, auf. Folglich sind dies Wuchsorte, an denen nur ausgesprochen stresstolerante und insbesondere trockenheitsresistente Arten siedeln können (vgl. Rieger 2011: 21, 24).

Aus der Vielzahl der Arten der Steppenheide zeichnen sich beispielhaft folgende Arten und Sorten für die Verwendung im Pflanzkübel als geeignet und gängig in Staudengärtnereien erhältlich aus, durch die in Kombination ein jahreszeitlich geprägtes Pflanzbild realisiert werden kann:

Über die Sorten der Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris, 'Alba' oder 'Rubra') oder das Frühlingsfinger-Kraut (Potentilla neumanniana) kann ein zeitiger Blühaspekt im Frühjahr geschaffen werden, der gegebenenfalls durch optisch auflockernde und strukturgebende Arten, wie das Wimper-Perlgras (Melica ciliata) ergänzt wird. Sowohl Pfingst-Nelken (etwa Dianthus gratianopolitanus 'Badenia', 'Eydangeri'oder 'La Bourboule'), Storchschnabel (Geranium sanguineum Hybride 'Tiny Monster') als auch Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum) und Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium) bieten für die Sommermonate eine breitgefächerte Auswahl an unterschiedlich und intensiv blühenden Arten. Dabei zeichnet insbesondere das Ochsenauge und die Karthäuser-Nelke eine außergewöhnlich lange Blütedauer bis in den Spätsommer aus. Dies gilt auch für die Goldhaar-Aster (Aster linosyris) und diverse Sommer-Astern (etwa Aster amellus 'Rudolf Goethe'), wobei die Sorte 'Veilchenkönigin' dieser Art gar bis in den Herbst hinein Blüten trägt (vgl. dazu auch Rieger 2011: 25).

Die polsterbildenden, immergrünen Sorten der Pfingst-Nelke hingegen ermöglichen es, über die Wintermonate ein weiterhin attraktives Vegetationsbild der Pflanzung aufrechtzuerhalten.

In dieser Hinsicht bietet sich auch die Verwendung des Weißen Mauerpfeffers (etwa Sedum album 'Coral Carpet') an. Dieser ist als dicht und niedrig wachsende Art hervorragend geeignet und weist neben einer weißen Blüte auch über das ganzjährige, im Winter kupferrot gefärbte Laub, einen äußerst markanten optischen Aspekt auf.

Weiter ermöglicht die Kombination mit solchen Arten, die ähnliche Standortansprüche aufweisen, die Ausprägung eines noch deutlicheren Herbst- und Winteraspekts. Hierzu bietet sich, auch im Kontext einer unterschiedlichen Höhenstaffelung der Pflanzung, die Wahl verschiedener, gärtnerisch erprobter Gräser an. Dies können beispielsweise Gräser wie Berg-Segge (Carex montana), Moskitogras (Bouteloua gracilis), Silberähren-Gras (Stipa calamagrostis 'Allgäu'), aber auch Festuca-Arten, wie Blauschwingel (etwa Festuca cinerea 'Elijah Blue', 'Zwergenkönig') sowie Atlasschwingel (Festuca mairei) oder Schafschwingel (Festuca ovina 'Eisvogel') sein (Verfügbarkeit aller genannten Arten nach gaissmayer.de, 2012).

Außer der Verwendung geeigneter Arten sind auch die Wahl eines geeigneten Pflanzsubstrates sowie eine individuell angepasste Pflege und der richtige Winterschutz weitere wesentliche Parameter, die speziell für die Kübelbepflanzung gelten. Die Eignung eines Substrates für eine Pflanzung, ergibt sich aus den Standortansprüchen der für die Pflanzung gewählten Arten. Im Falle einer durch Arten der Steppenheide getragenen Pflanzung muss dementsprechend über ein durchlässiges, kalkhaltiges und nährstoffarmes Substrat der natürliche Standort nachgeahmt werden (vgl. Rieger 2011: 24). Bei der Substratauswahl kann mittlerweile jedoch auch auf bewährte Fertigmischungen zurückgegriffen werden. So eignen sich etwa Substrate, die für Dachbegrünung entwickeln wurden, häufig für die Verwendung in Kübeln.

Neben der Regulierung des Nährstoff- und Wasserangebotes im Pflanzkübel gewährleistet das Substrat die Belüftung des Wurzelraumes. Des Weiteren muss es den Pflanzen Halt geben und zugleich so strukturstabil sein, dass Setzungen und Verdichtungen vermieden werden. Für trockenheitsliebende Pflanzen bedarf es zudem eines Substrates mit guter Drainagefähigkeit, um Staunässe und Wurzelfäulnis im Pflanzkübel zu verhindern. Dies kann durch das Zumischen von Zuschlagsstoffen (Blähton, Bimskies oder Lava) erreicht werden (vgl. Schönfeld 2008: 107f., 114).

Zusätzlich zu organischen Düngern wie Kompost oder Stroh kann durch die Zu-gabe von Langzeitdünger auf mineralischer Basis der Nährstoffhaushalt im Pflanzkübel den Anforderungen der Arten entsprechend beeinflusst werden. Die Verwendung trockenheitstoleranter Stauden in Verbindung mit einem Bewässerungssystem im Pflanzkübel kann dazu beitragen, die Wässerung der Pflanzung auf ein Minimum reduzieren zu können. Allerdings kann es je nach Pflanzung und Kübelsystem erforderlich sein, im Hochsommer zusätzlich zu wässern oder zu düngen (vgl. Schönfeld 2008: 106f.).

Um das Überdauern der Wintermonate einer staudischen Kübelbepflanzung im Freien sicherzustellen, müssen neben der Wahl eines frostbeständigen Pflanzkübels umfangreiche Vorkehrungen getroffen werden. Wichtigstes Kriterium ist hierbei ein "schockartiges" Einfrieren des Pflanz-kübels zu verhindern, wodurch die Pflanzen Schaden nähmen. Dies kann durch das äußere Anbringen eines Winterschutzes in Form einer Ummantelung des Pflanzkübels zum Beispiel mit Reisigmatten, Luftpolsterfolie und/oder durch eine innenseitige Isolierung aus Styropor oder Styrodur erreicht werden (vgl. Schönfeld 2008: 105). Immergrüne Arten sollten allerdings grundsätzlich im Winter mit Reisig abgedeckt werden, um Austrocknung und/oder Frostschäden zu verhindern. Weiter sollte gerade bei der Bildung eines ästhetisch als schön empfundenen Winteraspekts durch abgestorbene Pflanzenteile ein spätwinterlicher Rückschnitt Ende Februar erfolgen, zumal abgestorbene Pflanzenteile auch als Winterschutz für die Pflanzen fungieren.

Beispielhafter Substrataufbau im Pflanzkübel mit Anstaubewässerung, durch die, neben entsprechend der Standortverhältnisse gewählten Arten, eine weitgehende Reduzierung der Gießgänge und eine dauerhafte Kostenreduzierung erreicht werden kann. Abb.: Manuel, Bubenheim, 2012 (auf Grundlage von Schönfeld, Phillip (2008): 106f.)

Kübelbepflanzung im öffentlichen Raum

Der Versuch der Stadt Eschweiler, Kübel im öffentlichen Raum mit Stauden zu bepflanzen, stellt jedoch eine Ausnahme dar. Sobald die Diskussion um Kostenreduzierung und Aufrechterhaltung der in Innenstädten und insbesondere in Fußgängerzonen aufgestellten Pflanzkübel ansteht - durch die ein Minimum an Natur auf den naturfernen städtischen Standorten erst Einzug halten kann -, ist augenscheinlich vielmehr eine weitreichende Kompromisslosigkeit die Regel als die Suche nach einer alternativen Bepflanzung. Seitens der Städte und Kommunen wird zunächst nach dem gleichen Muster verfahren, wie es bei den Zierbeeten auf öffentlichen Grünflächen praktiziert wird: Es wird versucht, an der Wechselflorbepflanzung mit Verweis auf die Vorteile dieser Bepflanzungspraxis festzuhalten. Bei zu hohem Kostendruck folgt schließlich auch hier die Reduzierung und Konzentrierung der Kübel auf repräsentative Standorte bis hin zum gänzlichen Verzicht. Die Diskussion um eine alternative Bepflanzungspraxis jedoch, wie es auf den öffentlichen Grünflächen mittlerweile Usus ist, entfällt. So wurde in Würzburg, neben der Ausweitung der mit Stauden angelegten Zierbeetflächen, aus Kostengründen bis zum Jahr 2008 auch ein Rückbau von ehemals 400 auf 25 Pflanzkübel vollzogen. Teilbereiche im Straßenraum konnten zwar alternativ durch Staudenbeete angelegt werden, für die Fußgängerzone kam dies jedoch nicht in Frage, so dass hier kein Ersatz geschaffen wurde (vgl. Müller, 2008).

Vor diesem Hintergrund stellt sich nun zum einen die Frage, weshalb im Fall der Kübelbepflanzung an einer Bepflanzungspraxis festgehalten wird, die sowohl aus finanziellen als auch ästhetischen Gründen sowie der gesellschaftlichen Akzeptanz nicht notwendig ist, um eine durch die Bevölkerung geschätzte Blüten- und Pflanzenvielfalt aufrechtzuerhalten. Zum anderen erscheint es fragwürdig, dass die Alternative zur Kostensenkung nur in der Reduzierung bis hin zum Wegfall der Pflanzkübel liegen kann, wo doch eine kostengünstigere Art der Bepflanzung bekannt ist, die auf vielen öffentlichen Grünflächen seit Jahren bereits ersatzweise Anwendung und Anerkennung findet. Da die Kübelbepflanzung in den Innenstädten oftmals die einzige Möglichkeit bedeutet, die durch Versiegelung, hohe Frequentierung und für Pflegemaßnahmen erschwerte Zugänglichkeit geprägten Standorte durch Zierpflanzungen zu schmücken, darf die Lösung keinesfalls im gänzlichen Verzicht liegen.

Umdenken statt kompromisslosen Handelns

Es zeigt sich somit, dass der Kübelbepflanzung im öffentlichen Raum im Kontext der Kostenersparnis derzeit nicht mit der gleichen Strategie begegnet wird, wie es bei der Zierbeetbepflanzung auf Grünflächen der Fall ist.

Tatsächlich ist der Wechselflor an dieser Stelle aber weder praktisch noch ästhetisch alternativlos. Bei einer vorausschauenden Planung kann unter Beachtung der genannten grundlegenden Parameter einem potenziellen Wegfall der Pflanzkübel alternativ durchaus mit einer dauerhaften Staudenpflanzung begegnet werden, die, wie sich bei der Zierbeetbepflanzung auf öffentlichen Grünflächen zeigt, auch von der Bevölkerung honoriert werden wird. Insofern ist der Versuch der Stadt Eschweiler als innovativer und nachahmenswerter Ansatz zu bewerten, der durch die praktische Umsetzung den Gewinn an Erfahrungswerten und letztendlich die Praxistauglichkeit bedeuten kann, und daher grundsätzlich weiterverfolgt werden sollte.

Der gänzliche Verzicht auf Pflanzkübel in Innenstädten bedeutet indes einen deutlichen, sichtbaren Qualitätsverlust für den städtischen Raum, der vor dem Hintergrund einer vorhandenen Alternative letztendlich nicht nachvollziehbar ist. Vielmehr stellt auch hier die Verwendung von Stauden eine zusätzliche Möglichkeit der Kübelbepflanzung dar, die den Städten und Kommunen in diesem Zusammenhang eine wesentlich flexiblere Handhabung ermöglicht.

Anmerkung

Der vorliegende Beitrag entstand im Kontext der mündlichen Diplomprüfung der Autoren, in der die geschichtliche und gesellschaftliche Entwicklung der Wechselflorbepflanzung behandelt wurde. Er wurde im Rahmen einer Seminararbeit am Fachgebiet Landschaftsbau, Landschaftsmanagement und Vegetationsentwicklung der Universität Kassel verfasst.

Quellen

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www.aachener-nachrichten.de/artikel/1780189
(Zugriff: 20.05.2012).

Gabbert, Andreas, Anja Klingbeil (2011): Wo sind bloß all die Blumenkübel hin? In: Aachener Zeitung. www.aachener-zeitung.de/artikel/1356897 (Zugriff: 20.05.2012)

Baumberger, Isabel (2005): Stiefmütterchen, Geranien & Co: luxuriöse Farbtupfer im Stadtgrün. In: Grünzeit, Zeitschrift für den Lebensraum Zürich. Ausgabe 14, 2005, Zürich.

Keller, Hans-Rudolf (2002): Buntes Treiben in Garten und Park. In: g'plus, Die Gärtner-Fachzeitschrift. 11/2002 Aarau, S. 19-22. www.gplus.ch/fileadmin/pdf_files/2002pdf/GPlus_11/11_Buntes_Treiben.pdf (Zugriff: 15.05.2012)

Kumlehn, Yvonne, Thomas Monetha (2010): Staudenmischungen. Erfahrungen bei Stuttgarts Straßengrün. In: Stadt + Grün. Jg. 55 (11), Berlin, S. 31-33.

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Ottiger, Stefan (2006): Wechselflor im öffentlichen Raum. In: g'plus, Die Gärtner-Fachzeitschrift. 11/2006, Aarau, S. 20-21. www.gplus.ch/fileadmin/pdf_files/2006pdf/PDF_06_12/11_06_20.pdf (Zugriff: 15.05.2012)

Rieger, Monika (2011): Die Steppenheide - die Natur als Gärtner. In: Der Staudengarten. Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft der Staudenfreunde e.V., Jg. 62, Ettenheim, S. 21-25.

Schmidt, Cassian (2010): Stauden: Pflegekonzepte für Kommunen - ökologische Strategien und Konzepte. Vortrag vom 13.07.2010. Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof, Weinheim.

www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/71117/ VortragII_Cassian_Schmidt.pdf?command=downloadContent&filename=VortragII_Cassian_Schmidt.pdf (Zugriff: 15.05.2012).

Schönfeld, Phillip (2008): Tröge und Container dauerhaft bepflanzt. Lizenz des Verlags Ulmer, Stuttgart (Hohenheim).

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 09/2012 .

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