3. Internationales GreenCycle-Forum in Frankfurt am Main

Nachhaltiger Planen - Besser Steuern

von

Fachlicher Austausch und anregende Diskussion während des Forums. Foto: Anke Reuter

Nachhaltiger Planen - Besser Steuern! - Unter diesem Motto stand das 3. Internationale GreenCycle-Forum in Frankfurt am Main. Die Teilnehmer aus vier Ländern befassten sich an zwei Tagen mit dem Thema der ökonomischen Nachhaltigkeit von Grünanlagen und deren möglicher Beeinflussung in der Planungsphase. Tendenziell halten sich die Bürger in ihrer Freizeit mehr als noch zur Jahrtausendwende in der Stadt auf und nutzen dabei die Grünanlagen in verschiedenster Weise. Dies belegen Zahlen, die der Amtsleiter des Gartenamtes Frankfurt am Main, Stephan Heldmann, präsentierte.

Die fast 700 000 Einwohner der Stadt Frankfurt am Main und viele Touristen fordern eine erhöhte Aufenthaltsqualität in den Grünanlagen. Park- und Grünanlagen müssen sich den individuellen Bedürfnissen der Bürger anpassen, mehr multifunktionalen Raum bieten, zu jeder Jahreszeit begehbar und bespielbar sein. Daraus ergeben sich für das Gartenamt mit seinen 689 Mitarbeitern, die für die Unterhaltung von 1750 Hektar Grünfläche verantwortlich sind, neue Anforderungen bei der Sanierung und bei dem Neubau von Anlagen. Zur Bewältigung dieser Aufgaben wurden auf dem Forum Methoden und Verfahren zur nachhaltigen Planung vorgestellt. Dabei standen ökonomische Fragen der Berechnung von Lebenszykluskosten im Vordergrund, aber auch die Darstellung und Umsetzung der ökologischen, sozialen und funktionalen Nachhaltigkeit wurden diskutiert.

Überprüfung der Unterhaltskosten in schweizerischen Kleinstädten

Die Idee, Lebenszykluskosten einer Anlage auf der Basis der Kosten der verwendeten Pflanzen und Materialen im Garten- und Landschaftsbau über den gesamten Lebensprozess zu berechnen, stammt aus der Schweiz. Seit 2005 forschte eine Interessengemeinschaft aus schweizerischen und deutschen Unternehmen, begleitet von der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften intensiv an einem System zur Berechnung der Lebenszykluskosten. Neben den Werten für Personal-, Maschinen- und Materialaufwand für sämtliche Lebensphasen vom Bau bis zum Rückbau ist die Beschreibung der Rahmenbedingungen der zu planenden Anlage wichtig. Wesentliche Entwicklungen einer Anlage und die sich daraus ergebenden Kosten sind vom Nutzungsdruck, von der Größe der Anlage, von den Bodenverhältnissen und anderen Faktoren abhängig.

Verteilung der Flächenelemente nach Servicelevel. Abb.: Hans Buser

Vergleich Stufenvarianten im Zeitraum von 60 Jahren (Kosten/Quadratmeter). Abb.: Johanna Walf

Hans Buser von der Nateco AG aus der Schweiz stellte in seinem Vortrag neben der GreenCycle-Systematik Ergebnisse aus Schweizer Städten vor. In einem mehrjährigen Projekt, an dem sich sieben Städte beteiligten, wurden in einem ersten Schritt Grünanlagen und deren Bestandteile erfasst und die einzelnen Arbeitsschritte zur Entwicklung und Erhaltung der Anlagen definiert. Für die Kostenberechnung wurde der von der ZHAW erarbeitete GreenCycle-Katalog verwendet. Der Katalog enthält spezielle Grünprofile, die den gesamten Lebenszyklus der Grünanlagenelemente abbilden können. In den Folgejahren wurden durch das Rapportieren der durchgeführten Leistungen auf den Anlagen die tatsächlichen Aufwendungen ermittelt und in den verschiedenen Projektphasen mit allen Beteiligten diskutiert. Abweichungen der realen Zahlen vom Modell lagen in der Norm und größere Abweichungen konnten aufgeklärt werden. Mit den erarbeiteten Kennwerten kann nun in den Städten eine langfristige Planung durchgeführt werden. Ein wichtiges Projektergebnis ist, dass sowohl die Mitarbeiter auf der Leitungsebene als auch auf der operativen Ebene durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema Lebenszyklusprozess Erfahrungen gesammelt haben, die sich positiv auf die Unterhaltung der Grünanlagen und auf die Teamarbeit auswirken.

Berechnungen der Folgekosten und deren Werkzeuge aus der Sicht der Landschaftsarchitekten

Wie reagieren Landschaftsarchitekten, die durch ihren Entwurf maßgeblich an den Folgekosten beteiligt sind, auf die neuen Herausforderungen? Gespannt verfolgten die Zuhörer des Forums die Ausführungen des Landschaftsarchitekten Markus Gnüchtel vom Büro GTL Landschaftsarchitekten. Markus Gnüchtel projizierte Visionen einer zukünftigen Nutzung von Grünanlagen. Grünanlagen müssen multifunktionaler werden. Neue Anlagen müssen daher mit kürzeren Nutzungszyklen geplant werden, um den wechselnden Anforderungen zukünftiger Nutzer gerecht zu werden. Beispielsweise gehören klassische Sportstätten der Vergangenheit an. Der Mensch baut sich seinen eigenen Sportpark in der Grünanlage.

Zukünftig müssen Planer, Bauherren und Nutzer stärker zusammenarbeiten. Die Freiheiten und die Kreativität des Landschaftsarchitekten sollten auf der einen Seite nicht durch zusätzliche Verordnungen oder geforderte Berechnungen eingeschränkt werden. Auf der anderen Seite müssen Planungen jedoch nachhaltig gestaltet werden, um die Akzeptanz eines Entwurfs zu erhöhen. Es gibt zurzeit über die HOAI keine Regelung zur Abrechnung der zusätzlichen Leistungen, so dass viele Planungen ohne Pflegekonzepte oder Berechnungen zur Nachhaltigkeit dargestellt werden. Inwieweit sich die gewünschte Entwurfsfreiheit, die Entwicklung von Flächen mit wachsendem Nutzungsdruck, die temporäre Gestaltung von Grünanlagen und die damit verbundenen zusätzlichen Bau- und Unterhaltungskosten umsetzen lassen, lies Markus Gnüchtel offen.

Blick vom Hafenpark zur Skyline. Foto: Ralf Semmler

Einsatz von GreenCycle am Planungsbeispiel Höchster Stadtpark Frankfurt am Main

Johanna Walf von der d.b.g. Datenbankgesellschaft mbH stellte in anschaulicher Weise dar, wie sie als Planerin die Berechnung der Lebenszykluskosten einer Grünanlage durchgeführt hat. Mit dem GreenCycle-System wurde eine in der Planung befindliche Parksanierung berechnet. Der Höchster Stadtpark in Frankfurt am Main hat eine Fläche von 14,6 Hektar und wird durch das Planungsbüro ST raum a. aus Berlin grunderneuert. Welche sind die kostenintensivsten Jahre nach dem Bau und welche Unterhaltungskosten fallen für die geplante Spiellandschaft an? Das sind Fragen, die sich das Grünflächenamt Frankfurt am Main bereits in der Planungsphase stellte. Auf alle Fragen gab es nachvollziehbare Antworten in Form von Szenarien für die nächsten 30 Jahre. Interessant war, wie weit ins Detail gegangen werden muss, um beispielsweise einen Vergleich

verschiedener Belege für die Sitzstufen darzustellen. Welcher Belag lässt sich für die nächsten 60 Jahre kostengünstiger unterhalten (Rasen, wassergebundene Decke, Beton- oder Natursteinpflaster)? Spezielle auf die jeweiligen Bedingungen abgestimmte GreenCycle-Stadtkataloge können auf Fragen dieser Art Antworten liefern. Ein einmal angefertigter Katalog kann für alle weiteren Grunderneuerungen und Neuanlagen von Grünanlagen herangezogen werden, um bereits in der Entwurfsphase als Entscheidungshilfe zu dienen.

Lebenszykluskosten ausgewählter Baumarten im Vergleich. Abb.: Daniel Stichs

Folgekosten von Straßenbäumen - Planungsschema für ausgewählte Arten

Welche Baumart verursacht in Frankfurt am Main die höchsten Kosten? Daniel Stichs von der TU Potsdam untersuchte dazu die Hauptgattungen. Grundlage war das Baumkataster der Stadt Frankfurt am Main und das Leistungsverzeichnis zur Baumpflege, das ins GreenCycle System eingespeist wurden. Auch Erfahrungsberichte von Baumpflegern und Arboristen gehörten zu den Informationsquellen. Daniel Stichs differenzierte die Tätigkeiten in lebensphasenübergreifende Tätigkeiten und Tätigkeiten, die nur in bestimmten Lebensphasen vorkommen. Danach wurden artenspezifische Unterschiede für jede Lebensphase herausgearbeitet: Welche Baumart verursacht welche zyklischen Kosten in welchen Lebensphasen und welche Arten neigen zum Beispiel nicht zur Totholzbildung oder zur Bildung von Stockaustrieben? Im Ergebnis wurde ein Katalog vorgestellt, mit dem die Lebenszykluskosten von Bäumen berechnet und verglichen werden kann.

Pflegestandards in Holland - wie lassen sich Leistungen messen und bewerten?

Eine niederländische Spezialität, der Qualitätskatalog für den öffentlichen Raum, wurde durch Hans Gagler von der Firma TSD Automatisering BV vorgestellt. In den Niederlanden befasst sich die CROW als nationale Organisation für das Management von Freiraum, Tiefbau, Straßen und Verkehr mit der Erstellung von Leistungstexten und Qualitätsmerkmalen. Zu den Qualitätsmerkmalen gehört nicht nur eine Beschreibung sondern auch eine Prüfvorschrift und ein Bildkatalog, der die Zielqualität darstellt. Es gibt Qualitäten von A+ bis D. Der Wert A+ ist die höchste Qualitätsstufe, die nach der Fertigstellungspflege zu erwarten ist. Der Qualitätskatalog gilt landesweit und enthält somit landesweite Standards für das Niveau der Unterhaltungspflege (Landelijke standaard voor onderhoudsniveaus). Zusätzlich gibt es Prüfvorschriften zur Qualitätskontrolle sowie Geräte und Verfahren, die die Qualität zweifelsfrei erfassen und dokumentieren.

Prüfvorschriften Unkrautbedeckungsgrad von befestigten Flächen System nach Peter van Welsem. Abb.: Hans Gageler

Berechnung weitere Nachhaltigkeitsfaktoren. Abb.: Hans Buser

Planung, Bau und Entwicklung neuer Anlagen am Beispiel von Landes- und Bundesgartenschauen

Um Qualität ging es auch beim Vortrag von Prof. Dr. Hartmut Balder von der Beuth Hochschule aus Berlin. Was müssen zukünftige Planungen leisten, um die Anlagen von Bundes- und Landesgartenschauen nachhaltig zu gestalten? Im Rahmen von Masterarbeiten wurden bestehende Anlagen der letzten Jahrzehnte untersucht. Wenig ist geblieben von den fantastischen Inszenierungen. Viele gute Ideen fallen Planungs- und Baufehlern sowie fehlenden Mitteln zur Entwicklung und Erhaltung der Anlagen zum Opfer. Prof. Dr. Balder fordert nachhaltige Planung mit mehr Sachverstand, mehr Kontrolle in der Bauphase und mehr öffentliches Engagement, nachdem die Gartenschau ihre Tore schließt.

Frankfurts neues Highlight: der Hafenpark

Der neue im Bau befindliche vier Hektar große Hafenpark in Frankfurt am Main wird den Forderungen schon jetzt gerecht. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde der Hafenpark im Rahmen einer faszinierenden Besichtigung mit Amtsleiter Stephan Heldmann vorgestellt. Es entsteht ein Freizeitpark mit ausreichend Sport- und Spielflächen, die mit Insidern aus der Szene konzipiert wurden, mit zum Main abfallenden Liegewiesen und ausreichenden Zonen für Spaziergänger und Sportinteressierte, die sich entlang des Mainufers bewegen wollen. Diese Anlage mit historisch interessanten Komponenten wurde in engem Kontakt mit den Planern, der Politik und dem Grünflächenamt entwickelt und bildet das i-Tüpfelchen am Ende des grünen Bandes am Mainufer.

Ausblick

Im Jahr 2013 liegt der Fokus auf der Erarbeitung von Stadt- und Spezialkatalogen, um das GreenCycle-System effektiv nutzen und einsetzen zu können. Weiterhin werden die bereits in der Schweiz und in Deutschland entwickelten Ansätze zur ökologischen, sozialen und funktionalen Nachhaltigkeit ausgearbeitet. Das 4. Internationale GreenCycle-Forum wird sich dann verstärkt mit diesen Formen der Nachhaltigkeit auseinandersetzen.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 01/2013 .

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