Spielplatz
Ein neuer Anfang für den UrSprung

Vor rund 20 Jahren stand die Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Laufenmühle e.V. bei Welzheim vor einer richtungsweisenden Entscheidung, die, wie sich nachträglich zeigte, die Ausrichtung der Behinderteneinrichtung auf eine unglaublich positive Weise ändern sollte. Man entschloss sich damals, das Leben der dort lebenden geistig behinderten Menschen stärker für die Gesellschaft zu öffnen und Begegnung zu ermöglichen, indem man das Erfahrungsfeld der Sinne gründete und Menschen aus nah und fern einlud, in den Welzheimer Wald zu kommen.
Durch die schöne und kraftvolle Natur dieser abgelegenen Gegend gab es gute Voraussetzungen, was die verantwortlichen Personen der Einrichtung kreativ zu nutzen wussten. Zusammen mit dem Architekten Lothar Bracht, den Künstlern und Spielraumgestaltern von KuKuk und anderen wurde ein erstes Konzept mit Stationen zur Sinneswahrnehmung für Innen- und Naturräume entwickelt, ein Spielplatz mit Sinneselementen, Tierbegegnungsstätten und künstlerischen Stationen, die in einem übergeordneten Rahmenkonzept sinnig zueinander abgestimmt wurden.
Glücklich fügte sich, dass neben der öffentlichen Anbindung auch eine Museumsbahn an diesem ort Halt macht und so eine weitere Attraktion geboten wurde, um diesen Ort zu besuchen.
Weiterentwicklung über Jahre
Eine engagierte Weiterentwicklung des inklusiven LandArt- und Sinnesparks in all den Jahren machte die Einrichtung zu einem gefragten, sehr beliebten und bekannten Ausflugsziel weit über die Region hinaus. 100.000 Gäste pro Jahr besuchen den Kulturbetrieb, zu dem man sich in diesem Zeitraum entwickelt hat.
Nicht nur für die Besucher wurde dieser Ort zunehmend attraktiver, sondern auch für die Menschen mit Behinderung, deren Betreuer und alle weiteren Mitarbeiter der Einrichtung. Inzwischen gibt es für die Heim- und Werkstattplätze eine Warteliste, da viele Eltern sich wünschen, ihre Kinder an diesem Ort in Obhut zu geben.
Die behinderten Menschen arbeiten hier unter anderem im Werkstattbereich Gartenbau- und Waldwerkstatt, der sich um die Erhaltung der LandArt-Stationen auf dem Wunderpfad und den Spielbereich kümmert, in einem Team der TierOase, das sich auf die Pflege der Tiere und das Reinigen der Ställe spezialisiert hat und an dem Foodtruck mollibox, wo für die Gäste Speis und Trank angeboten werden. Neben einer Kerzenwerkstatt gibt es eine geschätzte und bekannte Kaffeerösterei, die nicht nur für den Eigenbedarf röstet, sondern bei einer Produktion von rund 100 Tonnen Bio-Kaffee im Jahr auch Aufträge aus der Wirtschaft annimmt.
Ein verheerendes Unwetter führt zu neuen Möglichkeiten
In der Nacht auf den 3. Juni 2024 regnete es extreme Wassermassen auf den Welzheimer Wald und das Wieslauftal, so dass Hänge und Straßen abrutschten und das Erfahrungsfeld Eins+Alles von der Außenwelt abgeschnitten wurde. Eine Schlammlawine durchzog den zentralen Bereich und zerstörte den markanten Sinnes-Spielplatz und die dortigen Erfahrungsstationen, drang in die bestehenden Gebäude ein und verwüstete in kurzer Zeit die Hauptbereiche des Erfahrungsfeldes. Auch die TierOase wurde durch einen Hangrutsch teilweise zerstört. Eine Katastrophe, die den Betrieb erst einmal für ein paar Wochen lahmlegte.
Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Laufenmühle in einem strategischen Prozess, um zu mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt und Gemeinschaft beizutragen. In diese Phase hinein fiel das krisenhafte Ereignis, das Teile der Existenzgrundlage fortriss, gleichzeitig jedoch als neue Chance wahrgenommen wurde. Der zentrale Platz wurde ein paar Wochen nach dessen Räumung vom Schlamm als Lichtung mit interaktiven Stationen zu den Themen LandArt, Dialog, Gemeinschaft und Lebensfreude experimentell bespielt.
„Wir sind im Begriff, einen ort voller Magie und Abenteuer zu schaffen, der zeitgemäße Erfahrungsmöglichkeiten im Spiel sucht, der Menschen zur Reflexion anregt und den sozialen Zusammenhalt ganz unmittelbar stärkt.“ — EINS+ALLES
Künstlerische Spielraumgestaltung der neuen Mitte
Während den Überlegungen zur Neugestaltung dieses Zentrums entstand die Idee, einen völlig neuen Spielplatz als barrierefreien Spiel- und Erfahrungsraum für Menschen jeden Alters zu schaffen, der neben dem unbekümmerten Spiel auch die Möglichkeit bietet, persönliche und gesellschaftliche Fragestellungen in gruppendynamischen Prozessen einfließen zu lassen. In der Namensschöpfung UrSprung kommt diese Intention, als Quelle für Neues zu dienen, zum Ausdruck.
Grundlage und Kulisse hierfür ist die Raumgestaltung mit Mattisburg und Borkafeste, welche inspiriert vom Buch „Ronja Räubertochter“ von KuKuk Spielwerk umgesetzt wurde. Die abenteuerliche, hoch aufragende Burg zeigt sich weithin als Landmarke, welche dazu einlädt, zu spielen und die eigenen Sinne aktiv zu betätigen. Sich zu bewegen, mutig zu sein, eventuell sogar sportlich motiviert die eigenen Grenzen immer weiter auszudehnen. Die Anlage steckt voller Gänge und Klettermöglichkeiten, die teilweise erst gefunden werden wollen. Sie fordert die Akteure zu vielfältiger Bewegung heraus und führt immer wieder an Stellen, wo nur weiterkommt, wer seinen Mut zusammen nimmt.
Durch das Erklimmen von Höhen, Durchkriechen enger Räume, Springen von Felsen zu Felsen oder Ergründen von Tiefen kommen die Spielenden an abwechslungsreichen Punkten innerhalb der Anlage vorbei, die lebendige Eindrücke in ihnen wachrufen. Blicke durch farbiges Plexiglas, das Durchqueren lichtarmer, fast dunkler Bereiche oder Überblicke von oben auf den Spielraum schaffen eine Vielzahl an Wahrnehmungen, die den Ort abwechslungsreich machen.
„Das habe ich ja noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe…“ — Pippi Langstrumpf
SUG-Stellenmarkt


Um dies zu schaffen, haben die Künstler von KuKuk Spielwerk über 14 Wochen hinweg vor ort gearbeitet und dabei jedes einzelne Stück Robinienholz, in der Summe etwa zwölf Tonnen, individuell zugeschnitten und angepasst. In dem Prozess wurde ein Spiel- und Erlebnisraum geschaffen, der zugleich als Bühne und Kulisse für Aufführungen und Feste genutzt werden kann. …
Die lebendige Architektur wurde im Wesentlichen mit wenigen Gestaltungskriterien geschaffen: neben einer Vielzahl an Kontrasten (hell-dunkel, einfarbig-bunt, hoch-tief, eng-weit...) und organisch verlaufenden Strukturen sind es Brüche in der Form, die für unser seelisches Empfinden eine Erlebnisvielfalt erzeugen.
Ergänzt wird die zentral auf dem Platz aufgebaute Burg auf der einen Seite durch einen Dunkelwald, ein Kletterdickicht aus Stämmen mit Trittkerben, und den Mattiswald, einem Hangelwald aus kreuz und quer gespannten Seilen, dessen Beklettern recht anspruchsvoll ist, da sich die Raumstruktur dreidimensional aufspannt und jeder Schritt eine Orientierung in alle Richtungen verlangt.
Mittig vor der Burg befinden sich die Burgfelsen, auf welchen die Burg gegründet wurde, tonnenschwere Granitfelsen, die zum Springen und Klettern auffordern. Der Eindruck, dass die beiden Festungen schwer zugänglich sind und nur Mutige sich dorthin wagen, geht maßgeblich davon aus. Die Geröllsteige aus Findlingen schließt daran an und ergänzt mit kleineren Formaten zum Klettern und Hochziehen diesen Bereich für Kleinkinder. Abgerundet wird das Bewegungsangebot durch Balancierwege, den Wackelpfad und ein Palisadenfeld.
Exakt ein Jahr nach der Flut, am 7. Juni 2025, wurde der neue Spiel- und Erfahrungsraum UrSprung feierlich eröffnet und in Betrieb genommen.
Robin Wagner








