Alternative Wege der Pflanzplanung

Wechselflor in Gütersloh 2012

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Flächenüberblick bei der Pflege. Foto: Martina Sluiters

Die Stadt Gütersloh feiert im Jahr 2012 das 100-jährige Jubiläum des Botanischen Gartens. Dieser vom Gärtner und Gartenarchitekten Karl Rogge (1884-1958) konzipierte Garten beziehungsweise Park wurde in den vergangenen 100 Jahren bis heute einfühlsam gepflegt und behutsam erweitert. Jährlich mehr als 170 000 Besucher sind ein Beweis dafür, dass die Anlage sehr gut angenommen wird und einen hohen Identifikationsfaktor bei der Bevölkerung besitzt.

Auslegen der Sommerflorpflanzen nach Plan. Foto: Orel+Heidrich Landschaftsarchitekten

Das Jubiläum wurde nun zum Anlass genommen, unter anderem auch neue Wege bei der Gestaltung der Wechselflorbeete einzuschlagen. Bernd Winkler, Leiter des Fachbereichs Grünflächen der Stadt Gütersloh wagte den Schritt ein externes Planungsbüro für diese Aufgabe anzufragen. In der Vergangenheit wurden die Beete weitgehend, nach ähnlichem Muster eher großflächig und wenig spannungsreich bepflanzt - die Vielfalt der Arten, und Sorten sowie differenzierte Pflanzenkombinationen waren weniger stark ausgeprägt.

Bei seiner Recherche nach adäquaten Planern stieß Bernd Winkler auf das Büro Orel + Heidrich Landschaftsarchitekten aus Herzogenaurach, das unter anderem für individuelle und hochwertige Stauden wie Wechselflorplanungen über Deutschland hinaus tätig ist. Das Büro plante Jahrzehnte unter dem Namen der Gründerin Christine Orel. Seit 2009 wurde Andreas Heidrich, bis dato zwölf Jahre angestellter Mitarbeiter, gleichberechtigter Partner.

In Gütersloh zeigte sich die Aufgabenstellung von einer nicht neuen, aber selten angefragten Seite. Die etwa 500 Quadratmeter Fläche für den Wechselflor sollten nicht allein von externen Planern konzipiert werden. Da die Stadt Gütersloh durch hohes Qualitätsmanagement und ständige Fortbildung dafür gesorgt hatte, dass die zuständigen Gärtnertrupps hohe Qualifikationen und langjährige Erfahrung aufweisen, wurde ein kooperativer Weg eingeschlagen. Es sollten Pflanzungen entstehen, die in enger Zusammenarbeit zwischen Planern und Gärtnern geplant wurden.

Am Anfang stand ein Vortrag von Andreas Heidrich in Gütersloh für die Mitarbeiter des Fachbereichs Grünflächen sowie die Mitglieder des Freundeskreises Botanischer Garten Gütersloh. Hier wurden allgemeine Planungsansätze sowie Planungsphilosophien vorgestellt und diskutiert. Es sollte kein von Außen übergestülptes Konzept entstehen.

Zu einem späteren Zeitpunkt wurde ein Workshop unter Leitung von Andreas Heidrich realisiert, bei dem die verantwortlichen Gärtner zusammen mit dem Planer Konzepte entwickelten. Es entstanden mehrere Planungsvarianten, von denen eine intern für das Jubiläumsjahr ausgewählt wurde. Wichtig beim Planungsprozess war neben der Diskussion über Formensprache und Arrangement auch die Berücksichtigung der örtlichen Erfahrung der Gärtner hinsichtlich Tauglichkeit bestimmter Sortimente für den spezifischen Standort im Botanischen Garten. Als die Zeit der Pflanzung gekommen war stellte das Büro Orel + Heidrich die Bauleitung für den Beginn der Pflanzung, welche in den folgenden Tagen von den engagierten Fachkräften der Stadt Gütersloh fertig gestellt wurde.

Hochsommeraspekt in der 3. Juliwoche. Foto: Orel+Heidrich Landschaftsarchitekten

Es entstanden auf den vier großen Beeten, die optisch nahezu wie eine Einheit wirken großzügige artenreiche Pflanzungen. Große Tuffs zeigen vielfältige Pflanzenbilder, die aus niedrigeren, eher flächenhaft gesetzten Pflanzen wie große Sträuße herauswachsen. Unter anderem spielen Cosmos (Schmuckkörbchen), Cleome (Spinnenblume) und Dahlien eine tragende Rolle, eingestreute Gräser sorgen für duftige Leichtigkeit, die im großen Laub der Ipomea (Süßkartoffel) ihren Gegenpol findet. Bei der Farbkombination wurde vor allem grelles Gelb vermieden.

Nach Jahren der sehr intensiven und fast zu grellen Farbwirkung der Beete, sollten eher die zarten Kombinationen wirken. Rosa und Lachsfarbene Antirrhinum, (Löwenmaul) und Zinnia (Zinnien) werden kombiniert mit dunkelrotem Amaranthus (Fuchsschwanz). Um einen Kontrast zu den Rosa und Purpurtönen zu schaffen wurde das graue Laub von Senecio (Greiskraut) als Flächenfüller eingesetzt. Dahlien setzen mit großen Blütenbällen Schwerpunkte und kontrastieren mit den Vertikalen Rispen vom Löwenmaul und Fuchsschwanz.

Spätsommeraspekt Ende August, Anfang September. Foto: Orel+Heidrich Landschaftsarchitekten

Rückblickend kann bei dieser Wechselflorpflanzung von einer im Ergebnis auf breite Zustimmung stoßende Lösung gesprochen werden. Durch den hohen Anteil an Integration der ausführenden Gärtner ist die Identifikation mit den Beeten sehr hoch und die ohnehin sehr gute Pflege wird dadurch noch gefördert. Es versteht sich jedoch von selbst, dass dieses Modell der Planung und Umsetzung nicht nur eines kompetenten Planers bedarf, sondern wesentlich stärker als "übliche" Pflanzungen, ja sogar in entscheidendem Maße von der Qualifikation und dem Engagement der Gärtner abhängig ist sowie einer Amtsleitung, die Mut beweist, neue Wege einzuschlagen und die kreative Planungs-/ Arbeitsprozesse auch intern fördert.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 03/2013 .

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