Städtische Anlagen bewässern

Lange Leitung für den Wall in Krefeld

Die CAD-Planung von Gefa Fabritz sah Tropf- und Verteilrohre von rund 100 Metern Länge, dazu weitere 1000 Meter Verteilerleitung PE sowie rund 3400 Meter Tropfschlauch vor. Foto: Quelle: KBK/Michael Krause

Im 19. Jahrhundert war Krefeld als Seidenstadt gut betucht. Im Auftrag der Stadtherren setzte Architekt Adolph von Vagedes diesen Reichtum im Stadtbild um. 1819 legte er die Planung für einen repräsentativen Boulevard vor, der die Innenstadt quadratisch einschließen sollte. Zum Jubiläumsjahr 2019 realisierte Krefeld ein Investitionsprogramm, in dessen Zug der "Wall" modernisiert und teilweise neugestaltet wurde. Besonderes Augenmerk lag bei der Sanierung darauf, ihn als öffentliche Grünfläche und Naherholungsgebiet zu etablieren. Mit reduzierter Parkfläche, neuen Spielplätzen und Platz zum Schlendern sollten die vier Straßenzüge die Krefelder Bürger ins Freie locken.

Für den historischen Baumbestand am Westwall suchte Michael Krause vom damaligen Dezernat Umwelt, Grünflächen, Sport und Gesundheit eine besondere Lösung: "Am Westwall haben wir 80 Jahre alte Eichen, die leiden unter den trockenen Sommern. Unsere Kolonne geht im Schnitt zweimal pro Woche durch die Anlagen, dabei sind die Kollegen allerdings mit Aufräumen und Pflegen ausgelastet. Für manuelles Gießen bleibt da keine Zeit", erläutert der Diplom-Ingenieur, "eine Beregnungsanlage musste her."

Gefa Fabritz GmbH hat sich auf Speziallösungen für den Garten- und Landschaftsbau spezialisiert - von der Kronensicherung über das Wurzelmanagement bis hin zur Bewässerungsplanung. Fachberater André Carstens entwarf per CAD ein unterirdisches Bewässerungssystem, das das Wasser zielgenau an die Wurzeln bringt. Damit werden Sickerverluste vermieden und der Boden verschlammt auch nicht. Die Länge und Lage der Tropfschläuche hatte er gezielt auf die Vegetation ausgerichtet, sodass Bäume als auch Grünflächen versorgt werden können. Die CAD-Planung von Gefa Fabritz sah Tropf- und Verteilrohre von rund 100 Metern Länge, dazu weitere 1000 Meter Verteilerleitung PE sowie rund 3400 Meter Tropfschlauch vor. Die Tropfschläuche sollten entsprechend der Planung in einer Einbautiefe von 10 Zentimetern verlegt werden, damit das Wasser verdunstungsfrei direkt im Wurzelgeflecht austritt.

Innerhalb weniger Tage waren die Arbeiten im Herbst 2019 erledigt. Die Tropfschläuche der Marke Rain Bird sind aus einem speziell entwickelten Werkstoff, der eine schnelle Verlegung mit wenigen Winkelstücken ermöglicht. Bei einem Tropferabstand von 30 Zentimetern gelangen so 2,3 Liter pro Stunde pro Tropfer in den Boden. Gesteuert wird per Zeitschaltuhr: Magnetventile regeln die Wasserzufuhr zu den Versorgungsleitungen, die ebenso unterirdisch entlang der Wege gelegt wurden.

Die Bauphase ist abgeschlossen. Genau einjustiert wird das Bewässerungssystem jedoch erst in der Wachstumsperiode 2020. Die Bewässerung des Walls ist mit diesem System dann auch für die kommenden Vegetationsperioden gesichert - ohne dass manuell bewässert werden muss. Die Anlage selbst ist außerdem wartungsarm. Denn die Tropfschläuche sind dank der zum Patent angemeldeten Rain Bird Copper Shield-Technologie vor Wurzeleinwuchs geschützt. Ein extra breiter Strömungsweg kombiniert mit einer Selbstspülung lassen selbst feinen Sand außen vor. Der Hersteller gibt zudem sieben Jahre Garantie gegen Spannungsrisse.

Der Kommunalbetrieb hat die Planung noch nicht abgeschlossen. Ziel ist es, die Anlage noch mit Sensoren und einem intelligenten Steuergerät auszustatten, damit sie sich über den PC steuern lässt. Laut Hersteller lassen sich unter Einbeziehung aktueller Wetterprognosen mit der Software bis zu 70 Prozent Wasser einsparen. Und die Grünfläche am Wall wird weiterhin gedeihen.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 06/2020 .

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