Kommentar

Weißbuchprozess - das "Start-up"-Paket!

Dipl.-Ing. Stephan Heldmann, Grünflächenamtsleiter Frankfurt am Main, Vizepräsident der GALK. Mechthild Klett

Am 1. Dezember 2016 folgte eine überaus große Anzahl von Verbändevertretern der Einladung des Bundesumweltministeriums nach Berlin, um sich dort gegenüber Prof. Hagen Eyink mit ersten Stellungnahmen zum Weißbuch-Entwurf "Grün in der Stadt" zu äußern. Die hohe Teilnehmerzahl spricht für das große Interesse, das dieser Weißbuchprozess ausgelöst hat. Und sie ist auch Ausdruck dafür, welche Chancen er für uns, die Grüne Branche und die Grünflächenämter birgt, sich mit gemeinsamen Positionen, hohem Fachverstand und als Diskussionspartner auf Augenhöhe einzubringen.

Für alle Beteiligten ist nachvollziehbar, dass der GALK als Vertreterin der Grünflächen- und Friedhofsämter mit ihrer Besonderheit der kommunalen Liegenschaftsverantwortung und steten Nähe zu Politik und Bürgern eine besondere Verantwortung zuteil wird. Dieser Haltung haben wir inhaltlich mit unserer achtseitigen Broschüre Nachdruck verleihen können. Denn die dort formulierten Positionen und Forderungen berücksichtigen auch, dass grüne Fachämter in nicht wenigen Kommunen bereits ins Abseits gedrängt wurden.

Das Angebot von Prof. Eyink, zum jetzigen Zeitpunkt des vorliegenden Entwurfs nochmals Anregungen aufzunehmen, kann man nicht hoch genug einschätzen, auch wenn nach dem Abstimmungsmarathon mit vier Bundesministerien und 38 Referaten nun sicher nur noch redaktionelle Änderungen aufgenommen werden. Dennoch ist erstaunlich, wie viele Forderungen und Willenserklärungen sich zu einem erkennbaren Handlungsleitfaden zusammenfügen: Zu den Friedhöfen, zum Straßenbegleitgrün und zum verantwortlichen Umgang mit der Pflege müssten noch griffigere Formulierungen folgen. - Aber alles in allem kann dem Bundesumwelt- und -bauministerium und Herrn Prof. Eyink nur höchster Respekt gezollt werden: Der Weißbuchentwurf ist ein sehr guter Anfang.

Er birgt auch endlich die Chance, Stadtplanern etwas ins Stammbuch zu schreiben, nämlich: den Städtebau stärker als bisher vom Freiraum zu denken. Er hat eine so hohe soziale Funktion und Bedeutung, dass die tatsächlich aufzuwendenden Kosten für Investition und Erhalt von Grünräumen gesamt ökonomisch betrachtet eher zu vernachlässigen sind. Und das gilt gleichermaßen für große und kleine Kommunen, für wachsende und schrumpfende Städte! Daher unser Dank an die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Professor Hagen Eyink für das bisher geleistete "Start-up-Paket". - Der richtige Schritt zum (gerade noch) richtigen Zeitpunkt, um angesichts notwendiger Klimaanpassungen und sich rasant verdichtender Städte den Erhalt und die Entwicklung qualitätsvoller Grünräume als Selbstverständlichkeit in Planungsprozessen zu etablieren. Dafür stehen wir! Stephan Heldmann

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 01/2017 .

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