Revitalisierung eines architektonischen Gartens des frühen 20. Jh.

Der Hohenhof in Hagen/Westfalen

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Der Hohenhof in Hagen darf wohl zu den wichtigsten Zeugnissen der frühen Moderne in Westfalen gezählt werden. Neben der eigenen Villa mit großzügigem Garten hatte der bedeutende Mäzen und Kunstsammler Karl Ernst Osthaus die Vision, sein Anwesen ins Zentrum einer Siedlung nach den gestalterischen Idealvorstellungen des Werkbunds und der Lebensreformbewegung einzubetten.Geeignete Flächen für das Projekt einer Gartenstadtsiedlung fand er in dem Ortsteil Hohenhagen, wo in mehreren Bauabschnitten Villengrundstücke erschlossen und von Architekten der Zeit stattliche Wohnhäuser gebaut werden sollten.
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Abb. 1: Der Nordhof, Hauptzugang zum Hohenhof nach der Instandsetzung 2023. Foto: LWL – DLBW, Ch. Kreutchen

Den Masterplan für die städtebauliche Entwicklung der Gartenvorstadt Hohenhagen, sowie auch den Entwurf für den Hohenhof selbst lieferte der damals bereits angesehene, belgische Architekt Henry van de Velde. Mit ihm war Osthaus seit mehreren Jahren vertraut und ließ von dem avantgardistischen Baukünstler 1902 auch sein Folkwang Museum in Hagen errichten¹.

Neben van de Velde sollten mehrere, damals noch am Anfang ihrer Karriere stehende Architekten an dem städtebaulich-architektonisch wegweisenden Bauprojekt mitwirken. Unter Ihnen waren später international renommierte Planer wie Peter Behrens, Bruno Taut oder der Holländer Johannes Ludovicus Mathieu Lauweriks. Die Siedlung sollte nach Vorstellung Osthaus` zu einer elitären Kolonie für Künstler, Intellektuelle und gesellschaftlich reformorientierte Menschen der oberen Bürgerschicht werden, was für den Kulturraum Westfalen zu der Zeit kurz nach 1900 einzigartig war.

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Abb. 2: Blick von der südwestlichen Gebäudeecke über den Brunnenhof auf den Südgarten mit Skulptur der Sérénité von Aristide Maillol, im Hintergrund der raumbildende Blumenzaun, um 1913/14. Quelle: Fotoarchiv Marburg
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Abb. 3: Blick von Osthaus Arbeitszimmer in den Südgarten mit Sérénité, um 1913/14. Quelle: Fotoarchiv Marburg
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Abb. 4: Lageplan der Siedlung Hohenhagen, im Zentrum der Hohenhof. Umzeichnung nach dem Bebauungsplan van de Veldes und Peter Behrens, um 1907. Quelle: Stadt Hagen, Verf. unbekannt.

Osthaus beauftragte van de Velde 1906 mit der Gestaltung seiner Villa und des dazugehörenden etwa zwei Hektar großen Grundstücks. Für die Herrichtung der Bauflächen des Hohenhofs mussten erhebliche Erdbewegungen vorgenommen und sogar der Ölmühlenbach unterhalb des zukünftigen Gebäudes verrohrt werden.

Der Architekt sah Gebäude, Garten, Siedlungsraum und die umgebende Landschaft als eine konzeptionelle Einheit, wobei der Hohenhof nicht nur den gestalterischen und städtebaulichen Kern der Gartenstadt bildete, sondern auch durch seine Dimensionierung und architektonischen Präsenz der Rolle seines Besitzers Rechnung tragen sollte.

Den Garten gliederte van de Velde in mehrere, geometrisch gestaltete Einheiten, die um das Haupthaus herum "gleichberechtigt" angeordnet waren². Dabei spielte er bewusst mit der Topografie des Geländes, um spannungsvolle Effekte zu erzielen und verschiedene Raumfunktionen, respektive Gestaltungsinhalte zu inszenieren. Die formalarchitektonische Ausgestaltung des Villengartens spiegelte die Idee der Fortsetzung der Wohnräume des Hauses im Außenbereich wider.

Insbesondere die Betonung auf die dreidimensionale Ausgestaltung des Gartenraumes mittels Mauern, Treppen, Pergolen, Terrassen und anderer architektonischer Elemente war stilprägend für die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts. Diese neuartige Haltung in der Gartenkunst war in Deutschland erstmals 1904³ auf der Internationalen Kunstausstellung und großen Gartenbauausstellung Düsseldorf von einem größeren Publikum zu sehen und sollte zum Sinnbild des gestalterischen Paradigmenwechsel der sogenannten Reformgartenzeit und des Architektonischen Gartens werden4.

Neben van de Velde, der als Architekt den großen Gesamtentwurf mit Raumgliederung und Grundstruktur im Fokus hatte, jedoch nicht mit Pflanzenverwendung vertraut war, trat 1913 der Hamburger Gartenarchitekt Leberecht Migge auf den Plan. Dieser sollte insbesondere auf Wunsch von Getrud Osthaus5 den mit Pflanzaspekten sparsam ausgestatteten Garten mit Blütenpracht und Gehölzvielfalt anreichern.

Jedoch hatte Migge auch eigene Vorstellungen, wie der Garten grundsätzlich anzulegen sei. Im Ergebnis einer nicht konfliktfreien Dreierkonstellation aus Auftraggeber, Architekt und Gartenplaner entstand bis ca. 1914/156 ein Gartenkunstwerk, welches schließlich die Handschrift aller drei Beteiligten trug.

Dabei veränderte Migge insbesondere in den gebäudenahen Bereichen das Grundgerüst van de Veldes geringfügig ab und brachte zahlreiche Stauden, Blütensträucher, Obstbäume, Blumen und auch Rosen in den Garten ein. Einzig im sogenannten südlichen Waldgarten, ursprünglich als Grundstück für eine weitere, jedoch nicht realisierte Villa gedacht, konnte Migge völlig frei ohne die Einflussnahme van de Veldes agieren.

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Abb. 5: Der Blick in den Südgarten 2023. Heute erinnert eine Reliefplatte an das verlorene Kunstwerk am historischen Standort. Die Rasenparterres wurden nach dem Vorbild van de Veldes rekonstruiert. Im Hintergrund das 1971 translozierte Grabmal Osthaus` in der sogenannten Südachse. Foto: LWL – DLBW, Ch. Kreutchen
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Abb. 6: Wiederhergestellte Ostterrasse mit Parterre und rekonstruierter Rundbank nach dem Entwurf van de Veldes. Im Hintergrund befindet sich der Anger mit Blickbeziehungen in den geplanten, jedoch nicht umgesetzten östlichen Siedlungsbereich. Foto: LWL – DLBW, M. Weiß

Die Zeit nach Karl Ernst Osthaus

Die Blütezeit des Hohenhofs endete mit dem Tod von Karl Ernst Osthaus 1921 schon nach wenigen Jahren. Im Jahr 1927 verkaufte die Familie den herrschaftlichen Wohnsitz samt Villengrundstück an die Stadt Hagen, woraufhin eingreifende Veränderungen und Verluste an der historischen Bausubstanz und der wertvollen Kunstausstattung die folgenden Jahrzehnte prägte.

Da eine öffentliche Nutzung des großen Gebäudes für die Stadt Hagen alternativlos schien, wurde es über 50 Jahre mehrfach den sich wechselnden Bedürfnissen unterschiedlicher Funktionen angepasst. Neben einer Frauenklinik und später einer pädagogischen Bildungseinrichtung in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts war wohl die Nutzung als Gauverwalterschule und Lazarett im dritten Reich das dunkelste Kapitel des bedeutenden Hagener Bauwerks.

Ab den späten 1970er Jahren begannen Restaurierungsarbeiten am und im Gebäude des Hohenhofs und damit auch die Wiederherstellung der wertvollen Innenausstattung mit Möbeln, Wandverkleidungen und Kunstwerken7. Vereinzelte Instandsetzungsmaßnahmen im Garten fanden ebenso statt. 1985 vollzog die Verwaltung die Eintragung von Haus und Garten in die Denkmalliste der Stadt Hagen.

Nach dem Verkauf des Hohenhofs an die Stadt wurde die Gartenanlage immer weiter vereinfacht und zum Teil überformt. Viele bauzeitliche Ausstattungselemente und die pflanzliche Vielfalt gingen verloren, die Pflege wurde auf ein Minimum reduziert. Zu den größten Veränderungen gehört zum einen der Bau von vier Seminarpavillons der pädagogischen Hochschule Dortmund im Westgarten, der mit einer vollständigen Zerstörung der früheren Terrassenanlagen einherging.

Zum anderen zerschnitt der Bau der Autobahn A45 in den 1960er Jahren den sogenannten Anger östlich des Gebäudes. Dieser sanft modellierte, großzügige Wiesenraum sollte als Bindeglied zwischen dem Hohenhof im Zentrum und dem östlichen Bereich der Gartenstadtsiedlung fungieren8. Die grundlegenden Raumstrukturen und die Binnengliederung im Garten – wie von van de Velde erdacht – blieben über die Jahre jedoch bestehen.

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Abb. 7: Die Buddhagrube im südlichen Waldgarten vor der Restaurierung 2021. . . Foto: LWL – DLBW, M. Weiß
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Abb. 8: . . . und nach der Restaurierung 2024. Im Bereich des südlichen Waldgartens wurden die umlaufenden Wege und Treppenanlagen originalgetreu wiederhergestellt, sowie zahlreiche Rhododendren und Birken nach dem Plan Migges gepflanzt. Foto: LWL – DLBW, M. Weiß
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Abb. 9: Blick von der Bastion in die wiederhergestellte Ost-West-Achse und auf den Hohenhof über den von Jahrzehnte altem Wildwuchs befreiten Anger, 2024. Foto: LWL – DLBW, M. Weiß
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Abb. 10: Der Westgarten mit Terrassenanlage und Rotdornallee, Blick zum Hohenhof, um 1913/14. Quelle: Fotoarchiv Marburg

Bauhausjahr und IGA als Chance für die Wiederherstellung des Gartens

Nach ersten Bestandserfassungen und Wiederherstellungsüberlegungen der Stadt in den 1980er Jahren gelang es 2018, ein wissenschaftlich fundiertes, gartendenkmalpflegerisches Entwicklungskonzept erstellen zu lassen9. Dieses setzte sich intensiv mit der Genese der Gartenanlage auseinander, bewertete den überkommenen Bestand und definierte Leitlinien für eine denkmalgerechte Wiederherstellung der bedeutenden Gartenanlage. In Vorbereitung auf das Bauhausjahr 2019 wurden bereits erste Maßnahmen aus dem Konzept umgesetzt10.

In der Folgezeit bemühte sich die Stadt intensiv um Finanzierungsmöglichkeiten für umfassende Restaurierungsmaßnahmen gemäß der erarbeiteten Leitlinien. Der Zuschlag für eine Beteiligung an der Internationalen Gartenausstellung Metropole Ruhr (IGA 2027) gab in Politik und Gesellschaft nochmals den Anlass, sich verstärkt für die Revitalisierung des wichtigen Gartendenkmals einzusetzen.

"Mit Förderzusagen des Landes NRW und der europäischen Union im Rahmen der Richtlinie REACT EU Förderprogramm Grüne Infrastruktur und unter Einsatz von Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro. . . "¹¹ waren die Finanzierungen für eine umfassende Restaurierung des Gartenkunstwerkes gesichert. Den Planungsauftrag bekam ein Landschaftsarchitekturbüro aus Bielefeld, welches im Januar 2021 die Arbeit aufnahm.

Für die erfolgreiche Realisierung des Projektes waren nicht nur Inhalte aus dem Parkentwicklungskonzept 1:1 umzusetzen, sondern auch unterschiedliche Belange öffentlicher Träger zu berücksichtigen. So galt es, entsprechende Bestimmungen aus dem Gesetz zum Schutz der Natur in NRW (LNatSchG) oder aber dem Landesforstgesetz NRW (LFoG) bei den Planungen zu beachten und entsprechende Kompromisse zu finden.¹² Darüber hinaus standen gemäß den Rahmenbedingungen der EU-Förderkulisse die Steigerung der Resilienzen gegenüber klimawandelbedingten Schäden sowie der Einsatz von gebietsheimischen Wildpflanzungen zur Steigerung der Biodiversität auf der Agenda.

Denkmalfachliche Zielstellung

Eine weitere, zentrale Fragestellung bestand in der Definition des Zielzustandes der zu rekonstruierenden Gartenpartien. Da die Anlage unter Karl Ernst Osthaus innerhalb weniger Jahre durch zwei bedeutende Gartenkünstler mit teilweise unterschiedlichen Gestaltungsvorstellungen geprägt wurde, kamen hier verschiedene Lösungsszenarien für die Revitalisierung in Frage.

Mithilfe der LWL-Archäologie für Westfalen wurden zunächst gartenarchäologische Grabungen vorgenommen, durch welche Unklarheiten in der Genese der Anlage und bezüglich gestalterischer Details ausgeräumt werden konnten. Der Wiederherstellungsentwurf, welcher auf Grundlage der Grabungsergebnisse sowie der zuvor erarbeiteten Leitlinien des Parkentwicklungskonzeptes erstellt wurde, sah schließlich ein differenziertes Vorgehen für die Umsetzung vor: in den hausnahen Bereichen sollten die Grundstrukturen sowie die Flächengliederungen gemäß der Planung van de Veldes wieder herausgearbeitet und – wo möglich – auch vegetative Ergänzungen Migges reaktiviert werden.

In den Bereichen der südlichen Waldpartien wurden die Entwurfsideen Migges wieder sichtbar gemacht. Mit diesem Konzept konnte den gartenkünstlerischen Leistungen beider Planer Rechnung getragen werden, ohne die für das Gesamtverständnis des Hohenhofs so wichtigen Blickbeziehungen und Raumstrukturen infrage zu stellen. Dieses Vorgehen stand auch im Einklang mit dem musealen Gesamtkonzept des Hohenhofs als Vermittlungsort des Hagener Impulses, der das Gesamtkunstwerk mit seiner architektur- und kunstgeschichtlichen Bedeutung des frühen 20. Jahrhunderts präsentiert.

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Abb. 11: Baustelle mit Wiederherstellung der Terrassen im Westgarten, Spätsommer 2022. Foto: LWL – DLBW, M. Weiß
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Abb. 12: Der frisch wiederhergestellte Westgarten 2023 mit Terrassenmauern und wieder aufgepflanzter Rotdornallee. Bei der Wiederherstellung des Natursteinmauerwerks wurde aus ökologischen Gründen bewusst auf eine Verfugung verzichtet. Foto: LWL – DLBW, Ch. Kreutchen

Praktische Herausforderungen und Umsetzung des Projekts

Für die Verausgabung der vorhandenen Fördermittel und damit der Umsetzung der Gesamtmaßnahme stand lediglich ein knappes Zeitbudget von gut einem Jahr zur Verfügung. Zudem waren die Einschränkungen durch die Corona-Krise sowie enorme, kriegsbedingte Preissteigerungen¹³ im Baugewerbe eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) übernahm in dem Projekt die Bauleitung, das verpflichtete Landschaftsarchitekturbüro übernahm die Ausführungsplanung, Ausschreibung und Vergabe.

Trotz der schwierigen Situation am Markt gelang es, ein qualifiziertes und erfahrenes Gartenlandschaftsbauunternehmen für Wiederherstellung des Gartens zu gewinnen. Für einen möglichst reibungslosen Bauablauf und die denkmalgerechte Umsetzung der Maßnahme wurde ein Gremium mit allen beteiligten Akteuren gebildet, welches sich regelmäßig austauschte und Baustellenbegehungen durchführte. Auch das Interesse der Öffentlichkeit an dem Vorhaben war groß, was sich insbesondere – wie so oft – beim Thema Baumfällungen zeigte.

Der Großteil der Umsetzungsarbeiten konzentrierte sich auf den Westgarten, sowie den östlichen und südlichen Terrassengarten. In diesen Bereichen waren die Strukturen am stärksten verändert und mussten teilweise neu errichtet werden. Für die Wiederherstellung des Westgartens wurde das Gelände nach historischem Vorbild neu terrassiert und die Bruchsteinmauern aus Basalt wiederaufgebaut. Der gepflasterte und von einer Rotdornallee gesäumte Mittelweg wurde inklusive dem bauzeitlichen Gartenzugang wieder angelegt, sowie zahlreiche Obst- und Strauchgehölze gepflanzt.

Der Bereich mit dem gebäudenahen Ost- und Südgarten wurde ebenso nach historischem Vorbild insbesondere den Plänen van de Veldes wieder herausgearbeitet und neu bepflanzt. Besonders wichtige Elemente waren dabei die für das Raumverständnis des Hohenhofs so wichtigen Rasenparterres, welche die Anlage gliedern und wichtige Bezüge einerseits zum Gebäude sowie andererseits zur umgebenden Siedlungslandschaft herstellen. Mit der Wiederaufstellung des markanten Blumenzaunes sowie einer stilisierten Neuinterpretation der berühmten Marmorskulptur Sérénité von Aristide Maillol konnte der Südgarten wieder wie zu Zeiten Osthaus` präsentiert werden.

Im Anger und im südlichen Waldgarten wurden die Ideen Leberecht Migges, vor allem seine Pflanzplanungen, zu wesentlichen Teilen revitalisiert. Zudem bot sich hier durch den naturnahen Gestaltungscharakter die Möglichkeit, naturschutzfachliche Inhalte aus dem Förderprogramm REACT gut in die Planung zu implementieren und darüber hinaus auch den Anforderungen an eine klimaresiliente Planung gerecht zu werden. So konnte auf dem Anger jahrzehntealter Wildwuchs beseitigt und damit wichtige Blickbeziehungen wiedergewonnen werden.

Gleichermaßen gelang es, durch die Einsaat einer gebietsheimischen Wiesenmischung ökologische Ziele in die Restaurierung einzubringen. Mit der behutsamen Restaurierung der sogenannten Buddhagrube im südlichen Waldgarten wurde eine weitere Perle im Garten des Hohenhofs wieder dem Publikum zugängig gemacht. Die von Migge entworfene Kleinarchitektur spielt auf die Asienleidenschaft in der Kunst des beginnenden 20. Jahrhundert an und verweist insbesondere auf die Affinität Osthaus` zur Japanischen Kultur.

Die umfassende Wiederherstellung des Gartens am Hohenhof stellt einen Meilenstein in der knapp 120-jährigen Geschichte der Anlage dar und heilt viele der über die Jahre entstandene Wunden. Mit den Restaurierungsarbeiten konnte an das von Karl Ernst Osthaus ganz wesentlich mitgeprägte und bis zu seinem Tod 1927 bare Erscheinungsbild des Gartens angeknüpft werden. Mit einem minimalen Zeitverzug wurde der Garten des Hohenhofs im April 2022 feierlich eingeweiht und wieder der Öffentlichkeit zugängig gemacht.

Literatur

  • Eickhoff K. (1987): Die Villa Hohenhof in der Gartenvorstadt Hohenhagen (Hagen, Westf.): Geschichte, Zustand, Restaurierungskonzept. Diplomarbeit, Leibnitz- Universität Hannover. Unveröffentlicht.
  • Hesse-Frielinghaus H., et. al. (1971): Karl Ernst Osthaus. Leben und Werk. Verlag Aurel Bongers. Recklinghausen.
  • LWL – DLBW (1985/2012): Denkmaldatenbank KLARA-Delos. Denkmalliste der Stadt Hagen, Eintragungsbescheid vom 7.10.1985, Fortschreibung vom 19.1.2012. unveröffentlicht.
  • LWL – DLBW: Garten am Hohenhof, Objektakte. unveröffentlicht.
  • Osthaus K. E. (1920/1984): Henry van de Velde. Leben und Schaffen des Künstlers. Hagen. Reprint Berlin 1984.
  • Roth S. (2024): Historische Gärten in der Metropole Ruhr. In: Garten und Landschaft, Heft 11/2024. Callwey Verlag, München.
  • Schulte B. (1992): Henry van de Velde in Hagen. Neuer Folkwang Verlag im Karl Ernst Osthaus-Museum. Hagen.
  • van de Velde, H. (1962): Geschichte meines Lebens. R. Piper &Co. Verlag. München.
  • van Haaren, B., Welzel, B. (2011): Kunst und Wissenschaft vor Ort: De Hohenhof in Hagen. Books on Demand. Norderstedt.
  • Weisser S. (2018): Der Garten am Hohenhof in Hagen – Gartendenkmalpflegerische Entwicklungskonzeption. LWL-DLBW 2018, unveröffentlicht.
  • Weisser S. (2019): Stadt Hagen – Garten am Hohenhof: Auswertung Gartenarchäologischer Untersuchungen der LWL-Archäologie – Außenstelle Olpe 2019. LWL – DLBW 2019, unveröffentlicht.

Anmerkungen

¹ Das international angesehene Folkwang Museum befindet sich heute in Essen und geht auf die Gründung durch Karl Ernst Osthaus in Hagen zurück. Das Gebäude van de Veldes in Hagen beherbergt gegenwärtig das Osthaus Museum.

² Die Orientierung der geometrischen Räume innerhalb des Gartens folgte bewusst additiven Anordnungsmustern, im Gegensatz zu ebenso formalen aber streng hierarchischen Prinzipien, etwa des 17. und 18. Jahrhunderts. Damit wurde in der Baukunst um 1900 ein Stil etabliert, welcher sich mit dem Bauhaus noch weiter von den tradierten Formen der autoritären Kaiserzeit entfernte. . .

³ . . . und damit gerade einmal zwei Jahre vor den ersten Entwürfen zum Hohenhof.

4 Vgl. Entwurf von Peter Behrens für die Gartenanlage und das Restaurant "Jungbrunnen" für die Ausstellung in Düsseldorf.

5 Ehefrau von Karl Ernst Osthaus.

6 Finale Fertigstellung nach Ergänzungen L. Migges nicht exakt datierbar.

7 31.3.1977 Beschluss des Stadtrats zur Restaurierung des Hohenhofs nach Auszug der pädagogischen Hochschule.

8 Der südliche und östliche Teil der geplanten Siedlung, wie ihn van de Velde auf seinem städtebaulichen Entwurf dargestellte, wurde nicht realisiert.

9 Erarbeitet von Susanne Weisser Landschaftsarchitekten, Wuppertal.

10 Dafür wurden der historische Senkgarten mit Brunnen restauriert und neu bepflanzt sowie der gestaltungsprägende Blumenzaun im Südgarten rekonstruiert.

¹¹ Roth S.: Historische Gärten in der Metropole Ruhr. In: Garten und Landschaft, Heft 11/2024. Callwey Verlag, München 2024.

¹² Teilflächen des Hohenhof sind neben der Denkmaleigenschaft als geschützter Landschaftsbestandteil gem. LNatSchG ausgewiesen oder gelten dem LFoG nach als Wald.

¹³ Beginn des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine am 24.2.2022 mit entsprechenden, europaweiten Folgen für die Wirtschaft.

Dipl.-Ing. Marcus Weiß
Autor

Wissenschaftlicher Referent der Gartendenkmalpflege beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)

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