Kommentar

Rettet die Gärten!

von

Mechthild Klett, Redaktionsleitung von Stadt + Grün. Foto: Privat

Das Treffen der Vertreterinnen und Vertreter einiger deutscher Gartendenkmäler und Parkanlagen in Konstanz, sowie die Jahreshauptversammlung des Verbandes Botanischer Gärten in Dortmund im September 2022 waren Treffen der Krise: Sie haben Sorge, dass sie bei einer Gasmangellage als nicht geschützte Kunden ihre Anlagen schließen müssen und ein großer Verlust an Pflanzensammlungen die Folge wäre.

Bereits jetzt steigen die Ausgaben für die Bewirtschaftung der Gewächshäuser deutlich an, teilweise bis zum sechsfachen im Vergleich zu Preisen vor der Energiekrise. Eine Mehrbelastung die weder auf die Eintrittspreise umgelegt werden noch aus Rücklagen finanziert werden können, wobei nicht mal alle Parks überhaupt Eintrittspreise nehmen. Damit entsteht eine die denkmalgeschützten Parks und Gärten sowie die Botanischen Gärten existenzbedrohliche Lage.

Wirft die Energiekrise nun den Fortschritt der letzten Jahre, dass Grün immer mehr als systemrelevant erkannt wird, wieder über den Haufen? Wenn man sich das Ergebnis der Klimakonferenz in Ägypten anschaut, bei der beinahe das 1,5 Grad Ziel aufgehoben worden wäre, muss man die Fragen bejahen. Heißt das, dass es ohne Frieden und Ende der Energiekrise keinen Fortschritt beim Kampf gegen den Klimawandel gibt? Genau das darf nicht passieren! Und aus diesem Grund haben die Vertreterinnen und Vertreter der denkgeschützten Parkanlagen und der Botanischen Gärten einen Offenen Brief an die Politik verfasst, der unbedingt ernst genommen werden muss. Wenn nun an falscher Stelle gespart wird, gehen Pflanzenbestände und Gartenkultur verloren, die auf lange Sicht nicht mehr erneuert werden können. Die Kipppunkte sind hier sehr schnell überschritten.

Wir müssen umdenken: nicht, dass wir keine wertvollen Gärten mehr finanzieren können. Es sind grade die Schließungen, die wir uns nicht mehr leisten können - weder aus klimapolitischer aber auch aus bildungspolitischer Sicht!

Eintrittsgelder zu erheben, oder sie zu erhöhen wird jedoch auch nicht die Lösung sein. Denn angesichts stark steigender Preise und einer annähernd bei 10 Prozent liegenden Inflationsrate, werden in der Bevölkerung Kosten gespart und möglicherweise Besuche unterbleiben. Das aber würde die Existenz der Gärten noch mehr gefährden. Dann hätte die Politik erst Recht ein Argument auf die sinkende Relevanz der Gärten zu verweisen und Unterstützung zu verweigern. Mechthild Klett

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 12/2022 .

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