Nachhaltige und kostengünstige Pflege

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Voraussetzung für eine nachhaltige Pflege ist das Wissen darüber, welche Grünflächen mit welchem Umfang überhaupt vorhanden sind. Foto: Umweltbetrieb Bremen

Die Mehrheit der Kommunen in Deutschland muss mit immer weniger Mitteln und Personal ihre umfangreichen Grünflächen mit Parks, Stadtbäumen, Spiel- und Sportplätzen pflegen. Die wenigen Mittel und die Mitarbeiter müssen mehr denn je so eingesetzt werden, dass sie eine maximale Effektivität erreichen.

Die wichtigste Voraussetzung für eine nachhaltige und kostengünstige Pflege ist, dass bekannt ist, welche Flächen mit welchem Umfang überhaupt vorhanden sind und welcher Pflegeaufwand mit ihnen verbunden ist - seien es Baum- oder Strauchpflanzen-, Bodendecker- oder Sportrasenflächen.

Das Geographische Informationssystem. Abb.: Heribert Eschenbruch

Häufige Fahrten und lange Wegezeiten zwischen Unterkünften und Pflegeobjekten können schnell 25 Prozent des Arbeitstages verbrauchen. Foto: Umweltbetrieb Bremen

Ein unverzichtbares Instrument dieses zu ermitteln, ist die Erfassung der Flächen durch ein digitales Geoinformationssystem, dem GIS. Zunächst zwar kosten- und zeitaufwändig - werden kurzfristig die Ausgaben für diese Investitionen jedoch wieder hereingespielt. Per Mausklick können die verschiedenen Flächen quantifiziert und visuell dargestellt werden. Vergleicht man die Erstellungskosten eines GIS von 200 Euro pro Hektar mit den Jahresunterhaltungskosten einer mittleren Grünanlage von 10 000 Euro, so wird unverständlich, warum die fehlenden Mittel für diese Investition eine Rolle spielen sollten.

Durch die Verknüpfung der Geodaten mit einer Steuerungssoftware ergibt sich das GRIS, mit dem dann die Objekte und Flächen qualifiziert beschrieben und ausgewertet werden können. Damit steht den Gartenamtsleitern ein für alle transparentes Mittel zur Verfügung, wenn es darum geht, unter den Verwaltungen und im Gemeindeparlament die Mittelvergabe zu erörtern und das Geld zu verteilen. Gleichzeitig sind die Konsequenzen des Sparens ebenfalls sofort erkennbar und die politischen (Spar-)Entscheidungen im Rathaus können nicht mehr verwischt werden.

Neben der politischen Argumentationshilfe dient ein GRIS auch dazu, Leistungsvereinbarungen und Leistungsbeschreibungen für die Vergabe oder den Regiebetrieb einfach zu erstellen.

Die Zusammensetzung des Stundensatzes. Eschenbruch, GALK, Koblenz 12.05.2011

Die Optimierung der Mäharbeiten. Eschenbruch, GALK, Koblenz 12.05.2011

A und O ist die Leistungserfassung

Nur wenn man weiß, was pro Jahr auf den Grünanlagen geleistet wird, kann man das GRIS mit den richtigen Daten füttern und bei Bedarf korrigierend in die Pflege eingreifen. Die Basis hierfür ist die differenzierte Tätigkeits- und Zeiterfassung der eigenen Mitarbeiter sowie die Kosten für Vergaben und andere Ausgaben für jedes Objekt.

Um die Datenermittlung so gering wie möglich zu halten, sollte sich die Tätigkeitserfassung nur auf die einzelnen Pflegeobjekte und nicht auf einzelne Flächen beziehen. Mit dem Ergebnis kann man die Stundenaufwände zwischen verschiedenen Grünanlagen oder Pflegebezirken vergleichen und so die wirtschaftlichste Arbeitsweise erkennen.

Ein Beispiel: Durch die Leistungserfassung bei der Rasenmahd konnte man in Bremen feststellen, dass die Kleinmäher, mit denen rund zehn Prozent der Gesamtflächen gemäht werden, 56 Prozent der benötigten Arbeitszeit in Anspruch nehmen. Die ermittelten Kosten lagen beim Mähen mit einem Großmäher bei 0,012 Euro pro Quadratmeter, beim Kleinmäher bei 0,50 Euro pro Quadratmeter. Das bedeutet, dass die Grünanlagen maschinengerecht angelegt werde sollten und dass auch bei der Debatte um Investitionen in den Maschinenpark gute Argumentationshilfen mit dem GRIS abgeleitet werden können.

Werden das ganze Jahr hindurch von den Mitarbeitern die Daten erfasst, können innerhalb des Haushaltsjahres Zwischenbilanzen etwa zu den Quartalen gezogen und gegebenenfalls Korrekturen im laufenden Prozess vorgenommen werden. Auch werden so Arbeitsspitzen erkennbar die man etwa durch die Vergabe der Leistungen entschärfen kann. Mit dem GRIS können die Budgets, Maschinenkapazitäten und Personalstärken für die Pflegebezirke errechnet werden.

Auch für die Berechnung der Folgekosten bei der Neuplanung einer Grünanlage sind die eigenen Istkosten-Zahlen eine wichtige Grundlage. Kombiniert man diese mit Sanierungs- und Abschreibungswerten für die Grünanlagen, lässt sich daraus der Investitionsmittelbedarf berechnen. Auf dieser Basis kann man dann den Personalbedarf für die Planungsabteilung ermitteln.

Jahresvergleich Stunden - Aufwand Grünanlagen Eschenbruch, GALK, Koblenz 12.05.2011

"Brotzeittourismus" und produktive Stunden

Die produktiven Stunden eines Arbeitstages beeinflussen wesentlich den Stundenlohn und somit den Pflegepreis pro Quadratmeter. Häufige Fahrten und lange Wegezeiten zwischen Unterkünften und Pflegeobjekten können schnell 25 Prozent des Arbeitstages verbrauchen und so den Einsatz mit eigenen Gärtnern unwirtschaftlich machen. Durch objektnahe dezentrale Unterkünfte lässt sich das Ergebnis deutlich verbessern.

"Best Practice" und "Make or by"

Durch die Vergleiche der Istwerte mit anderen Kommunen, können diese voneinander lernen die Effektivität zu steigern, da die Ursachen und Wirkungen der nachhaltigen und effektiven Pflege durch differenzierte Daten transparent werden.

Im Ikonetz der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement, KGSt, haben sich seit zehn Jahren 15 Kommunen zusammengeschlossen, um eine Vergleichbarkeit der erfassten Daten zu gewährleisten. Die Minimal-, Maximal- und Durchschnittswerte werden regelmäßig veröffentlicht.

Eschenbruch, GALK, Koblenz 12.05.2011

Vergabe oder Regiebetrieb?

Vergeben oder mit eigenen Mitarbeitern pflegen - das ist eine ständige Frage bei der Grünflächenunterhaltung. In vielen Kommunen wurden die Regiebetriebe abgeschafft, weil keine Zahlen für einen Vergleich vorlagen. In Bremen wurden fünf Jahre lang Grünanlagen von Externen an den Eigenbetrieb und an Galabaufirmen vergeben. Der direkte Vergleich des Regiebetriebes mit der Vergabe ergab letztlich beim Nettovergleich eine Null. Da der Regiebetrieb den Ämtern aber keine Mehrwertsteuer berechnen muss, ist dieser für die Kommune deutlich günstiger. Auch die höheren Transaktionskosten verstärken den Vorteil des Regiebetriebes, da der Steuerungsaufwand für die eigenen Mitarbeiter lediglich 10 Prozent der Unterhaltskosten beträgt, während dieser bei einer externen Firma bei 20 Prozent liegt. Unter diesen Prämissen ergibt dies einen Vorteil von 29 Prozent für den Regiebetrieb.

Klappern gehört zum Geschäft

Neben der effizienten Ausgabenverteilung gehört für die Grünflächenverwaltung auch die Verbesserung der Einnahmenseite und Budgetverteidigung zum täglichen Geschäft. Die Darstellung der attraktiven Produkte durch eine aktive Öffentlichkeitsarbeit ist dafür unbedingt wichtig. Zudem liefern Bürgerbefragungen über die Wertschätzung der Grünflächen wertvolle Erkenntnisse für die politischen Entscheidungen. So hat eine bundesweite Befragung ergeben, dass die Nähe zu Grünflächen und Landschaft als Auswahlfaktor für einen Wohnort von 66 Prozent im Jahr 2004 auf 76 Prozent im Jahr 2010 bundesweit zugenommen hat. Nicht zuletzt wirbt die Immobilienbranche mit attraktivem Grün, deren Wert immer mehr Einfluss auf die Immobilienpreise gewinnt, siehe auch S. 9 ff.

Literatur

Eschenbruch, GALK, Koblenz 12.05.2011

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 01/2012 .

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