GALK-Jahrestagung und Bundeskongress

"Stadt - Grün - Kultur" - zur sozialen Wirkung von Grün in der Stadt

Das GALK-Präsidium: v. l. n. r.: Klaus Wichert, Rüdiger Dittmar, Detlef Thiel, Carmen Dams, Axel Raue, Stephan Heldmann und Götz Stehr. Foto: Mechthild Klett

Auf dem Gelände der Internationalen Gartenschau 2017 in Berlin trafen sich am 29./30 Juni die Mitglieder des GALK e. V. und weitere grüne Verbände zu ihrem Gemeinsamen Bundeskongress unter dem Motto: "Stadt - Grün - Kultur". Dabei waren neben der GALK der DGGL, DBG, FLL, BDLA und BGL sowie der SRL. Erstmals dabei war der Bundesverband Beruflicher Naturschutz, BBN mit seinem Präsidenten, Prof. Klaus Werk.

Im Rückblick auf das vergangene Jahr erläuterte GALK-Präsident Götz Stehr die Rolle des Weißbuchprozesses, an dem sich die Gartenamtsleiter bundesweit intensiv beteiligt haben: Entstanden sei "eine wesentlich engere Vernetzung und ein sehr konstruktiver Austausch, sowohl auf der fachlichen als auch auf der politischen Ebene. Von diesem neu entstandenen Netzwerk hoffen wir noch lange profitieren zu können". Nun gelte es, die Ziele des Weißbuchs ins Visier zu nehmen und an der Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen zu arbeiten: "Spannend wird es ja erst jetzt: Wie laufen die Förderprogramme an, wie kommen die Inhalte des Weißbuches in den Städten und auch in den kleineren Gemeinden an, also in der für unsere Zunft oft entscheidenden Lokalpolitik?"

Was auf Bundesebene künftig geplant ist, erläuterte die Abteilungsleiterin im Bundesbauministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und öffentliches Baurecht, Anke Brummer-Kohler, die Bundesministerin Hendricks vertrat: So soll "unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2020 eine neue Leipzig Charta 2.0 verabschiedet werden". Zudem würde alle vier Jahre eine Evaluation des Weißbuchs auch im Bundeskabinett erfolgen und jährlich ein Dialogforum zu "Grün in der Stadt" stattfinden. Prof. Hagen Eyink, ebenfalls vom Bundesbauministerium ergänzte: "Erstmals hat sich der Bund zum Thema Stadtgrün bekannt". Nun sollten die Gemeinden aktiv werden und die angekündigten Förderprogramme ausschöpfen. In weiteren drei Themenblöcken wurden Thesen zum öffentlichen Grün vorgestellt.

Im Block "Wert und Nutzen von öffentlichem Grün - Infrastruktur Plus" beschrieb Prof. Dr. Kai Niebert, Universität Zürich und Präsident des Deutschen Naturschutzrings, die Rahmenbedingungen für eine umweltgerechte Stadt im neuen Zeitalter des Anthropozän. Prof. Dr. Ingo Kowarik von der TU Berlin erläuterte, welchen (volkswirtschaftlichen) Wert Grün in der Stadt haben kann. So hat ein Hektar zusätzliche Grünfläche in einem durchschnittlich mit Grün versorgten Stadtgebiet für die Lebenszufriedenheit statistisch gesehen dasselbe Gewicht wie ein Zusatzeinkommen von 276 Euro pro Jahr und Einwohner. Im Umkehrschluss wird die Volkswirtschaft mit Risiken belastet, wenn eine grüne Umgebung nicht vorhanden ist, etwa durch Hitzestress, Lärm oder Staubbelastung.

Dr. Noa K. Ha referierte über "Die Un-/Bekannten Anderen - Neue und Alte Nutzergruppen in öffentlichen Räumen" und schärfte den Blick für die Wahrnehmung und Nutzung des öffentlichen Raums durch Migranten. Diese leben häufig in beengten Verhältnissen, so dass der öffentliche und grüne Freiraum für ihr soziales Leben von erheblicher Bedeutung ist. Nicht zuletzt können sie durch private Verkaufsstände auf der Straße die geringen Einkünfte aufbessern, wie ein Projekt in New York zeigte. Prof. Dr. Grit Hottenträger ergänzte hierzu Studienergebnisse zur Freiraumnutzung von türkischstämmigen Migranten. Lieblingsorte in der Stadt sind hier insbesondere die Grünflächen, mit dem Ziel, mit Freunden und Verwandten zu kommunizieren. Mechthild Klett

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 08/2017 .

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