Personalie

Gartendirektor Prof. Dr. Michael Rohde in den Ruhestand verabschiedet

Zweifelsohne zählt der in Ostfriesland geborene Michael Rohde zu den renommiertesten und einflussreichsten Persönlichkeiten im Bereich der Gartenkunst und Gartendenkmalpflege im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus. Sein akademischer und beruflicher Werdegang zeugt von einer tiefen Verwurzelung in der Kulturgeschichte der Gärten gepaart mit profunder Expertise für die Erfordernisse zu deren Erhalt.
Gartenkunst Landschaftsarchitektur
Michael Rohde bedankt und verabschiedet sich am 13. Dezember 2024 in der Parkgärtnerei Sanssouci bei den Mitarbeitern der SPSG, Kollegen und Weggefährten. Foto: Daniel Lindner, SPSG

Nach seiner Baumschullehre studierte Rohde Landschaftsarchitektur an der Leibniz Universität Hannover. Es folgte ein Volontariat beim National Trust in Stourhead, 1990 ein Forschungsstipendium in Dresden und Weimar und ein zweijähriges Referendariat bis 1993 zum Assessor der Landespflege. Anschließend erstellte er als freischaffender Landschaftsarchitekt mehrere Parkpflegewerke für historische Gärten, unter anderem in Hannover, Leipzig, Weimar und Kassel.

Von 1994 bis 2004 war Michael Rohde hauptamtlich in Lehre und Forschung für das Lehrgebiet Gartengeschichte und Gartendenkmalpflege am Fachbereich Landschaftsarchitektur der Leibniz Universität Hannover tätig. In diese Zeit fällt unter anderem die Konzeption und Herausgabe der "Biografien europäischer Gartenkünstler" (ab 1996) in der Fachzeitschrift "Stadt und Grün". 1998 legte er seine vielbeachtete Dissertation über den Gartenkünstler Eduard Petzold (1815–1891) vor. Im Anschluss erhielt er den Lehrauftrag für Vorlesungen zur "Gartendenkmalpflege".

2004 wurde Michael Rohde zum Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) berufen. 20 Jahre war er für die Bewahrung, Erforschung und Vermittlung von 15 Gärten und Parks auf rund 800 Hektar zuständig. Darunter Park Sanssouci der Potsdam-Berliner Kulturlandschaft (UNESCO-Weltkulturerbe) oder der Berliner Schlossgarten Charlottenburg. In dieser Zeit betreute er viele Restaurierungsprojekte u.a. in enger und fruchtbarer Abstimmung mit den Landesdenkmalämtern.

Mehrere große Projekte gingen auf Initiative von Rohde zurück, darunter: 2006 eine öffentlich-rechtliche Naturschutz-Denkmalschutz-Vereinbarung der SPSG und Landeshauptstadt Potsdam, die auf Synergie und gegenseitiges Verständnis beider Fachbelange abzielt.

2009 die "Gartenperspektiven 2009-2028", auf Basis zuvor neu konzipierter "Denkmalkonzepte für Gärten" mit Darstellung des anstehenden Restaurierungs- und stetigen Pflegebedarfes. Bis 2019 erfolgte die dringlich notwendige Schaffung von rund 40 neuen Gärtnerstellen einschließlich zusätzlicher Pflegebedarfsmittel.

Besondere Weitsicht erwies Rohde, als er 2014 die erste internationale Fachtagung zum Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die historischen Gärten in Potsdam veranstaltete – weit vor den extremen Stürmen und Überschwemmungen 2017/2018 oder den Dürrejahren 2019–2021. Das Begleitbuch "Historische Gärten im Klimawandel – Empfehlungen zur Bewahrung" dokumentiert vielfältige Lösungsvorschläge. In diesem Zusammenhang hat Rohde mehrere angewandte Forschungsprojekte auf den Weg gebracht, um modellhafte Anpassungsstrategien zum Themenkomplex Boden-Wasser-Pflanze zu erproben. Das äußerst wichtige Thema des innovativen Wassermanagements wurde untersetzt und stellt eine künftige Herausforderung dar.

Insgesamt gelang es Michael Rohde in seiner Amtszeit, die Gartenabteilung als Institution großen Erfahrungswissens international zu profilieren und die Bedeutung der preußischen Gärten als kulturelles Erbe stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Im Dezember 2024 beendete Michael Rohde seine zwanzigjährige Tätigkeit in Berlin-Brandenburg. Neben diesen vielfältigen Aufgaben und Tätigkeiten als Gartendirektor engagierte er sich auch auf weiteren Fachgebieten. So ist Rohde seit 2008 Honorarprofessor für Gartendenkmalpflege am Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der TU Berlin. Ferner ist Rohde als gut vernetzter und fachlich sehr geschätzter Kollege Mitglied in zahlreichen fachwissenschaftlichen Gesellschaften und Fachbeiräten.

Auch als Autor und Herausgeber deutscher und internationaler Fachpublikationen hat Michael Rohde Maßstäbe gesetzt. So rückte er bereits 2002 und 2004 den Themenkomplex "Marketing für Gärten und Schlösser" ins Blickfeld der Fachöffentlichkeit. Das 2008 erschienene und seinem akademischen Lehrer Dieter Hennebo gewidmete Handbuch "Pflege historischer Gärten– Theorie und Praxis" gehört mittlerweile zu den Standardwerken der Gartendenkmalpflege.

2020 veranstaltete Michael Rohde die internationale Tagung "Historische Gärten und Gesellschaft. Kultur – Natur – Verantwortung". Die Beiträge des zugehörigen Tagungsbandes haben inzwischen das Verständnis der politischen und gesellschaftlichen Relevanz historischer Gärten in Zeiten großer Umwelt- und Naturzerstörungen sowie Transformationen unserer modernen, technisch-wissenschaftlichen Gesellschaft befördert.

Besondere Verdienste hat sich Rohde von 2005 bis 2024 als Sprecher und Leiter der Fachgruppe Gärten in der AG Deutscher Schlösserverwaltungen (AGDS) erworben. Mit Leidenschaft, Humor, kollegialem Führungsstil und einem untrüglichen Gespür für die richtigen Themen zur richtigen Zeit hat er drei vielbeachtete Positionspapiere der Fachgruppe initiiert: 2007 zum "Erhalt der Regiebetriebe", 2014 die anerkannten Parameter zu "Personalbedarf für historische Gärten" und 2019 zur Bedeutung von "Wissenschaft und Forschung". Inzwischen unterstützt Rohde als Gastwissenschaftler das Lehr- und Forschungsgebiet Geschichte der Landschaftsarchitektur und Gartendenkmalpflege von Inken Formann an der Leibniz Universität in Hannover.

Die Auszeichnungen und Ehrungen, die Michael Rohde in seiner aktiven Zeit zuteilwurden, spiegeln die Anerkennung seines umfassenden fachlichen Wirkens wider. Die von ihm initiierten Projekte, Publikationen und Denkansätze sind bereits heute wichtige Grundlagen der Gartendenkmalpflege. Darüber hinaus trägt sein Wirken maßgeblich zu einem breiten gesellschaftlichen Bewusstsein sowie Wertschätzung für historische Gärten bei. Jost Albert

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