Studie

Pflanzenvielfalt erhöht Insektenvielfalt

Strukturvielfalt in der Wiese, zum Beispiel hohe und niedrige Pflanzen, beeinflusst die Vielfalt. Foto: Alex Fergus

Je mehr Pflanzenarten in Wiesen und Wäldern leben, desto mehr Insektenarten finden dort Lebensraum. Mehr Pflanzenarten erhöhen aber nicht nur die Zahl der Insektenarten, sondern auch die Zahl ihrer Individuen. Gleichzeitig wird die tierische Vielfalt nicht nur von der pflanzlichen Artenvielfalt bestimmt, sondern auch von der pflanzlichen Strukturvielfalt. Dies sind Ergebnisse einer internationalen Zusammenarbeit unter Führung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht worden sind. Sie haben Konsequenzen für die insektenfreundliche Bewirtschaftung von Wiesen und Wäldern.

"Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass Entwicklungen wie das aktuell beobachtete Insektensterben zusammenhängen können mit der Art und Weise, wie wir Menschen die von uns genutzten Ökosysteme bewirtschaften", sagt Erstautor Prof. Andreas Schuldt von der Universität Göttingen - vormals tätig am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). Gemeinsam mit den Co-Autoren hat Schuldt umfangreiche Daten zur Pflanzen- und Insektendiversität aus zwei der weltweit größten Biodiversitätsexperimente ausgewertet: dem Jena Experiment und BEF-China. Im ersten Experiment wurde die Zahl der Pflanzenarten auf einer Wiese verändert, im zweiten die Zahl der Baumarten in einem Wald - jeweils mit dem Ziel, die Auswirkungen pflanzlicher Diversität auf andere Lebewesen und das Funktionieren der Ökosysteme zu untersuchen.

Die Daten zeigen, dass Rückgänge in der Vielfalt von Pflanzenarten - zum Beispiel verursacht durch intensive Nutzung land- und forstwirtschaftlicher Flächen - zu einer verringerten Zahl von Insekten (Individuen) führen kann, was wiederum die Zahl der Insektenarten sinken lässt. "Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass nicht der reine Verlust an Pflanzenarten entscheidend ist, sondern auch der damit verbundene Verlust an Strukturvielfalt", so der Jena-Experiment-Sprecher Prof. Nico Eisenhauer vom Forschungszentrum iDiv und der Universität Leipzig. "Diese Ergebnisse zeigen, dass wir durch strukturfördernde Maßnahmen wie angepasste Mahdtermine und die Erhaltung alter Bäume einen wesentlichen Beitrag zum Biodiversitätsschutz leisten können", ergänzt BEF-China-Sprecher Prof. Helge Bruelheide von der Universität Halle und iDiv.

Der Vergleich von Daten aus ganz unterschiedlichen Lebensräumen zeigt dabei die Relevanz der Forschungsergebnisse für wichtige von uns Menschen genutzte Ökosysteme.


Ermöglicht wurde die Studie durch umfangreiche Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Ansprechpartner ist Prof. Andreas Schuldt, Abteilung Waldnaturschutz, Georg-August-Universität Göttingen, Tel.: +49-5 51-2 44 86, andreas.schuldt@forst.uni-goettingen.de

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 05/2019 .

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