Kommentar

Landschaftsparks – verkannte Kunstwerke!

Rainer Herzog, Foto: privat

"Es liegt dem Laien fern, einen Landschaftspark als künstlerisches Gebilde zu erfassen. Er sieht in ihm Natur und nicht die Hand des gestaltenden Menschen: aus den Prinzipien der Landschaftsgärtnerei heraus ein Ruhm für den Künstler, zugleich aber eine Gefahr für das Monument."

Mit diesen wenigen Worten brachte der Kunsthistoriker und Sckell-Forscher Franz Hallbaum 1926 das Problem auf den Punkt - übrigens angesichts einer geplanten Straßenbahntrasse durch den Englischen Garten in München. Rund ein Jahrhundert später droht dem Münchener Englischen Garten noch immer die Durchschneidung mit einer Straßenbahn. Das prominente Beispiel verdeutlicht, dass die Gestaltungsprinzipien von Landschaftsparks nach wie vor verkannt werden - selbst im Falle herausragender Gartenkunstwerke und anerkannter Gartendenkmale von internationalem Rang.

Das trifft auch zu, wenn in Landschaftsparks den Belangen des Naturschutzes Vorrang gegenüber der Gartenkunst eingeräumt wird, mitunter sogar bis zur Verfälschung der ursprünglichen räumlich-visuellen Konzeption und der originären vegetabilischen Ausstattung. Selbstverständlich bieten alte Landschaftsparks aufgrund der traditionellen Pflege ihrer Gehölzbestände, Wiesenflächen und Gewässer wertvolle Refugialräume.

Aber Naturschutz und Denkmalschutz müssen sinnvoll Hand in Hand gehen, um die gestalterischen Eigenheiten der historischen Gartenkunstwerke auch langfristig zu bewahren. Hinzu kommt, dass in vielen, vor allem innerstädtischen Landschaftsparks eine zumindest teilweise Übernutzung durch unterschiedliche Freizeitaktivitäten zu verzeichnen ist, zum einen, weil den Akteuren häufig das Verständnis fehlt und zum anderen weil ihnen keine Alternativen in Form neuer und funktionsgerechter Grünanlagen in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.

Folglich dürfen die Sachkundigen - gleich welcher Profession - nicht nachlassen, über die Spezifika der historischen Landschaftsparks zielgerichtet aufzuklären: Es gilt, weiten Kreisen der Gesellschaft einschließlich der politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen den Wert dieser einzigartigen Kunstwerke und ihre Bedeutung als Gartendenkmale eindringlich zu vermitteln. Rainer Herzog

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 10/2021 .

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