Kunstrasen

Wie können alte Spielflächenbeläge recycelt werden?

Das im Recycling-Prozess wiedergewonnene Granulat wird gesäubert und in die entsprechenden Fraktionen gesiebt. Foto: Re-match

Immer mehr Kunstrasen-Systeme müssen saniert werden und immer mehr Kommunen und Vereine stehen vor dem Problem ihren alten Kunstrasen umweltgerecht zu verwerten. Leider gibt es am Markt nicht sehr viele Möglichkeiten. Die Firma Re-Match hat ein Recycling-Verfahren und einen Recyclingprozess entwickelt, bei dem alle Komponenten eines gebrauchten Kunstrasen-Systems separiert und einer erneuten Verwendung zugeführt werden können. So erhält man ein zu 99,95 Prozent sauberes Gummigranulat, zu 99,70 Prozent sauberen Sand, zu 95 Prozent sauberes Fasermaterial (Polyethylen oder Polypropylen) und zu mehr als 90 Prozent saubere Rohstoffe aus dem so genannten Backing.

Die Firma sorgt auf den Baustellen dafür, dass der zum Recycling vorgesehene Kunstrasen, einschließlich der Verfüllstoffe, in Bahnen geschnitten und aufgerollt wird. Nach dem Transport ins dänische Herning wird der Kunstrasen in Maschinen weiterverarbeitet, wobei ca. sechs Tonnen Material pro Stunde, 24 Stunden am Tag und sechs Tage die Woche verarbeitet werden können.

Im Moment bearbeitet Re-match ein etwas umfänglicheres Projekt in Hamburg, das sie gerne als Beispiel für die Abwicklung nehmen: Die vorhandenen Kunstrasenfelder sind vor Ort gesichtet und mit einer internen Nummer versehen worden - diese Nummer ist sowohl für die Firma als auch für den Auftraggeber von größter Wichtigkeit, um auch später noch den "Recycling-Weg" des Feldes verfolgen zu können. Mit der entsprechenden Nummer und den hierzu hinterlegten Daten wird der Kunstrasen nach Herning transportiert, dort zum Abgleich verwogen und dann in den Maschinen verarbeitet. Die getrennten Wertstoffe, die am Ende des Recycling-Prozesses stehen, können also jederzeit, auch noch nach Jahren, dem ursprünglichen Kunstrasen zugeordnet werden. Ein Missbrauch ist in dieser Kette nicht möglich und re-match verspricht, dass die von ihnen angenommenen Kunstrasenfelder recycelt werden. Eine thermische Verwertung ist ausgeschlossen, ebenso ein Verkauf als gebrauchtes Material.

Das recycelte Material kann in der Fußboden-Industrie für Gummiböden und Gummiformteile wieder verwender werden. Foto: Re-match

Das im Recycling-Prozess wiedergewonnene Granulat ist gesäubert und in die entsprechenden Fraktionen gesiebt, es kann in der Fußboden-Industrie für Gummiböden, Gummiformteile, aber auch als neuerliches Infill für Kunstrasensysteme benutzt werden.

Der im Recycling-Prozess wiedergewonnene Sand ist ebenfalls gesäubert und in die entsprechenden Fraktionen gesiebt, er kann in der Baustoffindustrie, im Bereich des Reitbodenbaus, aber auch für die neuerliche Nutzung als Infill für Kunstrasensysteme verwendet werden. Alle wiedergewonnenen Kunststoffkomponenten (Fasermaterial und Backing) können eingeschmolzen, extrudiert und in der Kunststoff verarbeitenden Industrie wieder eingesetzt werden.

Ziel ist, das Material der alten Fasern als Basis für die Produktion neuer Fasern - dann auch für die Kunstrasenfertigung - einzusetzen. Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut forscht Re-match an einer Lösung für diese Zielsetzung. "Wir benötigen noch etwas Zeit für praxisnahe Versuche, aber wir werden dieses hochgesteckte Ziel erreichen", prognostiziert Andreas Leers vom Re-match-Büro Deutschland. Nicht ohne Stolz verweise er darauf, dass Re-match weltweit das einzige Unternehmen sei, dass in der Lage ist, den Kunstrasen in der beschriebenen Form zu recyceln und die verwendeten Rohstoffe in die Kreislaufwirtschaft zurückzuführen. Im Werk in Herning ist die Firma in der Lage etwa 200 Felder pro Jahr zu recyceln. Da aber alleine 2017 weltweit mit weit mehr als 4000 zu recycelnden Kunstrasenfeldern in Europa, dem Mittleren Osten und in Afrika gerechnet wird, stehen Sportvereine und Kommunen vor einem großen Problem, dass nur gelöst werden kann, wenn die Kapazitäten von Re-match durch den Bau weiterer Recycling-Anlagen erweitert wird. Dies soll in nächster Zeit erfolgen.

Mehr Informationen zu Referenzen in Berlin, Hamburg und Düsseldorf gibt es bei der Firma Re-Match A/S, Andreas Leers, Tel. 0176 - 31 34 86 91,germany@re-match.dk

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 08/2017 .

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