Studie

Was macht kommunalen Klimaschutz erfolgreich?

Eine politikwissenschaftliche Studie der Uni Magdeburg zeigt Bedingungen auf, die wirksame Klima-Governance in Sachsen-Anhalt wahrscheinlicher machen. Dazu wurden alle Kommunen des Bundeslandes untersucht.
Forschung und Bildung
Blick über den Rotehornpark auf die Magdeburger Innenstadt. Die Uni Magdeburg hat Erfolgsfaktoren für gute Klima-Governance in Sachsen-Anhalt untersucht. Foto: Olivier Cleynen, eigenes Werk / CC BY 4.0

Politikwissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben Faktoren identifiziert, die erfolgreichen kommunalen Klimaschutz in Sachsen-Anhalt begünstigen. Die Studie zeigt: Klimaschutz kommt dort besser voran, wo er politisch gewollt, organisatorisch verankert und personell verlässlich begleitet wird.

Die Untersuchung entstand unter der Leitung von Prof. Michael Böcher vom Bereich Politikwissenschaft. Analysiert wurden Klimaschutzprozesse und -strukturen in Städten, Gemeinden und Landkreisen Sachsen-Anhalts. Die Ergebnisse machen sichtbar, welche Bedingungen vor Ort langfristige Strategien und kontinuierliche Maßnahmen fördern. Sie sollen Kommunen helfen, ihre Klimaschutzarbeit wissenschaftlich fundiert zu prüfen und gezielt weiterzuentwickeln.

„Mit den 13 Erfolgsfaktoren können Kommunen systematisch überprüfen, wie ihre Klimaschutzaktivitäten organisiert sind und an welchen Stellen Verbesserungen möglich sind“, sagt Projektleiter Prof. Michael Böcher. Der Ansatz richte den Blick bewusst auf politische Prozesse und Zusammenarbeit, also auf die Voraussetzungen, unter denen Klimaschutz vor Ort tatsächlich umgesetzt wird.

Dafür untersuchte das Forschungsteam über zweieinhalb Jahre die Klimaschutzprozesse in allen Kommunen Sachsen-Anhalts. Ergänzend wurden Fallstudien in acht besonders aktiven Kommunen durchgeführt: im Landkreis Harz, im Landkreis Stendal, im Salzlandkreis, in Dessau-Roßlau, in Bad Lauchstädt, Oschersleben, Schönebeck und in der Verbandsgemeinde Mansfelder Grund-Helbra.

Strukturen und Unterstützung sind Erfolgsfaktoren

Grundlage der Studie waren Interviews mit Klimaschutzmanagerinnen und -managern, Verwaltungsmitarbeitenden sowie Vertreterinnen und Vertretern kommunaler Leitungsebenen. Hinzu kamen Auswertungen kommunaler Webseiten und strategischer Dokumente wie Klimaschutzkonzepte, Leitbilder und weitere Planungsunterlagen.
Nach Angaben Böchers fördern vor allem klare Zuständigkeiten, politische Rückendeckung, funktionierende Kooperationen und ein eigenständiges Klimaschutzmanagement die Umsetzung vor Ort. „Kommunen, die solche Strukturen aufgebaut haben, können Maßnahmen meist langfristiger planen und umsetzen“, sagt er.

Besonders wirksam seien außerdem sogenannte Win-win-Lösungen – also Maßnahmen, die das Klima schützen und zugleich wirtschaftliche Vorteile bringen. Dazu zähle etwa die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED. „Solchen Maßnahmen stimmen auch kommunale Politiker eher zu, selbst wenn sie von der Notwendigkeit einzelner Klimaschutzmaßnahmen noch nicht vollständig überzeugt sind“, so Böcher.

Der entwickelte Selbstcheck soll Kommunen zusätzlich dabei unterstützen, die eigene Ausgangslage realistisch einzuschätzen und konkrete nächste Schritte abzuleiten.
„Kommunen sind eine zentrale Ebene für wirksamen Klimaschutz, weil sie bei Stadtentwicklung, Gebäuden, Energie, Mobilität und Infrastruktur unmittelbar handeln können“, sagt der Politikwissenschaftler.

Geplant ist zudem eine Kurzstudie, die Klimaschutzaktivitäten im Land und gelungene Praxisbeispiele aus den untersuchten Regionen dokumentiert. Sie soll Kommunen als Orientierung dienen, die ihre Maßnahmen ausbauen oder verbessern wollen. Die Veröffentlichung erscheint in den kommenden Wochen in der Schriftenreihe des Lehrstuhls und wird online verfügbar sein.

Katharina Vorwerk, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

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