Kommentar

Urbane Friedhöfe als Experimentierraum

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Friedhöfe gehören zu den wichtigsten urbanen Grünflächen in einer Stadt. Selten wird das bisher so direkt angesprochen. Friedhöfe sind oft historische Grünflächen mit einem altem Baumbestand und einer großen Pflanzenvielfalt. Unzählige Tierarten leben hier. Das haben vielfältige Untersuchungen gezeigt.

Im Vergleich zu Parks oder Kleingärten sind Friedhöfe leise und verschattet. Für Mensch, Pflanze und Tier bedeuten sie einzigartige Rückzugsräume, vor allem in Zeiten des anthropogenen Klimawandels und damit einhergehend Hitze und Trockenheit.

Die relative Abgeschiedenheit von Friedhöfen im urbanen Raum ermöglicht es Arten, Nischen zu besetzen und sich langsam anzupassen an das "neue Klima". Das ist eine völlig unterschätzte Chance der natürlichen Adaption von Stadtvegetation und urbaner Fauna an den Klimawandel und damit zum Arterhalt. Gleiches gilt auch für urbane Brachen, wo unter viel trockeneren und einstrahlungsexponierteren Bedingungen Ähnliches passiert: Die Natur experimentiert.

Aber auch für die Stadtbewohner*innen sind Friedhöfe mittlerweile mehr als Nischen für mentale Erholung von den multiplen Stressoren einer Stadt: Lärm und Luftverschmutzung. Neue Nutzungen findet man auf Friedhöfen: Lesen, Spazierengehen und sogar Treffen mit Freunden. Wir erleben immer mehr aufgelassene Friedhöfe, welche von neuen Nutzungen und Nutzern in Anspruch genommen werden: grüne Klassenzimmer, Nachbarschaftsgärten mit Pflanzkisten oder auch einfach Parkbänke, welche sich Teile der grünen stillen Oasen erobern. Das ist gut.

Solange wir Friedhöfe als Rückzugsorte für alle Stadtbewohner*innen verstehen, Mensch, Pflanze und Tier. Das Recht auf Sukzession auf Friedhöfen sind essenziell für den Erhalt der sensiblen Systeme, aber auch deren Öffnung und bessere Zugänglichkeit für alle Stadtbewohner: Nur so können wir alle das sukzessiv-dynamische als auch das verschattet ruhige Potenzial dieser grünen Infrastruktur zur Entfaltung bringen in der Stadt der Zukunft. Und der Natur beim Experimentieren zuschauen.

Und Evidenz ist da: Die Corona-Pandemie 2020/2021 hat gezeigt, wie wichtig diverse Natur nahe der eigenen Wohnung ist, die Hitzesommer 2018/2019, wie wertvoll die Eigenschaft sich an Hitzewellen anzupassen.

Dagmar Haase


Weiterführende Literatur:

Haase, Dagmar (2021). COVID-19 pandemic observations as a trigger to reflect on urban forestry in European cities under climate change: Introducing nature-society-based solutions. Urban Forestry and Urban Greening 64, 127304. doi.org/10.1016/j.ufug.2021.127304.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 11/2021 .

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