Kommentar

Fehlende Solidarität an der TU Berlin

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Wenn es ums Überleben geht, schwindet (fast) alle Solidarität. So könnte man den Prozess an der Fakultät 6 Bauen, Planen und Umwelt der Technischen Universität zusammenfassen, den der Senat den Berliner Hochschulen durch einen Vertragsbruch oktroyiert hat.

Das Prinzip von "teile und herrsche" funktioniert auch hier: Die unangenehme Aufgabe der Kürzungen wird von der Senatsverwaltung für Wissenschaften auf die Hochschulen übertragen, die ganz "selbstbestimmt" über ihre Einsparungen entscheiden "dürfen". Diese übertragen die Aufgabe dem Fakultätsrat, der am Ende die Landschaftsarchitektur ausgewählt hat: In den kommenden vier Jahren müssen hier 30 Prozent der Lehrkapazität gekürzt werden.

Eine akademische Entkernung, die die Zukunft des ganzen Fachgebietes in Frage zu stellen droht. Mit ihrer Hinhaltetaktik weigert sich die Senatsverwaltung für Wissenschaft zudem, die Berufung einer vakanten Professur in der Landschaftsarchitektur abzuschließen. Das Vertrauen in die Selbstbestimmung der Hochschulen und damit in die Freiheit der Wissenschaft kann nicht deutlicher entzogen werden.

Auch wenn niemand die Kompetenzen oder die Notwendigkeit der Landschaftsarchitektur im Klimawandel offen in Frage stellt, nützt das herzlich wenig, wenn nicht entsprechend gehandelt wird. Der Aufruf, sich mehr in der Öffentlichkeit zu profilieren, erfasst das Problem nicht. Er ist nur die Rückseite der Medaille der Teile-und-herrsche-Manier, die die Konkurrenz und den Verteilungskampf dysfunktional anheizt: Ohne exzellente Fachkräfte wird es keinen erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel geben.

Am Ende wird es wieder so sein wie in der Vergangenheit. Nach den Streichtiraden des Berliner Senats (und vieler anderer Bundesländer) in den letzten Jahrzehnten erwächst ein erheblicher Fachkräftemangel, dessen Bewältigung paradoxerweise von denen erwartet wird, die unter ihm am meisten zu leiden haben, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Für die Landschaftsarchitektur hieße dies, dass die Kolleginnen und Kollegen eine Mehrbelastung zu stemmen hätten, um die Studienordnung einhalten und damit den Studiengang erhalten zu können.

Ironischerweise hat das ZDF das TU-Forschungsprojekt der Verdunstungsbeete auf dem ehemaligen Flughafengelände Tegel des Fachgebiets Pflanzenverwendung und Vegetationstechnik im "Morgenmagazin" aufgegriffen und im Detail erklärt, wie existentiell wichtig die Durchführung dieser Projekte im Kampf gegen den Klimawandel ist.

Mechthild Klett

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M. A. Mechthild Klett
Autorin

Stadt+Grün, Redaktionsleiterin

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