Leserbrief
Baumentscheid
Der Kommentar des von mir sehr geschätzten Kollegen Prof. Dr. Hartmut Balder irritiert mich. Balder beschreibt zunächst die durchaus widersprüchlichen Meinungen, die zu Stadt- und Straßenbäumen bestehen. Was könnte es dann besseres geben als ein "Baumentscheid", der die Mehrheits-Meinung des Volkes zu diesem Thema aufzeigt?
Auch die nachfolgende Passage mit Plattitüden ("Die Bedeutung von Grünflächenämter hat vielerorts abgenommen, Baumschutz wird beim Umbau von Städten sträflich vernachlässigt, Baumpflanzungen immer weniger erfolgreich [. . . ]") und der daraus resultierenden Erkenntnis, dass "ein Volkentscheid zunächst diese Fehlentwicklungen aufdecken und Änderungen herbeiführen" sollte, steht keinesfalls im Widerspruch zum Baumentscheid – man könnte angesichts des Zieles von gesunden Bäumen eher von dessen Kern sprechen.
Mir fehlt angesichts einer lang vorbereiteten Gesetzesinitiative, die mit zahlreichen Juristen sowie Fachleuten aus der Baumverwendung und -pflege abgestimmt wurde, das Verständnis, wie man hier von "Aktionismus" sprechen kann. Auch hinsichtlich der konkreten Umsetzung sieht das Gesetz die Mitwirkung von Experten vor und lässt Platz für notwendige Anpassungen offen.
Nach meiner Auffassung setzt die Initiative nicht nur auf eine der effektivsten Methoden zur Minderung von klimawandelbedingten Schäden, nämlich aktiv wie passiv kühlende Bäume, die auf öffentliche Flächen platziert werden können, sondern lenkt Neuanpflanzungen zielgerichtet in besonders thermisch belastete Stadtgebiete. Statt nur auf Quantität zu achten, wird Qualität in den Mittelpunkt gestellt. So etwas sollte doch unsere Unterstützung bekommen!
Prof. Jonas Reif, FH Erfurt
SUG-Stellenmarkt









