bdla-Berlin

Verband fordert strategische Bodenbevorratung für grüne Infrastruktur

Friedhöfe sollten nicht verkauft werden, sondern als innerstädtische Grünflächen erhalten bleiben, sagt der Berliner bdla-Landesvorsitzende Eike Richter. Dies wäre ein freiraumpolitisches Debakel. Foto: Karl-Heinz Liebsch, pixelio.de

Berlin befindet sich erstmals seit Jahrzehnten in der Lage, eine bevorratende Bodenpolitik zu betreiben. Doch von einem gezielten und strategischen Vorgehen fehlt jede Spur. Gekauft werde alles, was "nicht niet- und nagelfest sei", wird der Regierende Bürgermeister in der Presse zitiert. Dabei stehen nun die Chancen gut, strategisch nicht nur diejenigen Flächen anzukaufen, die zum Neubau von Wohnungen und sozialer Infrastruktur gebraucht werden, sondern auch neue Grünflächen mitzudenken.

Die wachsende Stadt braucht dringend Flächen für eine mitwachsende Grüne Infrastruktur. Dies können Grünzüge, Uferrandstreifen, naturnahe Ausgleichs- und Ersatzflächen oder Potenzialflächen für Vereins- und Breitensport sein, zum Beispiel als Ergänzung für zu kleine Schulgrundstücke.

Ein Beispiel für ein stark vernachlässigtes Flächenpotential sind die so genannten Friedhofsüberhangflächen. Aufgrund des Trends zur Urnenbestattung werde hier immer weniger Platz benötigt. Viele Friedhöfe sollen deshalb Gewinn bringend veräußert werden, um die Kassen der Kirchen wieder aufzufüllen. Das bedeutet daher in der Regel eine Umwidmung in Bauland. Zwar wollen die Kirchen auch soziale Projekte wie Wohnheime für Geflüchtete, Wohnen für behinderte Menschen etc. umsetzen, aber aus "freiraumplanerischer Sicht ist diese Entwicklung ein Debakel", so Eike Richter, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla). Denn die Friedhöfe bieten bereits alles, was man sich von einer urbanen Grünanlage erhofft: einen wunderbaren alten Baumbestand, Wege und Bänke. Und sie befinden sich meist in Ortsteilen mit einem großen Freiflächendefizit. Darüber hinaus bilden die Friedhöfe das kulturelle Gedächtnis Berlins und seiner Entwicklung zur Weltstadt.

Nun bestünde die Chance, diese Grünflächen in kommunalen Besitz zu überführen und weiter zu qualifizieren. Vor dem Hintergrund von Klimawandel und der Lebensqualität in der Metropole könne man es sich nicht mehr leisten, gewachsene Grünflächen und alte Bäume Baukörpern weichen zu lassen. "Berlin will und soll kaufen, aber bitte richtig und mit strategischem Blick auf die Entwicklung der Grünen Infrastruktur", fordert Richter. Mit dem Kauf allein ist es aber nicht getan: Zusätzlich müssten ausreichende Mittel für die Entwicklung und Pflege der angekauften Flächen bereitgestellt werden!

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 03/2020 .

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