Schwammstadtelemente großflächiger Regenwasserbewirtschaftung
Sportanlagen – Speicher für dezentrales Wassermanagement
von: Dipl.-Ing. Steffen Baumann
Boden ist der größte Wasserspeicher, den wir auf der Erde haben. Wasser, das im Boden versickert, kann dort gespeichert und auch wieder abgegeben werden. Damit bleibt es Teil des natürlichen Kreislaufs, gleicht den vielerorts sinkenden Grundwasserspiegel aus und verbessert insgesamt die lokale Wasserbilanz. Verbleibt Wasser länger oberflächennah im Boden, erhöht dies die Verdunstungsrate, was einen kühlenden Effekt auf die Umgebung hat.
Im Gegensatz dazu können versiegelte Flächen, wie asphaltierte Straßen oder gepflasterte Wege und Plätze, Wasser nicht aufnehmen. Es sammelt sich und muss von der Oberfläche künstlich abgeleitet werden. Die Starkregenereignisse in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass die Infrastruktur damit häufig überfordert ist. Klimagerechtes Wassermanagement in Städten setzt auf durchlässige Böden. Dazu zählen etwa Grünstreifen und -flächen, Beete sowie unbefestigte Wege.
Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) definiert in einem Arbeitsblatt¹ die Grundlagen der Bewirtschaftung von Niederschlagswasser. Diese priorisieren den "Erhalt des lokalen Wasserhaushaltes". Um diese Zielvorgabe zu erreichen, sollen zukünftige Entwässerungskonzepte den Fokus möglichst auf Versickerung, Rückhaltung und Nutzung von Niederschlagswasser legen. Der Erhalt von Flächendurchlässigkeit kann ableitungsbetonte Entwässerungskonzepte reduzieren und ist eine Annäherung an den unbebauten Zustand.


Auch von Sportplätzen und -anlagen sollte, wo immer möglich, Niederschlagswasser nicht künstlich abgeleitet werden. Dass es dennoch schnell genug und in ausreichendem Maße abfließen kann, ist zum einen während Trainings und Spielen wichtig, zum anderen verhindert dies langfristig durch Staunässe verursachte Schäden an Sportböden. Entsprechende Vorschriften finden sich in der DIN 18035. Sie gelten für verschiedene Sportflächen, einschließlich Naturrasen-, Tennen- und Kunststoffflächen
Oberstes Ziel ist immer sowohl eine ausreichende Wasserdurchlässigkeit, als auch Speicherfähigkeit von Feuchtigkeit und Nährstoffen. Zwar tragen die etablierten Bauweisen dem häufig nicht ausreichend Rechnung, dennoch kann sowohl bei Naturrasen- als auch bei Kunstrasen-Spielfeldern ein in durchlässiger Bauweise gestalteter Unterbau eine großflächige und kontrollierte Entwässerung erreichen. Das Niederschlagswasser gelangt so auch in tiefere Bodenschichten, die es dezentral speichern. Dort steht es vor Ort den Pflanzen zur Verfügung.

Auf den Unterbau kommt es an
Ob Regenwasser in den Boden versickern kann, hängt von einigen Faktoren ab. So beeinflussen die unterschiedlichen Bodenarten selbst bereits die Versickerungsrate. Das Prinzip ist aus dem Garten bekannt: Während beispielsweise in Sandböden Wasser ungehindert versickern kann, halten tonhaltige Böden das Wasser zurück.
Bei jedem Sportanlagen-Bauvorhaben empfiehlt es sich daher, zunächst Bodenproben zu nehmen und die Beschaffenheit in einem Prüflabor zu untersuchen. Mit den gewonnenen Ergebnissen können verlässliche Aussagen, unter anderem über die Wasserdurchlässigkeit des Baugrunds, getroffen werden. Daraus folgt dann der Aufbau der Schichten unterhalb des Kunst- oder Naturrasen-Spielfelds.
In Deutschland beschreibt die DIN 18035-4 die Anforderungen an eine Sportrasenfläche und regelt die Bauweisen, um diese zu erfüllen. Ausreichende Wasserdurchlässigkeit sowie die Speicherfähigkeit von Feuchtigkeit und Nährstoffen haben dabei oberste Priorität. Die Norm unterscheidet grundsätzlich drei Bauweisen:
Ist der Unterbau, das heißt der Baugrund unterhalb der Rasentragschicht, wasserdurchlässig (oder bedingt wasserdurchlässig), beispielsweise bei Sand- und Kiesflächen, erfüllt eine sogenannte boden- oder erdnahe Bauweise bereits die von der DIN gestellten Anforderungen. In diesen Fällen liegt die Rasentragschicht unmittelbar auf dem Baugrund. Eine mischende Verzahnung stellt die Verbindung zwischen Tragschicht und Baugrund her.
Erfüllt der Baugrund diese Voraussetzungen jedoch nicht, erfordert dies den Einbau von Dränagen. Mit Blick auf die Versickerung von Niederschlagswasser unterscheidet man zwischen einer Drän-Schlitz- und einer Drän-Schicht-Bauweise.
Während die letztere das Wasser rasch ableitet, keine hohe Wasserspeicherkapazität hat und daher schnell wieder austrocknet, bietet die Drän-Schlitz-Bauweise den Vorteil, große Menge Wasser in den unteren Schichten zu speichern. Dort wird es zu einer Quelle zur Versorgung der Graspflanzen.


Drän-Schlitz-Unterbau
Wesentlicher Bestandteil der Drän-Schlitz-Bauweise ist die so genannte Sorptionsschicht. Direkt unter der Rasenschicht gelegen, setzt sie sich aus Oberboden und Sand zusammen. Längs über die gesamte Rasenfläche hinweg durchtrennt man in regelmäßigen Abständen diese Sorptionsschicht mit Sickerschlitzen (Abb. 4) und verfüllt sie anschließend mit hochdurchlässigem Material. Auf diese Weise gelangt das Wasser großflächig kontrolliert bis in eine niedrigere Bodenschicht, wo es gespeichert wird.
Für die Graspflanzen ist die langanhaltende Verfügbarkeit von Wasser ein großer Vorteil: Bereits in der Sorptionsschicht speichern sich Nährstoffe und Wasser, wodurch die Wurzeln zum Wachstum angeregt werden. Sie versuchen zudem das tieferliegende Wasser zu erreichen und werden immer länger.
Die tiefe Verwurzelung erhöht die Belastbarkeit der Grasnarbe deutlich. Sie ist eine wesentliche Voraussetzung für starke, widerstandsfähige, scherfeste Sportrasenflächen. Spielfelder bleiben ebenflächig und gut bespielbar. Zudem erlaubt die spezifische Härte einer gesunden Grasnarbe den Sportlern ihre Fähigkeiten voll auszuspielen. Sie passt sich in idealer Form dem Bewegungsablauf an, federt Schläge und Sprünge ab und sorgt für optimale Spieleigenschaften wie Kraftabbau, gutes Ballrollverhalten und Gleitfähigkeit.
Gräser, die lange Wurzeln entwickeln, können ohne Probleme auch trockenere Perioden überdauern. Mit dem Wasser werden zudem Nährstoffe gespeichert, die den Pflanzen so über einen längeren Zeitraum zur Verfügung stehen. Damit bleibt auch der Dünger länger verfügbar, was wiederum Kosten spart.
Diese durchlässige Bauweise, die eine vor-Ort-Speicherung von Wasser ermöglicht, spielt für die Sportflächen auch dann eine wichtige Rolle, wenn kein Niederschlagswasser anfällt. In diesen Zeiten muss ein Platz, sei es Naturrasen oder Kunstrasen, beregnet werden.
Es ist wichtig, bei jedem Beregnungsdurchgang den gesamten Aufbau der Rasentragschicht zu durchfeuchten. Nur so erreicht es die tieferen Erdschichten, die das Wasser speichern und wieder an die Pflanzen abgeben. Greenkeeper sollten also in größeren zeitlichen Abständen mit einer langen Beregnungsdauer, etwa 10 bis 15 Liter Wasser pro Quadratmeter, beregnen.
Die Nutzung der verschiedenen Durchlässigkeit unterschiedlicher Böden und Materialien schafft gewissermaßen eine natürliche Zisterne. Zwar gibt es inzwischen eine Vielzahl künstlicher Angebote, wie Rigolen und ähnliches, die Wasser vor Ort speichern.
Bei diesen Produkten geht es darum, Regenwasser wie in einem Pufferspeicher zu bevorraten. Um Niederschlagswasser von einer so großen Fläche wie einem Fußballfeld vorzuhalten, würde es riesiger Behälter mit einem Fassungsvermögen von 100.000 Litern und mehr bedürfen. Das ist sehr kostenintensiv und für Sportanlagen nicht sinnvoll.
Der Bau eines Sportplatzes mit einer natürlichen Versickerung vor Ort hat zudem den Vorteil, dass weniger Boden ausgetauscht werden muss. Häufig kann vorhandenes Material wiederverwertet werden. So fallen Bau- und Betriebskosten von Sportanlagen geringer aus. Weil die Bodenstruktur im Untergrund weniger stark beansprucht wird, was den natürlichen Wasserkreislauf unterstützt und lokale Wasserressourcen schützt, handelt es sich auch um eine durchweg nachhaltigere Lösung.


Eine andere Liga
Welche Anforderungen eine Sportrasenfläche zu erfüllen hat und durch welche Bauweise dies erreicht wird, ergibt sich aus der vorgenannten DIN 18035. Die Einhaltung der Normvorgaben gewährleistet, dass Sportplätze bundesweit hinsichtlich der baulichen Qualität nach bekannten Schemata aufgebaut sind und bewertet werden können. Allerdings ist an die DIN auch die Vergabe von Fördergeldern gekoppelt.
Tatsächlich gilt: Je höher die Spielklasse, desto höher sind die Anforderungen an einen Platz und damit auch der finanzielle Aufwand, um dem geforderten Standard gerecht zu werden. Im Profisport beispielsweise muss Wasser schnell abfließen, damit Ligaspiele selbst bei starken Regengüssen reibungslos verlaufen.
Allerdings müssen selbst Spielfelder, auf denen keine Ligaspiele stattfinden, für eine Förderung die hohen Anforderungen erfüllen, die die Norm grundsätzlich für den Profisport definiert. In Deutschland dient jedoch der größte Teil aller Sportflächen dem so genannten Breiten- oder Massensport.
Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov aus dem Jahr 2024 unterstreicht den hohen Stellenwert des Amateurfußballs in Deutschland: Mehr als 10 Millionen Menschen sind demnach aktiv und passiv durch den Amateurfußball mobilisiert.² Der Deutsche Fußball-Bund verfügt über 8 Millionen Mitglieder, die in mehr als 23.000 Vereinen organisiert sind.³ Mehr als 10 Millionen Menschen bezeichnen sich als Fan eines Amateurvereins.
Im Wesentlichen tragen Ehrenamtliche diese Vereine und halten sie am Leben. Da diese Vereine in der Regel wenig Geld haben, sind sie auf Förderung angewiesen. Daher wäre es sinnvoll und wünschenswert, wenn die DIN unterschiedliche Bedarfe an die Qualität eines Spielfeldaufbaus berücksichtigte.
Denkbar wäre beispielsweise eine Norm für den Profibereich und eine für den Breitensport, die entsprechend unterschiedliche Toleranzbereiche für das Ableiten von Niederschlagswasser definieren. Mit einer entsprechenden Förderung könnten so mehr Sportflächen in der vorgenannten, ökologischeren und nachhaltigeren Bauweise, die Wasser dezentral speichert, umgesetzt werden.
Indem Sportanlagen wie ein Schwamm agieren, das heißt überschüssiges Wasser aufnehmen, es speichern und bei Bedarf wieder abgeben, sind sie eine klimaangepasste Grün- und Freifläche und leisten einen wesentlichen Beitrag: für die Gesundheit der Menschen ebenso wie fürs Stadtklima.
Anmerkungen
¹ DWA-Arbeitsblatt 102-1/BWK-A 3-1 Grundsätze zur Bewirtschaftung und Behandlung von Regenwetterabflüssen zur Einleitung in Oberflächengewässer – Teil 1: Allgemeines – Dezember 2020
³ DFB Mitgliederstatistik: stadtundgruen.de/q/
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