Schaffhausens Wege zur Klimaanpassung
Für die Generationen von heute und morgen
von: B.Sc. Vanessa Strebel, M.Sc. Florian Brack, Reto Hagenbuch
Heute ist das Schulareal Teil eines umfassenden Schwammstadtansatzes in der Stadt Schaffhausen. Regenwasser wird zurückgehalten, versickert vor Ort und steht der Vegetation zur Verfügung. Begrünte Flächen, durchlässige Beläge und strukturreiche Elemente verbessern das Mikroklima, Biodiversität und schaffen neue Aufenthaltsbereiche. Das Projekt steht exemplarisch für den Weg, den die Stadt Schaffhausen im Umgang mit dem Klimawandel eingeschlagen hat.
Klimawandel in Schaffhausen
Die beschriebenen Herausforderungen zeigen sich nicht nur am Schulhaus Kreuzgut. Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch an anderen Orten in der Stadt Schaffhausen zunehmend spürbar. Wie in vielen Regionen steigen die Durchschnittstemperaturen, Hitzetage nehmen zu und Starkniederschläge treten häufiger und intensiver auf. Gerade in Siedlungsgebieten führt dies zu einer doppelten Belastung: einerseits durch zunehmende Hitze, andererseits durch punktuelle Überlastung der Entwässerungssysteme. (MeteoSchweiz & ETH Zürich, 2025)
Vor diesem Hintergrund gewinnt die integrale Gestaltung von Siedlungsräumen zunehmend an Bedeutung. Gefragt sind Lösungen, die Wasserhaushalt, Mikroklima, Biodiversität und Nutzung zusammendenken und multifunktional wirken. Wie solche Ansätze konkret umgesetzt werden können, zeigt die Stadt Schaffhausen anhand verschiedener Projekte.
Schwammstadt Schaffhausen
Wie viele andere Städte reagiert auch Schaffhausen auf die Herausforderungen des Klimawandels mit einem zweigleisigen Ansatz: Nebst Klimaschutz wird gezielt auf die Anpassung an unvermeidbare klimatische Veränderungen gesetzt. Die Klimastrategie der Stadt Schaffhausen definiert dafür Handlungsfelder und Maßnahmen; unter anderem in den Bereichen Hitzeminderung, Biodiversität und Umgang mit Wasser. Zu letzterem wird insbesondere das Prinzip der Schwammstadt genannt (Stadt Schaffhausen, 2022).
Ziel dieses Prinzips ist es, Regenwasser möglichst dort zurückzuhalten, wo es anfällt, anstatt es rasch über die Kanalisation abzuleiten. Dadurch können sowohl die Belastung der Entwässerungssysteme reduziert als auch positive Effekte auf Mikroklima, Vegetation und Aufenthaltsqualität erzielt werden.
Die Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips erfolgt über verschiedene, aufeinander abgestimmte Ebenen: Konzeptionelle Grundlagen wie eine Potenzialkarte und eine Schwammstadt-Toolbox unterstützen Planende bei der Integration entsprechender Maßnahmen in Projekte (ZHAW, 2025a). Pilotprojekte wiederum ermöglichen es, diese Ansätze unter realen Bedingungen zu erproben und Erfahrungen für zukünftige Vorhaben nutzbar zu machen. Charakteristisch für den Ansatz in Schaffhausen ist zudem die enge Verzahnung von städtischer Praxis, Planung und angewandter Forschung.
Toolbox Schwammstadt Schaffhausen: t1p.de/lw1vk
Ergänzend dazu werden auch private Flächen gezielt einbezogen. Mit dem Förderprogramm «Natürlich Schaffhausen» unterstützt die Stadt Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer bei der naturnahen und klimaangepassten Gestaltung ihrer Außenräume durch Beratung und finanzielle Beiträge. Förderfähige Maßnahmen wie Entsiegelung, Begrünung oder Baumpflanzungen tragen dazu bei, die Wirkung über den öffentlichen Raum hinaus zu erweitern und Biodiversität sowie Mikroklima zu verbessern. Bei der Ausarbeitung dieses Programms setzt Schaffhausen auf die Zusammenarbeit mit der ZHAW, Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, um aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung miteinzubeziehen.
Diese Kombination aus fundierten und konzeptionellen Grundlagen, praktischer Umsetzung im öffentlichen Raum und der Einbindung privater Flächen ermöglicht es, Klimaanpassung schrittweise im gesamten Siedlungsgebiet zu verankern. Wie ein solcher Ansatz konkret im öffentlichen Raum umgesetzt wird, zeigt das Pilotprojekt beim Schulhaus Kreuzgut.
SUG-Stellenmarkt




Monitoring
Das Projekt wird langfristig durch ein systematisches Monitoring begleitet. Dabei wird unter anderem untersucht, wie sich Niederschläge auf dem Areal verteilen, wie viel Wasser zurückgehalten wird und wie schnell es wieder abgegeben wird. Diese Messungen machen Prozesse sichtbar, die sonst verborgen bleiben. Sie zeigen, ob die geplanten Wirkungen tatsächlich eintreten und wo Optimierungspotenzial besteht. Für die Stadt Schaffhausen entsteht dadurch eine wertvolle Datengrundlage, die über das einzelne Projekt hinausgeht und als Grundlage für zukünftige Planungen dient.
Forschungsbox: Schwammstadt erlebbar machen
Ergänzend zur baulichen Umsetzung und zum Monitoring wird das Projekt auch im Bereich der Bildung und Vermittlung weitergedacht. Mit der sogenannten «Forschungsbox Schwammstadt» wird das Thema direkt in den Schulalltag integriert und für die Schülerinnen und Schüler erlebbar gemacht. Die Forschungsbox ist als mobiles Lernangebot konzipiert und vermittelt zentrale Zusammenhänge rund um Wasser, Boden und Klima auf spielerische und experimentelle Weise. Anhand einfacher Versuche können die Kinder selbst beobachten, wie Wasser versickert, gespeichert oder abgeleitet wird und welche Rolle unterschiedliche Materialien und Oberflächen dabei spielen.
Die Verbindung von gebautem Raum und pädagogischer Vermittlung fördert das Verständnis für ökologische Prozesse und stärkt das Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser. Gleichzeitig wird der Außenraum selbst zum Lernort: Nach Regen wird Wasser sichtbar, sammelt sich, fließt und versickert wieder. Prozesse, die ökologische Zusammenhänge direkt erfahrbar machen.
Zusammenarbeit als Schlüssel
Das Pilotprojekt ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen der Stadt Schaffhausen (Grün Schaffhausen) als Auftraggeberin und verschiedenen Fachpersonen aus Praxis und Forschung. Bereits in der Planung wurden unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt: strategische Zielsetzungen der Stadt sowie gestalterische und technische Lösungen der Planung und die spätere Grünflächenpflege. Die Planung erfolgte durch bösch Landschaftsarchitektur, wobei die Integration von Schwammstadt-Elementen nicht nur aus den Projektanforderungen der Stadt und ihrer Klimastrategie entstand, sondern auch, weil der beauftragte Landschaftsarchitekt ein großes Interesse hatte, klimaangepasste Lösungen gestalterisch umzusetzen.
Offene Fragen zur Umsetzung klimaangepasster Maßnahmen konnten im Projektkontext gezielt vertieft werden. So wurden beispielsweise Substrate entwickelt und deren Wirkung sowie die Funktion von Versickerungsflächen im Schulumfeld untersucht. Die Erarbeitung und das Monitoring dieser Ansätze erfolgten durch die Holinger AG. Die Realisierung wurde durch Frei Thayngen AG umgesetzt.
Die ZHAW begleitete das Projekt aus Forschungsperspektive. Sie war für die Projektdokumentation sowie die Entwicklung der «Forschungsbox Schwammstadt» verantwortlich und trug dazu bei, die gewonnenen Erkenntnisse aufzubereiten und für weitere Anwendungen nutzbar zu machen. Das Pilotprojekt wurde von der Mobiliar Genossenschaft sowie von Smart City Schaffhausen finanziell unterstützt, wodurch innovative Ansätze im Bereich der Klimaanpassung gezielt gefördert werden.
Insgesamt entsteht so ein Projektkontext, in dem Planung, Umsetzung, Forschung und Finanzierung ineinandergreifen und gemeinsam zur Weiterentwicklung klimaangepasster Freiräume beitragen.



Monitoring
Das Projekt wird langfristig durch ein systematisches Monitoring begleitet. Dabei wird unter anderem untersucht, wie sich Niederschläge auf dem Areal verteilen, wie viel Wasser zurückgehalten wird und wie schnell es wieder abgegeben wird. Diese Messungen machen Prozesse sichtbar, die sonst verborgen bleiben. Sie zeigen, ob die geplanten Wirkungen tatsächlich eintreten und wo Optimierungspotenzial besteht. Für die Stadt Schaffhausen entsteht dadurch eine wertvolle Datengrundlage, die über das einzelne Projekt hinausgeht und als Grundlage für zukünftige Planungen dient.
Forschungsbox: Schwammstadt erlebbar machen
Ergänzend zur baulichen Umsetzung und zum Monitoring wird das Projekt auch im Bereich der Bildung und Vermittlung weitergedacht. Mit der sogenannten «Forschungsbox Schwammstadt» wird das Thema direkt in den Schulalltag integriert und für die Schülerinnen und Schüler erlebbar gemacht. Die Forschungsbox ist als mobiles Lernangebot konzipiert und vermittelt zentrale Zusammenhänge rund um Wasser, Boden und Klima auf spielerische und experimentelle Weise. Anhand einfacher Versuche können die Kinder selbst beobachten, wie Wasser versickert, gespeichert oder abgeleitet wird und welche Rolle unterschiedliche Materialien und Oberflächen dabei spielen.
Die Verbindung von gebautem Raum und pädagogischer Vermittlung fördert das Verständnis für ökologische Prozesse und stärkt das Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser. Gleichzeitig wird der Außenraum selbst zum Lernort: Nach Regen wird Wasser sichtbar, sammelt sich, fließt und versickert wieder. Prozesse, die ökologische Zusammenhänge direkt erfahrbar machen.
Zusammenarbeit als Schlüssel
Das Pilotprojekt ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen der Stadt Schaffhausen (Grün Schaffhausen) als Auftraggeberin und verschiedenen Fachpersonen aus Praxis und Forschung. Bereits in der Planung wurden unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt: strategische Zielsetzungen der Stadt sowie gestalterische und technische Lösungen der Planung und die spätere Grünflächenpflege. Die Planung erfolgte durch bösch Landschaftsarchitektur, wobei die Integration von Schwammstadt-Elementen nicht nur aus den Projektanforderungen der Stadt und ihrer Klimastrategie entstand, sondern auch, weil der beauftragte Landschaftsarchitekt ein großes Interesse hatte, klimaangepasste Lösungen gestalterisch umzusetzen.
Offene Fragen zur Umsetzung klimaangepasster Maßnahmen konnten im Projektkontext gezielt vertieft werden. So wurden beispielsweise Substrate entwickelt und deren Wirkung sowie die Funktion von Versickerungsflächen im Schulumfeld untersucht. Die Erarbeitung und das Monitoring dieser Ansätze erfolgten durch die Holinger AG. Die Realisierung wurde durch Frei Thayngen AG umgesetzt.
Die ZHAW begleitete das Projekt aus Forschungsperspektive. Sie war für die Projektdokumentation sowie die Entwicklung der «Forschungsbox Schwammstadt» verantwortlich und trug dazu bei, die gewonnenen Erkenntnisse aufzubereiten und für weitere Anwendungen nutzbar zu machen. Das Pilotprojekt wurde von der Mobiliar Genossenschaft sowie von Smart City Schaffhausen finanziell unterstützt, wodurch innovative Ansätze im Bereich der Klimaanpassung gezielt gefördert werden.
Insgesamt entsteht so ein Projektkontext, in dem Planung, Umsetzung, Forschung und Finanzierung ineinandergreifen und gemeinsam zur Weiterentwicklung klimaangepasster Freiräume beitragen.


Erkenntnisse aus der Praxis
Eine zentrale Erkenntnis ist, dass dieses noch sehr junge Thema Schwammstadt sehr früh im Planungsprozess aufgegriffen werden muss. Es erfordert über den gesamten Entwicklungsprozess einen intensiven Dialog. In der Bewilligungsphase war es wichtig, dass aufgezeigt werden konnte, dass die neuartigen Schwammstadtsubstrate die geforderte Reinigungsleistung erbringen. Zudem sollte das Substrat auch dem Nutzungsdruck standhalten, denn gerade in Schulhausumgebungen sollen Schwammstadt-Elemente nicht die Nutzung einschränken, sondern diese beleben. Auch die Pflanzenauswahl war anspruchsvoll.
Gerade bei den konzentrierten Einlaufpunkten des Wassers (Dachentwässerung über oberirdische Rinnen) entstehen wechselfeuchte Bedingungen für Pflanzen. Aus Sicht von Grün Schaffhausen und nach einem Jahr Pflege der Anlage zeigt sich ein spannendes und funktionsfähiges Bild. Die Asphaltflächen, welche sich fast schon wie kleine «Skatelines» um die Schwammstadt-Elemente fügen, sind auf einem Schulhausareal auch wichtig für die Nutzungsvielfalt und es war nie das Ziel, diese Flächen komplett zu ersetzen. Aber mit den geschickt platzierten Schwammstadt-Elementen konnte eine klimaangepasste, vielfältige Situation entwickelt werden, welche Raum für Mensch, Tier und Pflanze bietet.
Wirkung und Ausblick
Die Ansätze der Schwammstadt leisten in Schaffhausen einen konkreten Beitrag zur Klimaanpassung im Siedlungsraum. Durch die Kombination von Entsiegelung, Wasserrückhalt und Begrünung lassen sich Hitzebelastung reduzieren, Abflussspitzen bei Starkregen dämpfen und die Biodiversität fördern. Gleichzeitig entstehen Freiräume, die funktional und gestalterisch gewinnen und zum Verweilen einladen.
Klimaanpassung wird dabei nicht als Einzelmaßnahme verstanden, sondern als Teil einer integralen Stadtentwicklung. Der Umgang mit Wasser, die Gestaltung von Freiräumen und die Förderung der Biodiversität greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig. Entscheidend ist zudem die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt, Planung, Forschung und Praxis, durch die Lösungen im realen Kontext erprobt und weiterentwickelt werden können. Zugleich ist Klimaanpassung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Neben der öffentlichen Hand tragen auch private Flächen und die Sensibilisierung unterschiedlicher Zielgruppen dazu bei, die Wirkung in die Breite zu tragen.
Die Erfahrungen aus Schaffhausen machen deutlich, dass die Umsetzung von Schwammstadt-Prinzipien ein fortlaufender Prozess ist. Projekte wie das Schulhaus Kreuzgut liefern Erkenntnisse, die in weitere Vorhaben einfließen und die Grundlage für eine langfristig verankerte, resiliente Stadtentwicklung bilden und damit Orte schaffen, an denen Wasser bewusst zurückgehalten und für das Grün von morgen genutzt wird.



Literatur
MeteoSchweiz & ETH Zürich (2025): Klima CH2025 – Klimazukunft Schweiz. Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, Zürich, 24 S., https://t1p.de/kamae
Stadt Schaffhausen. (2022). Klimastrategie Stadt Schaffhausen. https://t1p.de/oig0j
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. (2025a). Schwammstadt. Fokus-n – Wissensportal für naturnahe Freiräume. https://t1p.de/7a83k
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. (2025b). Dokumentation Planungs- und Bauprozess, Pilotprojekt Kreuzgut. Fokus-n – Wissensportal für naturnahe Freiräume. https://t1p.de/c1zh1
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