Mehr Grün für kühle Autos

Bäume auf Parkplätzen

Auf den oft nur spärlich mit Bäumen bepflanzten Großparkplätzen vor Einkaufszentren oder Büro- und Geschäftshäusern kann man im Sommer häufig eine interessante Beobachtung machen. Zuerst werden die Parkplätze belegt, die sich in unmittelbarer Nähe zu einem Baum befinden. Auch wenn der Baum auf Grund der oft ungünstigen Standortbedingungen nur schlecht entwickelt ist und die lückige Krone kaum wirklichen Schatten werfen dürfte. Wäre es nicht viel besser, wenn dort große, gut entwickelte Bäume ständen, die tatsächlich Schatten spenden?
Baumstandort Baumpflanzung
1. Firmenparkplatz mit ungewöhnlich breit wachsenden Robinia pseudoacacia. Foto: Philipp Schönfeld

Vergleichende Untersuchungen haben ergeben, dass in Autos, die im Schatten von Bäumen geparkt waren, die Innentemperaturen um 22 bis 26 Grad Celsius niedriger lagen als bei den Autos, die in der prallen Sonne geparkt waren. Und auch der Asphalt, der durch Bäume beschattet wurde, hielt 30 Prozent länger als ohne Beschattung. Das stellt neben der Beschattung der Autos einen konkreten wirtschaftlichen Nutzen dar. Neben der Hauptfunktion Schatten zu spenden bieten die Kronen der Bäume Lebensraum und Nahrung für Tiere, sie nehmen CO2 auf und geben Sauerstoff ab, filtern Feinstaub aus der Luft, senken die Temperatur vor Ort (und nicht nur in den Autos) und erhöhen die Luftfeuchte. Und ein mit großen Bäumen überstandener Parkplatz sieht immer besser aus und fügt sich besser in die Umgebung ein als eine baumlose, kahle und unwirtliche Asphalt- oder Betonwüste. Genug gute Gründe, um diesem Thema in Zukunft mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

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2. Parkplatz Nürnberg Flughafen, mit kastenförmig geschnittenen Platanen. Foto: Philipp Schönfeld
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3. Vorbildlicher Parkplatz eines Lebensmitteldicounters. Foto: Philipp Schönfeld
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4. Platanus acerifolia. Foto: Philipp Schönfeld

Standortvorbereitung

Ein ausreichender Wurzelraum mit vegetationsfähigem Boden ist die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Baumwachstum und damit auch die Funktionserfüllung. Denn nur gut entwickelte Bäume mit breiten Kronen spenden den gewünschten Schatten. Die Regelwerke der FLL (2010) und ZTV-Vegtra-Mü (2018) zur Baumpflanzung sehen eine mindestens 12 (FLL) oder 36 Kubikmeter (ZTV-Vegtra-Mü) große Baumgrube vor, bei einer Mindesttiefe von 1,5 Meter. Diese Baumgruben sind aber lediglich als "Starthilfe" zu sehen und reichen keinesfalls für ein ganzes Baumleben aus. Das verdeutlicht die Abb. 2 in den "Empfehlungen für Baumpflanzungen, Teil 2" der FLL (S. 16). Kronenentwicklung und Wurzelentwicklung erfolgen ja parallel. Das zeigt die oft zitierte Faustformel von Bakker und Kopinga, die die Dynamik des Baumwachstums mit einbezieht und besagt, dass die Kronenprojektionsfläche (in m²) multipliziert mit dem Faktor 0,75 den erforderlichen Wurzelraum in Kubikmeter angibt. Da wird schnell klar, dass auch die 36 Kubikmeter schnell erschöpft sind und der Baum die Möglichkeit haben muss, sich Bodenbereiche außerhalb der ursprünglichen Baumgrube zu erschließen.

Für die Pflanzgrube ist nicht zwingend Baumsubstrat erforderlich. Sofern vor Ort ein vegetationsfähiger Boden (Unter- als auch Oberboden) ansteht, kann dieser verwendet werden. Eine Nährstoffanalyse vorab ist dringend zu empfehlen, um eventuelle Defizite zu erkennen und durch eine gezielte Düngung ausgleichen zu können. Baumsubstrat ist nur dann erforderlich, wenn kein geeigneter Boden zur Verfügung steht oder es um einen erweiterten Wurzelraum unterhalb von Belagsflächen handelt. Unter befestigten Flächen muss verdichtbares Substrat nach den oben angegebenen Regelwerken eingebaut werden. Dabei sind die in den Regelwerken angegebenen Höchstgrenzen für die Proctordichte unbedingt einzuhalten! Wenn das Substrat zu stark verdichtet wird, kann es von den Bäumen nicht mehr durchwurzelt werden. Einige Substrathersteller bieten deswegen inzwischen unterbaufähiges Substrat an, das durch eine geänderte Körnungslinie nicht mehr überverdichtet werden kann. Vor dem Einbringen der Substrate ist die Baumgrubensohle über die ganze Fläche mindestens 15 Zentimeter tief zu lockern. Störende Verdichtungen in tieferen Bodenschichten sind zu beseitigen. Bei der Gefahr von Staunässe sind geeignete Entwässerungsmaßnahmen vorzusehen.

Zu eventuell vorhandenen Leitungstrassen ist ein Mindestabstand von 2,5 Meter einzuhalten. Zur Sicherheit sollte in ganzer Tiefe der Baumgrube ein Wurzelschutzvlies oder -folie eingebaut werden. Das verhindert spätere Schäden – sowohl an den Leitungen als auch an den Baumwurzeln bei Grabarbeiten im Bereich der Leitungstrasse.

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Tab. 1: Baumarten für Parkplätze Foto: Philipp Schönfeld

Gestaltung und Bauweisen

Ein langer offener Baumstreifen zwischen den senkrecht dazu angeordneten Stellplätzen ist die einfachste Bauform. Die ZTV-Vegtra-Mü fordert, dass solche Baumstreifen mindestens 3,15 Meter (Außenkante Bordstein) breit sein sollten. Bei einem Pflanzabstand der (Groß)Bäume von 8 bis 10 Meter und einer Tiefe von mindestens 1,5 Meter schafft das einen ausreichenden Wurzelraum für die Bäume. Mittelgroße Bäume sollten im Abstand von 6 bis 8 Meter gepflanzt werden. Dieser Baumstreifen kann wahlweise mit geeignetem Boden oder Baumsubstrat verfüllt werden. Die Bepflanzung der offenen Baumscheibenfläche kann mit Stauden oder Kleingehölzen erfolgen. Für eventuell notwendige Fußgängerquerungen können einzelne Bereiche zwischen den Bäumen mit freitragenden Wurzelbrücken aus Beton oder Baumrosten aus Gusseisen überdeckt werden. Steht nicht genug Platz für einen so breiten Baumstreifen zur Verfügung, kann er schmaler gestaltet werden. Die lichte Weite sollte allerdings nicht unter 2 Meter liegen. Sonst besteht die Gefahr, dass mit zunehmenden Wachstum die Wurzeln die Randsteine anheben. Das Bodenvolumen innerhalb des Streifens ist dann auch zu klein und muss mit verdichtbaren Substrat unter den Parkflächen entsprechend erweitert werden.

Eine andere Variante sind Baumstreifen, die parallel oder im 45 Grad Winkel zu den Stellplätzen angeordnet werden. Nach circa fünf Stellplätzen wird ein Baumstreifen angeordnet. Damit beträgt der Abstand von Baum zu Baum wieder etwa 10 Meter. In Bezug auf die Breite gilt das oben angegebene Maß von 3,15 Meter. Mit Belüftungsgräben unterhalb der Stellplätze lassen sich die einzelnen Baumstreifen verbinden und ermöglichen den Bäumen, sich den Boden unterhalb der Parkplätze zu erschließen. Diese Belüftungsgräben sollten laut FLL eine Mindestbreite von 30 Zentimeter aufweisen und mindestens bis zu der Pflanzgrubensohle reichen, verfüllt mit einer Mineralmischung der Körnung 8/22 Millimeter oder gröber. Die Abdeckung nach oben zur Tragschicht erfolgt durch ein Geotextil. Bei breiteren Gräben kann statt der Mineralmischung auch verdichtungsfähiges Substrat eingebaut werden. Zur Belüftung dienen Kunststoffrohre DN100 mit einem Abstand von max. 5 Meter und einer oberen Abdeckung durch eine VALU-Kappe o. ä. Zur Komplettierung dieser Bauweise wäre in diesem Fall ein wasser- und luftdurchlässiger Belagsaufbau ideal.

Ein Schutz vor dem Befahren der Pflanzflächen und Beschädigung der Bäume durch die Autos ist zwingend erforderlich. Niedrige, aber stabile Absperrungen aus Holz oder Metall haben sich bewährt. Aber auch entsprechend dicht gesetzte Poller sind wirksam. Alternativ können die Randeinfassungen so hoch gesetzt werden, dass die Autos nicht mit den Rädern bis an die Bordsteine fahren können. Andernfalls ragt der vordere Überhang in die Pflanzfläche und könnte die Bäume beschädigen.

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5. Crataegus spec. – unzureichender Wurzelraum und zu kleine Baumart, die keinen Schatten spendet. Foto: Philipp Schönfeld
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6. Platanus x hispanica Stammschutz Foto: Philipp Schönfeld
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7. Parkplatz der Baumschule Ebben im Winter mit dachförmig geschnittenen Platanen. Foto: Philipp Schönfeld

Baumarten

In der Tabelle 1 sind Baumarten und -sorten verzeichnet, die sich für die Beschattung für Parkplätze eignen. Ausgesucht wurden mittelgroße bis große Arten und Sorten mit dichter Krone. Kleinbäume in der Art von Crataegus-Hochstämmen und ähnliche Arten machen wenig Sinn, da sie keinen nennenswerten Schatten liefern. Das gleiche gilt für alle Baumsorten mit schlanker, säulenförmiger Krone. Lichtkronige Arten wie zum Beispiel Gleditsia- oder Betulus-Arten wurden auch nicht aufgenommen, da sie keinen wirklichen Kühleffekt bringen. Auch Baumarten mit großen und/oder schmutzenden Früchten sind nicht geeignet. Die aufgeführten Arten sind keine erschöpfende Liste, sondern stellen eine Art "Grundsortiment" dar, das sich im Wesentlichen an den gut geeigneten Arten der GALK-Straßenbaumliste sowie der Zukunftsbaumliste der GALK und dem BdB orientiert. Die Lebensbereichkennziffern geben Auskunft zu den Standortansprüchen. Wie bei den Straßenbaumlisten auch stammen die meisten Arten aus den Lebensbereichen 2.4 und 2.5 (Hartholzaue), 3.1 (robuste anpassungsfähige Arten) sowie 6.1 und 6.3 (Arten aus Steppen und Trockenwäldern). Für besondere Standorte oder spezielle gestalterische Ansprüche bieten gut sortierte Baumschulen noch viele weitere geeignete Arten an.

Außer dem Pflanzschnitt und einem später eventuell erforderlichen Korrektur- oder Auslichtungsschnitt wird man die Kronen frei wachssen lassen. Bei einem reinen Pkw-Parkplatz ist es sicherlich nicht notwendig, bis auf 4,5 Meter Stammhöhe aufzuasten. Das ist nur dann erforderlich, wenn auch Busse oder Lkws dort parken werden. Für Pkws sollte eine Stammhöhe von 2,5 bis 3 Meter ausreichen. Das verringert den Schnittaufwand. Die tiefer angesetzte Krone beschattet den Stamm und verringert das Risiko von Stammrissen.

Die in letzter Zeit wieder beliebt gewordenen Bäume mit dachförmig erzogenen Kronen eignen sich natürlich auch hervorragend zur Beschattung von Parkplätzen. Die Baumschulen bieten entsprechend vorgeformte Bäume in verschiedenen Arten an. Neben Platane werden auch Linden, Amberbaum, Eisenholzbaum, Sumpfeiche oder gelegentlich Zierapfel-Sorten angeboten. Die so erzogenen Bäume müssen allerdings jährlich geschnitten werden, um diese Form zu erhalten und weiter zu entwickeln. Ohne regelmäßige Pflege wachsen sie wieder senkrecht nach oben durch, sie verlieren die Form und es bilden sich sogenannte "Ständer", die statisch nicht sicher sind.

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8. Acer platanoides Cleveland. Foto: Philipp Schönfeld
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9. Pinus sylvestris. Auch Nadelbäume eignen sich als Schattenbäume. Foto: Philipp Schönfeld

Pflanzung und Pflege

Für Pflanzung und Pflege gelten die gängigen Normen und Regeln der Technik: Pflanzschnitt, Pflanzung, Verankerung, Sonnenschutz für die Rinde durch Schilfrohr- oder Tonkinmatten. Die Fertigstellungs- und Entwicklungspflege sollte mindestens fünf Jahre dauern. Die Auswirkungen des Klimawandels erschweren den Jungbäumen die Etablierung, deshalb benötigen sie eine längere Unterstützung als es früher üblich war. Die wesentlichen Leistungen der Pflege umfassen die regelmäßige und durchdringende Bewässerung im Zeitraum von April bis einschließlich September, frei halten der Baumscheibe von Bewuchs, gegebenfalls Korrekturschnitte in der Krone und Aufasten, Kontrolle auf Schädlinge und Krankheiten sowie – sofern erforderlich – Düngung. Nur regelmäßig verschulte Bäume mit einem artgerechten und dem Baumalter entsprechenden Kronenaufbau sowie gut durchwurzelten Ballen gewähren ein sicheres An- und Weiterwachsen.

Literatur

FLL – Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (2015): Empfehlungen für Baumpflanzungen – Teil 1: Planung, Pflanzarbeiten, Pflege.

FLL – Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (2010): Empfehlungen für Baumpflanzungen – Teil 2: Standortvorbereitungen für Neupflanzungen; Pflanzgruben und Wurzelraumerweiterung, Bauweisen und Substrate.

Kiermeier, P. (1995): Lebensbereiche der Gehölze – eingeteilt nach dem Kennziffernsystem. 3. überarb. Auflage, Verlagsgesellschaft Grün ist Leben mbH (Pinneberg).

Landeshauptstadt München, Baureferat HA Gartenbau (2018): Zusätzl. Technische Vorschriften für die Herstellung u. Anwendung verbesserter Vegetationstragschichten (ZTV-Vegtra-Mü). Version vom 01.09.2018 (als kostenl. Download verfügb.).

RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. (Hrsg.), (2018): Substrate für Pflanzen Gütesicherung RAL-GZ 250. Beuth-Verlag GmbH (Berlin).

Roloff, A. und Bartels, A. (2018): Flora der Gehölze. 5. aktual. Aufl., Ulmer-Verlag.

Roth-Kleyer, S. (2014): Gehölzpflanzungen: Standortvorbereitung und Düngung. ProBaum,4, S. 8–13.

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