Nachhaltige Nutzung öffentlicher Grünflächen in Berlin

Park und Party? Ziele und Handlungsempfehlungen

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1 Seit zehn Jahren ist das Karaoke im Berliner Mauerpark wichtiger Bestandteil der Freiraumkultur und Touristenanziehungspunkt und führt zugleich zu vielen Nutzungskonflikten. Foto: Birte Jung (2010)

Öffentliche Grün- und Freiflächen erfüllen viele Funktionen und müssen verschiedenen Nutzerbedürfnissen gerecht werden. Sie sind wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tiere und wirken sich positiv auf Umwelt und Klima aus. Den Menschen dienen sie als alltägliche Erholungs-, Kommunikations-, Bewegungs-, oder Erlebnisräume, aber auch als Veranstaltungsorte. Öffentliches Grün ist in dicht bebauten Städten ein knappes Gut. Eine hohe Nutzungsintensität und verschiedene Nutzungsansprüche führen daher zu Interessenskonflikten.¹

Nichtsdestotrotz sind Veranstaltungen aus dem Bild städtischer Freiräume nicht mehr wegzudenken.² Sie tragen zum kulturellen Freiraumerleben bei, ermöglichen Menschen ein soziales Gemeinschaftserlebnis und wirken sich positiv auf Tourismus, Wirtschaft und Ansehen einer Stadt aus.³ Seit Jahrhunderten wird in historischen Gärten, multifunktionalen Parks oder auf quartiersnahen Grünflächen gefeiert.4 Die Veranstaltungsvielfalt reicht von Großveranstaltungen mit (inter-)nationaler Bedeutung, wie dem Fest der Deutschen Einheit 2018 auf dem Platz der Republik, bis zu eintrittspflichtigen Musikfestivals, wie dem Lollapalooza 2016 im Treptower Park, und zu Straßenmusik und Karaoke im Berliner Mauerpark.

In Berlin kommen zu den angemeldeten Veranstaltungen illegale Veranstaltungen oder sogenannte Free Open Airs hinzu. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte "Thaiwiese", eine Art Street-Food-Markt auf dem Berliner Preußenpark im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

Veranstaltungen sind zugleich Stadtentwicklungs- und Marketinginstrumente5 zur Stärkung der Besonderheit städtischer Freiräume oder zur Imageaufwertung im Städtewettbewerb6. Gartenämter geraten zum Teil unter einen Eventisierungsdruck durch die Stadtverwaltungen, was zur Folge hat, dass Veranstaltungen auch auf nicht geeigneten Grünflächen stattfinden.7 Im Gegensatz zu versiegelten Straßen und Plätzen, sind diese größtenteils unversiegelten Freiräume besonders schadensempfindlich.8 Rasenflächen oder nur gering belastbare Wege halten während des Auf- und Abbaus einer Großveranstaltung und der Anlieferung von Veranstaltungsinfrastruktur den Belastungen durch Lastkraftfahrzeuge nicht stand und werden zum Teil irreversibel geschädigt.9

Neben Schäden an der Vegetation zählen ein erhöhtes Abfallaufkommen sowie Nutzungs- und Lärmkonflikte mit Parkbesucherinnen und -besuchern und der Nachbarschaft zu Hauptbeeinträchtigungen durch eine Veranstaltung. Diese Nutzungsspuren und -konflikte, aber auch dauerhafte Pflegedefizite, lassen sich - neben einer hohen Nutzungsintensität auch durch Veranstaltungen - auf innerstädtischen Grünflächen, etwa dem Mauerpark, Preußenpark oder im Tiergarten beobachten. Finanzielle und personelle Mittel der Grünflächenverwaltungen reichen nicht aus, um Schäden an der Vegetation und Freiraumausstattung und das hohe Abfallaufkommen zu beseitigen.10

2 Hoher Nutzungsdruck im Berliner Preußenpark: Bildung von breiten Trampelpfaden und Zerstörung der Grasnarbe durch die regelmäßige Nutzung als nicht angemeldete "Thaiwiese" mit mehreren tausend Besucher/innen an schönen Sommerwochenenden. Foto: Cordula Loidl-Reisch (2018)

3 Tiergarten: Hohe Gefahr von irreversiblen Vegetations- und Bodenschäden während der Anlieferung von Sanitäranlagen für eine Veranstaltung auf der Straße des 17. Juni. Foto: Birte Jung (2018)

4 Hasenheide (Berlin): Parkende Lastkraftfahrzeuge während der Neuköllner Maientage (Rummel). Foto: Dipali Banerjee (2018)

Erschwerend kommt eine komplexe Genehmigungspraxis hinzu. Für Veranstaltungen auf öffentlichen Grünflächen in Berlin ist eine Ausnahmegenehmigung nach § 6 des Berliner Grünanlagengesetzes notwendig. Diese wird nur in Ausnahmefällen und bei besonderem öffentlichen Interesse der Veranstaltung erteilt. Denn per se ist das öffentliche Grün kein Veranstaltungsort, sondern dient der Erholung und hat eine wichtige Bedeutung für Klima und Umwelt. Für einige kulturschaffende Akteure stellt das Grünanlagengesetz und der darin festgelegte Genehmigungsprozess ein großes Hindernis dar. Sie umgehen diesen Prozess, indem sie ihre Veranstaltung ohne Erlaubnis auf Grünflächen stattfinden lassen, wie das Forschungsprojekt "Model Space Project" im Auftrag der Berliner Clubcommission und in Zusammenarbeit mit der TU Berlin gezeigt hat.¹¹

Der Eventisierungsdruck und die komplexe Genehmigungspraxis führen dazu, dass Veranstaltungen auf nicht immer dafür geeigneten Flächen stattfinden. Empfindlichkeit und Verträglichkeit von Parks als Veranstaltungsorte unterscheiden sich dabei je nach Veranstaltungsart und Nutzungsintensität einer Fläche.

Diese Problemlage verdeutlicht die Notwendigkeit einer systematischen Auswahl, nachhaltiger Nutzung und Planung öffentlicher Grünflächen als Veranstaltungsorte und die Relevanz geeigneter Bewertungsinstrumente, um Schäden und negative Beeinträchtigungen im Freiraum und in seiner Umgebung zu vermeiden oder zu reduzieren.

Eventisierungsdruck: Nachhaltige Nutzung öffentlicher Freiräume als Veranstaltungsorte¹²

Diese Problemstellung ist Thema meiner Dissertation "Eventisierungsdruck: Nachhaltige Nutzung öffentlicher Freiräume als Veranstaltungsorte", auf die die hier vorliegenden Ausführungen beruhen. Neben der kritischen Diskussion der Forschungsliteratur sind drei Ergebnisse meiner Arbeit von besonderer Relevanz für die Praxis:

  • ein Erfahrungskatalog beruhend auf einer Onlineumfrage zu Veranstaltungen auf Grünflächen mit Vertreterinnen und Vertretern deutschlandweiter Gartenämter7
  • ein kriterienbasiertes Bewertungsverfahren, das einen Nachhaltigkeitsbezug herstellt, ökologische, funktionale, soziokulturelle und ökonomische Freiraum- und Veranstaltungsaspekte berücksichtigt und mit dem eine nachhaltige Veranstaltungsnutzung beurteilt und verbessert werden kann
  • ein umfangreicher Maßnahmenkatalog, der temporäre und langfristige veranstaltungsbezogene, freiraumplanerische, verwaltungstechnische, koordinierende und kommunikative Handlungsempfehlungen zur Anwendung durch Verwaltungen, Veranstalterinnen und Veranstalter sowie Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten beinhaltet

5 Schutz von Vegetationsbeständen im Tiergarten durch mobile Schutzzäune und gezielte Positionierung von Einzeltoiletten während einer Großveranstaltung. Foto: Birte Jung (2018)

6 Verwendung von belastbaren und barrierefreien Rasen-/Bodenschutzsystemen auf dem Platz der Republik in Berlin während einer Veranstaltung zum Fest der Deutschen Einheit. Foto: Birte Jung (2018)

Fünf Ziele einer nachhaltigen Veranstaltungsnutzung auf öffentlichen Grünflächen

Nachfolgend beschränke ich mich auf die Darstellung von fünf Zielen einer nachhaltigen Nutzung öffentlicher Freiräume als Veranstaltungsorte, die im Rahmen der Dissertation mit Hilfe von 20 qualitativen Experteninterviews entwickelt worden sind. Diese werden in Bezug zu Grünflächen und konkreten Handlungsempfehlungen gesetzt.

Erstes Ziel: Vermeidung dauerhafter Beeinträchtigungen durch Veranstaltungen

Aus Sicht vieler interviewter Expertinnen und Experten aus der Straßen- und Grünflächenverwaltung und dem Veranstaltungs- und Universitätsbereich dürfen Veranstaltungen zu keinen dauerhaften Beeinträchtigungen im Freiraum führen. Dieser erste Punkt zielt insbesondere auf Veranstaltungsauswirkungen der ökologischen Dimension ab. Während, laut einiger Expertinnen und Experten, kurzzeitig auftretende Auswirkungen im bestimmten Maße toleriert werden können, gilt das nicht für langfristige und irreparable Schäden an den Schutzgütern, wie beispielsweise an Gehölzen oder starke Bodenverdichtungen. Diese sind bei einer nachhaltigen Veranstaltungsnutzung zu vermeiden.

Für die Erreichung des ersten Ziels steht die Auswahl einer geeigneten Grünfläche an erster Stelle. Weniger oder nicht geeignete öffentliche Grünanlagen führen zum Ausschluss einer konkreten Veranstaltung. Zur Beurteilung der Eignung kann das von mir entwickelte kriterienbasierte Bewertungsverfahren als Hilfestellung dienen. Aufgrund des hohen Eventisierungsdrucks oder durch politische oder wirtschaftliche Interessen anderer in den Genehmigungsprozess involvierter Verwaltungen finden Veranstaltungen auch auf nicht geeigneten Grünflächen statt. Verschiedene temporäre und dauerhafte Maßnahmen wirken Schäden und negativen Auswirkungen entgegen. Mobile Zäune oder die gezielte Positionierung von Aufbauten schützen beispielsweise sensible Freiraumareale.

Rasen- und Bodenschutzsysteme beugen dauerhaften Schäden an der Grasnarbe und am Bodengefüge vor. Ertüchtigungsmaßnahmen stellen eine weitere Möglichkeit dar, um dauerhafte Beeinträchtigungen zu vermeiden (s. 5. Ziel).

Zweites Ziel: Berücksichtigung der individuellen Belastungsgrenze und Bewahrung von Freiraumfunktionen

Die Eignung von Grün- und Freiflächen als Veranstaltungsorte unterscheidet sich innerhalb verschiedener Freiraumtypen. Ein multifunktionaler Park ist nicht mit einem historischen Garten oder Stadtteilpark gleichzusetzen. Während in einigen großen Parks belastbare und ausreichend große Flächen vorhanden sind, fehlen diese häufig auf anderen Grünflächen. Bei einer nachhaltigen Veranstaltungsnutzung gilt es, spezifische Belastungsgrenzen und Besonderheiten einer Grünfläche zu erkennen und bei der Planung dieser Freiräume als Veranstaltungsorte zu berücksichtigen. Die Belastungsgrenze hängt einerseits von Art und Gesamtanzahl von Veranstaltungen auf einer Fläche ab. Andererseits spielen Freiraumfunktionen, Nutzungsarten und der Schutzstatus einer spezifischen Grünfläche eine Rolle, bis zu welcher Grenze eine Veranstaltung als verträglich und nachhaltig bezeichnet werden kann.

Zur Erreichung des Ziels kann in Genehmigungsauflagen unter anderem festgelegt werden, dass Veranstaltungen einen inhaltlichen und räumlichen Bezug zu einem historischen Park aufweisen. Bühnen werden so platziert, dass wichtige Sichtbeziehungen erhalten bleiben. Veranstaltungen im öffentlichen Grün sind bestenfalls frei und ohne Eintritt zugänglich und sollten in großen Parks lediglich einen kleinen Bereich in Anspruch nehmen. Andere Nutzungen können so während einer Veranstaltung weiterhin bestehen.

Anhand spezieller Nutzungspläne, -zeiten oder Veranstaltungskontingente werden Veranstaltungen koordiniert und deren Gesamtanzahl, Lautstärke etc. geregelt und gegebenenfalls Veranstaltungsarten für verschiedene Grünanlagen ausgeschlossen. Öffentliche Nutzungspläne und ein Veranstaltungskontingent fördern durch die frühzeitige Information über mögliche Störungen, Toleranz oder Akzeptanz auch von lärmintensiven Veranstaltungen.

Drittes Ziel: Verbesserung der Standortgegebenheiten und des Gemeinschaftsgefühls im Freiraum/in der Umgebung

Eine freie Zugänglichkeit und Nutzbarkeit sind charakteristisch für öffentliche Grünflächen. Veranstaltungen in ihnen können diese einschränken und somit zu Konflikten - zwischen beispielsweise ruhe- und erlebnissuchenden Parkbesucherinnen und Parkbesuchern - führen. Eine nachhaltige Veranstaltungsnutzung setzt sich zum Ziel, diese Beeinträchtigungen auf ein Mindestmaß zu beschränken und im Gegenzug dem Freiraum etwas zurückzugeben. Verträgliche Veranstaltungen wirken sich positiv auf eine Grünfläche und auf die Umgebung aus, in dem sie zum Beispiel das Gemeinschaftsgefühl stärken, Anwohnerinnen und Anwohner sowie lokaler Akteure aus der Nachbarschaft einbeziehen und so die Aufenthaltsqualität auf Grünflächen steigern. Das hat zum Nebeneffekt, dass sich Anwohnerinnen und Anwohner als Teil einer Veranstaltung weniger stark durch Veranstaltungen gestört fühlen und des Weiteren auch von diesen profitieren können.

Durch Ertüchtigungsmaßnahmen am Freiraum wird nicht nur dessen Eignung als Veranstaltungsort verbessert, sondern der Einsatz von mobilem Freiraummobiliar, die Installation von Stromanschlüssen und die Erneuerung einer barrierefreien Erschließung wirken sich zugleich positiv auf die Nutzbarkeit und Aufenthaltsqualität von multifunktionalen Grünflächen aus.

7 Park am Gleisdreieck als Positivbeispiel einer multifunktionalen Grünfläche mit befestigten Kulturflächen und Anschluss ans Stromnetz. Foto: Birte Jung (2018)

8 Berliner Tiergarten: Einschränkung von Nutzbarkeit und Sichtbeziehungen während einer benachbarten Großveranstaltung auf der Straße des 17. Juni. Foto: Birte Jung (2017)

Viertes Ziel: Andauernder Abwägungsprozess zwischen ökonomischen Kosten und Nutzen einer Veranstaltung

Durch die Beseitigung von Veranstaltungs- und Folgeschäden entstehen hohe Kosten für einen öffentlichen Freiraum, die nicht immer durch den Veranstalter oder die Veranstalterin gedeckt sind. Für Grünflächen stellt unter anderem Littering (Vermüllung) ein großes Problem dar, da Abfall außerhalb von Abfallbehältern nur aufwändig und meist händisch entfernt werden muss.¹³ Schäden an zum Beispiel stark verdichteten Wurzelbereichen sind teilweise erst nach Jahren sichtbar, wenn diese zu einem Absterben der Gehölze führen. Damit Veranstaltungen nicht dauerhaft den Finanzhaushalt der Berliner Bezirke belasten, muss deren gesellschaftlicher Nutzen mit dem Schadensrisiko und möglichen ökonomischen Kosten gegeneinander abgewogen werden.

Die Auswahl von geeigneten Grünflächen für Veranstaltungen und deren Anpassung durch spezielle Schutzmaßnahmen reduziert Schäden und dadurch auch Kosten durch eine Veranstaltung. Erhöhte Reinigungskosten werden unter anderem dadurch gemindert, dass ein Einsatz von Mehrwegsystemen und ein Flyerverbot während der Veranstaltungen in den Genehmigungsauflagen geregelt sind. Eine erfolgreiche Umsetzung solcher Maßnahmen erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Veranstaltern und Veranstalterinnen und Verwaltung, das Einbeziehen anderer Akteure und die Kontrolle von Auflagen. Durch die Erhebung einer Kaution können Schadensbeseitigungskosten gedeckt werden. Vorab sollte mit Hilfe von Foto- oder Videoprotokollen der Ist-Zustand einer Grünfläche festgehalten und mit dem Zustand nach einer Veranstaltung verglichen werden.

Fünftes Ziel: Ertüchtigung von Freiräumen

Die dokumentierten Beeinträchtigungen durch Veranstaltungen zeigen, dass viele Grünflächen nicht für bestimmte Veranstaltungsarten ausgelegt sind. Anstatt (irreversible) Schäden über einen langen Zeitraum in Kauf zu nehmen, bietet sich - als fünftes Ziel einer nachhaltigen Veranstaltungsnutzung - eine dauerhafte Adaptierung von regelmäßig für Veranstaltungen genutzten Grünflächen - oder von Teilbereichen an.

Wie eine solche Adaptierung oder Ertüchtigung für den Preußenpark und die Erhaltung der "Thaiwiese"14 aussehen könnte, das haben Studentinnen und Studenten der Landschaftsarchitektur in einem Masterstudienprojekt an der TU Berlin (Prof. Cordula Loidl-Reisch) vergangenes Semester entwickelt. Die neun daraus entstandenen Entwürfe wurden auf einer Bürgerversammlung präsentiert und diskutiert.15, 16 Der vom Publikum präferierte Entwurf von Lene Sommer und Robin Schick sieht unter anderem eine Verkleinerung und Verlagerung der Thaiwiese an den Rand des Preußenparks auf eine belastbare, gepflasterte Fläche vor und berücksichtigt in einem Multifunktionsgebäude unter anderem Spülmöglichkeiten und Toiletten.

Um Geräuschemissionen durch Straßenmusik im Berliner Mauerpark zu reduzieren, hat die Initiative "Save Mauerpark" neben Nutzungsregeln vorgeschlagen, sogenannte Accoustic Shells ("Schallschutzschalen") im Park zu installieren, in die sich die Musikerinnen und Musiker stellen.17 Der Schall wird gezielt Richtung Publikum gelenkt und dann gegen den Hang nach oben reflektiert. Ein weiterer positiver Effekt durch die Accoustic Shells wäre, dass sich die Musikerinnen und Musiker selbst besser hören und dadurch leiser spielen ("Reboundeffekt").

9 Entwurfsperspektive Marktfläche für den Berliner Preußenpark: Verlagerung der "Thaiwiese" auf eine belastbare Platzfläche, Schaffen eines Multifunktionsgebäude mit Spülmöglichkeit, Toiletten und sogenannten Marktmobilen für Händler/innen zur Reduzierung von Nutzungsschäden/-konflikten. Foto: Lene Sommer/Robin Schick (2019)

10 "Accoustic-Shells" (Schallschutzschalen) als ein Lösungsvorschlag, um Schallemissionen durch Straßenmusik im Berliner Mauerpark zu reduzieren. Save Mauerpark (2019)

Fazit

Öffentliche Grünflächen haben sich in ihren Nutzungen gewandelt. Veranstaltungen, auch unangemeldete wie die sich im Laufe einiger Jahre etablierte "Thaiwiese", lassen sich nicht aus dem Bild (inner-)städtischer Grünflächen verbannen, sondern sind Teil einer veränderten Freiraumkultur. Es steht außer Frage, dass einige dieser kulturellen Nutzungen auch zu einer Vielzahl von Beeinträchtigungen und zu einer Verschlechterung der Freiraumqualität führen. Daher sind eine ganzheitliche Betrachtungsweise, nachhaltige Veranstaltungsnutzung und vorausschauende Planung des öffentlichen Grüns auch als Veranstaltungsort notwendig. Wie vorangehend dargestellt, verhelfen die gezielte Auswahl von geeigneten Freiräumen, deren Schutz während einer Veranstaltung, eine nachhaltige Veranstaltungsdurchführung sowie Kommunikations-, Koordinierungs- und Adaptierungsmaßnahmen, Schäden, Pflegedefizite und Nutzungskonflikte zu verringern und die Qualität und den Wert öffentlicher Grünflächen zu erhalten und bestenfalls zu steigern. In der Planung und Gestaltung von neuen (großen) Grün- und Freiflächen sollten unterschiedliche und sich wandelnde Bedürfnisse in einer multifunktionalen Gestaltung Berücksichtigung finden.

Ein öffentlicher Diskurs sollte des Weiteren darüber geführt werden, welche Nutzungen in Zukunft für Grünflächen - neben ihren Hauptaufgaben für Erholung, Natur und Klima - gewünscht sind und wie Leitbilder und Nutzungsregelungen für einige dieser mehrfach genutzten Freiräume für Veranstaltungen aussehen können.

Literatur und Anmerkungen

¹ Siehe auch Berding, Ulrich; Kuklinksi, Oliver; Selle, Klaus 2010: Öffentliche Räume - Problemwahrnehmung und Handlungsbedarf in der Praxis. In Havemann, Antje & Selle, Klaus (Hrsg.): Plätze, Parks & Co. Stadträume im Wandel - Analysen, Positionen und Konzepte. Detmold: Edition Stadt-Entwicklung. S. 315-328.

² Siehe auch Betz, Gregor, Hitzler, Ronald & Pfadenhauer, Michaela (2011): Zur Einleitung: Eventisierung des Urbanen. In: Betz, Gregor, Hitzler, Ronald & Pfadenhauer, Michaela (Hrsg.): Urbane Events. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 9-24.

³ Vgl. Kröniger, Birgit. (2005): Der Freiraum als Bühne. Zur Transformation von Orten durch Events und Inszenierungen. Dissertation an der Technischen Universität München. URL: mediatum.ub.tum.de/doc/601015/file.pdf (letzter Zugriff am 29.01.2019).

4 Vgl. Gehrcke, Matthias (2001): Der Park als Veranstaltungsort. Über Veranstaltungen im Grünen und deren Verträglichkeit. In: Stadt+Grün Jg. 50 (5). S. 325-332.

5 Vgl. Esser, Sibylle. (2011): Das Prinzip der "grünen Stadt" verankern. Aus dem Baukasten für das Grünmarketing. In: Stadt+Grün 9/2011. S. 9-1.

6 Vgl. Pegels, Juliane & Berding, Ulrich (2013): Öffentliche Räume in den Innenstädten: Nicht nur zentrale Orte. In: BMVBS: stadt:pilot:spezial. Die Innenstadt und ihre öffentlichen Räume. S. 8-10. URL: www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/StadtPilot/2013/DL_stadtpilotspezial_3.pdf (letzter Zugriff am 30.01.2019).

7 Vgl. Jung, Birte (2013): Konfliktfeld Veranstaltungen auf Grünflächen. Zwischenergebnis einer Onlineumfrage innerhalb der Gartenamtsleiterkonferenz. In: Stadt+Grün. 12/2013, S. 50-54.

8 Siehe auch Henze, Eva (2016): Grenzen der Belastbarkeit. Wie viel Event vertragen Stadtparks. In: Garten + Landschaft. Jg. 126 (2016). Nr. 6. S. 34-35.

9 Vgl. Balder, Hartmut (2002): Schäden am Stadtgrün durch Großveranstaltungen. In: Stadt+Grün. 1/2002. S. 13-17.

10 Vgl. Weissler, Sabine (2019): Berliner Stadtreinigung entmüllt Grünflächen. Was bedeutet das für die Bezirke? Ein Erfahrungsbericht. In: Stadt+Grün. 02/2019. S. 16-18.

¹¹ Clubcommission Berlin e. V. (Hrsg.) (2019): Model Space Project. Abschlussbericht (unveröffentlicht).

¹² Jung, Birte (2019): Eventisierungsdruck. Nachhaltige Nutzung öffentlicher Freiräume als Veranstaltungsorte - am Beispiel Berlin. Entwicklung eines kriterienbasierten Bewertungsverfahren und von Handlungsempfehlungen. Eingereichte Dissertation (3/2019) an der Technischen Universität Berlin; Fakultät IV - Planen-Bauen-Umwelt; betreut von Prof.in Cordula Loidl-Reisch und Prof.in Dr. Birgit Kröniger (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen); gefördert durch ein Promotionsstipendium der Heinrich-Böll-Stiftung.

¹³ Siehe auch Brill, Andrea (2019): Abfallbeseitigung in Stadtparks - Vandalismus und Müllberge. Müllentsorgung als Herausforderung für Gartenbauämter. In: Stadt+Grün 02/2019. S. 19-24.

14 Ein Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung von Charlottenburg-Wilmersdorf fordert das zuständige Bezirksamt auf, den Erhalt der "Thaiwiese" im Preußenpark zu überprüfen und ein Konzept zu erarbeiten (vgl. Drucksache 0813/5 v. 30.08.2018).

15 Vgl. Siebert, Philipp (2019): Der Thaimarkt im Preußenpark soll kleiner werden. In: Berliner Morgenpost (17.02.2019) ( URL: www.morgenpost.de/berlin/article216458927/Der-Thaimarkt-im-Preussenpark-soll-kleiner-werden.html (letzter Zugriff am 01.04.2019).

16 Vgl. Dobberke, Cay (2019): Neue Ideen für die Thai-Wiese im Preußenpark. In: Tagesspiegel Online (18.02.2019). URL: www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-wilmersdorf-neue-ideen-fuer-die-thai-wiese-im-preussenpark/24004016.html.

17 Save Mauerpark (o. J.): Konzept Mauerpark "Spiel"-Regeln (unveröffentlicht).

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 06/2019 .

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