Auckland, Wellington, New Plymouth, Whanganui und Napier

Natur, Kultur, Kunst - Parks in Neuseeland

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Haupteingang Queens Park am Whanganui-Museum. Foto: Heiner Baumgarten

Seit einigen Jahren - schon fast Jahrzehnten - ist Neuseeland ein Sehnsuchtsland für Auswanderung oder Urlaubsreisen. Das Bild von Neuseeland wird in dem Zusammenhang mit "schönen wechselvollen Landschaften" oder "unberührter Natur" beschrieben. Reiseführer bedienen dieses Bild mit Beschreibungen von attraktiven Reiserouten oder Aktivangeboten in der Natur.

Die vielfältigen, artenreichen städtischen und stadtnahen Parks und Parklandschaften bilden für die Bewohner der Städte attraktive Erholungsräume und Ziele für Neuseelandbesucher, werden aber oft von Neuseelandbesuchern "übersehen". Ein Besuch lohnt sich aber, da in vielen - insbesondere größeren - Parks Natur, Kultur und Kunst des Landes zusammengeführt sind und viel über die Geschichte und Entwicklung Neuseelands zu erfahren ist. An Beispielen aus Auckland, Wellington, New Plymouth, Whanganui und Napier soll die Attraktivität dieser Parks aufgezeigt werden.

Veranstaltungen und Sport im Park

In der Freizeit spielt der Besuch von Open-air-Veranstaltungen und Sporttreiben in Neuseelands Städten eine große Rolle. Jede Stadt verfügt in der Regel über einen der Stadtgröße entsprechenden Park mit Open-air-Bühne oder Festplatz sowie integrierte oder anliegende Sportanlagen. So ist der Queens Park in Auckland im Stadtteil Ponsonby weit überwiegend eine große Rasenfläche mit einem Rahmen aus imposanten Platanen. Dieser Park ist 1905 auf dem Gelände eines ehemaligen Müllheizkraftwerks entstanden, der heute als Freizeitsportfläche, als Marktplatz und Konzertplatz dient. Kleine, vielfältige Lokale und Kinder- und Jugendeinrichtungen säumen den Park. Überspannt wird der Park vom Northern Highway, der zusammen mit dem Southern Highway die zentrale Nord-Süd-Verbindung in Auckland ist. Ruhe und Entspannung ist hier kaum möglich, wird aber in den vielen Parks der Stadt an anderer Stelle gesucht und gefunden.

Queenspark, Auckland: Multifunktionale Parkanlage für Sport und Veranstaltungen im Zentrum der einzigen Millionenstadt Neuseelands. Foto: Heiner Baumgarten

Mächtige Platanen säumen den Park entlang eines Rundweges. Foto: Heiner Baumgarten

Blick auf die Sportanlage aus Cooks Gardens. Foto: Heiner Baumgarten

Kleine Parkanlage im Zentrum Wellingtons an der City to Sea Bridge wird von einer Sportgruppe genutzt. Foto: Heiner Baumgarten

Typisch sind in den meisten Städten Neuseelands aber gelungene Kombinationen aus Sport und Veranstaltungsflächen mit gestalteten oder naturnahen Parkräumen. Beispiele hierfür sind der Western Park in Auckland, der Pukekura Park in New Plymouth (oder in Whanganui der Queens Park in Verbindung mit Cooks Gardens. Selbst in der Enge der Landeshauptstadt Wellington werden kleine Parks - insbesondere solche, die im Zentrum an der Waterfront liegen - repräsentativ gestaltet und dennoch für sportliche Aktivitäten genutzt. Diese Parks sind umgeben von Clubs, Bars und Restaurants und für Touristen sehr attraktiv und gut besucht, dennoch werden sie ebenso von Schul- und Kindergartengruppen für ein Picknick oder Spielaktivitäten aufgesucht.

Schutz von Natur und Kreatur in Parks

Aufgrund Neuseelands erdgeschichtlicher Entstehung und frühzeitiger Abtrennung von anderen Kontinenten hat sich auf den Inseln eine ganz eigene Pflanzen- und Tierwelt entwickeln können. Erdgeschichtlich gesehen ist auch der Einfluss des Menschen auf die Entwicklung Neuseelands noch jung: erst vor etwa 1000 Jahren kamen die ersten Menschen auf die Inseln und erst seit rd. 250 Jahren üben Europäer Einfluss auf die Entwicklung aus; eine systematische Besiedlung fand allerdings erst seit 1840 statt. In dieser kurzen Zeit hat sich Neuseeland erheblich verändert: rund 75 Prozent des Waldbestandes wurde für Siedlung und Farmland "verbraucht"; es wurden Nutztiere eingeführt (Schaf, Ziege, Rind etc.), die es bisher auf den "landsäugetierfreien Inseln" nicht gab. Aber auch andere Tierarten wurden nach und nach in Neuseeland eingeführt und ausgewildert, so dass die ökologische Stabilität der Ökosysteme und Naturlandschaften sich dramatisch veränderten. Neuseeland hat deshalb die noch (weitgehend) intakten Landschaften in den letzten Jahren unter Naturschutz gestellt (ca. 33 % der Fläche).

Besondere Anstrengungen unternimmt Neuseeland seit einigen Jahren zur Sicherung und Rettung der Kauri-Bäume (Agathis australis), der größten Baumart des Landes, die nach der Besiedlung durch die Europäer bedingungslos gefällt wurden für den Schiffs- und Hausbau. Ebenso intensiv wird das Possum beziehungsweise Fuchskusu bejagt, da es sich nach der Einbürgerung massiv vermehrt und über das gesamte Land verbreitet hat.

Blick in das Tal des Zealandia Park, Wellington. Foto: Heiner Baumgarten

Warnung vor den Possum-Fallen in allen Neuseeländischen Parks; hier im Western Park, Auckland. Foto: Heiner Baumgarten

Da das Tier keine natürlichen Feinde auf Neuseeland hat und als Allesfresser besonders gerne Blüten und Knospen frisst, kann das Possum ganze Wälder - und natürlich auch Parks - zerstören. Insofern stehen Kauri-Schutz und Possum-Bekämpfung auch in einem direkten Zusammenhang. Deshalb wird in fast allen Parks Neuseelands auf die Fallen hingewiesen.

Viele Parks Neuseelands - insbesondere die größeren - dienen neben der Erholung auch dem Schutz der heimischen Pflanzen- und Tierwelt. Für einheimische Besucher und für Touristen sind in diesen Parkanlagen oft Informationshäuser vorhanden oder Informationstafeln aufgestellt, um das Wissen um die Einzigartigkeit der Natur zu erhalten und zu fördern und gleichzeitig für ein entsprechendes Verhalten in den Parks zu werben.

Von den vielen Beispielen dieser Art von Parks sind der Zealandia in Wellington, der Pukekura Park in New Plymouth und der Rotokawau Park in Whanganui zu nennen. Während Zealandia sich ausschließlich auf den Natur- und Artenschutz konzentriert und nur kontrolliert zugänglich ist, sind die beiden anderen Parks auch mit Sport-, Freizeit- und Veranstaltungsangeboten in ihren Eingangsbereichen ausgestattet.

Zealandia

Der Park liegt in einem kleinen Tal mit zwei Stauseen. Ziel der Parkverwaltung ist es, in diesem Park die natürliche Vegetation zu sichern und vor Einwanderung fremder Arten zu schützen. Dies ist eine Voraussetzung für den Schutz der dort lebenden Tierarten, insbesondere der seltenen in Neuseeland vorkommenden flugunfähigen Vogelarten wie den Kiwi, den Kakapo (ein 60 cm großer, bodenbrütender Papagei) oder Takahe. Das Gelände ist deshalb eingezäunt, um sie vor eingeführten Feinden wie Hauskatzen zu schützen. Der Park ist nicht nur Ziel von Touristen, die diese außergewöhnlichen Arten in der Natur erleben möchten, sondern auch von vielen Schulgruppen, die im Informationszentrum Naturkundeunterricht erhalten und durch Führungen im Park die Bedeutung des Natur- und Artenschutzes erfahren.

Schulgruppe im „Minipark“ an der City to Sea Bridge, Wellington. Foto: Heiner Baumgarten

Takahe im Zealandia Park, Wellington. Foto: Heiner Baumgarten

Das Herzstück des Pukekura Parks mit See und naturnahem Waldbestand. Foto: Heiner Baumgarten

Pukekura Park mit naturnaher Waldentwicklung und altem Baumbestand. Foto: Heiner Baumgarten

Pukekura

Der Park wurde 1876 angelegt um ein See- und Sumpfgebiet. Mit seinem vielseitigen Angebot an Freizeiteinrichtungen wie Sportfeld, Amphitheater, oder Spielplatz ist er für viele Besucher aus der Region New Plymouth Ziel und Attraktion für das Wochenende. Ebenso sind in seinen Randbereichen in der Nähe zu den Eingängen ein Englischer Garten und ein kleiner Zoo. Der Kernbereich und weitaus größte Teil des Parks aber ist naturbelassen und mit wenigen Wegen erschlossen. Hier finden sich neben dem sehr alten Baumbestand mit heimischen Arten auch viele gefährdete Tierarten ein. Eine Besonderheit des Parks ist ein circa 140 Jahre alter Ginkgo, der mitten in dem dichten Waldbestand nur schwer aufzufinden wäre, wenn nicht ein Hinweisschild ihn markieren würde als "Protected Tree".

Rotokawau

Dieser Park in Whanganui ähnelt in seiner Ausstattung dem Pukekura; es fehlen ihm allerdings die Sportangebote. Er wird geprägt durch einen großen See, der von einem dichten Waldbestand mit einem Rundweg umgeben ist. Im Haupteingangsbereich liegen mit den Winter Gardens und den Papageien-Volieren die Attraktionen für Besucher. In den Winter Gardens werden vor allem verschiedene Begonienarten und -sorten gezeigt. Problematisch in diesem Park ist, dass sich aufgrund des großen Sees und der zahlreichen Besucher viele sehr häufige Wasservogelarten (Gänse, Enten) einfinden und von den Besuchern gern gefüttert werden. Diese "Übernutzung" lässt für den Schutz heimischer und seltener Tierarten kaum Raum und ist vergleichbar mit den Problemen in vielen Parks in Deutschland.

Parks als Orte der Kultur und Geschichte

Neuseeländische Parks dokumentieren auch immer einen Teil der noch jungen Geschichte des Landes. Viele Orts- und Parknamen entstammen der Maori-Sprache und machen damit deutlich, dass es neben der durch Einwanderer mitgebrachten heterogenen Kultur auch die der ersten Einwohner Neuseelands gibt.

Alter Ginkgo als „Protected Tree“ im Pukekura Park, der nach Realisierung des Parks gepflanzt wurde. Foto: Heiner Baumgarten

Napier, Marine Parade; Minigolfanlage im Senkgarten. Foto: Heiner Baumgarten

Napier, Marine Parade, Senkgarten mit Stauden und Wechselpflanzungen. Foto: Heiner Baumgarten

Die Jugend Neuseelands wird früh an das alte Brauchtum herangeführt. Alle Schüler lernen den Haka der Maori zu tanzen; hier in Wellington. Foto: Heiner Baumgarten

So sind zum Beispiel im Auckland Domain, dem größten Park der Stadt, neben einem Museum, das unter anderem Ausstellungen zur Natur- und Kulturgeschichte zeigt, und einem Planetarium auch in einem Maori Court ein historisches Vorratshaus, ein Versammlungshaus, ein Maori-Portal sowie ein 25 Meter langes Maori-Kanu zu bewundern, die alle aus dem 19. Jahrhundert stammen. Ein vergleichbares Arrangement findet man in Rotorua im Te Puia Park mit seinen weltbekannten Geysiren. Diese Orte in den Parks dienen auch der Pflege der Maori-Kultur, indem regelmäßig Aufführungen des Haka und der Gesänge der Maori stattfinden.

Ein ganz anderes Beispiel für einen Park, der Kultur und Geschichte Neuseelands zusammenführt, findet sich in der kleinen Stadt Napier an der Ostküste der Nordinsel. Nach dem schweren Erdbeben 1931 musste die Stadt nahezu komplett neu aufgebaut werden. In diesem Zusammenhang entstanden entlang der Küste eine großzügige Uferpromenade und ein intensiv gestalteter Uferpark, in den das National Aquarium of New Zealand & Kiwi House integriert wurden, in dem der nachtaktive Kiwi beobachtet werden kann. Ebenso befindet sich in dem Park das Erdbeben-Museum mit interessanten Darstellungen über die besondere geographische Situation Neuseelands und den Zerstörungen durch das Beben von 1931. Der Park ist ein langgestrecktes, ca. zwei Kilometer langes grünes Band mit Senkgarten, Minigolfanlage und Konzertmuschel auf einem großzügigen Platz für diverse Veranstaltungen. In 2017 wurden Teile der Anlage erneuert oder umgestaltet. Das gesamte Ensemble des Parks, seiner Lage an der Küste und unmittelbar am Zentrum der Stadt gehört sicher mit zu den schönsten und interessantesten Parks auf Neuseelands Nordinsel.

Nur ein Schlaglicht

Mit diesem Beitrag kann nur ein kleiner Ausschnitt aus der Vielzahl interessanter Parkanlagen Neuseelands vorgestellt werden. Faszinierend ist ihre Vielfalt, ihre jeweilige Geschichte und die Selbstverständlichkeit Natur, Kultur und Kunst miteinander zu verbinden - selbst auf engem Raum. Viele Parks hätten es verdient, in diesem Beitrag auch vorgestellt zu werden, wie beispielsweise die Anlagen an und auf den Vulkanhügeln Aucklands oder auch der Botanische Garten in Wellington. Ziel war es, mit diesem Beitrag einen ersten Eindruck über die interessantesten Orte aus subjektiver Sicht zu beschreiben.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 08/2018 .

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