Plausch im Vorgarten
Initiative gegen Einsamkeit nutzt Grünfläche vor der Haustür

Über 70 Prozent gaben als Strategie gegen Einsamkeit an, in diesen Momenten Musik oder Podcasts zu hören, Serien oder Filme zu schauen oder sich dem Haushalt zuzuwenden. 71 Prozent entscheiden sich stattdessen für einen Spaziergang, während etwas über die Hälfte sich im Garten die Zeit vertreibt.
"Diesen Aspekt finden wir sehr spannend, vor allem im Hinblick auf unsere Initiative "Rettet den Vorgarten", mit der wir unter Anderem den sozialen Aspekt des Vorgartens hervorheben", sagt Dr. Michael Henze vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL).
"Denkt man an frühere Zeiten, dann wurden vor der Haustür häufig alltägliche Hausarbeiten durchgeführt – immer bereit für ein kurzes oder auch mal längeres Gespräch mit Nachbar:innen und Spaziergänger:innen. Im Vorgarten kam man in Kontakt mit anderen Menschen." Dieser kommunikative Aspekt ist im Laufe der letzten Jahrzehnte jedoch in den Hintergrund gerückt – dabei könnte er sich in der heutigen Zeit positiv auf unsere eigene Stimmung und das Verhältnis zur Nachbarschaft auswirken.
Und gerade unsere wohnliche Umgebung spielt bei diesem Thema auch eine entscheidende Rolle, wie der TK-Einsamkeitsreport zeigt: Menschen mit einem guten Verhältnis zu den Personen aus der eigenen Straße oder Ortschaft fühlen sich weniger einsam. Die Nachbarschaft kommt direkt hinter der Familie, einem guten Hobby und engen Freundschaften und bildet ein soziales Netz, das auffangen und die Einsamkeit abfedern kann. Doch wie baut man eine gute Nachbarschaft auf?
"Im Vorgarten kann man relativ einfach und vor allem niedrigschwellig in den Austausch mit Mitmenschen gehen", betont Dr. Michael Henze vom BGL. "Ob man dort mit dem Morgenkaffee auf einer Bank sitzt, Unkraut jätet oder die Stauden gießt, den Lavendelduft aufnimmt oder im Schatten des Hausbaums den Sonnenuntergang erlebt, die Kontaktaufnahme mit vorbeispazierenden Personen ist hier deutlich einfacher als im Kino, einer Bar oder auf einer Bank in der Innenstadt."
Immerhin sei ein Thema schnell gefunden, so der Experte, zum Beispiel die blühenden Pflanzen, das Parfum der Rosen, die summenden Bienen oder auch einfach das schöne Wetter, das man im Vorgarten genießen kann. Aber das gehe nur, wenn die Fläche vor dem Haus auch entsprechend gestaltet sei. "Meterhohe Zäune oder Hecken sind da wenig hilfreich, wohingegen eine offene Anlage ohne Barrieren mit einer einladenden Atmosphäre die Basis für einen freundlichen Austausch schafft", betont Dr. Michael Henze.
"Auf einer ungemütlichen, im Sommer sich aufheizenden Schotterfläche hält man sich ganz sicher nicht auf, um ein Pläuschchen zu führen. Aber auf einer Hausbank, umgeben von Stauden und sich leicht im Wind wogenden Gräsern, verbringt man gerne seine Zeit, bis sich eine Unterhaltung ergibt."
Der Vorgarten ist ein halböffentlicher Ort und so sollte er auch angelegt werden, damit sich die Hausbesitzer:innen daran ebenso erfreuen wie Paketbot:innen oder Spaziergänger:innen. "Kommunikativ gestaltete Vorgärten sind eine von vielen Möglichkeiten, der Einsamkeit zu begegnen – aber immerhin eine, die wir selber in der Hand haben", hebt Dr. Michael Henze hervor.
Und wer keinen eigenen Vorgarten hat, wählt stattdessen die andere Seite: Zu Fuß lässt sich die Wohngegend völlig neu erleben und mit den Menschen, die sich gerade vielleicht genau so einsam fühlen, ganz natürlich in Kontakt kommen. mk/bgl
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![„Dem Baum […] wird heute ein Edelreis aufgezapft“, Foto: LfULG Sachsen Forschung und Bildung](/media/_processed_/7/3/csm_sachsen-forschung-und-bildung-landschaftstheorie-kleingaerten-private-gaerten-20728-1_de1dcc62bb.jpg)