Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Was tut man, wenn man als Stadtplaner mit dem Verlust von 1,1 Millionen Stadtbewohnern zu kämpfen hat? Dies fragten wir Maurice Cox, oberster Stadtplaner von Detroit. Die ehemalige Autostadt hat nicht nur zehntausende an Arbeitsplätzen verloren - Chrysler, General Motors und Ford gehörten zu den größten Arbeitgebern - sondern mit den schwindenden Einwohnern auch zahlungskräftige Steuerzahler. Die Folge: Im Jahr 2013 musste die Metropole an der Grenze zu Kanada im Bundestaat Michigan Konkurs anmelden. Mehr als 16 000 Immobilien wurden abgerissen. "Wir haben nun 24 Quadratmeilen Brachland, da könnten wir einmal Manhattan unterbringen", berichtet Cox. Allerdings nicht am Stück, sondern wie bei einem Schottenmuster über die ganze Stadt verteilt.

Maurice Cox, ehemaliger Bürgermeister von Charlottesville und zuvor in New Orleans beschäftigt, holt für den Neuanfang nicht nur Stadtplaner und Architekten an einen Tisch. Er lässt nun von der Landschaft her neue Nachbarschaften planen. So wurden 200 Blumenwiesen angelegt, um die Brachen pflegeleicht in attraktive Grünflächen zu verwandeln. Kleine Dörfer entstehen wie Archipele, die durch begrünte Fahrradwege verbunden werden. Häusergruppen mit Mikrowirtschaften werden gefördert, bis neues Leben in die Minisiedlungen einzieht und auf die Umgebung ausstrahlt. Ein echtes Laboratorium, eine Mammut-Aufgabe, der er sich stellt. Vor allem bindet er die Menschen ein, sie sollen mitentscheiden, was mit den Flächen passiert. Von den Problemen in deutschen Großstädten kann er nur träumen.

Mit besten Grüßen

Mechthild Klett

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 04/2019 .

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