Personalie

Gartendirektor Jost Albert in den Ruhestand verabschiedet

Ende Juni 2025 verabschiedete sich Jost Albert im Schlosspark Nymphenburg hochverdient nach 13 Jahren als Gartendirektor und 30 Jahren in bayerischen Diensten in den Vorruhestand. Zu diesem Anlass kamen bei herrlichem Wetter neben zahlreichen Kolleginnen und Kollegen der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen auch Weggefährten aus Verwaltungen, Hochschulen und der freien Wirtschaft sowie Gartenkollegen aus ganz Deutschland in Nymphenburg zusammen.
Staatliche Schlösser und Gärten Gartendenkmalpflege
Jost Albert während der Laudatio anlässlich der Verleihung des Sckell-Ehrenrings der Bayerischen Akademie der Schönen Künste an Erika Schmidt, 12. Oktober 2023 Foto: Michael Rohde

Jost Albert profitierte während seiner gesamten beruflichen Tätigkeit von einer fundierten gärtnerischen Berufsausbildung. Der gebürtige Hesse studierte im Anschluss an seine Baumschullehre Landschaftsarchitektur an der Leibniz Universität Hannover. In den Vorlesungen von Dieter Hennebo und später auch Erika Schmidt wurde seine Liebe für die Gartengeschichte und Gartendenkmalpflege geweckt. Die ersten beiden Berufsjahre verbrachte er in Planungsbüros in Hannover und in Kamenz (Sachsen).

Im Jahr 1995 wechselte Jost Albert dann in die Bayerische Schlösserverwaltung. Als Referent in der Gärtenabteilung oblag ihm die wissenschaftliche Betreuung der historischen Gärten in Unter- und Mittelfranken, zu deren Erhaltung und Wiederherstellung er nicht nur forschte und publizierte, sondern auch zahlreiche gartendenkmalpflegerische Projekte initiierte. So leitete er von 1997 bis 2012 die Sanierung und Neuordnung des Eingangsbereichs im Landschaftsgarten Schönbusch bei Aschaffenburg. 1999 erschien seine fundierte Buchpublikation über den "Landschaftsgarten Schönbusch bei Aschaffenburg" (zusammen mit Werner Helmberger).

Im Hofgarten von Veitshöchheim setzte er zwischen 1995 und 2020 die wichtige Wiederherstellung der räumlichen Strukturen des Rokokos um. 2005 konnte im dortigen Schloss die zusammen mit Gabriele Ehberger erarbeitete Dauerausstellung eröffnet werden. 2010 erschien dann die Neuauflage des Amtlichen Führers zu "Schloss und Hofgarten Veitshöchheim" erneut mit Werner Helmberger. 2013 konnte er den neu geschaffenen Maria-Sibylla-Merian Garten auf der Kaiserburg in Nürnberg eröffnen. Weitere Gartenrestaurierungen stieß Jost Albert auf der Willibaldsburg in Eichstätt, der Cadolzburg bei Fürth und in den Hofgärten in Würzburg (Weltkulturerbe) und Ansbach an.

Seit 2006 war Jost Albert Stellvertreter des Abteilungsleiters. Im Juli 2012 wurde ihm die Leitung der Gärtenabteilung übertragen. Im Januar 2013 erfolgte die Ernennung zum Gartendirektor, 2016 zum leitenden Gartendirektor. Regelmäßig vermittelte Jost Albert sein großes Fachwissen über Veröffentlichungen, Vorträge und Gartenausstellungen. Angeregt von der intensiven Beschäftigung mit dem Landschaftsgarten Schönbusch, forschte er über Jahre hinweg zu Leben und Werk des Gartenkünstlers Friedrich Ludwig von Sckell. So referierte und veröffentlichte er beispielsweise mehrfach über dessen Gestaltungsprinzipien, Leben und Werk.

Von 2008 bis 2013 engagierte sich Jost Albert im erweiterten Vorstand des Arbeitskreises Orangerien in Deutschland. Das lange vernachlässigte Fachthema der Nutzpflanzenkultur und speziell des Formobstschnitts in historischen Gärten beförderte er frühzeitig. Bereits 1997 konnte Jost Albert in Zusammenarbeit mit dem Gartenmeister Gerald Schreier in Veitshöchheim mit der Wiederherstellung des Küchengartens beginnen. 2002 folgte der Küchengarten im Würzburger Hofgarten und 2009 die Einrichtung eines Schaugartens mit alten Getreidearten auf der Cadolzburg. Jost Albert ist Gründungsmitglied und Leiter der Arbeitsgruppe des seit 2010 bestehenden deutschen Küchengarten-Netzwerks.

Als Gartendirektor übernahm Jost Albert 2012 die Verantwortung für das gesamte Gartenwesen der Bayerischen Schlösserverwaltung mit 32 historischen Gärten und Parks, 13 Gartenanlagen an Burgen und sonstigen historischen Bauwerken sowie die Uferbereiche der bayerischen Seen. Aus dieser umfassenden Zuständigkeit heraus initiierte er wichtige Konzepte, die sowohl die 26 gärtnerischen Regiebetriebe der Bayerischen Schlösserverwaltung mit über 350 Mitarbeitern als auch die Fachabteilung in München maßgeblich gestärkt haben.

So wurde von 2014-16, unter seiner Leitung, das "Corporate Design-Konzept" für die Regiebetriebe der Schlösserverwaltung erarbeitet und ab 2017 umgesetzt. 2016 führte er zusammen mit seinem Team eine aufwändige Untersuchung des Personalbestandes für alle bayerischen Parks und Schlossgärten durch. Dabei wurde ein nennenswertes Personaldefizit festgestellt, was dazu führte, dass seither zumindest keine weiteren Gärtnerstellen eingespart werden mussten. Basis für diese Untersuchung war das 2014 von der Fachgruppe Gärten der AG Deutscher Schlösserverwaltungen (AGDS) erarbeitete Positionspapier "Personalbedarf für historische Gärten".

2018 konnte das Pilotprojekt "Artenvielfalt im Gartendenkmal" in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Umweltministerium gestartet werden. Es setzt auf Synergien von Gartendenkmalpflege und Artenschutz. Beispielgebend ist auch die 2022 vorgelegte Broschüre für ein "Nachhaltiges Baum-Management", die der wachsenden Bedeutung der Verkehrssicherung im historischen Grün Rechnung trägt. Auf der Grundlage dieses Konzepts konnte die Gärtenabteilung 2022 mit dem Aufbau von drei regionalen Kompetenzstützpunkten mit insgesamt neun Arboristen und Fachagrarwirten für Baumpflege beginnen.

Es ist ein Glücksfall, dass Jost Albert seine langjährige Erfahrung und sein umfassendes Wissen seit 2023 als Lehrbeauftragter am Lehrstuhl Landschaftsarchitektur und öffentlicher Raum der TU München der jüngeren Generation weitervermittelt. Michael Rohde

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