Vordenker der Einfachheit

150 Jahre Heinrich Tessenow: Die Aktualität des einfachen Bauens

Anlässlich seines 150. Geburtstags, den Heinrich Tessenow (1876–1950) am 7. April 2026 begangen hätte, wurde das Werk des bedeutenden deutschen Architekten und Hochschullehrers in Berlin gewürdigt.
Persönliches Personen
Vor 150 Jahren wurde der Architekt Heinrich Tessenow in Rostock geboren und verstarb 1950 in Berlin – Anlass für eine Würdigung, die der AIV-Berlin-Brandenburg Ende April initiierte. Abbildung: AIV

Tessenow, der zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Reformarchitektur zählt, verstand es, Praktisches mit Künstlerischem zu verbinden. Sein Schaffen, das sich insbesondere dem (Klein-)Wohnungsbau widmete, war von der Maxime geleitet: „Das Einfache ist nicht immer das Beste; aber das Beste ist immer einfach“.

Im Zentrum seiner Philosophie stand die Einfachheit – nicht als formale Reduktion, sondern als eine kulturelle und ethische Haltung, die Architektur, Kunst und Lebenspraxis miteinander verknüpfte. Tessenow setzte auf kompakte, materialsparende und handwerklich präzise Bauten. Diese Prinzipien gewinnen in der aktuellen Debatte um Wohnungsnot und Ressourcenknappheit neue Relevanz, da sie eine Konzentration auf das Wesentliche, Klarheit, Maß und Verantwortung als Ausgangspunkt von Architektur fordern.

Seinen größten Einfluss hatte Tessenow zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Mitgestalter der ersten deutschen Gartenstadt in Hellerau bei Dresden (1909–1913), wo er Wohnhäuser und das berühmte Festspielhaus entwarf. Auch in der Gartenstadt Falkenberg gestaltete er das einzige nicht von Bruno Taut entworfene Gebäude. Später gewann er 1931 den Wettbewerb zur Umgestaltung der Neuen Wache in Berlin.

Insbesondere wurde sein Jubiläum in der Veranstaltung „Einfaches Denken und Leben“ Ende April gefeiert. Eingeladen hatten der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV), die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin und das Heinrich Tessenow-Institut Hamburg. Die Veranstaltung, die in der Kunstbibliothek am Matthäikirchplatz in Berlin stattfand, beleuchtete Tessenows Nachlass und seine theoretischen Positionen anhand von Originalzeichnungen, Briefen und Skizzen.

Führende Experten aus Baugeschichte, Städtebau sowie Kunst- und Handwerksdiskurs boten in Vorträgen interdisziplinäre Perspektiven auf das Werk des Architekten. Der Abend schloss mit einer Podiumsdiskussion zur heutigen Relevanz seiner Ideen. Tessenows Fokus auf überschaubare Einheiten, die sich in ihr Wohnumfeld einfügen, wird heute als wichtiges Argument in der aktuellen Stadtentwicklungsdebatte gesehen, um die Akzep-tanz von Neubau- und Nachverdichtungsmaßnahmen zu fördern.

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