Mit Pflanzoffensive im Neustadtviertel die Hitze reduzieren

Bauminseln in den Straßen von Linz

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Die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz verfolgt seit 2019 im Rahmen ihrer Klimastrategie eine umfassende Baumpflanzoffensive. Ziel ist es, das Stadtklima nachhaltig zu verbessern, die sommerliche Überhitzung zu reduzieren und die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner zu erhöhen.
Klimaanpassung Baumpflanzung
1 Der Ausschnitt der Risikokarte Hitze Linz verschneidet klimatische mit sozialen Aspekten und zeigt Stadtgebiete mit erhöhtem Handlungsbedarf auf. Im Neustadtviertel (roter Kreis) leben viele alte und junge Menschen (lila), einige von ihnen außerhalb eines 5-Gehminuten-Radius zu mikroklimatisch wirksamen Rückzugsräumen (rot). Abbildung: Stadt Linz, Stadtklimatologie und Umwelt - Planung, Technik und Umwelt (2023): Risikokarte Hitze (eigene Bearbeitung); https://t1p.de/5mcvt (PDF, abgerufen am: 13.11.2024)

Baumneupflanzungen sollen einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem sie Feinstaub filtern, die Luftqualität verbessern und das CO2 binden. Die Aufenthaltsqualität im Freien soll erhalten und aufgewertet sowie die Artenvielfalt gefördert werden. Besonders in den Sommermonaten, wenn die Temperaturen in Linz deutlich ansteigen, wird diese Begrünungsinitiative von entscheidender Bedeutung sein, um die Belastung durch Hitze in der Stadt zu mindern.

Masterplan und erste Umsetzungen

Kern des Programms ist die Neupflanzung von tausend Bäumen in der Innenstadt, die seit einigen Jahren läuft. Auch Maßnahmen wie Fassadenbegrünung sind Teil dieser Stadtbegrünung. Die Schaffung von Frischluftschneisen als "Kühlungskorridore" wird unterstützt.

Als Grundlage für die Umsetzung der Baumpflanzoffensive wurde auf Masterplanebene für die Innenstadt eine Potentialanalyse nach städtebaulichen und baumrelevanten Kriterien erstellt. Durch Überlagerung mit Daten aus der Stadtklimaanalyse wurden prioritäre Bereiche identifiziert. In diesem Masterplan wurde die Ausgestaltung der Baumstandorte nach dem "Schwammstadt-Prinzip für Bäume" empfohlen, um den Bäumen verbesserte Wasserversorgung und Standortbedingungen bei möglichst geringer Reduktion an Verkehrsflächen zu bieten.

Der Auftakt der Baumpflanzoffensive erfolgte in der Kroatengasse, wo ab September 2021 rund 25 Bäume gepflanzt wurden (Planung 3:0 Landschaftsarchitektur). Im zweiten Umsetzungsprojekt im Rathausviertel wurden rund 50 Bäume in zentralen Straßenzügen der Linzer Altstadt, wie der Domgasse, Pfarrgasse und Zollamtsstraße, gepflanzt (Planung: Alles ist Landschaft Landschaftsarchitektur).

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Klimaanpassung Baumpflanzung
2 Die Einbindung in den Straßenraum. Foto: Jürgen Grünwald

Das Neustadtviertel

Die dritte Bepflanzungswelle läuft seit 2023 im Linzer Neustadtviertel. Dieses gründerzeitliche Quartier entstand ab dem späten 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung und der damit verbundenen Expansion der Stadt. Der Baubestand ist geprägt von Gründerzeitgebäuden in Blockrandbebauung, die östlich der Hauptstraße, der Landstraße, den Charakter dieses Viertels bestimmen. Im öffentlichen Raum steht das Neustadtviertel vor typischen Herausforderungen eines zentralen Stadtteils dieser Periode. Aufgrund der dichten Bebauung und der engen Straßenprofile ist der fließende und ruhende motorisierte Verkehr dominant. Im Zuge einer Stadterneuerung wurden die Straßenräume ab Ende der 1970er Jahre ausgehend vom östlich liegenden Südbahnhofmarkt teilweise umgestaltet und Säulenhainbuchen gesetzt, die heute noch vorhanden sind.

Standortfindung

Für die Planung der Bäume im Neustadtviertels gab es seitens der Stadt Linz ein klares Anforderungsprofil: Die in Ost-West-Richtung verlaufenden Straßen des Quartiers sollen – aufbauend auf den Baumbestand – möglichst durchgängig mit Straßenbäumen bepflanzt werden. Lücken, die durch Ausfall bestehender Bäume entstanden sind, sollen geschlossen werden. Der Planungsauftrag fokussierte im ersten Schritt auf die Identifizierung von zukunftsfähigen Baumstandorten unter Beachtung der Erkenntnisse und Vorgaben aus dem Masterplan und der Klimaanalyse. Ein umfassender Straßenumbau mit neuen Verkehrslösungen und Oberflächentypologien wurde ausgeschlossen. Baumaßnahmen sollten sich ausschließlich auf das Umfeld der neuen Bäume beschränken. Weiters sollten die Maßnahmen mit einer möglichst geringen Reduktion an Pkw-Stellplätzen einhergehen. Die Stadt Linz beauftragte das Verkehrsplanungsbüro Ludwig Niedermayr (Linz) mit studio blaugruen Landschaftsarchitektur (Linz) und Karl Grimm Landschaftsarchitekten (Wien) als Schwammstadtspezialisten.

Rasch wurde klar, dass die limitierenden Faktoren für die Ausweisung neuer Standorte in den unterirdischen Einbauten und den verkehrlichen Anforderungen liegen würden, die im Masterplan nicht aufgearbeitet worden waren. Dies hatte ein umfangreiches Screening des Einbautenbestands und detaillierte Abstimmungen mit den Leitungsträgern zur Folge. Ziel war die Festlegung von Baumstandorten im Straßenraum unter Einhaltung normgerechter Abstände zu Leitungen und unter Berücksichtigung geeigneter Schutzmaßnahmen. Flächen, die nicht von Leitungen und fließendem Verkehr in Anspruch genommen sind, wurden zum Möglichkeitsraum für neue Baumstandorte. Der zukünftige Wurzelraum sollte dabei eine Mindestbreite und Mindestfläche aufweisen. Aufgrund der engen Straßenprofile im Gründerzeitviertel waren, wie bei den Pflanzungen vor 30 bis 40 Jahren klein- bis mittelkronige oder säulenförmige Baumarten und -sorten vorzusehen.

Klimaanpassung Baumpflanzung
3a Vorab wurde die komplette Leitungsinfrastruktur erhoben und inklusive der erforderlichen Abstände ausgewertet (Beispiel Volksfeststraße). Abbildungen: studio blaugruen DI Gregor Mader
Klimaanpassung Baumpflanzung
3b Durch eine detaillierte Potentialflächenanlayse wurden mögliche Baumstandorte ermittelt. Abbildung: studio blaugruen DI Gregor Mader
Klimaanpassung Baumpflanzung
3c Die Idee eines Modulsystems nimmt alle technischen und räumlichen Anforderungen auf. Abbildung: studio blaugruen DI Gregor Mader

Schwammstadtprinzip für Bäume

Nach Vorgabe des Masterplans sollten die Baumpflanzungen nach dem "Schwammstadtprinzip für Bäume" erfolgen. Diese Bauweise wurde in Stadt und Grün bereits vorgestellt (Grimm et al. 2022). Die Methode wird in der österreichischen Norm ÖNORM L 1112 "Anforderungen an die Bewässerung von Vegetationsflächen" definiert als "Bauweise von Wurzelräumen für Bäume, die gleichzeitig als Vegetationstragschicht, als Wasserspeicher- und -versorgungsmedium sowie als unterirdischer Sickerkörper fungiert und die unter befestigten Flächen verbaut werden kann, sodass großvolumiger Wurzelraum zur Verfügung steht". Der für die Durchwurzelung vorgesehene Substratkörper besteht aus Kornskelett zur Ableitung der Verkehrslasten mit hohem Grobporenanteil. Im Zuge eines 2-phasigen Einbaus wird ein Schlämmsubstrat mit wenig Wasser und hohem Druck in die Hohlräume eingeschlämmt. Das Schlämmsubstrat besteht überwiegend aus mineralischen (Sand, Schluff) und in geringer Menge aus organischen Komponenten (reifer Kompost und Pflanzenkohle in der Qualität EBC-Urban). Über diesem Schwammstadtsubstrat wird eine Verteilschicht für das eingeleitete Wasser und die Bodenluft eingebaut, die eine Luft- und Wasserversorgung des Wurzelraums auch unter versiegelten Flächen sicherstellt.

Die Bauminseln

Die Bestandsbäume in den Straßen des Neustadtviertels weisen Kronendurchmesser von etwa sechs Metern auf. Diese Größe wird auch bei den Neupflanzungen angestrebt. Die Kronenprojektionsfläche beträgt dabei etwa 28 Quadratmeter. Nach einer Faustformel, die den erforderlichen Wurzelraum in Kubikmetern aus der Kronenprojektionsfläche in Quadratmetern mal den Faktor 0,75 ermittelt (Schönfeld 2006), wurde ein Mindestvolumen für den Wurzelraum der Neupflanzungen von 20 Kubikmeter festgesetzt. Bei einer Aufbauhöhe des Wurzelsubstrats von 0,9 Metern und unter Berücksichtigung der darüber gelegenen Baumgrube mit etwa drei Kubikmetern Volumen kann der Wurzelraum eines Baums auf der Fläche von zwei Pkw-Stellplätzen geschaffen werden. Der Umbau von jeweils zwei Stellplätzen zu einem Baumstandort wiederholt sich im Planungsgebiet vielfach. Zur einfacheren Umsetzung wurde das modulare System der "Bauminsel" entwickelt. Dabei werden jeweils zwei Pkw-Stellplätze (längs oder schräg) zu einem Baumstandort umgebaut.

Fixe Bestandteile jedes Moduls sind die Baumscheibe als Standort für den Straßenbaum und das Tiefbeet, das mit Oberflächenwasser von den umliegenden Verkehrsflächen gespeist wird. Die Nutzung des weitgehend unbelasteten Dachwassers der angrenzenden Gebäude wurde vorgeschlagen, aber auftraggeberseitig aufgrund der differenzierten Eigentumsverhältnisse und der damit verbundenen langwierigen rechtlichen Klärungen ausgeschlossen. Als dritter Teil des Moduls nehmen die Multifunktionsflächen bestehende Nutzungen aus dem Parkstreifen wie Fahrradständer, Hauseinfahrten oder Schanigärten (Außengastronomieflächen) auf oder bieten das Potential für Aufenthaltsmöglichkeiten und Grünflächen im Straßenraum. Die Multifunktionsflächen werden je nach Nutzung bepflanzt oder mit einer ungebundenen Pflasterdecke versehen. Mit Hilfe der Multifunktionsfläche konnte auch die Vorgabe nach möglichst geringem Stellplatzverlust erfüllt werden: Es wurden Fahrradabstellbügel, die vorher gruppenweise im Parkstreifen situiert waren, in die Multifunktionsflächen unter den Bäumen verlegt. Auf diese Weise wurde das Ausmaß der durchschnittlich pro Baum entfallenden Stellplätze auf unter 2,0 gesenkt.

Unter diesen unterschiedlichen Aufbauten an der Oberfläche werden in jeweils gleicher Höhe durchlaufend die Belüftungs- und Verteilschicht und darunter das Schwammstadtsubstrat eingebaut. Das System wird ohne größeren Straßenumbau dezentral für jeden Baumstandort umgesetzt. Der neben der Bauminsel gelegene Gehsteig mit Hochbord sowie die gegenüberliegende Straßenhälfte ab der Hochlinie der dachförmigen Straßenentwässerung bleiben erhalten. Eine Bauminsel beansprucht einen Abschnitt des Parkstreifens, wobei der zur Fahrbahnmitte hin anschließende Fahrstreifen zur Anpassung der Gefälleverhältnisse umgebaut wird. Die etwa 0,3 Meter hohe Stufe in das Tiefbeet wurde mit einer niedrigen Reling markiert. Sie ist keine Absturzsicherung, sondern ein sichtbares Signal für Fußgänger und Einparkende. Gehsteigseitig sind Sitzbretter für Kinder und Jugendliche montiert.

Bauminseln können einfach an die spezifischen Anforderungen einzelner Standorte angepasst werden. Die Baumscheibe bleibt mit einer Fläche von zwei mal zwei Meter gleich groß, die Fläche des Tiefbeets wird an die Fläche des Entwässerungsgebiets angepasst. Bei Wassereinleitung von ausgedehnten Entwässerungsflächen werden die Tiefbeete zu Lasten der Multifunktionsflächen vergrößert, sodass alle Bauminseln in etwa die gleiche Gesamtfläche annehmen. Die Ausformung der Schwammstadtzone im Untergrund richtet sich nach dem verfügbaren Raum zwischen den Leitungseinbauten. Sie ist nicht notwendigerweise auf das Areal der Bauminsel an der Oberfläche beschränkt. Um das vorgesehene Volumen zu erreichen, wird das Schwammstadtsubstrat auch unter befestigte Flächen unter Hauseinfahrten oder Parkstreifen eingebaut.

Insgesamt werden im Neustadtviertel 56 Straßenbäume gepflanzt. Im ersten Bauabschnitt 2023 wurden die Bauminseln in Längsparkstreifen und an wenigen Sonderstandorten umgesetzt, 2024 wurden auch Parkstreifen mit Schrägparkordnung einbezogen und die Regelzeichnungen auf diese Situation erweitert.

Klimaanpassung Baumpflanzung
4 Der Straßenquerschnitt als limitierender Faktor für Baumgrößen. Abbildung: studio blaugruen DI Gregor Mader
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5 Das komplette Modulsystem: Tiefbeet, Baumscheibe und Multifunktionsfläche. Foto: Jürgen Grünwald
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6 Eine Bauminsel vereint mehrere Module: Tiefbeet, Baumscheibe und Multifunktionsfläche. Abbildung: studio blaugruen DI Gregor Mader

Baumarten und Unterwuchs

Der Baumbestand im Neustadtviertel Linz besteht zum größten Teil aus Hainbuchen (Carpinus betulus), deren Zustand sich aufgrund der kleinen Baumscheiben und der Versiegelung zunehmend verschlechtert. Um die Vielfalt im Quartier zu erhöhen, ohne das einheitliche Bild der Straßenzüge zu verändern, wurden Hopfenbuchen (Ostrya carpinifolia) ergänzt. Bisher unbepflanzte Straßenzüge und -abschnitte wurden mit Feld-Ahorn (Acer campestre 'Elsrijk') und Resista Ulmen (Ulmus x resista 'Rebona' und 'Rebella') bepflanzt, um den einzelnen Straßen durch die Bepflanzung eine besondere Identität zu geben. Kreuzungsbereiche und Sonderstandorte wurden mit weiteren Arten akzentuiert (Platanus x hispánica 'Pyramidalis', Acer x freemanii 'Autumn Blaze' und Quercus frainetto). Für die Tiefbeete wurde eine artenreiche Staudenmischpflanzung entwickelt, die an den meist trockenen Standort angepasst ist und kurzzeitige Überflutungen toleriert. Die Auswahl enthält viele Arten, die Insekten Nahrung und Unterschlupf bieten. In den Baumscheiben wurde eine robuste Blockpflanzung mit mineralischer Mulchdecke angelegt.

Wasserrechtliche Erfordernisse

Mit der Einleitung von Niederschlagswasser in den Untergrund in den Wurzelbereich von Bäumen ist eine Versickerung von Überschusswasser verbunden. Verschmutzungsgrad und Behandlungsbedürftigkeit der Straßenabflüsse sind dabei zu beachten. Aufgrund der Verkehrsdichte in den Straßen des Projektgebietes besteht eine wasserrechtliche Genehmigungspflicht. Es wurden jeweils für die Vorhaben im Jahr 2023 (Schillerstraße, Scharitzerstraße, Volksfeststraße) und 2024 (Lustenauerstraße, Bürgerstraße, Blumauerstraße) Einreichoperate von den planenden Landschaftsarchitekten verfasst. Darin wurden die anfallenden Niederschlagswässer in Abhängigkeit ihrer Herkunftsfläche quantitativ sowie qualitativ bestimmt und bewertet und die hydraulische Leistungsfähigkeit der Versickerungsanlagen unter den gegebenen Randbedingungen dargestellt. Das Neustadtviertel befindet sich auf einer Niederterrasse mit Kiesen und Sanden, sodass von sickerfähigem Untergrund ausgegangen werden konnte. Dies wurde in der Bauphase mit einfachen Sickerversuchen überprüft und bestätigt. Die Bemessungen wurden nach den in Österreich geltenden Regelwerken durchgeführt. Bei Überstau in den Straßenraum erfolgt der Abfluss über die weiterhin bestehende Straßenentwässerung. Die Versickerungsanlagen bestehen aus Tiefbeeten und unterliegenden Schwammstadtrigolen, die gemeinsam ein Entwässerungssystem bilden. Die Tiefbeete sind mit einer Einstauhöhe von 0,2 Metern auf ein 1-jährliches Bemessungsniederschlagsereignis ausgelegt. Überläufe leiten Überstauwässer direkt in die Verteilrohre der Belüftungs- und Verteilschicht des unterirdischen Systems. Für die Bemessung auf ein fünfjährliches Niederschlagsereignis ist der maßgebliche Retentionsraum das Porenvolumen der Belüftungs- und Verteilschicht über dem weniger durchlässigen Schwammstadtsubstrat. Das Volumen des Schwammstadtsubstrats wurde nach dem erforderlichen Wurzelraum für Bäume dimensioniert, für die Funktion als Versickerungsanlage wären auch kleinere Volumina ausreichend.

Die Reinigung der Niederschlagswässer erfolgt in Tiefbeeten über einen Bodenfilter von mindestens 30 Zentimeter Aufbauhöhe, der dem Rückhalt und Abbau von organischen und anorganischen Schadstoffen im Sickerwasser dient und den geltenden normativen Anforderungen entspricht. Regelmäßige Sichtkontrollen der Tiefbeete sind vorgesehen.

Die eingeleiteten Straßenwässer sind durch den Winterdienst auf Fahrbahnen und Gehsteigen belastet. In Linz gelangen sowohl Splitt als auch Streusalz zum Einsatz. Die wenigen neugeschaffenen punktuellen Einleitungen von Chlorid ins Grundwasser stellen keine maßgebliche Belastung dar. Die ausgewählten Straßenbäume sind bis zu einem gewissen Grad salztolerant und es wird davon ausgegangen, dass die moderaten Chloridfrachten durch die weitere Einleitung der Niederschlagswässer verdünnt und ausgespült werden.

Klimaanpassung Baumpflanzung
7 Unterirdisch ist die gesamte Bauminsel durch das Schwammstadtsubstrat verbunden. Oberirdisch gliedern sich die Flächen auf. Abbildung: studio blaugruen DI Gregor Mader
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8 Eine Variante mit mittiger Baumscheibe und zwei Tiefbeeten. Foto: Jürgen Grünwald
Klimaanpassung Baumpflanzung
9 Die Fahrbahnoberfläche wird an die Bauminsel angepasst. Foto: Jürgen Grünwald

Baudurchführung

Während der Bauphase flammte die Konkurrenz um den Raum auf und unter der Straßenoberfläche erneut auf. Das Sichtbarwerden der abgestimmten, verhandelten und genehmigten Planungen rief Kritiker und neue Interessenten auf den Plan. Bereits ausgehandelte Kompromisse wie etwa die Lösungen für den fließenden und ruhenden Verkehr mussten neu diskutiert und erläutert werden, Leitungsträger an ihre Zustimmungen erinnert werden. Die gute Dokumentation aus den frühen Planungsphasen war in dieser Situation hilfreich. Es traten auch neue Akteure auf den Plan: Anwohner forderten neue Zufahrtsrechte zu ihren Grundstücken und der öffentliche Verkehr beanspruchte eine Parkspur, die schon für neue Baumstandorte vorgesehen war. In der baubegleitenden Phase war die Flexibilität der Planung nochmals herausgefordert.

Auch die ausführenden Baufirmen waren mit dem Bau von Baumstandorten nach dem Schwammstadt-Prinzip herausgefordert. Methoden, wie das Einschlämmen des Grobschlages mussten gut erklärt, begleitet und überwacht werden. Mit der Zeit stellte sich Routine ein, die modulare Bauweise hat dies unterstützt. Die Verteilung der Kleinbaustellen für die Bäume über ein ganzes Quartier stellte erhöhte Anforderungen an die Bauorganisation und -logistik.

Ausblick

Aufbauend auf der im Gemeinderat mehrheitlich beschlossenen Grundsatzerklärung und Handlungsübersicht für eine umfassende Klimastrategie der Stadt Linz besteht ein breiter Konsens für die Umsetzung von Projekten zur Anpassung an den Klimawandel. Der politische Wille fördert die Möglichkeit, solche innovativen Projekte unter ganzheitlichen Gesichtspunkten in die Umsetzung zu bringen. Auch wenn für viele Bewohnerinnen und Bewohner Fragen des motorisierten Individualverkehrs im Vordergrund stehen, überwiegt die Freude über die neuen Baumstandorte und den Zugewinn an urbaner Atmosphäre. Die Fortsetzung der Straßenbegrünungsmaßnahmen in Linz ist jedenfalls gesichert. Schließlich will man sich 2025 um den Titel "Klimahauptstadt Europas" bewerben.

Quellen

Austrian Standards International (2022). ÖNORM L 1112 Anforderungen an die Bewässerung von Vegetationsflächen, Ausgabe: 2022-11–15, Wien.

Grimm, K., Murer, E., Schmidt, S., Zeiser, A.; 2022: Das Schwammstadtprinzip für Bäume, Entwicklung und Umsetzung in Österreich; in: Stadt und Grün; 07/2022. Berlin-Hannover.

Magistrat Linz – Planung, Technik und Umwelt (2023): Zukunft Linz – Aktionsprogramm. https://t1p.de/tps0m (PDF, abgerufen am 11.11.2024)

Schönfeld, P. 2006. Baumpflanzung in der Stadt nach den Regelwerken der FLL und ZTV-Vegtra-Mü, in Veitshöchheimer Berichte aus der Landespflege, Heft 94. Veitshöchheim.

Selinger, S. 2022. Das Schwammstadt-Prinzip für Bäume – Ein Leitfaden für die Umsetzung von Schwammstadt-Projekten, Eigenverlag Bodenbündnis in Österreich, Wien.

Österreichischer Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (2015). ÖWAV-Regelblatt 45 Oberflächenentwässerung durch Versickerung in den Untergrund, Wien.

Zeiser, A., Rath, S., Grimm K., Schmidt, S., Klammler, G., Zimmermann, D., Murer, E., Roth, T., Strauß, P., Weninger, T. 2023: Überlegungen zur Dimensionierung und Ausführung des Systems Schwammstadt für Bäume, in Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft. doi.org/10.1007/s00506-023-00962-0

Dipl.-Ing. Karl Grimm
Autor

Karl Grimm Landschaftsarchitekten

Dipl.-Ing. Gregor Mader
Autor

Landschaftsarchitekt

studio blaugruen Landschaftsarchitektur

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