Regenwassermanagement

Ökologischer Umbau von Bitumen-Radwegen zu wassergebundenen Decken

Auffräsen des alten Radweges. Foto: Albrecht Kienemann

Ein Radweg entlang der B 432 zwischen Itzstedt und Nahe sollte saniert werden. Es galt, sowohl Flächen zu entsiegeln als auch kostengünstig eine dauerhafte Wiederherstellung des Radweges zu gewährleisten und für möglichst wenig Entsorgungsaufwand zu sorgen.

Zielsetzung

Das Ziel war der Aufbau wassergebundener Decken auf das gefräste Asphaltgranulat der sanierungsbedürftigen ehemaligen Asphaltdecken. Diese sollte nach einer DIN-Regel unter der Maßgabe erfolgen, die Wurzeln der bestehenden Bäume zu schonen. Damit sollte die Entsiegelung von Flächen und durch das Speichervolumen der eingesetzten Baumaterialien ein Regenwassermanagement einhergehen.

Bestand

Der Radweg zwischen Itzstedt und Nahe parallel zur Bundesstraße 432 war durch Unterwurzelung der nebenstehenden 200 Jahre alten Linden an der Bundesstraße schwer geschädigt. Er sollte mit einer wassergebundenen Decke aus HanseGrand Robust plus Stabilisierer ersetzt werden.

Vorgehensweise zur Wiederherstellung

Man baute eine wassergebundene Decke aus HanseGrand Robust 0/11 Millimeter mit drei Kilo Stabilizer pro Tonne Mineralgemisch. Es wurde eine Fläche zwischen Itzstedt und Nahe entlang der Bundesstraße B 432 östlich des bisherigen Radweges auf sandigem Geestboden zur Erneuerung gewählt. Die Entsiegelung der Fläche sollte dafür sorgen, dass den Wurzeln der umstehenden fast 200-jährigen Chausseebäume wieder Wasser und Luft zukommen konnte. Der abgängige Asphalt-Radweg sollte tiefgründig durchgefräst (siehe Bild 1) und nach Vorprofilierung und Verdichtung für den künftigen Belag aus HanseGrand Robust plus Stabilisierer vorbereitet werden.

Nach dem Fräsvorgang stellten sich in den Tieflagen des Radweges Nässestellen ein, die mit einer dynamischen Schicht bis zu acht Zentimeter Stärke unter der Deckschicht aufgefüttert wurden. Diese Maßnahme erwies sich als positiv. Die extreme Wasserdurchlässigkeit der dynamischen Schicht auch in horizontaler Richtung führte zur Abtrocknung der Decke und damit zu ihrer Endstabilität.

Einbau der Decke aus HanseGrand Robust. Foto: Albrecht Kienemann

Vorraussetzungen

Es war, abgesehen von den Querschnittsverläufen, zu klären, ob das Fräsgut der alten Asphaltdecke sich im verdichteten Zustand so wasserdurchlässig verhält, wie es erwünscht ist und die notwendige Tragfähigkeit bietet. Ein Kf-Faktor von 10-4 wurde angestrebt. Dieses wurde vom Verfasser in situ erprobt. Dieser Test verlief überwiegend positiv. Eine Verbindung der Fräsgutoberfläche zur aufzubringenden wassergebundenen Decke aus HanseGrand Robust und Stabilisierer ist abhängig von der Oberflächenrauhigkeit der profilierten Asphaltfräsgutfläche. Auch hier ergab sich eine befriedigende Verzahnung. Im Bedarfsfall wäre eine Splittstreuung aus Edelsplitt 0/5 Millimeter empfehlenswert gewesen, um eine gute Verzahnung zwischen Asphaltfräsgut und der wassergebundenen Decke zu bewirken. Hier war diese Maßnahme nicht notwendig, da die Außentemperaturen ein genügend "griffiges" Asphaltgranulat zeitigten.

Anfang Februar 2011 wurde die vorhandene Asphaltdecke tiefgründig durchgefräst und das entstandene Granulat nach den Vorgaben des Auftraggebers profiliert und verdichtet. Das Ergebnis war so, dass am 10. und 11.02.2011 die Robust-Deckschicht mit drei Kilo pro Tonne Stabilisierer eingebaut werden konnte. Die Einbaustärke lag bei vier Zentimetern.

Mitte Februar 2011 wurden die Restarbeiten zur Herstellung der Bankette und Pflasterarbeiten erledigt. Das Ergebnis war schon vor Erreichen der Gare des Stabilizer sehr gut. Unerwünschte verfrühte Belastungen durch Radfahrer und Treckerverkehr blieben ohne bleibende Schäden. Die Decke zeigte sich Anfang Mai 2011 in einem hervorragend guten Zustand.

Es gibt bisher keine Normen für die hier geschilderte Vorgehensweise. Weder die RSTO, die FLL noch die einschlägigen DIN-Normen erfassen und regeln das Bauverfahren der durchgeführten Maßnahme des Radweges Itzstedt-Nahe. Insofern konnte die Planung für die Instandsetzung des Radweges Maßstäbe setzen und für künftige DIN-Regelwerke ausgewertet werden.

Fazit

Der Versuch ist gelungen. Trotz aller lagebedingten und witterungsabhängigen Widrigkeiten (Straßenseitige zum Radweg abfallende Böschung sowie Frosteinfall und heftiger Schneefall) liegt die Robust-Decke hervorragend gut. Die Wurzelunterwühlung wurde eliminiert. Erneute, aber nicht zu erwartende Unterwurzelungsschäden können bei einer wassergebundenen Decke leicht korrigiert werden. Es ist zu erwarten, dass eine jahrzehntelange Beständigkeit der Decke bei entsprechender Pflege gegeben ist. Aufgrund der gemachten Erfahrungen ist zur Förderung der Wasserdurchlässigkeit des Asphalt-Fräsgutes bei warmem Wetter eine größere Fräsgreiftiefe von zwei bis drei Zentimeter in den kiesigen Tragschichtuntergrund zu wählen - soweit sie denn vorhanden ist.

Zudem ist die Beschaffenheit des Fräsgutes abhängig von den herrschenden Tagestemperaturen. Dies bedeutet, dass sich je nach Tagestemperatur ein körnigerer oder schwach bindiger Granulatzustand ergeben kann.

Die "Mitnahme" von sandigen oder gar kiesigen Bestandteilen der Tragschicht in das Fräsgut fördert durch ihre abrassiven Eigenschaften die Zerkleinerung des Fräsgutes und die Wasserdurchlässigkeit ist günstig. Zur Wasserabführung wären je nach Lage der Radwege seitliche sickerfähige Banketten oder bedarfsweise Rigolen förderlich, die allfälliges Überschusswasser der Decke aufnehmen und nach und nach an das Grundwasser abführen können.

Es ist davon ausgegangen worden, dass bei Berücksichtigung aller herrschenden Umstände durch eine Erneuerung der Radwege durch die wassergebundene Bauweise eine nachhaltige Bestandssicherung gewährleistet werden kann. Die hier vorgestellte Bauweise zeigt einen Weg auf, der für viele Jahrzehnte dauerstandhafte Alternativen im Radwegebau bietet.

Hier soll insbesondere auf die umweltschonende Wiederherstellung abgängiger Asphalt-Radwege eingegangen werden. Wichtig ist auch die Wasserspeicherfähigkeit der Baumaterialien, die eine langsame Abgabe der Niederschlagswasser während einer Trockenperiode an das Grundwasser gewährleisten. Auf diese Weise kann auch bei innerstädtischen Baumaßnahmen der Grundwasserhaushalt nachhaltig positiv beeinflusst werden. Niederschlagswasserhaltende Flächen entlasten die Abwassersysteme und bieten mit ihrem Speichervolumen eine positive Regelung nicht nur des Grundwasserstandes, sondern auch für die Luftqualität der Städte, indem Feuchtigkeit kontinuierlich abgegeben wird.

Mit den modernen Methoden des wassergebundenen Wegebaus lassen sich somit Ergebnisse erzielen, die vor einigen Jahren noch nicht denkbar waren. In Itzstedt wurden diese Ziele erreicht. Bis heute (Mai 2013) liegt der Weg trotz starker Belastung auch aus landwirtschaftlichem Verkehr tadellos. Weitere Maßnahmen wurden in den letzten Jahren in Niedersachsen erfolgreich umgesetzt.


Prof. Dr. Dr. Albrecht Kienemann

Der Verfasser war langjährig als Gutachter und Berater im Verkehrswegebau tätig. Seit mehr als 15 Jahren speziell in der Entwicklung von hochwasserdurchlässigen wassergebundenen Decken.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 07/2013 .

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