Verschattung und Kühlung durch begrünte Ergänzungsflächen

Klimaanpassung von urbanen Sportfreianlagen

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Der Klimawandel mit einhergehenden Witterungsextremen wie Hitze, Trockenheit, Sturm und Starkregen stellt gerade im dicht bebauten städtischen Raum planende, entscheidende und im urbanen Raum lebende Menschen vor Herausforderungen (Dosch et al., 2017).
Klimaanpassung Klimaschutz
1 Begrünte Ergänzungsfläche einer Sportfreianlage im Sommer. Foto: Jutta Katthage

Der Boden spielt dabei eine zentrale Rolle zur Minderung von Klimafolgen und für den Klimaschutz (Becker et al., 2015). Durchlässige Böden können Wasser aufnehmen und zurückhalten. Zudem "senken [Bäume] die gefühlte Temperatur im Freiraum durch Verdunstung und Verschattung um bis zu 10°C" (Banihashemi et al., 2021, S. 5). Bei Sportfreianlagen können sich durchlässige und wasserspeichernde Böden und Vegetationsflächen insbesondere in den Ergänzungsflächen befinden.

Klimafolgen auf Sportfreianlagen

Hoch versiegelte und verdichtete Siedlungsgebiete mit geringen Vegetationsflächenanteilen können an Hitzetagen zu Hitzeinseln in der Stadt werden. Hitzetage sind definiert mit einer Tageshöchsttemperatur von ≥ 30 Grad Celsius. In Tropennächten sinkt die Tiefsttemperatur nicht unter 20 Grad Celsius (Becker et al., 2015).

Neben dem Einfluss auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Bevölkerung hat die Hitze Auswirkungen auf die Vegetation, indem Vegetationsflächen vertrocknen oder Trockenschäden erleiden können. Lebendige Vegetationsflächen können einen klimatischen Wirkungsbereich von 200 bis 300 Metern versorgen (Kowarik et al., 2016, S. 58). Es ist anzunehmen, dass Sportfreianlagen mit Spielfeldern mit einer Größe von bis zu 8000 Quadratmeter und vegetationsreichen Ergänzungsflächen dies ebenfalls leisten.

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2 Bäume können zur Verschattung der Sportflächen und somit zur Kühlung beitragen. Foto: Jutta Katthage
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3 Ergänzungsflächen in dichtbesiedelten Regionen sind oft wenig begrünt. Foto: Jutta Katthage
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4 Wohnbebauung an einem Großspielfeld. Foto: Jutta Katthage

Maßnahmen zur Klimaanpassung: Begrünen, kühlen und verschatten

    Becker et al. (2015) nennen Handlungsfelder zur Minderung von Hitzeinseln, welche auch von Sportfreianlagen übernommen werden können:

    • Begrünen,
    • Rückhalten, Verdunsten und Kühlen sowie
    • Verschatten, Rückstrahlen und Freihalten von zum Beispiel Kaltluftbahnen.

    Ein wichtiger Faktor bei der Vermeidung von Hitzeinseln stellt unter anderem die Verschattung dar. So beinhaltet die deutsche Klimaanpassungsstrategie 2024 das Cluster "Aktivierung von Stadtgrün, um Hitzebelastung zu reduzieren" (BMUV, 2024, S. 70). Demnach soll das Gesundheitsrisiko durch Hitze in besonders thermisch belasteten Gebieten beziehungsweise in Gebieten mit hitzesensitiver Bevölkerung reduziert und die Kühlleistung, Erreichbarkeit und Erholungsfunktion des Stadtgrüns und der Freiflächen verbessert werden. Erreicht werden soll dieses Ziel etwa "durch den Erhalt, die Weiterentwicklung und Qualifizierung grüner Infrastruktur [. . . ]" (BMUV, 2024, S. 70). Dies betrifft auch die Ergänzungsflächen von Sportfreianlagen.

    Der Beitrag der Ergänzungsflächen für das Stadtklima lässt sich etwa durch den Vegetationsflächenanteil und die biologische Vielfalt bewerten. Es ist davon auszugehen, dass Ergänzungsflächen je nach Gestaltung und Instandhaltung höhere Beiträge zur Klimaanpassung und zum Umweltschutz leisten können als Sportflächen.

    Katthage (2022) hat 22 Sportfreianlagen unterschiedlichen Typs in Deutschland untersucht. Hierbei hat sie festgestellt, dass insbesondere in dichtbesiedelten Metropolregionen der Vegetationsflächenanteil von Sportfreianlagen gering ist (Tabelle 1). Dies lässt sich vor allem auf die Flächenverfügbarkeit im urbanen Raum und die gesteigerte Nutzungsintensität zurückführen. So rückte in den vergangenen Jahrzehnten zum einem die Bebauung näher an Sportfreianlagen heran und zum anderen mussten – auch durch eine diversere Sportartennachfrage – weitere Sportflächen geschaffen werden.

    Sportfreianlagen mit einem geringen Vegetationsflächenanteil von 0–33 Prozent haben überwiegend Sportböden aus Kunststoffrasensystemen oder Tennenflächen. Der Beitrag dieser Sportböden zur Klimaanpassung und zum Umweltschutz ist in der Regel gering. Zudem können je nach Sportboden hohe Oberflächentemperaturen entstehen. An diesen Orten ist somit eine Kühlung hilfreich, beispielsweise durch schattenspendende Vegetation.

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    5 Staubende Tennenflächen im Sommer. Foto: Jutta Katthage
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    Tabelle 1: Vergleich Vegetationsflächenanteil Stadt- und Metropolregion
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    Tabelle 2: Vegetationsflächenanteil im Verhältnis zum Sportfreianlagenalter.

    Nutzungserweiterung vs. Vegetationsflächenanteil

    Von 20 Sportfreianlagen der Stichprobe von Katthage (2022) liegt das Sportfreianlagenalter vor. Sportfreianlagen, die zwischen den Jahren 1945 bis 1960 gebaut wurden, haben oft einen geringen Vegetationsflächenanteil (Tabelle 2). Dieses Ergebnis lässt sich teilweise auf Erweiterungsbauten zurückführen, wie etwa Skate- oder Calisthenics-Anlagen.

    Einerseits tragen insbesondere große, zusammenhängende Sportfreianlagen mit Großspielfeldern aus Sportrasenflächen und vielfältig gestalteten Ergänzungsflächen zur Verschattung und Kühlung bei. Darüber hinaus erfüllen begrünte Ergänzungsflächen neben ihrer ökologischen Funktion auch soziale Funktionen, indem sie Aufenthaltsorte für Sporttreibende und Zuschauende darstellen. Angrenzende Spielmöglichkeiten, die durch Begrünung verschattet sind, erfüllen vor allem die Bedürfnisse von Familien, die als Zuschauende bei Wettkämpfen oder Spieltagen anwesend sind. Andererseits können bauliche Anpassungen sowohl vor dem Hintergrund von längeren und stärkeren Hitzeperioden als auch zur Nutzungserweiterung wichtige Maßnahmen zur Förderung der Sicherheit und Gesundheit der Nutzenden von Sportfreianlagen darstellen. Neben Überdachungen können hier auch Schutzhütten eine Rolle spielen. Bei der Planung solcher Maßnahmen sollten die Bedürfnisse der Nutzungsgruppen, wie etwa Schulen, Sportvereine, berücksichtigt werden, um vielfältige Nutzungskonzepte zu ermöglichen. Zudem sollten Fassaden- und Dachbegrünungen geplant werden und somit bauliche Anpassungen mit Vegetationsstrukturen verbinden.

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    6 Weitere Sportflächen auf einer Sportfreianlage. Foto: Jutta Katthage
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    7 Weitere Sportflächen auf einer Sportfreianlage. Foto: Jutta Katthage

    Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt

    Zur biologischen Vielfalt konstatierte die Initiative "Grüne Liga Berlin", dass Sportfreianlagen in den Ergänzungsflächen für heimische Tier- und Pflanzenarten wertvolle Biotope darstellen können, die weiter zu entwickeln sind (Grüne Liga Berlin, 2013). Sportrasenflächen spielen für die biologische Vielfalt eine untergeordnete Rolle, da sie durch ihre intensive Nutzung, den häufigen Schnitt und regelmäßige Düngung eine geringe biologische Vielfalt aufweisen (Schüler & Stahl, 2008). Die biologische Vielfalt der Sportfreianlagen der oben genannten Stichprobe ist gering, da es wenige vernetzende Vegetationsstrukturen und eine geringe Artenvielfalt gibt (Katthage, 2022).

    Große, zusammenhängende Sportfreianlagen haben nicht nur flächenmäßig mehr Vegetationsflächen, sondern verfügen auch über eine höhere Artenvielfalt als einzelne Großspielfelder. Somit geht von größeren Sportfreianlagen quantitativ und qualitativ ein höheres Potential zum Klima- und Umweltschutz aus.

    Auch hier können ergänzende soziale Funktionen erfüllt werden, indem Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt gemeinsam mit Sporttreibenden und Sportvereinsmitgliedern gestaltet werden. Hierbei bieten sich auch Projekt- oder Aktionstage im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung mit Schulen an, um das Wissen zu biologischer Vielfalt zu fördern und Aufmerksamkeit für die Funktion der Ergänzungsflächen zu schaffen (UBA, 2021).

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    8 Begrünte Ergänzungsflächen sind oft artenarm, bieten jedoch häufig Schatten in Randbereichen des Spielfelds. Foto: Jutta Katthage
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    9 Begrünte Ergänzungsflächen sind oft artenarm, bieten jedoch häufig Schatten in Randbereichen des Spielfelds. Foto: Jutta Katthage

    Fazit

    Zusammenfassend ist festzustellen, dass neben Pilotprojekten zur Notentwässerung über Sportfreianlagen (Hauschild, 2018), begrünte Ergänzungsflächen Beiträge zur Klimaanpassung im urbanen Raum leisten können. Vorteile ergeben sich etwa durch offene und durchlässige Bodenflächen, schattenspendende Gehölze und die Absenkung der Umgebungstemperatur. Speziell in dichtbesiedelten Metropolregionen ist der Vegetationsflächenanteil und die Artenvielfalt von Flora und Fauna gering. Im Rahmen einer ganzheitlichen Entwicklung von Sportfreianlagen sollte neben dem Sportflächenangebot auch die Gestaltung der Ergänzungsflächen berücksichtigt werden, so dass Sportfreianlagen im Sinne der kommunalen Klimaanpassungsplanung Beiträge für die Sportaktiven und die Anwohnenden bieten können. Darüber hinaus können Ergänzungsflächen einen Beitrag leisten, um unterschiedliche Bedürfnisse von Sporttreibenden und Zuschauenden zu erfüllen.

    Literatur

    Banihashemi, F., Erlwein, S., Harter, H., Meier-Dotzler, C., & Zölch, T. (2021). Grüne und graue Maßnahmen für die Siedlungsentwicklung: Klimaschutz und Klimaanpassung in wachsenden Städten. gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Leitinitiative Zukunftsstadt (Technische Universität München, Hg.).

    Becker, C., Hübner, Sven, Sieker, H., & Gilli, S. (2015). Überflutungs- und Hitzevorsorge durch die Stadtentwicklung: Strategien und Maßnahmen zum Regenwassermanagement gegen urbane Sturzfluten und überhitzte Städte. Ergebnisbericht der fallstudiengestützten Expertise "Klimaanpassungsstrategien zur Überflutungsvorsorge verschiedener Siedlungstypen als kommunale Gemeinschaftsaufgabe" (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Hg.).

    Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (2024). Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel 2024: DAS 2024. Abruf unter https://t1p.de/v6k0i (PDF).

    Dosch, F., Fischer, B., Haury, S., & Wagner, J. (2017). Weißbuch Stadtgrün: Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Zukunft (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Hg.).

    Grüne Liga Berlin. (2013). Sportplatzdschungel. Abruf unter sportplatzdschungel.de/gestaltung/(PDF)

    Hauschild, T. (2018). Entwicklungspotenziale bestehender Sportfreianlagen in Hamburg: Der Sportraum in der wachsenden Stadt. Stadt + Grün(12), 46–49.

    Katthage, J. (2022). Nachhaltigkeit von bestehenden Sportfreianlagen: Gesellschaftlicher Nutzen von normierten und wettkampforientierten Sportfreianlagen [Dissertation] Technische Universität München, München. Abruf unter mediatum.ub.tum.de

    Kowarik, I., Bartz, R., & Brenck, M. (2016). Ökosystemleistungen in der Stadt: Gesundheit schützen und Lebensqualität erhöhen (I. Kowarik, R. Bartz & M. Brenck, Hg.). Naturkapital Deutschland-TEEB DE.

    Ökobilanz für den Vergleich der Umweltauswirkungen von Natur- und Kunstrasenspielfeldern: Endbericht (2008). Öko-Institut – Institut für angewandte Ökologie.

    Umweltbundesamt (2021). Transformatives Lernen durch Engagement. Abruf unter https://t1p.de/5a04t (PDF).

    Dr.-Ing. Jutta Katthage
    Autorin

    Expertin für nachhaltige und verkehrssichere Sportanlagen

    M.Sc. Lea Rossi
    Autorin

    Bundesinstitut für Sportwissenschaft Fachbereich I Forschung und Entwicklung

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