Ökohydrologie an der TU Berlin

Starkregen, Erosion, Dürren: Prof. Eva Nora Paton setzt neuen Schwerpunkt

Eva Nora Paton hat eine Heisenberg-Professur der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Sie lehrt das neue Forschungsgebiet Ökohydrologie. Foto: Philipp Arnoldt Photography

Eine Heisenberg-Professur ist ein Instrument der Deutschen Forschungsgemeinschaft, um herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern den Weg zur Langzeitprofessur zu öffnen. Als erste Professorin am Institut für Ökologie wird Prof. Eva Nora Paton mit ihrem Fachgebiet Ökohydrologie ein neues Forschungsgebiet in den angewandten Umweltwissenschaften aufbauen, welches die Wechselwirkungen von Böden, Wasser und Vegetation untersucht. Im Vordergrund wird die Analyse von Störungsregimen wie Starkregen, Erosion, Dürren und Landdegradierung in stark modifizierten Systemen stehen.

Die noch recht neue Wissenschaftsdisziplin Ökohydrologie vereinigt die Wissenschaftsgebiete Geomorphologie, Hydrologie und Ökologie und ist deshalb hochgradig interdisziplinär. "Diese Interdisziplinarität verschafft uns die Möglichkeit, Phänomene in den Umweltwissenschaften zu verstehen, die wir bisher nicht verstehen konnten", sagt Eva Nora Paton, die Ingenieurwissenschaften und Mathematik studierte sowie in London und in den USA innerhalb des Long Term Ecological Research Network promovierte. Im Südwesten Amerikas, in New Mexiko zum Beispiel, zogen einst bis zu fünf Millionen Tiere über die Savannen. Diese intensive Beweidung machte innerhalb von 30 Jahren aus einem intakten Ökosystem eine Dornenbuschwüste, die in der Literatur der 1930er-Jahre als Dust Bowl - Staubschüssel - beschrieben wurde. "Aber selbst als man beschlossen hatte, große Areale von der Viehbewirtschaftung auszuschließen, schritt die Degradierung des Bodens trotzdem weiter voran. Denn man hatte nicht verstanden, dass die Landschaftsstruktur durch anhaltende Erosion mittlerweile so stark verändert wurde, dass durch interne Rückkopplungsprozesse der Boden immer weiter verarmte", berichtet Eva Nora Paton, die viele Jahre in Amerika gearbeitet hat.

Ihr großes Forschungsziel ist es, die Veränderung von Landschaften vorherzusagen, damit der Mensch seine Nutzung anpasst und einer Landdegradierung vorgebeugt werden kann. Dazu entwickelt sie gemeinsam mit ihrer Arbeitsgruppe prozessbasierte, gekoppelte ökohydrologische Modelle, die es ermöglichen, für unterschiedliche Störregime zu analysieren, wann die Degradierung des Bodens einsetzt, warum und mit welcher Schnelligkeit und wie die besten Anpassungsstrategien ausgewählt werden können. "Dafür kombinieren wir Daten wie das Vegetationswachstum und den Vegetationszustand, die Bodenfeuchte, Erosionserscheinungen durch Oberflächenabfluss bei Starkregen und vieles mehr", erläutert Eva Nora Paton. Ihren zweiten Forschungsschwerpunkt wird sie auf urbanes Grün und Hitzestress legen. Wasserstress in Städten sei ein Thema, das weltweit mehr und mehr an Bedeutung gewinne und das Institut für Ökologie sei der ideale Forschungsstandort, um diese Expertise auszubauen, so Paton.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 10/2016 .

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