Die Landesgartenschau Deggendorf 2014

Mischung aus Skulptur, Garten und Park

Axel Klapka von K1 Landschaftsarchitekten. Fotos, soweit nichts anderes angegeben, LGS Deggendorf 2014

Vom 25. 4. bis 5. 10. findet die Donaugartenschau - Landesgartenschau Deggendorf 2014 statt. Ein Gespräch mit dem Planer Axel Klapka von K1 Landschaftsarchitekten.

Herr Klapka, am Anfang sahen Sie ein Stück Gelände in Deggendorf, in einer für Sie zunächst unbekannten Stadt. Hatten Sie gleich eine Idee, was dort entstehen könnte?

Durch die Auslobungsunterlagen zu einem Wettbewerb ist man in der Regel schon gut auf den neuen Ort vorbereitet und hat die Stadt damit schon etwas kennengelernt. Als Landschaftsarchitekt projiziert man ständig bestimmte Bilder vor Ort und muss sich eher zu einer nüchternen und klaren Analyse des Raumes ermahnen. Die ersten Ideen entstehen aber in der Regel beim Zeichnen im Entwurfsprozess.

Die Planung einer Landesgartenschau setzt einen Wettbewerb voraus, der europaweit ausgeschrieben wird. Warum denken Sie, hat Ihr Konzept gewonnen?

Wir haben ein zusammenhängendes Konzept für die gesamten Stadträume bei einer konsistent durchgängigen Gestaltung entworfen. Der Wettbewerbsentwurf beinhaltet, die verschiedenen Orte stadträumlich und nutzungsorientiert in der richtigen Weise zu entwickeln und dabei diese Räume so miteinander zu verknüpfen, dass für die Menschen die später unsere Anlagen nutzen, ein zusammenhängender Erlebnis- und Erholungsraum entsteht. Wir haben die naturräumlichen Stärken, insbesondere die Donau, in das richtige Verhältnis zur Landschaftsarchitektur gesetzt und mit den Deichgärten einen neuen Parktyp im Zentrum platziert, der die schwierige Aufgabe auf einer Dachfläche eine öffentliche Grünanlage zu schaffen, mit einer Mischung aus Skulptur, Garten und Park lösen konnte.

Basiert die Planung eines Großprojektes wie der Landesgartenschau auf Erfahrungswerten, die sich schon Jahrzehnte bewährt haben, oder setzt jedes neue Gelände ein gewisses Gespür und Bauchgefühl voraus?

Sicherlich basiert die Planung auf der individuellen Sichtweise, die wiederum durch jahrelange Erfahrung und eine fundierte Ausbildung geprägt ist. Unabhängig davon entwickeln wir für jeden Ort, unter Berücksichtigung der naturräumlichen Begebenheiten, den gewünschten Nutzungen und den Menschen vor Ort, die ja später unsere Parkbesucher werden sollen, eine neue Gestaltung. Ein wichtiger Aspekt ist jedoch die Individualität, die unabdingbar mit dem Verfasser des Entwurfes verknüpft ist, bis zur Fertigstellung gewährleisten zu können. Nur so kann eine Parkanlage einen Charakter mit einer besonderen Stimmung erhalten.

Wie lange braucht ein Architektenbüro, bis die Konturen zu sehen sind und welche Faktoren spielen eine Rolle? Wie sieht der Entwicklungsprozess aus?

Nach dem Gewinn eines Wettbewerbs geht es erst einmal darum die Planung den Bedingungen vor Ort genau anzupassen und mit den Protagonisten in der Stadt abzustimmen. Dazu gehörte in Deggendorf der Hochwasserschutz an erster Stelle, aber auch die Einhaltung des Kostenrahmens, die Flächenverfügbarkeiten und weitere Themen mussten konsensfähig abgearbeitet werden. In diesem Schritt ist es die wichtigste Aufgabe, die "Konturen", sprich die Entwurfsidee, nicht aufgeben zu müssen und unter den Vorgaben weiterzuentwickeln. Dies ist ein ständig fortlaufender Prozess, der uns bis heute begleitet.

Im zweiten Schritt entwickeln wir die so genannte Ausführungsplanung. In dieser Phase bearbeiten wir die technischen Fragestellungen, etwa wie soll das Plattenmuster auf einer bestimmten Platzfläche sein, wie löse ich technische Details wie etwa die Stahleinfassungen auf den Deichgärten.

Sind auch die technischen Fragen geklärt, erstellen wir Ausschreibungsunterlagen für die Firmen, die unsere Planung nach einem Vergabeverfahren vor Ort umsetzen sollen. Erst dann kann man beobachten, wie sich die Planung vor Ort Schritt für Schritt zu der Parkanlage entwickelt, wie wir sie uns im Entwurfsprozess vorgestellt haben.

Zurück zur eigentlichen Fragestellung: In Deggendorf haben wir 2008 den Wettbewerb gewonnen und konnten erst in diesem Sommer die Konturen der gesamten Anlagen vor Ort sehen, auch wenn Teile wie der Stadthallenpark schon früher fertig gestellt worden sind.

Herr Klapka, erläutern Sie doch bitte in wenigen Sätzen das Konzept, das sich hinter der Landesgartenschau Deggendorf 2014 verbirgt.

Wir haben entlang der Donau eine dreizügige Parklandschaft entwickelt. Direkt an der Donau entsteht der entschleunigte Donaupark mit einer geschwungenen Promenade, die sich intervallartig immer wieder vom Wasser entfernt. Als Rücken dieser Parkanlage dient der Donaudeich, auf dem sich dagegen die lineare und "schnellere" Deichpromenade befindet. Mit dem Stadthallenpark und der Ackerloh, die sich stadtzugewandt an die Deichpromenade anschließen, wird die Verbindung in die Siedlungsbereiche Deggendorfs geschaffen. Im Zentrum liegt das Herzstück mit den einen Hektar großen Deichgärten, die als Landschaftsskulptur Hauptattraktion und Wahrzeichen der Landesgartenschau darstellen. Für das Gartenschaujahr soll auch im Programm, der Ausgestaltung der Beiträge und in der Gastronomie das Thema "Donau" die Hauptrolle spielen, womit sich die Donaugartenschau von anderen Gartenschauen deutlich absetzen kann. Bei unserem Konzept ist darauf zu achten, dass die Fortsetzung des Donauparks und die Weiterentwicklung der Ackerloh zum Freizeitpark integrale Bestandteile der Planung sind, die zurzeit noch nicht umgesetzt werden konnten. Die Investitionen in das Parkdeck und die Außenanlagen machen in dieser Form nur Sinn, wenn die ursprünglich zur Verfügung stehenden Flächen später auch genutzt werden können.

Was sind die Höhepunkte und warum wurden sie so geplant?

Ein Höhepunkt ist sicherlich das Erlebnis der Donau auf der neuen Donaupromenade. Die Donau selber hat eine solche landschaftliche Kraft, dass der "ruhige" Weg ein perfektes Pendant bildet. Auch die neuen Spielplätze sollten nicht vergessen werden. Mit zwei Themenspielplätzen, dem Donauspiel auf den Deichgärten und dem Weidenversteck im Donaupark, wurden zwei formal unterschiedliche und im Spielwert auf die Bewegung der Kinder und die Einbeziehung der Umgebung ausgerichtete Spielplätze geschaffen. Wir haben die Spielplätze so gestaltet, dass eine überregionale Anziehungskraft bei gleichzeitig starker Identifizierung der Kinder mit den Spielanlagen entstehen. Die Anordnung und Ausgestaltung der Spielgeräte und Spielstationen selber folgt unserer Auffassung, dass soziale Interaktion, gepaart mit immer wieder neu entstehenden Spielsituationen, dauerhaft interessante Spiellandschaften entstehen lässt.

Was bringen die Veränderungen der Stadt Deggendorf?

Ziel einer Landesgartenschau ist die Aufwertung der Freiräume einer Kommune in einem gesamtstädtebaulichen Kontext. Ich glaube das ist in Deggendorf mit der neuen Donaubrücke, dem Parkdeck und den neuen Parkanlagen gut gelungen. Schlussendlich haben die Bewohner und Besucher der Stadt attraktive Anlagen zur Naherholung, aber auch im Alltag zur Nutzung erhalten. Deggendorf hat sich in einem ersten Schritt selbstbewusst der Donau zugewandt. Dies könnte Grundlage für die weitere städtebauliche Entwicklung entlang der Donau sein und so weitere Verbesserungen im Bereich östlich der Stadthalle bis zum Hafen generieren.

Wären solche außergewöhnlichen Baumaßnahmen, wie die Deichgärten, die ja auf einem Parkdeck liegen, das wiederum in den Deich eingelassen ist, ohne das Großereignis Landesgartenschau überhaupt umsetzbar?

Jedenfalls nicht mit der Unterstützung der verschiedenen Fördergeber - und wenn, dann nur zu einem deutlich höheren Preis für die Stadt Deggendorf. Gartenschauen konzentrieren Investitions- und Fördermittel auf einen bestimmten Ort zu einem bestimmten Datum. Damit verpflichten sich alle Beteiligten bis zu diesem Datum die vorhandenen Möglichkeiten auszuschöpfen um ein solches Großprojekt umzusetzen. Diese Prozesse sind für alle Beteiligten kräftezehrend und erfordern ein hohes Maß an ressortübergreifendem Denken und Handeln. Der mit einer Gartenschau verbundene offene Gestaltungswettbewerb ist wiederum Garant für eine qualitativ angemessene Aufwertung der Freiräume in der Stadt, in dessen Rahmen auch so besondere Ideen wie die Deichgärten auf dem Dach eines Parkdecks prämiert und umgesetzt werden können.

Jetzt, nach Abschluss der meisten baulichen Maßnahmen, kann man da sagen: Ja, es ist so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe?

Definitiv. Zum einen sind wir als Planer in der Lage, uns gut vorstellen zu können, wie unsere Ideen gebaut wirken und zum anderen konnten wir die wichtigsten Bestandteile der Planung realisieren. Man kann heute schon gut sehen, wie sich die neuen Parks als eigene, aber auch offene Räume darstellen. Natürlich war es für uns spannend insbesondere die Deichgärten im gebauten Zustand zu sehen, da wir ein solches Projekt bisher noch nicht umgesetzt hatten und es auch keine Vorbilder hierfür gab. Um so erfreulicher ist es, dass ein so besonderer Ort, der auch den Mut zum Anderen von den Entscheidungsgremien erfordert hat, seine besondere Wirkung auch schon beim Nichtfachpublikum bei den Baustellenbegehungen entfalten konnte.

Verraten sie uns doch ein, zwei Geheimnisse, warum ein Park plötzlich aussieht wie ein Park?

Es sind derer Drei:

Erstens Räume schaffen mit denen ich Größe, Tiefe und Abwechslung erzeugen kann.

Zweitens Atmosphäre erzeugen im Spiel mit der Natur und den landschaftsarchitektonischen Eingriffen.

Drittens mit viel Erfahrung.

Die Pflanzungen sind immer noch das Kernstück einer Landesgartenschau, welche Ideen wurden speziell für Deggendorf entwickelt und warum?

Für die Pflanzen wurde von uns ein Gesamtkonzept erarbeitet, das für die verschiedenen Bereiche besondere Schwerpunkte setzt. Im Bereich Ackerloh schaffen lockere Baumformen mit unterschiedlichen hellen Grüntönen eine freundliche Atmosphäre. Im Gleisdreieck sorgen 48 Obstbäume für einen ländlichen Eindruck. Im Stadthallenpark haben wir die Gehölzkulisse ausgelichtet und mit vorhandenen Arten der typischen Parkbäume ergänzt. Da für den Donaupark die Auenlandschaften unser Vorbild waren, wurde für die Pflanzenauswahl auch auf die vorlandtypischen Gehölze wie beispielsweise Weiden zurückgegriffen. Für alle Pflanzen haben wir auch die klimatischen Veränderungen berücksichtigt, in dem Pflanzenarten mit einer großen Toleranz und Temperaturamplitude verwendet wurden.

Dennoch sind Landesgartenschauen keine reinen Blumenschauen mehr, was bieten die modernen Veranstaltungen heute dem Besucher?

Nach wie vor steht die Pflanze und deren Verwendung im Vordergrund einer Gartenschauveranstaltung. Immer mehr treten aktuell Themen wie Nachhaltigkeit, Energiewirtschaft, Land- und Forstwirtschaft und Landschaftsschutz, die ja alle mit der Pflanze zu tun haben, in den Vordergrund. Damit bringen sich Gartenschauen auch in gesellschaftlich relevante Diskussionen ein. Daneben kann man sich auf Landesgartenschauen über die Entwicklungen und Angebote aus der Region informieren und diese direkt im Zusammenhang mit dem Gartenschaubesuch erleben.

Wie verändern sich die Konzepte für Parkanlagen mit der Zeit, welche Trends gibt es?

Sicherlich passen sich die Gestaltungen den jeweiligen Anforderungen an, die sich aus den Veränderungen der Gesellschaft und den sich daraus abzuleitenden Anforderungen an den Freiraum ergeben. Wichtig ist aber aus meiner Sicht, dass ein Park, der ja auf eine Dauer von 50 plus x Jahre angelegt wird, von Anfang an eine räumliche Wirkung erzielen muss, auch wenn die Pflanzen im Moment der Anlage noch klein sind. Ein solches Parkgerüst kann dann auch die unterschiedlichen Moden und Anforderungen in der Ausstattung, den Spieleinbauten oder gesonderten Pflanzbeeten über die Generationen tragen und dabei sein typisches Gesicht bewahren.

Herr Klapka, vielen Dank für dieses Gespräch.

Fragen von Michael Strauch, LGS Deggendorf 2014, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 04/2014 .

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