Der Wandel eines Wiener Familienbetriebs im 19. Jahrhundert

Rosenthal: Handelsgärtnerei - Baumschule – Stadtgrün

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Abb. 1: Rosenthal'sche Gründe im 3. Wiener Gemeindebezirk. Planzeichnung des Wiener Stadtbauamts vom Jänner 1890 (Wiener Stadt- und Landesarchiv). Foto: Christian Hlavac

Es erstaunt immer wieder, wie wenig wir heute über Firmen aus der "Grünen Branche" wissen, die im 19. Jahrhundert im ganzen deutschsprachigen Raum einen "Namen hatten" und darüber hinaus auch in fremdsprachigen Gebieten ihre Dienstleistungen anboten. Zu diesen gehört die Gärtnerfamilie Rosenthal, die ziemlich genau ein ganzes Jahrhundert in Wien ansässig war, deren Baumschule im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts als größte der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie galt und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die großen Stadtplanungsprojekte eingebunden war.

Der "Gründer" der Gärtnerfamilie begann als herrschaftlicher Gärtner und baute später eine Handelsgärtnerei auf. Sein Enkel war nicht nur Baumschulinhaber und anerkannter Pomologe, sondern auch in der städtischen Grünraumplanung in Theorie und Praxis tätig.

Bei der Erforschung der Familien- und Firmengeschichte stehen zwei Hindernisse im Weg: Erstens hat sich kein Firmenarchiv erhalten, zweitens werden - auch heute noch - in der raren Sekundärliteratur über die Familienmitglieder deren Lebensdaten, Vornamen und Tätigkeiten fast immer durcheinandergebracht. Dies hat vor allem damit zu tun, dass die Namen der drei männlichen Familienmitglieder meist mit dem späteren Firmennamen "A. C. Rosenthal" gleichgesetzt wurden.

Von Kurhessen nach Wien

Der Begründer der Gärtnerei (und späteren Baumschule) Rosenthal namens Johann Konrad Rosenthal wurde 1768/1769 in Philippsthal an der Werra im damaligen Kurhessen als Sohn eines protestantischen Wirtsehepaares geboren. Als er im Dezember 1843 auf der Landstraße (heute Teil des 3. Wiener Gemeindebezirks) starb, wird er im Sterbebuch der katholischen Pfarre Maria Geburt als "bürgerlicher Kunst- und Handelsgärtner" geführt.

Wann Johann Konrad Rosenthal von Kurhessen nach Wien übersiedelt war und welche Ausbildung er vor oder nach der Übersiedelung durchlaufen hat, ist bis dato unbekannt. Jedenfalls heiratete er im Jahr 1798 in einem Wiener Vorort als "herrschaftlicher Gärtner" eine Gärtnerstochter. Die Firma Rosenthal gab in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Inseraten und auf Drucksachen immer an, dass Johann Konrad im Jahre 1800 seine eigene Gärtnerei auf der Landstraße gegründet habe. Diese Angabe ist kritisch zu hinterfragen, da Rosenthal nachweislich noch bis in die 1810er Jahre als herrschaftlicher - und somit angestellter - Gärtner tätig war und kaum nebenbei eine eigenständige Gärtnerei aufgebaut haben wird.

So können wir ihn 1804 als herrschaftlichen Gärtner im Gartenpalais Althan (heute 9. Bezirk) nachweisen. 1812 war er Hofgärtner beim Grafen (ab 1815 Fürsten) Andrej Kirillovic? Razumovskij (1752-1836), dem russischen Gesandten in Wien. Dass die Gestaltung des Garten Razumovskijs bei dessen Palais in der Landstraße (heute 3. Bezirk) auf Rosenthal zurückgeht, haben bereits die Zeitgenossen festgehalten. Neben seiner Tätigkeit als Razumovskij'scher Gärtner war Rosenthal auch für andere Personen tätig, wie das Beispiel des großen Gartens des Bankiers Johann Heinrich Geymüller (1754-1824) in Pötzleinsdorf (heute 18. Bezirk), der ab 1799 entstand, zeigt.

Abb. 2: Pötzleinsdorfer Schlosspark. Foto: Christian Hlavac (2020)

Es könnte das Jahr 1808 gewesen sein, in dem Rosenthal Grundstücke im heutigen 3. Wiener Gemeindebezirk erwarb und darauf ein Wohnhaus an der heutigen "Landstraßer Hauptstraße" errichten ließ. Ob Rosenthal zu diesem Zeitpunkt schon eigenständig eine Gärtnerei auf diesem Areal führte? Warum wird Rosenthal Ende 1812 in einer Kirchenmatrikel jedoch noch als "Hofgärtner bey Titl Hl. Grafen Rasumovsky" bezeichnet?

Jedenfalls war Johann Konrad Rosenthal nach seinen Anstellungen als herrschaftlicher Gärtner spätestens ab den 1820er-Jahren nicht nur als Handelsgärtner und Baumschulist, sondern auch als eigenständiger Gartengestalter tätig. Nachweislich stammt der Entwurf für den "englischen Garten" rund um das Schloss in Liesing (heute 23. Bezirk) von ihm.

Handelsgärtnerei

In den 1820er-Jahren war Johann Konrad Rosenthal auch in Fachkreisen schon als Handelsgärtner bekannt. So erwähnt der nachmalige preußische Hofgärtner der Berliner Pfaueninsel Gustav Adolph Fintelmann (1803-1871), der im Rahmen eines dreijährigen königlichen Reisestipendiums im Jahr 1825 fünf Monate in Wien verbrachte, in seinem Bericht unter dem Titel "Bemerkungen über die Gärten um Wien" auch Rosenthal. Nach Fintelmanns Ansicht haben die "Herren Angelotte [= Angelotti] und Rosenthal" den "bedeutendsten Blumenhandel" in Wien. Er notierte: "Bei Rosenthal [. . . ] alles in Lohbeeten und in kleinen Häusern oder Kästen, in denen Luft gegeben, und auch geheitzt werden kann, wenn dies der Kälte oder der Sonne wegen nothwendig wird." Gustav Adolph Fintelmann listet danach in seinem Bericht jene Blumenzwiebel auf, die bei Rosenthal "im vergangenen Winter getrieben" wurden. Es finden sich darunter verschiedenfarbige, einfache und gefüllte Hyazinthen, gefüllte Narzissen und Tulpen.

Dass bereits Johann Konrad Rosenthal als Lieferant von Bäumen und Sträuchern weit über das Wiener Umfeld hinaus bekannt war, zeigt das Jahr 1817, in dem er Dutzende Bäume und Sträucher nach Kärnten schickte, die dort im Landschaftsgarten des Schlosses Damtschach eingepflanzt wurden. Die Lieferliste umfasst unter anderem zwei Bergahorne, 15 Eschenahorne, sechs Mandelbäume, vier Trompetenbäume, acht Gleditschien, eine Geschlitztblättrige Kastanie, einen Tulpenbaum und 80 Pyramidenpappeln. In Summe waren es 180 Spezies. Rosenthals Gärtnereibetrieb auf der Landstraße umfasste für die damalige Zeit eine relativ große Fläche von rund 4 Hektar, die heute durch die Landstraßer Hauptstraße, die Petrusgasse, die Baumgasse und Keinergasse umfasst wird.

Blumenladen in der Stadt

In einem Inserat in der "Wiener Zeitung" unter dem Titel "Blumen-Verkaufsanstalt" machte Johann Konrad Rosenthal 1822 eine Neuerung kund: "Der Unterzeichnete hat von der Allerhöchsten Gnade Sr. Majestät des Kaisers zur Ausführung seines Allerhöchstdemselben vorgelegten Antrages, an der Augustiner Hofkirche ein zur Verschönerung des dortigen Locales beytragendes Gebäude auf seine Kosten herzustellen, und zu einer Blumen-Verkaufsanstalt zu benutzen, die Allerhöchste Bewilligung erhalten." Er zeige nun an, "daß der Blumen-Verkauf alldort seinen Anfang genommen habe, und daß täglich daselbst Bestellungen auf monathweise, 4tägige und wochentliche Blumenlieferungen zur Besetzung der Blumentische und Alltanen [sic!], zu Decorirungen von Vasen, Zimmern, Tafeln etc. angenommen, und diese sowohl wie auch Bouquets, um die billigsten Preise geliefert werden [. . . ]." Rosenthal verkaufte in diesem Laden auch Vasen aus Porzellan und Glas, Gartentöpfe und Blumenzwiebel (Hyazinthen, Narzissen, Tulpen etc.). Er schreibt im Inserat auch, dass er sich bis dato mit der Kultur von Obstbäumen, exotischer Bäume und Sträuchern beschäftigt habe. Hier wird die berufliche Erweiterung durch einen neuen "Erwerbszweig" deutlich ausgedrückt.

Das Ansuchen Rosenthals, zwischen den Strebepfeilern der nahe der Wiener Hofburg befindlichen Augustinerkirche "eine gemauerte Pflanzen- und Blumenverkaufshütte errichten zu dürfen", stammt aus 1820. Rosenthal wollte - das Argument unterstützte sein legitimes kaufmännisches Vorhaben - "zu der seit einigen Jahren mit so ausgedehnter Sorgfalt erzweckten vor dem Publikum und allen Freunden anerkannten Verschönerung eines Teiles der Stadt Wien" beitragen und dem "schon so oft besprochenen Mangel des Verkaufes der Blumen in der Stadt selbst abhelfen." Ende November 1820 gestattete Kaiser Franz I. die Errichtung des Ladens zum Blumenverkauf.

Abb. 3: An der Augustinerkirche befand sich einst der Blumenladen Rosenthals. Foto: Christian Hlavac (2022)

Zwei Monate nach Erscheinen des Inserats erschien ein anonym verfasster, relativ ausführlicher Beitrag über diese neue, gemauerte Blumenhütte:

"Wien, das in seiner Verschönerung Riesenschritte macht, erfreut sich nun auch, wenn gerade nicht wie in Paris eines Blumenmarktes, doch einer Blumen-Verkaufsanstalt, deren Begründung hier um so mehr eine ehrenvolle Erwähnung verdient, als es schon lange der laut ausgesprochenen Wunsch der zahlreichen Schönen unserer herrlichen Kaiserstaat, und aller hiesigen Blumenfreunde war, nicht bloß Blumen bey den hier einzeln zerstreuten Blumen-Verkäufern zu finden, sondern ein bedeutendes Locale hierzu vorgerichtet zu sehen, wo jedem [sic!] Morgen die schönsten Kinder der immer sich verjüngernden Flora; mögen sie nun hier im Freyen oder in Glashäusern ins Leben getreten seyn, zur beliebigen Auswahl zum Kaufe angebothen werden. [. . . ] Einer vorzugsweisen Erwähnung verdient es auch, daß jene, die ihre Zimmer gerne mit frischen Blumen schmücken, hier täglich Bestellung auf derley Blumen-Lieferungen machen können [. . . ]. In der Folge wird er nebst den Blumen auch Obstbäumchen in Gartentöpfen aus seiner ästhetischen Baumschule (Obst am Stamme) hier zum Kaufe ausstellen."

Im Laufe der Jahre wurde in Publikationen immer wieder auf diesen Blumenladen hingewiesen. Den letzten Hinweis finden wir in einem Inserat aus dem Jahre 1848, in dem auf das "Rosenthal'sche Blumen-Gebäude" bei der Augustinerkirche hingewiesen wird. Frühstens im Jahr 1871 wurde das Rosenthal'sche Lokal geschlossen. Wann die noch heute bestehenden Läden zwischen den Strebepfeilern der Kirche errichtet wurden, ist noch nicht geklärt.

Der Blumenladen von Rosenthal war nicht der erste seiner Art in der ummauerten Stadt Wien. So lässt sich für Ende 1796 ein Blumenladen an der Schottenkirche nachweisen: Der Matzleinsdorfer Kunstgärtner Franz Xaver Bees (1763/1764-1811) inserierte damals, dass in seinem "Blumenhaus" an der Schottenkirche verschiedene Blumenzwiebel zu verkaufen seien. Dort bot er auch Blumen- und Gemüsesamen aus eigenem Anbau an. Die "Samen- und Blumenverschleißhütte" an der Schottenkirche bestand zumindest bis zum Tod Bees' im Jahr 1811. Eine noch früher gegründete Blumen- und Samenhandlung gab es in der Stadt spätestens ab 1791 in einem Gewölbe am Neuen Markt neben dem Kapuzinerkloster. Der Gumpendorfer Lust-, Zier- und Handelsgärtner Johann Podleßny brachte 1800 eigens ein Verzeichnis jener holländischen Blumenzwiebelsorten heraus, welche zum "Treiben, und im Winter an den Zimmerfenstern blühen zu lassen, als der anmuthigste Blumenschmuck gebraucht werden" und bei ihm erhältlich seien.

Ab den 1820er Jahren gab es in der Stadt mehrere Geschäfte, die explizit als Blumenladen bezeichnet wurden. Bekannt war vor allem das Blumengewölbe am Franziskanerplatz, das der bürgerliche Gärtner Joseph Held (um 1785-1844) im Jahr 1824 eröffnet hatte. In einem Inserat ließ er wissen, dass man dort "mit allen Gattungen lebender Blumenstöcke, zur Garnirung der Fenster, Blumentische, dann zur Zierde der Gärten, so wie auch Blumen-Bouqueten, auf das Billigste bedient werden kann."

Zweite Generation Rosenthal

Spätestens mit dem Tod von Johann Konrad im Jahr 1843 übernahm sein Sohn Conrad Adam Rosenthal (1812-1859) den Betrieb.

Sein Leben endete früh und tragisch: Er kam nämlich mit nur 38 Jahren bei einer Treibjagd ums Leben. Nach diesem überraschenden Tod wurde der Betrieb von einer Erbengemeinschaft geführt; daher taucht in verschiedenen Meldungen und Publikationen der Name "A. C. Rosenthal's Erben" auf. Faktisch dürfte die Witwe Rosenthals mit Unterstützung ihres Obergärtners Alois Hengl den Betrieb auf der Landstraße weitergeführt haben. Alois Hengl war 1860/1861 beauftragt worden, die Planung der ersten von der Kommune finanzierten öffentlichen Grünanlage in Wien zu übernehmen: den längst nicht mehr existierenden Quai-Park entlang des rechten Donaukanalufers zwischen der heutigen Augartenbrücke und dem Morzinplatz. Aus "seinem" Betrieb wurden fast 3000 Exemplare an Bäumen und Sträuchern für diese Grünfläche geliefert. Dieser wurde in jener Zeit unter der Bezeichnung "A. C. Rosenthal's Erben" als wirkliches Mitglied in der k. k. Gartenbaugesellschaft geführt. Erst im Jahr 1872 übernahm der Sohn Conrad Bernhard Rosenthal (1848-1899) den Betrieb.

Abb. 4: Der Quai-Park, Postkarte, 1907 gestempelt. Sammlung Christian Hlavac.

Abb. 5: Conrad Adam Rosenthal (1812–1859), Portrait, Lithographie von Josef Kriehuber, 1860. Foto: Wikimedia, gemeinfrei

Abb. 6: Conrad Bernhard Rosenthal (1848–1899), Portraitzeichnung, aus: Wiener Landwirtschaftliche Zeitung 9. Dezember 1882. Repro: Christian Hlavac

Abb. 7: Ausschnitt aus "Plan-Skizze zu einer Garten-Anlage auf Schloss Nieder-Fellabrunn des Herrn J. v. Himmelbauer" (Privatbesitz). Repro: Christian Hlavac

Dritte und letzte Generation Rosenthal

Im Oktober 1848 wurde in Kaiserebersdorf Conrad Bernhard Johann Rosenthal als Sohn von Conrad Adam geboren, wobei er selbst meist nur den Vornamen Conrad verwendete; viele Außenstehende nannten ihn hingegen Johann Conrad Rosenthal.

Er verbrachte seine Lehrzeit von 1863/1864 bis 1866 bei der Königlichen Hofsamenhandlung und Baumschule J. L. Schiebler & Sohn in Celle. 1866/1867 war er Gehilfe bei Louis van Houtte in Gent. Danach besuchte Rosenthal 1867/1868 die Gärtnerlehranstalt in Potsdam-Wildpark. Anschließend ging es nach Metz, Paris und Versailles. 1870/1871 war Conrad Bernhard in Edinburgh, in Kew Garden und in Hampton Court tätig. 1872 übernahm er - wie schon erwähnt - den Familienbetrieb auf der Landstraße von seiner Mutter.

Conrad Bernhard Rosenthal vergrößerte den Betrieb und baute ihn zu einer der größten Handelsgärtnereien und Baumschulen Mitteleuropas aus. Am 25. Jänner 1876 wurde der Firmennamen "A. C. Rosenthal" in das Handelsregister eingetragen. Als Ort der Hauptniederlassung war Wien angegeben, als Inhaber der Firma interessanterweise "Adam Conrad Rosenthal, Kunst- und Handelsgärtner in Wien". 1888 wechselte der Firmensitz in die Baumschule in Albern an der heutigen Grenze zwischen Wien (11. Bezirk) und Schwechat (Niederösterreich). Die Baumschulflächen in Albern dürften spätestens 1863 angelegt worden sein, denn in "Lehmanns Wohnungs-Anzeiger" taucht Rosenthal mit einer Baumschule in Albern erstmals 1864 (Stand 1863) auf.

Verwirrung löst die Tatsache aus, dass die Person Conrad Bernhard Rosenthal in seinen Katalogen und Inseraten immer als "A. C. Rosenthal" geführt wurde, also mit dem offiziellen Firmennamen. Sein tatsächlicher Name rückte in der Außenwahrnehmung in den Hintergrund.

Conrad Bernhard Rosenthal war in zahlreichen Gartenbauvereinen aktiv tätig, so als langjähriges Mitglied und ab 1873 über längere Zeit auch als Verwaltungsrat der k. k. Gartenbaugesellschaft in Wien. Bei der Anfang 1894 erfolgten Konstituierung des österreichischen Gärtnerverbandes, in dem Handelsgärtner und gelernte angestellte Gärtner organisiert waren, wurde er zum Präsidenten gewählt. In welchen in- und ausländischen Vereinen er aktiv war, zeigt das Impressum des "Pomologischen Handbuch für Nieder-Österreich", welches er für den niederösterreichischen Landes-Obstbau-Verein in Wien zusammengestellt hatte. Demnach war er - mit Stand 1892 - Mitglied des Vereines der Gärtner und Gartenfreunde in Mödling (Niederösterreich), korrespondierendes Mitglied der königlich schwedischen Gartenbau-Gesellschaft in Stockholm, korrespondierendes Mitglied des Großherzoglichen Gartenbau-Vereines in Oldenburg, Ausschussrat des niederösterreichischen Landes-Obstbau-Vereines in Wien, Mitglied des Vereines der Gärtner und Gartenfreunde in Hietzing (Wien), Mitglied des Deutschen Pomologen-Vereines in Berlin und Mitglied des Vereines der Gartenkünstler Deutschlands in Berlin.

Ab spätestens den 1880er Jahren muss es in der Firma Rosenthal eine eigene (kleine) Abteilung für Gartengestaltung gegeben haben. Von dieser stammt erstens die Planung der Gartenfläche der k. k. Sternwarte in Währing (heute Wien, 18. Bezirk), deren Umsetzung 1883 erfolgte. Zweitens existiert ein Plan aus dem Jahr 1891 für den Garten des niederösterreichischen Schlosses Niederfellabrunn, wobei unklar ist, ob Teile dieser Planung tatsächlich umgesetzt wurden. Die "Unterschrift" am Plan zeigt das bereits erwähnte Dilemma: Ist diese die Unterschrift von Conrad Rosenthal oder nur eine Art Paraphe - sozusagen der Stempel - der Firma "A. C. Rosenthal"?

Die Baumschulen Rosenthal

Noch bis Ende des 18. Jahrhunderts gab es im Großraum Wien kaum Möglichkeiten, heimische und exotische Bäume (vor allem aus Nordamerika) in ausreichender Quantität und Qualität zu kaufen. Wenn, dann musste man diese über ausländische Baumschulen, die auch als Importeur arbeiteten, beziehen. Zu jener Zeit dürfte es - nach derzeitigem Wissensstand - nur eine Baumschule im heutigen Gemeindegebiet von Wien gegeben haben: Um 1780 erhielt Johann Kraft unter der Regierung von Kaiser Joseph II. die Genehmigung für die Errichtung einer privat geführten Obstbaumschule in Währing (heute Wien, 18. Bezirk), die in den 1840er Jahren aufgelassen wurde.

Das geringe Angebot durch Baumschulen änderte sich im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Gärtnerfamilie Rosenthal hatte daran mit ihren beiden, sehr nah beieinander liegenden Baumschulflächen einen großen Anteil. Da sich die Handelsgärtnerei anscheinend an der Landstraße nicht mehr ausbreiten konnte, verlegte man die Baumschulflächen. Das eine neue Areal lag im Bereich der heutigen Alberner Straße Ecke Sendnergasse im Grenzbereich der beiden Gemeinden Wien und Schwechat, das andere gleich in der unmittelbaren Nähe im Bereich der heutigen Fabianistraße auf Wiener Gemeindegrund.

Im Jahre 1873 - die beiden Baumschulflächen waren Exkursionsziel eines Pomologen-Kongresses - wurde die Arealfläche der "größten Baumschule der Monarchie" mit 26 Joch, also zirka 15 Hektar, angegeben, im Jahr 1881 mit 22 Hektar Größe. Zu diesem Zeitpunkt waren im Comptoir sechs Personen angestellt; neben zwölf Gehilfen gab es permanent 35 bis 40 Arbeiter, im Frühjahr bis zu 60. Verkauft wurde damals in die gesamte Monarchie Österreich-Ungarn, nach Russland, in die Türkei und auch nach Bayern und Sachsen. Heute erinnert vor Ort nichts mehr an die beiden Baumschulen; die Flächen sind größtenteils verbautes Gewerbegebiet.

In den beiden Baumschulen wurden nicht nur Bäume und Sträucher selbst produziert, sondern es wurde auch zugekauft. Diese Erkenntnis verdanken wir den Lieferbüchern der "Baumschulen Johann von Ehren" aus Nienstädten (Hamburg). So gingen im November 1885 an Rosenthal vier Stück "Cydonia jap[onica]. atrosanguin. fl. pl." und zehn Stück Hypericum patulum.

Im Mai 1886 lieferte die norddeutsche Baumschule nochmals per Zug eine große Anzahl an Bäumen und Sträuchern, in Summe für 492 Mark.

Der Betrieb Rosenthal hat im Verlauf seines Bestehens Dutzende Verkaufskataloge herausgegeben. Diese Verzeichnisse wurde auch über Inserate beworben, so zum Beispiel der "Hauptkatalog Nr. 115 und 116 über Sämereien für Land- und Forstwirtschaft und Gartenbau, ferner über sämtliche Artikel meiner bestrenommirten, seit dem Jahre 1800 bestehenden, ausgedehnten Baumschulen".

Da die Baumschule Rosenthal in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die größte ihrer Art in Österreich war, verwundert er nicht, dass sie mehrfach Bäume für die Alleen der in den 1850er Jahren entstandenen Wiener Ringstraße lieferte; so zumindest im Jahr 1871 und 1881. In letzterem besichtigte an einem Samstag die städtische "Gartenüberwachungs-Commission" die Baumschule Rosenthal in Albern, fand "daselbst gut geschulte Bäume in hinreichender Anzahl und nach den verlangten Gattungen" und empfahl dem Wiener Gemeinderat, mit Herrn Rosenthal über den Ankauf von Bäumen für die Ringstraße in Verhandlung zu treten.

Auch ein Teil der Bepflanzung des 1874 eröffneten Wiener Zentralfriedhofes stammt aus der Baumschule Rosenthal. So wurde 1879 in einer Sitzung des Wiener Gemeinderates bekanntgegeben, dass die weitere Anpflanzung des neuen Teiles des Zentralfriedhofs auf einer Fläche von rund 38 Hektar zu erfolgen habe. Zu diesem Zweck wurden aus der Baumschule Rosenthal 6100 Stück Bäume und 12 000 Stück Sträucher sowie aus der städtischen Baumschule (am Rande des Wiener Zentralfriedhofs) 6000 Stück Bäume und Sträucher geliefert.

Abb. 8: Rosenthal'sche Baumschulen im Grenzgebiet Wien-Schwechat. Plan der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien von Carl Loos aus 1891 (Ausschnitt). Repro: Christian Hlavac

Abb. 9: So sieht ein Teil der Baumschulflächen in der Fabianistraße heute aus. Foto: Christian Hlavac (2022)

Abb. 10: Lieferung der Baumschule Johann von Ehren an die Baumschule Rosenthal im Jahr 1885 (Firmenarchiv Lorenz von Ehren). Repro: Christian Hlavac

Abb. 11: Inserat der Firma „A. C. Rosenthal“ in der Wiener Landwirtschaftlichen Zeitung vom 19. Januar 1889. Repro: Christian Hlavac

Das Ende der Firma Rosenthal

Das Ende der Firma "A. C. Rosenthal" und somit der Baumschulen begann im Jahr 1897: Die Firma wurde aufgrund der Gewerbezurücklegung aus dem Handelsregister gelöscht. Ein Hagelschlag im Juni 1894 und ein Betrug durch einen Hochstapler dürfte zuvor ein großes Loch in die Finanzen gerissen haben. Jedenfalls erfolgte der Verkauf der Baumschulen an die Stadt Wien, wobei nicht geklärt werden kann, ob Rosenthal selbst an die Stadtpolitiker herangetreten ist oder umgekehrt. Unabhängig davon hatte die Stadtverwaltung sicherlich Interesse, den größten privaten Baumschulbetrieb weit und breit als Lieferant von Bäumen für die städtischen Grünanlagen zu erhalten. Insbesondere da die städtische Baumschule aufgrund einer Erweiterung des Wiener Zentralfriedhofes aufgelassen werden musste und keine geeigneten, im städtischen Besitz befindlichen Grundstücke als Ausweichquartier gefunden werden konnten. Die Baumschulflächen Rosenthals mit einer Gesamtfläche von beinahe 14,7 Hektar Fläche boten sich daher an.

Im Juli 1897 wurde im Wiener Stadtrat der Ankauf der Rosenthal'schen Baumschulen mit allen Kulturen und den dazugehörigen Gebäuden um 135 000 Gulden bewilligt. Kurz danach beschloss man, das vorhandene Personal unter der Leitung des bisherigen Eigentümers Conrad Bernhard Rosenthal provisorisch beizubehalten.

Von Wien nach Berlin

Per Stadtratsbeschluss vom Mai 1898 wurde Rosenthal mit einer dreimonatigen Frist gekündigt und die Leitung der Baumschule an einen städtischen Baumschulgärtner übertragen. Conrad Bernhard Rosenthal übersiedelte noch im selben Jahr nach Berlin und arbeitete nun in der Späth'schen Baumschule am Baumschulenweg, die zu jener Zeit von Franz Späth (1839-1913) geführt wurde und mit dem Rosenthal schon lange befreundet gewesen sein soll. Rosenthal blieb jedoch nur mehr wenig Lebenszeit in Berlin: Er starb dort am 6. Juli 1899. Da er kinderlos verstarb, endete mit seinem Ableben die Geschichte der Gärtnerfamilie Rosenthal, die über beinahe 100 Jahre einen interessanten Verlauf nahm.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 07/2022 .

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