Eine Ausstellung im Schloss und Park Babelsberg, 29.4.-15.10.2017

Pückler.Babelsberg - Der grüne Fürst und die Kaiserin

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Aussicht aus dem Augusta-Zimmer von Schloss Babelsberg über das Bowlingreen zur Havellandschaft mit Glienicker Brücke. Foto: Wolfgang Pfauder SPSG 2016

Im Jahr 1843 erhielt Hermann Fürst von Pückler-Muskau von dem Kronprinzenpaar Wilhelm und Augusta von Preußen den Auftrag, die Ausgestaltung des rund zehn Jahre zuvor begonnenen Landschaftsparks auf dem Babelsberg fortzusetzen. Damit löste Pückler Peter Joseph Lenné ab. Dieser hatte früher die Grundstrukturen des Parks geschaffen: die Idee der markanten Platzierung des Schlosses (von Schinkel) zwanzig Meter über der Havel, die Wegeerschließungen zu den Aussichtsplätzen wie der Victoriahöhe, der Lennéhöhe und der Fürstenhöhe. Lenné modellierte das Bowlingreen und plante bereits die Konturen des Pleasuregrounds. Doch aufgrund ständiger Etatkürzungen konnte er diesen Park nicht vollenden, Pückler übernahm.

„Pückler.Babelsberg – Der grüne Fürst und die Kaiserin“, Ausstellungsplakat. Abb.: SPSG

Fürst Hermann von Pückler-Muskau, Lithografie Friedrich Jentzen nach Franz Krüger, 1830. Abb.: SPSG

Erstmals zeigt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg vom 29. April bis 15. Oktober 2017 eine Ausstellung über Pücklers Gestaltung im Park Babelsberg. Die Vorarbeiten erfolgten bereits zu der 2016 in der Bonner Bundeskunsthalle präsentierten Ausstellung "Parkomanie - Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler in Muskau, Babelsberg und Branitz". Nach langer Zeit und nach umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen im Park und an der Schlossfassade wird das Schloss in Babelsberg für eine Saison geöffnet, um die Ausstellung über den Fürsten Pückler inmitten eines seiner Hauptwerke, dem Park Babelsberg, zu zeigen.

Pücklers Weg zur Gartenkunst und seine Beauftragung für den Park Babelsberg

Als Pückler 1785 auf Schloss Muskau in der Lausitz geboren wurde, befand sich das preußisch besetzte Sachsen als Kurfürstentum noch im Wiederaufbau. Schon bald tobte ein Krieg in Europa. 1806 kämpften die Sachsen gemeinsam mit Preußen gegen Napoleon. Diese Allianz unterlag jedoch bei Auerstedt. Sachsen wurde im französischen Rheinbund sogleich zum Königreich erhoben. 1812 war es ein Hauptkriegsschauplatz der Befreiungskriege. Französische Truppen durchquerten Muskau und Pückler entkam knapp einem Erschießungskommando. Sachsen kämpfte diesmal an der Seite Frankreichs und wurde im Herbst 1813 nach der Völkerschlacht bei Leipzig durch Preußen und Russland besetzt.

Inmitten der Napoleonischen Zeit unternahm Pückler 1806/1810 als Zwanzigjähriger, nach kurzem Militärdienst, erste Reisen und Wanderungen nach Italien, Frankreich und Süddeutschland. In München wird sich Pückler Schlosspark Nymphenburg und den Englischen Garten, die neuesten landschaftlichen Gartenschöpfungen Friedrich Ludwig von Sckells, angesehen haben. Sein Tagebuch immer zur Hand, besuchte er 1810 Johann Wolfgang von Goethe zum ersten Mal und korrespondierte mit ihm. 1811 änderten sich seine Verpflichtungen schlagartig, denn nach dem Tode seines Vaters wurde er Standesherr von Muskau und Erbherr von Branitz. Nun entwarf er im Geiste bereits erste Pläne zur landschaftlichen Ausgestaltung von Muskau, traf sich erneut mit Goethe in Weimar. Hier hatte der große Dichterfürst bereits vor 25 Jahren selbst einen frühlandschaftlichen Park an der Ilm geschaffen. "Die Natur ist das dankbarste, wenn auch unergründlichste Studium, denn sie macht den Menschen glücklich, der es sein will", sprach ihm Goethe in jener Zeit zu, "verfolgen Sie diese Richtung". Diese Empfehlungen nahm der junge Pückler zeitlebens wörtlich.

Pückler wandte sich Preußen zu. 1813 diente er in den antinapoleonischen Streitkräften als Major des russischen Zaren Alexander I., der mit Friedrich Wilhelm III. von Preußen freundschaftlich verbunden war. Bis zum Friedensschluss 1814 finden wir Pückler als persönlichen Adjutanten des Großherzogs Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach, später in den Niederlanden und kurzfristig als Militärgouverneur in Brügge. Nach dem Sturz Napoleons marschierte der hochdekorierte Pückler schließlich gemeinsam mit den genannten Herrscherhäuptern der Koalitionstruppen in Paris ein und setzte mit ihnen im Juni 1814 nach England zur großen Siegesfeier im Londoner Hydepark über. Es folgte bis April 1815 seine systematisch geplante erste Gartentour durch England. Besonders beeindruckt war er von den großartigen Schöpfungen Browns und den damaligen Neuerungen Reptons, der Ablösung vom landschaftlichen zum zonierten Gestaltungsprinzip.

Nach dem Wiener Kongress blieb Sachsen aufgrund der Protektion Österreichs zwar weiterhin Königreich, musste jedoch im Norden die Oberlausitz an Preußen abtreten. Muskau war nun preußisch, so dass sich der junge Standesherr mit den Stein-Hardenbergschen Reformen konfrontiert sah und erhebliche finanzielle Verluste hinzunehmen hatte. In dieser Situation erließ Pückler im Mai 1815 seinen berühmten Aufruf "An die Bewohner Muskaus" zur Anlegung eines Parks in der neupreußischen Lausitz.

Schloss Babelsberg vom Pleasureground aus gesehen. Foto: Wolfgang Pfauder, SPSG 2016

Blick auf das Schloss vor der Erweiterung mit den Schlossterrassen, 1838. Öl auf Leinwand von Carl Daniel Freydanck. Abb.: SPSG, KPM-Archiv (Land Berlin)

Zwei Jahre später heiratete Pückler die vierzigjährige Lucie Reichsgräfin von Pappenheim, Tochter des preußischen Staatskanzlers, des Fürsten Karl August von Hardenberg. Was zunächst wie eine Vernunftsehe schien, brachte ihm Einfluss in Berlin und zugleich ein stattliches Vermögen ein. Seine Versuche, über seinen Schwiegervater nun einen Botschafterposten zu bekommen, scheiterten. Doch bemühte sich Pückler zunehmend um Beachtung am preußischen Hof. In Berlin machte er mit seinem extravaganten und ausschweifenden Wesen in den Salons Furore, behielt seinen Freigeist, den liberalen Gedanken der Aufklärung verpflichtet. König Friedrich Wilhelm III. mochte den einflussreichen "Oppositionellen". Mit dem gleichgesinnten Alexander von Humboldt entwickelte sich eine Freundschaft.

Pückler war überaus beglückt, als der König ihn 1822 - wie zuvor (1814) Gebhard von Blücher und Hardenberg - schließlich in den Fürstenstand erhob. Dies sollte eine gewisse Entschädigung für die Nachteile der preußischen Übernahme seiner Standesherrschaft Muskau darstellen. Da an eine politische Karriere am preußischen Hof nicht zu denken war, widmete sich Pückler weiterhin seiner Gartenpassion in Muskau und zugleich seinem anderen großen Talent: der Schriftstellerei.

Schon im Mai 1822 besuchte Pückler mit John Adey Repton, dem Sohn des großen englischen Gartenkünstlers Humphry Repton, Klein-Glienicke, kurz vor dem Tode seines Schwiegervaters Hardenberg. Pücklers Verbesserungsvorschläge gegenüber den von Lenné seit 1816 durchgeführten Planungen blieben unberücksichtigt. Auch spätere Versuche gegenüber Prinz Carl von Preußen, neuer Herr auf Glienicke und selbst Autodidakt der Gartenkunst, scheiterten.

Pückler drängte es nach weiteren Reisen und Veröffentlichungen. Nach der formellen Scheidung mit Lucie trat er 1826 seine dreijährige, zweite Reise nach England, Wales und Irland an. Zuvor traf er in Weimar erneut Goethe und lernte erstmals die fünfzehnjährige Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach kennen, die vier Jahre später Wilhelm von Preußen, den späteren preußischen König und deutschen Kaiser heiratete.

Resultat von Pücklers zweiter Englandreise waren die bis 1831 anonym publizierten Reiseschilderungen, die "Briefe eines Verstorbenen", die seinen Ruhm begründeten. Goethe verfasste hierzu eine lobende Rezension. Als Gartenkünstler von europäischem Rang machte sich Pückler durch seine Gestaltungen im Muskauer Park und spätestens 1834 mit seinem prachtvollen Lehrbuch "Andeutungen über Gartenkunst" einen Namen. Noch einmal versuchte er Einfluss auf Glienicke zu nehmen, indem er seine "Andeutungen" hoffnungsvoll dem Prinzen Carl widmete, letztlich wieder ohne den gewünschten Erfolg. Zu diesem Zeitpunkt stand sein Engagement in Babelsberg noch in den Sternen. Das Babelsberger Gelände, gegenüber von Glienicke, erhielt Wilhelm erst kurz zuvor von seinem Vater Friedrich Wilhelm III.

Bis Pückler schließlich in Babelsberg wirkte, rund zehn Jahre später, publizierte er weitere Bücher: 1834 "Tutti Frutti" über die preußischen Zustände, zu seinen Reiseindrücken der mehrjährigen Orientreise oder 1840 den "Südöstlichen Bildersaal". Pückler war ein Weltbürger, der mehrere Sprachen beherrschte und beinahe pionierhaft ferne Welten erkundete, darunter natürlich immer wieder Gärten! Als geistvoller Schriftsteller und hervorragender Stilist waren seine elegant verfassten Bücher Bestseller der deutschen Kultur und Literatur, dabei immer wieder satirisch, aber auch rational und journalistisch.

Pücklers Ideen und das Parkerlebnis in Babelsberg

1842 erhielt Pückler von dem Prinzenpaar Wilhelm und Augusta endlich die Aufforderung, im Park Babelsberg Ratschläge für die weitere Ausgestaltung der Blumengärten am Schloss zu geben. Hauptgrund für die Beauftragung Pücklers war ein gewisser Neubeginn konzeptioneller Überlegungen. Denn mit der Ernennung Wilhelms zum präsumtiven Thronfolger seines Bruders Friedrich Wilhelm IV. gingen erhöhte Repräsentationsansprüche an den Babelsberger Sommersitz einher. Außerdem vertrat Wilhelm, der neue "Prinz von Preußen", eher liberale Auffassungen. Möglicherweise trieb Prinzessin Augusta die Berufung Pücklers voran, da sie Pückler aus Weimar kannte.

Das Dampfmaschinenhaus, 1843–45, nach Plänen von Ludwig Persius von Moritz Wilhelm Gottgetreu errichtet, von Carl Graeb, 1872. Abb.: SPSG

Das wiederherstellte Schwarze Meer von Pückler mit geschwungenen Ufern und Inseln, hier noch ohne Ufer- und Inselbepflanzungen. Foto: Michael Rohde, SPSG 2016

Die Pücklersche Blumenfontäne auf der Goldenen Terrasse am Schloss Babelsberg. Foto: Leo Seidel, SPSG 2016

Die restaurierte Porzellanterrasse mit Brunnen als Geschenk der Kölner Dombauhütte an Wilhelm sowie Kübelpflanzen, Obstbäumen und Blumenbeeten auf dem Rasen. Foto: Leo Seidel, SPSG 2016

Die restaurierte Reiherfontäne im Goldenen Rosengarten. Foto: Leo Seidel, SPSG 2016

Temporär aufgestellter Großbaumverpflanzwagen vor Schloss Babelsberg. Foto: Katrin Schröder, SPSG 2016

Lenné konnte seine Ideen zudem aufgrund ständiger Etatkürzungen und häufig auftretender Trockenheit auf dem sandigen Terrain des Babelsbergs nicht umsetzen. Anpflanzungen gingen in der Dürre des Jahres 1834 ein. Von 1839 bis 1841 wurde kaum noch gepflanzt.

Pückler sah seine Chance: Umgehend reiste er mit seinem Garteninspektor Rehder nach Babelsberg und legte einige Tage später, am 6. März 1842, sein "Promemoria" vor. Dieses Gutachten wird in der Babelsberger Ausstellung im Original zu sehen sein. Es fußt auf Pücklers während seiner Englandreisen gesammelten, seit knapp 30 Jahren im Muskauer Park erprobten Erfahrungen des inzwischen 56-jährigen hochadeligen Gartenkünstlers. Pückler gab sich in dieser Denkschrift alle Mühe, die Gestaltungen Lennés abzuwerten: "Monotonie" sei entstanden, der Rasen gleiche "nur ausgestreuter Asche" im märkischen Sand, die Wahl der Baumarten sei "unpassend" und die Verteilung der Sorten überhaupt "geschmacklos", die Pflanzung großer Bäume sei "halb weggeworfenes Geld", es würden nur "colossale belaubte Stangen" entstehen, "die niemals malerisch werden" könnten. Seine Anregungen vom Geländezukauf, der Einrichtung einer Baumschule und eines Hofgärtnerhauses, Möglichkeiten der Bodenverbesserung bis hin zur Errichtung der Gartenterrassen am Schloss sind gleichwohl lesenswert.

Konnte Lenné also die Grundstrukturen des Parks schaffen, so hatte Pückler nun die notwendigen Mittel und die von ihm geforderte "plein pouvoir", als Vollmacht beziehungsweise "freie Hand" für seine Ideen. Gleichzeitig entstand im Park Babelsberg das Dampfmaschinenhaus, um Wasser in einen siebenundvierzig Meter über dem Havelwasserspiegel gelegenen Behälter pumpen zu lassen. Nicht nur die Pflanzen konnten somit über Bewässerungsleitungen hinreichend versorgt werden. Die Ausgestaltung des Schwarzen Meeres mit seiner bewegten Uferlinie und den vier Inseln, gespeist über einen Wasserfall, leitete Pückler persönlich. Auch der Pücklersche Wilhelmwasserfall, von der Quellfontäne bis zur Wilhelmbrücke an der Havel entstand. Er ist nach umfangreicher Sanierung zur diesjährigen Ausstellung wieder erlebbar.

Ein Jahr später, 1844, begann der Erweiterungsbau des Schlosses nach Entwürfen von Ludwig Persius. Pückler nahm auch Einfluss auf die Architektur und forderte die Errichtung von Schlossterrassen, die er als "Schlossräume im Freien" bezeichnete und mit kostbarer Ausstattung und Bepflanzung versehen ließ. Die großen ungeteilten Fenster sorgten für die gewünschte Verbindung von Innenräumen und dem Garten.

Der spätromantische Landschaftspark auf dem Babelsberge

Park Babelsberg ist als Werk von Lenné und Pückler aus mehreren Gründen außergewöhnlich. Das Zonierungsprinzip des spätromantischen Landschaftsparks wird hier in höchster Qualität präsentiert. Einzigartig ist das vielgestaltige Aussichtenprogramm aus dem Schloss, den Schlossterrassen und von den Wegen und Aussichtsplätzen des Parks. Pücklers Gartenkunst sollte - wie eine Bildergalerie im großen Stil - "Natur im Kleinen als poetisches Ideal" vorführen. In Babelsberg verwirklichte der grüne Fürst vor allem Vielfalt und Exotik, Blumen- und Schmuckfreude. So finden wir am Schloss Blumengärten und den Pleasureground, der anschließende Park, zum Teil als "forestscenerie" erscheinend, strahlt "Natürlichkeit" mit weiteren Aussichten bis in die Landschaft aus. Die Sichten führen zu anderen Schlössern und Bauten der Potsdam-Berliner Parklandschaft, wie nach Glienicke, zum Marmorpalais oder dem Pfingstberg, aber auch zu den Türmen der Stadt oder auf die Havellandschaft. Die ganze Gegend sollte komponierte Bilder nach den Prinzipien der Malerei, unter Hervorhebung des Vorder-, Mittel- und Hintergrundes ergeben!

Die einzigartige Topographie des Bergparks Babelsberg wurde wie kaum ein anderer Park Europas durch Dampfmaschinen für kunstvolle Wasseranlagen genutzt. Der Pücklersche Geysir unterhalb des Schlosses Babelsberg ist weithin aus der Potsdam-Berliner Schlösser- und Parklandschaft sichtbar! Vergleichbar wäre Babelsberg in dieser Hinsicht vielleicht mit der schon seit 1785 erfolgten, frühlandschaftlichen Ausgestaltung von Kassel-Wilhelmshöhe, wo barocke Wasserkünste um Wasserfälle, ein Aquädukt und der Großen Fontäne ergänzt worden sind - das Hauptkriterium für die 2013 auch dort erfolgte Anerkennung als Welterbe.

Die Gartenkunst Pücklers, der Meister des Blumengartens, der "klassischen Landschaft" Muskaus und der Exotik von Branitz ist ohne Park Babelsberg nicht zu verstehen. In dem Zeitraum seines Schaffens, von 1815 bis zum seinem Tode 1871, war der reife Landschaftsstil in Mode. Doch schon um 1840 wurden diese klassischen Parkgestaltungen seltener. Die neu entstandenen Landschaftsgärten wirkten zunehmend überladen. Anders die Pücklerschen Parks: Er perfektionierte diesen Stil wie kaum ein Anderer und folgte dabei zwei Prinzipen: einerseits der Gestaltung "klassische Landschaft" nach dem Vorbild der Natur, andererseits der "Zonierung" und damit der klaren Unterscheidung von Garten und Park.

Park Babelsberg steht last but not least für eine exemplarische Gartendenkmalpflege in Deutschland. Hier sind seit den frühen 1970er-Jahren mit einer der frühesten Restaurierung eines Pleasuregrounds und den Gehölzregenrationen beispielhafte gartendenkmalpflegerische Methoden entwickelt worden. Bis heute sind weitere umfangreiche Gartenwiederherstellungen durchgeführt worden: von den Schlossterrassen über die Wasserkünste bis zu aktuellen Nachpflanzungsprojekten.

Die Ausstellung

Die wiederhergestellten großflächigen Fenster des Schlosses bilden im doppelten Sinne den Rahmen für die diesjährige Ausstellung zu Pücklers Wirken im Park Babelsberg. Beispielhaft sind diese Aussichten jeweils Ausgangspunkte für die Ausstellungsthemen. So werden Besonderheiten der Pücklerschen Parkgestaltung in Babelsberg wie das aufwendige Wassersystem, die Schlossterrassen und der Pleasureground thematisiert. Eine durch alle Räume führende Nebenerzählung, der sogenannte "Seitenblick", erläutert zudem aktuelle Sanierungsergebnisse im und am Schloss Babelsberg.

Blick auf Schloss Babelsberg von der Villa Schöningen. Lithographie Franz Xaver Sandmann, 1850. Foto: Michael Lüder, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Inv.-Nr. 80-277-K2b

Kaiser Wilhelm Bombe, Fürst Pückler-Eis. Aus: Karl Scharrer, Süße Speisen und Eisbomben, 1907, Tafeln IX u. X

Die restaurierte Voltaireterrasse mit den Linden aus Voltaires Garten in Potsdam (1847) und neogotischen Vasen für den Blumenschmuck. Foto: Leo Seidel, SPSG 2016

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen einerseits Pücklers Arbeiten im Park Babelsberg, der sich als schönstes "Ausstellungsobjekt" vor den Fenstern des Schlosses ausbreitet, andererseits die Beziehungen des "grünen Fürsten" zum preußischen Hof. Im Wohn- und Arbeitszimmer der Prinzessin geht es um die Bestrebungen Pücklers, mittels geschickt angeordneter Gehölzpflanzungen unterschiedliche Landschaftsbilder oder "Tableaus" zu formen. Medienstationen mit Stereobildern und einem 3 D-Zeitraffer-Film, der den Park Babelsberg im Wechsel der Jahreszeiten zeigt, vermitteln, welche gestalterische Bedeutung die sorgsame Anordnung der Gehölze für die "Gemälde" im Park haben.

Die Ausstellung hinterfragt auch den wortgewandten grünen Fürsten und seine Kritik am preußischen Gartendirektor Lenné: Ging es Pückler tatsächlich um gartenkünstlerische Differenzen? Welche Motivation hatte er, dem Prinzenpaar Wilhelm und Augusta seine Gartendienste anzubieten? Tatsächlich lag dem Fürsten Pückler viel an dem Babelsberger Auftrag. Dieser eröffnete ihm die lang gesuchte Chance, sich als Gartenkünstler im Herzen der entstehenden Potsdamer Parklandschaft zu verwirklichen und - so die zentrale These der Ausstellung - durch diesen Gefallen stand der zukünftige Thronfolger Prinz Wilhelm ab sofort in Pücklers Schuld. Dies wiederum wusste Pückler effektiv zu nutzen, um am preußischen Hof zahlreiche eigene Anliegen voranzutreiben. Die Erlangung immer neuer und höherer Orden zählte dazu, ebenso sein zäher Kampf um den Titel "Durchlaucht". Pücklers geschicktes Networking am preußischen Hof ist auch Thema einer Hörstation, die anhand der erhaltenen Korrespondenz das beharrliche Ringen um Titel, Orden und Anerkennung lebendig werden lässt.

Ein eigenes Kapitel widmet die Ausstellung der Tafelkultur und der Eisbereitung, schließlich war Pückler auch Namenspatron einer bis heute beliebten Eissorte. Welche Geräte und Werkzeuge zur Eisbereitung notwendig waren, ist dabei ebenso Thema wie die Menüfolgen, mit denen Pückler das Prinzenpaar oder auch den Babelsberger Hofgärtner Kindermann in Branitz bewirtete. Die Früchte der höfischen Tafel in Babelsberg stammten direkt aus der dortigen Hofgärtnerei mit ihren speziellen Obsttreibemauern nach französischem Vorbild.

Schon seit Herbst kündigt auf dem Vorplatz des Babelsberger Schlosses ein übermannsgroßer blauer "Großbaumverpflanzwagen" die Ausstellung an, eine Leihgabe der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Schloss und Park Branitz. Der imposante Wagen lässt gleich zwei charakteristische Eigenschaften des grünen Fürsten aufscheinen: Pücklers Hang zu spektakulärer Selbstinszenierung - das Verpflanzen großer Bäume erregte allerorts Aufsehen und wurde zu einem Markenzeichen des Gartengestalters - und sein stets waches Interesse an technischen Neuerungen, die wirtschaftlichen Erfolg versprachen.

Parallel zur Ausstellung im Schloss lädt die originale Pücklersche Parkschöpfung die Ausstellungsbesucher ein. Neben den Schlossterrassen und dem reich blühenden Pleasureground mit dem "Goldenen Rosengarten" gehört ein Spaziergang zum "Schwarzen Meer" mit seinem stillen Wasserspiegel oder dem rauschenden "Wilhelmwasserfall" mit seinen künstlichen Felsen zu den schönsten Entdeckungen.

Ohne die dankenswerte Sonderfinanzierung durch den Bund (Staatsministerin für Kultur und Medien) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages sowie aus Mitteln der Länder Berlin (Senatsverwaltung für Kultur und Europa) und Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) wären die Restaurierungen am Schloss (Hülle und Terrassen) wie auch des Bewässerungssystems und der Wasserkünste im Park nicht möglich gewesen.

Unser besonderer Dank geht in Bezug auf die Ausstellung an die Kulturstiftung der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten für die Förderung sowie an die vielen Unterstützer und Leihgeber, wie die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn und die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz.

Weitere Informationen

"Pückler. Babelsberg - Der grüne Fürst und die Kaiserin", Schloss und Park Babelsberg, Potsdam; 29. April bis 15. Oktober 2017 Eine Ausstellung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Generaldirektor: Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh Gesamtleitung: Prof. Dr. Michael RohdeKuratorin: Katrin Schröder Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet, siehe www.spsg.de/pueckler-babelsbergSPSG-Besucherinformation: Tel. 03 31/96 94-2 00, info@spsg.deTickets online: tickets.spsg.de/ Neben der Ausstellung in Babelsberg findet auch im Branitzer Schloss vom 14. Mai bis zum 31. Oktober 2017 die Ausstellung: "AUGUSTA von PREUSSEN. Die Königin zu Gast in Branitz" statt, siehe auch www.pueckler-museum.de/angebote/agusta-von-preussen.html

Literatur

Detlef Karg, Die Besonderheiten der Parkanlagen Pücklers - ihre Erhaltung, Restaurierung und Erschließung, in: Fürst Hermann von Pückler-Muskau 1785-1985. Festansprache und Vorträge anlässlich der Pücklerehrung, Sonderheft der Niederlausitzer Studien, Cottbus 1986, S. 13-26.

Dieter Hennebo, Vom "Klassischen Landschaftsgarten" zum "gemischten Styl". Zeittypische Gestaltungstendenzen bei Peter Joseph Lenné, in: Florian von Buttlar (Hrsg.), Peter Joseph Lenné, Berlin 1989.

Heinz Ohff, Der grüne Fürst. Das abenteuerliche Leben des Hermann Pückler-Muskau, Piper Verlag München Zürich 1993, 5. Auflage 1996.

Karl Eisbein, Pücklers Arbeiten in Babelsberg, in: Dokumentation des Kolloquiums 150 Jahre Branitzer Park. Garten-Kunst-Werk Wandel und Bewahrung, der Stiftung Fürst Pückler Museum - Park und Schloss Branitz, Cottbus/Branitz, 10.-12. Oktober 1996, Königsdruck Berlin 1998, S. 193-207 (Edition Branitz, Heft 3).

Katrin Schröder, Park Babelsberg, in: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum und Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.), Peter Joseph Lenné, Parks und Gärten in Brandenburg, Werkverzeichnis, Forschungen und Beiträge zur Denkmalpflege im Land Brandenburg, Bd. 7, Worms 2005, S. 109-118.

Katrin Schröder, "… auf dem Babelsberg pflanzend und inspizierend …". Pücklers künstlerischer Anteil an der Gestaltung des Parks Babelsberg, in: Christian Friedrich, Ulf Jacob (Hg.), " … ein Kind meiner Zeit, ein ächtes, bin ich…". Stand und Perspektiven der Forschung zu Fürst Pückler, Dokumentation einer interdisziplinären Tagung der Stiftung Fürst Pückler Museum - Park und Schloss Branitz, Cottbus/Branitz, 6.-7. November 2009, Wissenschaft Verlag Berlin 2010, S. 65-88 (Edition Branitz, Heft 6).

Michael Seiler, Fürst Hermann von Pückler-Muskau und Generaldirektor Peter Joseph Lenné - eine fruchtbringende Konkurrenz, in: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 111. Jg, Heft 1, 2015, Westkreuz-Druckerei KG Berlin Bonn, S. 462-478.

Parkomanie. Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler in Muskau, Babelsberg und Branitz, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Hg.), Prestel-Verlag München, London, New York 2016.

Katrin Schröder: Der "Zauberer" Pücklers Gartendienste für das preußische Prinzenpaar Wilhelm und Augusta in Babelsberg, in: Parkomanie, 2016.

Katrin Schröder, Park Babelsberg - Kleiner Führer durch den Park Babelsberg. SPSG (Hg), Deutscher Kunstverlag Berlin München 2017.

Dorothee von Hohenthal, Silke Hollender und Wilma Otte, Park Babelsberg - Für Kinder. Ein interaktiver Spaziergang durch den Park Babelsberg. SPSG (Hg), Deutscher Kunstverlag Berlin München 2017.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 04/2017 .

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