Warum unsere Agrarlandschaft wieder mehr Gehölze braucht

Mit Hecken in die Zukunft

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Weite Felder erstrecken sich ohne Bäume oder Sträucher bis zum Horizont. Die Böden werden immer trockener, davongeweht oder weggeschwemmt. Mancherorts gibt es solche Einöde in der Agrarlandschaft bereits. Sie bedroht nicht nur den Lebensraum vieler Arten und die Schönheit unserer Landschaft, sondern auch die natürliche Grundlage der Landwirtschaft selbst: unseren Boden.
Hecken Landwirtschaft
1 Statt strukturreicher Kulturlandschaft wie hier in Franken ... Foto: Michael Grolm (BaumLand/Obstbaumschnittschule)
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Abb. 2: ... trifft man vermehrt auf ausgeräumte Landschaften ... Foto: Dr. Benedikt Ehrenfels (BaumLand-Kampagne)
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Abb. 4: ... und technische „Lösungen“. Foto: Michael Grolm (BaumLand/Obstbaumschnittschule)

Starkregenereignisse und längere Trockenheitsphasen nehmen im Rahmen der Klimaveränderung zu. Ausgeräumte Landschaften haben keine Kapazitäten, größere Wassermengen aufzunehmen. Wenn der Wind ungebremst die obersten Bodenschichten fortträgt, geht der fruchtbarste Teil des Bodens verloren.

Im April 2011 kam es auf der Autobahn zwischen Berlin und Rostock sogar zu einer Massenkarambolage, die durch einen solchen "Ackerboden-Sandsturm" ausgelöst wurde. Dabei entstand nicht nur ein Schaden in Millionenhöhe. Acht Menschen verloren ihr Leben und viele weitere wurden schwer verletzt.

Bäume und Sträucher können diese Trends umkehren und haben zahlreiche weitere Vorteile. Nur wie lassen sich Gehölzstrukturen in der Landwirtschaft mit einer ökonomisch attraktiven Bewirtschaftung im 21. Jahrhundert verbinden?

Diesem Thema widmet sich die BaumLand-Kampagne, die sich bundesweit für bessere politische Rahmenbedingungen für Streuobst, Hecken, Alleen und moderne Agroforstsysteme einsetzt und in diesem Artikel über Hecken, ihre Vorteile, die Gründe für den Heckenverlust und auch über Lösungsansätze berichtet.

Hecken: Multitalente für Boden,Klima und Artenvielfalt

Wer übers Land fährt und die Felder und Wiesen betrachtet, der nimmt sie oft nicht mehr aktiv wahr – und doch sind sie seit Jahrhunderten fester Bestandteil unserer Kulturlandschaft: Hecken. Doch Hecke ist nicht gleich Hecke – und schon gar nicht dasselbe wie die akkurat gestutzte Gartenhecke hinterm Haus.

Im landwirtschaftlichen Kontext verstehen wir unter Hecken lineare Gehölzstrukturen aus Sträuchern, oft mit einzelnen Bäumen durchsetzt, die je nach Bewirtschaftungsform in kürzeren oder längeren Intervallen zurückgeschnitten, oder (traditionell) gelegt oder geflochten werden. Sie trennen landwirtschaftliche Flächen voneinander, säumen Wege oder begleiten Gewässer. Als grüne Linien schlängeln sie sich durch die Felder, bilden lebendige Grenzen und bieten uns dabei viele Vorteile, von denen drei hier näher betrachtet werden:

1. Langfristiger Beitrag zum Klimaschutz

Mit jeder neu angelegten Hecke wird CO2 aus der Atmosphäre in ober- und unterirdischer Pflanzenmasse gebunden – pro Grundfläche ist dies ähnlich viel CO2 wie im Wald (pro ha rund 218 t Kohlenstoff, Drexler et al. 2021)!

Würde man die heutige Heckenfläche in Deutschland verdreifachen (zusätzlich 0,7 % der landwirtschaftlichen Fläche), könnte man dadurch einmalig insgesamt rund 64 Millionen Tonnen CO2 binden (Heukrodt 2024). Im Agrarbereich gibt es kaum eine Klimaschutzmaßnahme, mit der auf so wenig Fläche so viel Effekt erzielt werden kann.

Auch durch die Pflege kann ein Beitrag zur CO2-Bindung geleistet werden, etwa wenn man das Schnittgut zu Pflanzenkohle verarbeitet, in den Boden einbringt und so dafür sorgt, dass es für Jahrhunderte im Boden gebunden bleibt.

2. Klimaanpassung der Landwirtschaft

In Zeiten von Hitzesommern und zunehmenden Extremwetterereignissen ist es besonders wichtig, dass Hecken das Wasser in der Landschaft halten. Als Barrieren in der Landschaft wirken sie Wind- und Wassererosion entgegen und bewahren so insbesondere den besonders wertvollen und humusreichen Oberboden. Zudem schützt ihr Schatten die angrenzende Fläche vor Frostschäden und starker Sonneneinstrahlung. Blätter sammeln Tau und verdunsten Wasser, wodurch sie ihre Umgebung kühlen. So sorgen Hecken für ein stabileres Mikroklima, eine verringerte Verdunstung und eine höhere relative Luft- und Bodenfeuchte.

Dies alles fördert die Bodenfruchtbarkeit und sorgt dafür, dass Hecken ein unverzichtbarer Bestandteil einer zukunftsorientierten, klimaangepassten Landwirtschaft sind.

3. Hot-Spot der Biodiversität

Unterschiedlichste Artengruppen nutzen die Hecke als Lebensraum: Von Spinnen und Insekten über kleine Säugetiere bis hin zu Vögeln ist die Hecke als Schutz vor Witterung, Fressfeinden und landwirtschaftlichen Maschinen sowie als Nahrungs- und/oder Brutplatz begehrt. So berichtet eine Studie von 2070 Arten, die auf und an einer 85 Meter langen Hecke in England gefunden wurden (Wolton 2015)! Zum Vernetzen von Biotopen sowie als Wanderkorridor im Klimawandel ist die Hecke von unschätzbarem Wert. Auch sind wir für eine funktionierende Landwirtschaft auf die Bestäubungsleistung zahlreicher Insekten angewiesen, für die die Hecke ein wertvolles Refugium bildet.

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Abb. 4: Hecken halten Feuchtigkeit in der Landschaft – hier in Sachsen gut erkennbar an dem Schnee. Foto: Michael Grolm (BaumLand/Obstbaumschnittschule)

Hecken in Deutschland: Herkunft, Nutzungsformen undregionale Unterschiede

Hecken in Deutschland sind in unterschiedlichen Mustern angelegt worden: So entstanden etwa im Norden und Westen Deutschlands zahlreiche Hecken insbesondere dort, wo Viehhaltung räumlich vom Ackerbau getrennt wurde.

Im 18. Jahrhundert kamen sie zudem im Zuge der Privatisierung der Landwirtschaft vermehrt als sichtbare Grenzmarkierungen zum Einsatz. Wurden Hecken auf feuchtem Boden angelegt, hob man beidseitig Entwässerungsgräben aus und schichtete den Erdaushub in der Mitte zu einem Wall auf.

Auf diese Weise bildeten sich die für das Münsterland und Schleswig-Holsteins typischen Wallhecken, im Norden auch "Knicks" genannt. Der Name verweist auf die bäuerliche Praxis des "Knickens": Dabei wurden einzelne Stämme und Äste entfernt, die übrigen Triebe heruntergebogen oder gebrochen und mit Zweigen benachbarter Sträucher verflochten, um eine für Weidetiere undurchdringliche Barriere zu schaffen.

Die genaue Technik variierte je nach Region. Lernen kann man dies etwa noch in praktischen Heckenlegekursen der Obstbaumschnittschule.

Dienten Hecken hingegen lediglich der Grenzziehung, wurden sie in regelmäßigen Abständen "abgestockt"/"auf den Stock gesetzt". Dabei schnitt man sämtliche Pflanzen eines Heckenabschnitts einige Zentimeter bis rund 60 Zentimeter über dem Boden zurück. Diese Nutzung und Pflege führte dazu, dass immer wieder Stämme entnommen wurden. Dadurch trieben die Sträucher neu aus und verjüngten sich kontinuierlich – sie konnten deutlich älter werden als ungeschnittene Pflanzen, deren zunehmend alternde Stämme irgendwann abstarben.

In anderen Teilen Deutschlands, insbesondere im Süden, verlief die Entwicklung anders. Durch die sogenannte Realteilung, bei der der Grundbesitz unter allen Kindern einer Familie aufgeteilt wurde, war die landwirtschaftliche Organisation kleinteiliger, und ein systematisches Anpflanzen von Hecken fand kaum statt.

Die dort auftretenden Hecken entstanden überwiegend spontan: auf brachliegenden Randstreifen, auf denen etwa Feldsteine lagen, oder entlang von Wegen, wo vom Wind oder von Vögeln eingetragene Samen ungestört keimen konnten.

Häufig war dieses Wachstum erst ab dem späten 19. Jahrhundert möglich, als die wirtschaftliche Not nachließ und es nicht mehr nötig war, selbst schmale Weg- oder Ackerränder von Vieh beweiden zu lassen. Auch diese natürlich entstandenen Hecken wurden vermutlich regelmäßig zurückgeschnitten, damit sie die angrenzende Bewirtschaftung nicht beeinträchtigten.

(Einen historischen Überblick zur Entwicklung der Hecken in Deutschland bietet DVL 2006.)

Hecken: Einst überall –heute stark rückläufig

Während Hecken in einigen Teilen Deutschlands heutzutage fehlen, so waren sie ursprünglich ganz selbstverständlich in hoher Dichte vorhanden. Sie wurden von Bäuerinnen und Bauern gepflanzt, gepflegt und genutzt.

Im Fokus stand neben der Eingrenzung auch das Abhalten von Vieh, die Kennzeichnung von Besitz und vor allem die Ressourcennutzung als Tierfutter, Wildobst und Holz als Energieträger oder zur Konstruktion. Mit zunehmender Industrialisierung und Globalisierung sank die Bedeutung der Hecken.

So ersetzten beispielsweise fossile Energieträger das Brennholz; Obst wurde günstiger und saisonal unabhängig aus dem Ausland bezogen. Die Erfindung von Stacheldraht und Elektrolitzen machten die Hecken als Mittel zur Einfriedung des Viehs überflüssig. Entsprechend unattraktiv wurden die Anlage und regelmäßige Pflege der Hecken.

Im Zuge der Betriebsvergrößerungen und Flächenzusammenlegungen wurden Hecken vielerorts gezielt beseitigt. Zudem wurde ihr Wert für die Landwirtschaft lange unterschätzt: Noch immer hält sich die Vorstellung, eine Hecke nehme vor allem wertvolle Anbaufläche weg und mindere durch Schattenwurf oder Nährstoffkonkurrenz sogar die Erträge auf den angrenzenden Feldern.

So schrumpften die Heckenbestände innerhalb des letzten Jahrhunderts immens. In den ostdeutschen Bundesländern gab es von 1950 bis 1970 die größten Verluste an Hecken, als große Produktionseinheiten für die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften geschaffen wurden.

Aber auch im Westen Deutschlands reduzierten sich die Hecken durch eine Neueinteilung des Landes während der Flurbereinigung.

So sind in den letzten 70 Jahren in Deutschland rund die Hälfte aller Heckenstrukturen verschwunden (Willinger 2022).

Die noch vorhandenen Hecken befinden sich vielerorts in einem schlechten Pflegezustand: Werden Hecken nicht regelmäßig gepflegt, sterben sie entweder ab oder entwickeln sich zu Baumreihen. In beiden Fällen verlieren sie ihre ursprünglichen Funktionen: Der Schattenwurf nimmt zu, der Windschutz lässt nach und Rückzugsmöglichkeiten für Tiere gehen verloren (DVL 2006).

Heute wollen viele Landwirt:innen wieder Gehölze auf ihren Feldern, können aber die Kosten dafür nicht tragen. Außerdem bewirtschaften sie oft Pachtland, auf dem sie ohne Rücksprache keine Hecken pflanzen dürfen.

Hecken Landwirtschaft
Abb. 5: Hecken bieten vielen Tierarten einen Lebensraum – oder dienen als Nahrungsquelle, Brutplatz oder Rückzugsort. Foto: Alexander Tempel
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Abb. 6: So sieht eine gelegte Hecke in Thüringen aus, durchgeführt im Rahmen des Heckenlegekurses der Obstbaumschnittschule. Foto: Michael Grolm (BaumLand/Obstbaumschnittschule)
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Abb. 7: Vielerorts sieht man nur noch die Relikte dieser Technik wie diese Knickharfe in Schleswig-Holstein. Foto: Michael Grolm (BaumLand/Obstbaumschnittschule)

Wie kann es wieder mehr Hecken geben?

1. Nutzungspotenziale stärker in den Mittelpunkt rücken

Hecken sind aus einer Nutzung heraus entstanden – langfristig kann ein Wiederaufleben dieser dafür sorgen, dass die Hecken auch aus wirtschaftlichen Gründen wieder gepflanzt und gepflegt werden. Dies steht im Gegensatz dazu, dass das Management von Hecken oft als reine pflegerische Naturschutzmaßnahme gilt. Erfreulicherweise gibt es inzwischen zahlreiche Pionierprojekte, die die Vorteile vitaler Hecken mit der Nutzung der bei ihrer Pflege anfallenden Ressourcen zusammendenken.

Mehrere Initiativen untersuchen beispielsweise, wie sich Schnittgut aus Hecken und anderen Landschaftselementen sinnvoll als Energiequelle einsetzen lässt. In einem hessischen Projekt wurde zunächst erfasst, wie viele Hecken in der Region vorhanden sind und welche Holzmenge sich daraus – bei regelmäßigem, naturschutzfachlich sinnvollem Abstocken – jährlich gewinnen ließe.

Die Ergebnisse wurden dann mit den Klimaschutzstrategien der beteiligten Dörfer und Landkreise verknüpft: Das gehäckselte Heckenholz ist gröber und weniger einheitlich als herkömmliche Hackschnitzel aus Baumfällungen und eignet sich nur für robuste Heizsysteme – weniger für private Einzelgebäude. Für kleinere Wärmenetze – etwa auf Dorfebene – ist dies jedoch ideal.

Nachdem die Entscheidung gefallen war, das Energiepotenzial der regionalen Hecken für die Wärmeversorgung zu nutzen, konnten kommunale Einrichtungen wie Bauhöfe damit betraut werden, die "Holzernte" zu organisieren. So wird zugleich die Pflege der Hecken gewährleistet, die Energieversorgung regionalisiert und das im Schnittgut gebundene CO2 bleibt in einem sinnvollen Kreislauf gebunden (Momper, Richter 2018).

Andere Projekte befassen sich mit den positiven Eigenschaften von Futterlaub bestimmter Heckenpflanzen (Triebwerk 2025) und einige Unternehmen verarbeiten Heckenfrüchte zu Säften, Marmeladen oder Spirituosen.

Allerdings stehen solche Ansätze wirtschaftlich weiterhin vor Herausforderungen: Die Umstellung auf eine Wärmeversorgung mit regionalem Landschaftspflegeholz erfordert deutlich mehr Vorarbeit als der Einbau einer neuen Öl- oder Gasheizung, ebenso wie Planung, Schnitt und Aufbereitung des Materials zusätzliche Aufwände darstellen.

Auch handwerklich produzierte Marmeladen aus händisch geernteten Heckenfrüchten können preislich nicht mit industriellen Massenprodukten konkurrieren. Sie bleiben vorerst ein Nischenangebot, das vor allem von Menschen gekauft wird, die den ökologischen Mehrwert erkennen – und sich den höheren Preis leisten können.

2. Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen

Auch künftig werden öffentliche Mittel nötig sein, um Hecken anzulegen und zu pflegen. Da Hecken der gesamten Gesellschaft zahlreiche Vorteile bieten und ihre Anlage sowie Pflege im gesamtgesellschaftlichen Interesse liegen, ist es sinnvoll, politisch geeignete Förderprogramme zu schaffen und auszubauen.

In den verschiedenen Bundesländern bestehen unterschiedliche Fördermöglichkeiten, die in der Förderdatenbank auf der Homepage der BaumLand-Kampagne dargestellt werden. Idealerweise deckt eine Förderung nicht nur die Kosten für Pflanzgut und die direkten Pflanzarbeiten ab. Angesichts des hohen Anteils landwirtschaftlicher Pachtflächen in Deutschland – rund 60 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche (BMEL 2023) – sollte auch die Bereitstellung der Fläche honoriert werden.

Eigentümer:innen geben für Heckenpflanzungen dauerhaft landwirtschaftlich nutzbare Flächen auf, was als wirtschaftlicher Wertverlust gilt. Ebenso wichtig sind die Kosten für Beratung und Planung durch Expert:innen. Diese berücksichtigen bereits im Vorfeld die künftige Bewirtschaftung der Hecke und die Nutzung angrenzender Flächen und sorgen so dafür, dass die Hecke langfristig für den Betrieb attraktiv bleibt und ihre Ressourcen später sinnvoll genutzt werden können.

Ein besonders gelungenes Beispiel, wie die direkte Nutzung von Hecken und eine ergänzende, gesellschaftlich honorierte Leistung kombiniert werden können, liefert derzeit Frankreich. Landwirt:innen, die eine Mindestheckenlänge von 35 Meter pro Hektar Acker- und Gesamtfläche einhalten und ihre Hecken nach naturschutzfachlich Qualitätsstandards pflegen, können sich mit einem Heckensiegel zertifizieren lassen. Vergleichbar mit einem Biosiegel wird hierfür eine Prämie von 20 Euro pro Hektar Betriebsfläche ausgezahlt.

Dabei wird berücksichtigt, dass das Wissen um fachgerechtes Heckenmanagement in den letzten zwei bis drei Generationen stark zurückgegangen ist und die heutigen Bewirtschafter:innen dieses Wissen erst wieder neu erwerben müssen. Hinzu kommt, dass viele Hecken heute überaltert oder stark geschädigt sind. Deshalb enthält der Zertifizierungsprozess eine begleitende Unterstützung, die den Einstieg erleichtert. Eine dreistufige Übergangsfrist von insgesamt zehn Jahren erlaubt es, die Standards schrittweise zu erfüllen.

Auch die sinnvolle Nutzung des geernteten Heckenmaterials ist in das Konzept integriert und richtet sich nach den regional vorhandenen Möglichkeiten. Wie beim Biosiegel fällt für die Zertifizierung eine Gebühr an, während eine Kalkulationshilfe einen Überblick über Kosten (Zertifizierung) und Einnahmen (Prämie und Erträge aus Heckenbewirtschaftung) bietet.

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Abb. 8: Hecken brauchen ein regelmäßiges Management – am besten durch eine aktive Nutzung des Aufwuchses. Das Foto zeigt eine abschnittsweise auf den Stock gesetzte Hecke in Schleswig-Holstein. Foto: Michael Grolm (BaumLand/Obstbaumschnittschule)
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3. Mit Kompensation Hecken nachhaltig finanzieren

Da öffentliche Mittel begrenzt sind, können alternative Finanzierungswege eine wichtige Rolle spielen. Kompensationszahlungen sind hierbei ein zentraler Ansatz: Laut Bundesnaturschutzgesetz (§ 18 BNatSchG) muss die Zerstörung von Natur, etwa durch Neubauten oder Straßenbau, durch naturfördernde Maßnahmen an anderer Stelle ausgeglichen werden.

Bauträger verfügen häufig nicht selbst über die Kapazitäten, diesen Ausgleich umzusetzen, und können stattdessen die Leistung "einkaufen" – beispielsweise von Landwirt:innen, die eine Hecke anlegen. Entscheidend für den Erfolg solcher Maßnahmen ist, welche Kosten in die Leistung einfließen dürfen und welche Standards dabei gelten – sie können maßgeblich darüber entscheiden, ob eine Hecken-Neuanlage nachhaltig gelingt oder scheitert.

Zu diesem Zweck verfasst die BaumLand-Kampagne einen Kompensations-Leitfaden. Der Leitfaden wird helfen, das Potenzial der Kompensationsregelungen zu verstehen und erfolgreich in die Praxis umzusetzen.

4. Landwirtschaftliche Flächen nach sozialen und ökologischen Kriterien verpachten

Viele Privatpersonen, Vereine, Kirchen sowie Kommunen, Länder oder der Bund besitzen landwirtschaftliche Flächen, die sie nicht selbst bewirtschaften, sondern verpachten. In der Regel erhält der Betrieb den Zuschlag, der die höchste Pachtgebühr bietet. Eine alternative Vergabepraxis besteht darin, Flächen an diejenigen zu verpachten, die durch ihre Bewirtschaftung den größten Nutzen für die Gesamtgesellschaft erbringen – etwa indem sie auf geeigneten Flächen Hecken pflanzen und pflegen.

Besonders Kirchen, Kommunen, Länder und der Bund tragen hierbei eine besondere Verantwortung, da sie der Schöpfung respektive dem öffentlichen Interesse verpflichtet sind. Engagierte Initiativen haben bereits zahlreiche neue Verfahren zur Pachtvergabe initiiert (AbL Mitteldeutschland 2025). Konkrete Vorschläge zu möglichen sozialen und ökologischen Kriterien hat die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) erarbeitet (AbL 2022).

Auch lassen sich Vorgaben zur Pflanzung von Hecken und Gehölzen direkt in Pachtverträgen festschreiben. Unterstützende, kostenfreie Beratung bietet beispielsweise das Projekt Fairpachten des NABU (NABU 2019).

Im öffentlichen Besitz, insbesondere in Ostdeutschland, befinden sich zudem häufig alte kommunale Wegenetze, die überackert sind und meist an Großbetriebe verpachtet werden. Den Kommunen und anderen staatlichen Institutionen fehlt oftmals das Wissen um das theoretische Bestehen dieser Wege – oder aus Gewohnheit wird an der bisherigen Nutzung nichts verändert.

Wenn auf kommunaler Ebene diese Wege in den Fokus rücken und reaktiviert werden, können Schlaggrößen verringert und an den Wegrändern Hecken- und Baumstrukturen angelegt werden. Auf diese Weise könnte ein großflächiger Biotopverbund entstehen, der sowohl ökologische als auch soziale und gemeinwohlorientierte Ziele miteinander verbindet.

Hecken Landwirtschaft
Abb. 10: Hecken und andere Gehölzstrukturen ... Foto: Michael Grolm (BaumLand/Obstbaumschnittschule)
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Abb. 11: ... bieten Vorteile für die gesamte Gesellschaft. Foto: Michael Grolm (BaumLand/Obstbaumschnittschule)

BaumLand –Mehr Gehölze in die Landwirtschaft

Es ist Zeit für mehr Gehölze in der Landwirtschaft – die BaumLand-Kampagne setzt sich bundesweit für bessere politische Rahmenbedingungen für Streuobst, Hecken, Alleen und moderne Agroforstsysteme ein.

Die Mitarbeiter:innen der Kampagne haben analysiert, wie Förderprogramme und politische Rahmenbedingungen gestaltet werden müssen, um erfolgreich und kosteneffizient gesunde Hecken in unserer Land(wirt)schaft zu fördern.

Dazu blicken sie in verschiedene Bundesländer, suchen nach gut funktionierenden Beispielen und entwickeln eine Strategie mit sinnvollen Elementen für Förderprogramme und Rahmenbedingungen. Sie treten in einen Austausch mit Akteuren vor Ort und politischen Entscheidungsträger:innen und arbeiten daran, gemeinsam die Bedingungen so zu gestalten, dass sie aus Sicht des Naturschutzes wie auch der Landwirtschaft sinnvoll sind und zu wirklichen Veränderungen in der Landschaft führen. Zudem fördert die Kampagne auch die Vernetzung der verschiedenen Akteure innerhalb der Bundesländer sowie bundesweit.

Damit Interessierte einfach herausfinden können, welche finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten es für ihr Heckenprojekt in ihrem Bundesland gibt, hat die BaumLand-Kampagne eine Datenbank erstellt, die in wenigen Klicks die geeigneten Heckenförderungen präsentiert.

Spannende Informationen lassen sich auch auf YouTube in den Aufzeichnungen von Kongressen finden, wie etwa im Rahmen des internationalen Heckenkongresses in Hamburg. Zudem wurde eine Petition gestartet, die über 160.000 Unterschriften für eine ambitionierte Heckenpolitik bekommen hat. Das zeigt: Hecken haben eine breite gesellschaftliche Zustimmung!


Weiterführende Links, etwa zur Förderdatenbank, zu den Videos vom Heckenkongress oder zur Fördermitgliedschaft, finden sich unter: https://stadtundgruen.de/q/?28

KONTAKT

BaumLand-Kampagne –Gehölze in die Landwirtschaft

www.baumland-kampagne.de

kontakt(at)baumland-kampagne.de

QUELLEN

Alle zugehörigen Links abrufbar unter
https://stadtundgruen.de/q/?28

  • AbL; Positionspapier Gemeinwohlorientierte Verpachtung, 2022.
  • AbL Mitteldeutschland; Ackerland in Bauern- und Bäuerinnenhand, 2025.
  • BMEL; Agrarpolitischer Bericht der Bundesregierung 2023, 2023.
  • Drexler, S., Gensior, A., Don, A.; Carbon sequestration in hedgerow biomass and soil in the temperate climate zone, 2021. Reg Environ Change 21, 74.
  • DVL; Landschaftselemente in der Agrarstruktur – Entstehung, Neuanlage und Erhalt – DVL-Schriftenreihe "Landschaft als Lebensraum", Heft 9, 2006.
  • Heukrodt, S.; Welche Vorteile haben Hecken und wo hakt es beim Heckenausbau?, 2024
  • NABU; Gut beraten – Hand in Hand für die Natur. www.fairpachten.org, abgerufen am 29.07.2025, 2019.
  • Momper, P., Richter, F.; Studie zur Feststellung der Gebietskulisse für die Durchführung von Schnittmaßnahmen bis zum Ende der gesamten Wertschöpfungskette, 2018.
  • Triebwerk; Projektvorstellung, 2025. https://futterlaub.de/, abgerufen am 29.07.2025.
  • Willinger, G.; Wie lebende Zäune Klima und Umwelt schützen. Spektrum, 2022.
  • Wolton, R.; Life in a hedge. British Wildlife, 306- 316, 2015.
Dr. agr. Malin Tiebel
Autorin

Koordinatorin der BaumLand-Kampagne

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